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Nutzt Twitter dem “Tatort”?
Deutschlands populärste Krimireihe wird bei Twitter und Facebook zum “Live-Event”. Ob das höhere Einschaltquoten bringt, weiß bei der ARD aber niemand.
Ende Juni liegt der Krimi-Klassiker der Republik für drei Tage gewissermaßen selbst auf dem Seziertisch. Die Göttinger Forschungsgruppe “Ästhetik und Praxis populärer Serialität” hat Kollegen zu einer interdisziplinären Tatort-Tagung geladen. Die Forscher reisen von den Universitäten Hamburg und Wien, aber auch aus Amsterdam und Kansas an, um dem anhaltenden Erfolg der ARD-Reihe auf den Grund zu gehen.
“Die Inszenierung des Todes im Tatort und der soziale Umgang mit Sterben und Tod” ist dann ebenso Thema wie “das Komische als serielle Dysfunktionalität im Tatort Münster” und der Vergleich mit der US-Erfolgsserie The Wire. Nicht explizit auf der Agenda steht indes die Frage, welche Effekte moderne Medien wie soziale Netzwerke auf den TV-Klassiker haben – ob etwa Lob und Tadel auf Facebook und Twitter in die Quote einzahlen, wie das jüngst etwa in der WAZ behauptet wurde. Das wiederum ist kein Wunder: Selbst Experten müssen sich hier noch in einen Indizienprozess begeben.
“Das können wir im Augenblick gar nicht messen”, sagt beispielsweise Walter Klingler, ein beim Südwestrundfunk angesiedelter hauseigener Medienforscher der ARD. “Das Internet ist für uns jedenfalls ein spaßiges Ding.” Dennoch sei für ihn eindeutig, dass der Tatort derzeit sehr erfolgreich sei – und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Dabei spielten nicht nur “völlig neue Kommissar-Persönlichkeiten” wie Til Schweiger eine Rolle, sondern auch der “zunehmende Event-Charakter” der Reihe: “Es gab noch nie so viele Kneipen, die sonntagabends den Tatort zeigen”, sagt der Forscher. “Und dann bilden sich eben auch immer mehr virtuelle Fan-Gruppen in sozialen Netzwerken.”
Die neun ARD-Sender tun unterdessen selbst viel dafür, dass der Tatort im Gespräch bleibt. So wie die ARD inzwischen Kneipiers mit Plakaten und Aufstellern versorgt, hilft sie auch im Netz nach. Bei Twitter versorgt @Tatort derzeit bereits 30.000 Fans der Krimi-Reihe mit Hinweisen zur Sendung und Neuem zu den Ermittlerteams, bei Facebook sogar fast 700.000. Und damit auch in einer Welt, in der Medien immer individueller genutzt werden, das Lagerfeuer “Livefernsehen” weiter funktioniert, sind die Macher während der Ausstrahlung selbst online ansprechbar.
Komplizierte Beweisführung
Wenn an diesem Sonntag beispielsweise die Hauptkommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler (Simone Thomalla und Martin Wuttke) an einem Waldsee bei Leipzig der Frage nachgehen, wer ein siebenjähriges Mädchen ermordet hat, diskutiert Miguel Alexandre über die sozialen Netzwerke mit dem Publikum. Er hat das Drehbuch dieses Falls mit entworfen und während der Produktion Regie geführt.
Zuständig fürs das “Social TV” im Senderverbund ist die Redaktion von ard.de in Mainz. Leiterin Heidi Schmidt hat zuletzt 54.000 Besuche der dazugehörigen Plattform gezählt, die Einträge von Fans bei Facebook und Twitter bündelt – diejenigen jedenfalls, die mit dem entsprechenden Hashtag versehen sind oder direkt auf den Fanseiten der Krimireihe auflaufen. Dafür gibt es Zahlen wie etwa die der Tweets pro Sendung, doch für die Auswirkungen auf die bislang einzig wahre Währung im TV-Geschäft, die Einschaltquote, ist die Beweisführung arg kompliziert.
“Es ist schwierig herauszufinden, warum ein Zuschauer eine Sendung schaut”, sagt Online-Chefin Schmidt. Natürlich beobachte auch sie die vielen Kommentare zu den Sendungen und Links zu den Videos in den Mediatheken. Doch wie viele Nutzer sich letztlich durch die Hinweise ihrer Freunde oder den gezielten Informationshäppchen der Sender dazu animieren lassen, Sendungen einzuschalten oder abzurufen, sei unklar. Belastbare Studien kenne sie dazu jedenfalls nicht.
Immerhin gibt es weitere Spuren. Zum einen ist die TV-Quote nach etwas schwächeren Jahren wieder in guter Form. Inzwischen schalten auf klassischem Wege weit mehr als zehn Millionen Zuschauer ein – und das nicht nur bei den äußerst beliebten Teams wie dem Tatort in Münster um Jan Josef Liefers, der zuletzt schon mal knapp 13 Millionen Zuschauer zählte. Zum anderen beobachtet das Erste Programm auch “rapide” Steigerungen der Abrufe in den Mediatheken, wie Andreas Rindler sagt, der in München bei der Programmdirektion des Ersten die dortige Mediathek betreut.
Als Til Schweiger im März beispielsweise mit Willkommen in Hamburg seinen Einstand in der Krimi-Reihe feierte, war der nicht nur heftig umstritten, sondern eben auch äußerst begehrt: 1,4 Millionen Mal wurde diese Ausgabe in den sieben Tagen abgerufen, in denen ARD und ZDF Spielfilme nach der Ausstrahlung ins Netz stellen dürfen. Und die Münster-Ausgabe Summ summ summ, die zwei Wochen später TV-Premiere feierte, kommt inzwischen auf beachtliche 1,2 Millionen Klicks. 800.000 seien es nun bereits im Tatort-Schnitt. Zum Vergleich: 2012 wurden der Tatort nicht mal halb so oft angewählt. Das kann an einem generell veränderten TV-Konsumverhalten liegen, aber eben auch an der Werbung für die Krimis durch die eifrigen Kommentatoren in den sozialen Netzwerken, die ihre Freunde und Follower damit auf die Filme aufmerksam machen.
Einen Wermutstropfen gibt es trotz der beeindruckenden Zahlen: Ein Video-Klick ist nicht mit einem Zuschauer vergleichbar, den die TV-Messdaten ausweisen. Im Schnitt steigen Nutzer nämlich bereits nach 40 Minuten wieder aus. Aber zirka fünf Prozent müsste man eigentlich inzwischen schon auf die TV-Quote aufschlagen, sagt Rindler.
Dazu könnte es wiederum schon bald kommen: Vom Herbst dieses Jahres an will die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die seit jeher die TV-Quote ermittelt, auch die Online-Abrufe ausweisen. Bisher fallen die noch unter den Tisch.
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Sag nicht “Twitter-Tussi”!
Mit dem Polittalk “Log in” versucht das ZDF heute zum 100. Mal, Fernsehen und Internet zu verbinden. Das wirkt aber leider häufig konfus
“Bedauerlicherweise entscheidet nicht allein die CDU darüber, sondern die Wähler entscheiden darüber.” Auch mit diesem Ausrutscher verbaute sich Norbert Röttgen das Ziel, in Düsseldorf Ministerpräsident zu werden. Ein Zitat, das der einstige Spitzenpolitiker in der Nischensendung “Log in” brachte und damit nicht nur sich selbst in die Schlagzeilen, sondern nebenbei auch das damals junge Format. Allein: Das war im März 2012. Und seitdem hat “Log in” kaum noch die Welle gemacht.
An diesem Mittwoch steht die 100. Ausgabe der Reihe an. Für das Publikum des Hauptsenders, der vor allem die Generation 50+ vor die Bildschirme lockt, wäre “Log in” eine ordentliche Zumutung. Der Talk soll ad hoc Fragen der Zuschauer einbinden – Multitasking im TV. Das sei “durchaus manchmal chaotisch”, sagt selbst Chefredakteur Peter Frey, der von einem “Platz, auf dem sich das Netz und das Fernsehen treffen”, spricht.
Behäbig gegen flott
“Log in” läuft auf dem Spartenkanal ZDF Info, der jüngere Zuschauer für Informationsfernsehen begeistern will. 400.000 schalten in der Spitze den Sender ein, “Log in” bis zu 100.000 – immerhin, denn es geht bei aller Interaktivität immer um Politik. Heute um Widerstand im digitalen Zeitalter.
Knackpunkt bleibt die Frage, ob es gelingt, das Fernsehen mit dem Internet zu verkuppeln – dieses opulente und daher bisweilen arg behäbige Medium mit dem modernen und oft sehr flotten, dem sich der Sender übrigens auch 2013 noch über eine “Hauptredaktion Neue Medien” nähert. Das Reizwort Nummer eins ist für die Macher schließlich die “Twitter-Tussi”: eine Böswilligkeit, mit der Spötter wiederholt versuchten, Moderatorinnen zu Netz-Souffleusen zu degradieren.
Wer für “Log in” im Digitalen nach Kommentaren und Fragen Ausschau hält, der trägt aber nicht bloß irgendwelche Fetzen aus sozialen Netzwerken vor. Sandra Rieß (“Twitter-Tussi? Pfffft!”) etwa ist Comoderatorin im besten Sinne und steuert auch die Diskussion mit, bei der aber dann doch vor allem ihr Kollege Wolf-Christian Ulrich auffällt, der nicht zuletzt schon mal den eigenen Intendanten in Bedrängnis brachte. Thomas Bellut war zum 50. des Hauptprogramms selbst Gast der Sendung. Ein Thema hier: das Trash-TV.
Auch wenn “Log in” alles gibt: Der Anschluss ans Netz wirkt gewollt. “Man kann den Tisch schön finden oder nicht”, sagt Sendungschef Andreas Eck zu dem arg großen Touchscreen, der zum Einsatz kommt. Moderatorin Rieß stehe aber “immerhin nicht in einer dunklen Ecke”.
Dass “Log in” nicht wie andere junge Formate dem Sparzwang des ZDF zum Opfer fiel, verdankt die Sendung einem Trick: Chefredakteur Frey löste die Reihe aus dem eigenen Haus heraus und gab sie an die Produktionsfirma Probono. Das entlastet den Personaletat. Und für den Erfolg der Sendung zieht Frey neben der Quote eine passendere Währung heran: die Twitter-”Trends”, die das Schlagwort “#login” wiederholt am Sendetag unter den zehn virulentesten Themen in Deutschland führten. “Da fühlt sich der Kukident-Sender ZDF schon ausgezeichnet”, sagt Frey.
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Die Mauer muss hin!
“Bild” und die Paywall fürs digitale Geldverdienen
WDR5-Beitrag vom 1. Juni 2013
>> Download MP3 (verlinkte Audio-Quelle: WDR5, “Töne, Texte, Bilder”) -
“Man kauft ein bisschen die Katze im Sack”
Crowdfunding für Journalismus – funktioniert das in Deutschland? Von Erfolgen und Flops
Er hat sich sogar richtig nackig gemacht, in seinem Werbevideo. Im wahrsten Sinne des Wortes. Doch auch dieser exhibitionistische Ansatz hat ihm nicht geholfen: Daniel Bröckerhoff, Fernsehjournalist mit Hang zur Selbstinszenierung, bekommt einfach nicht die Kohle zusammen, die er braucht.
42.000 Euro will er einsammeln. Damit möchte er ein ungewöhnliches Projekt stemmen, das gleich zwei neue Entwicklungen verbinden möchte: Crowdfunding, also die Finanzierung durch Viele, und Open Journalism, das Miteinbeziehen der Menge in den journalistischen Prozess. Das klingt hoffnungsfroh, funktioniert bloß nicht. Zumindest nicht auf Anhieb: Bröckerhoffs Spendentopf bei der Crowdfunding-Plattform startnext ist bislang nur mit gut 4.000 Euro gefüllt – gerade einmal ein Zehntel des avisierten Budgets. Und es bleiben nur noch wenige Tage, dann muss der Rest zusammengekommen sein – sonst gibt es gar nichts. So sind die Spielregeln beim Crowdfunding.
“Man kauft so ein bisschen die Katze im Sack und weiß nicht so recht, wohin die Reise geht”, hat Bröckerhoff gesagt, wenige Wochen nachdem er angefangen hat, Geld einzusammeln für “st_ry – Deine Doku”. Die Geschichte, die der 34-Jährige erzählen möchte, ist der Umgang mit Daten in der digitalen Welt: Wer hat sie und wie bekommt man sie zurück? Wie genau er das erzählen will, was er plant, will er allerdings erst noch herausfinden und vor allem mit den Unterstützern seines Projekts diskutieren – ein offener Ansatz im beste Sinne also. Aber eben auch etwas völlig Vages.
Dass das ein Problem sein könnte, sieht auch Bröckerhoff inzwischen ein.
Die Tücke im Detail
Dass dieses große Projekt nicht funktioniert, heißt aber nicht zwangsläufig, dass Crowdfunding für Journalismus an sich eine Totgeburt ist. Im Gegenteil: Nicht nur in den USA, auch hierzulande gibt es längst die ersten Erfolge. Pauline Tillmann beispielsweise hat 38 Geldgeber für eine Recherche in Tibet gewonnen. Die 30-Jährige, die sich derzeit von St. Petersburg aus als freie Journalistin durchschlägt, will Menschen aufspüren, die sich selbst anzünden – aus Protest gegen die chinesische Politik.
Tillmann hat ihr Konzept auf der Plattform “Krautreporter” präsentiert, einer Plattform für kollektiv finanzierten Journalismus (siehe Kasten). Und erklärt: Medienhäuser bezahlen ihr das Projekt nicht, aber vielleicht die Crowd? Am Ende kamen 3.800 Euro zusammen, etwas mehr, als ihr Reiseplan vorsah, den sie ebenfalls offenlegte.
“Ich hatte Glück”, sagt Tillmann. Knapp die Hälfte des Betrags hätten Spender mit Kleinstbeträgen beigesteuert, dann aber kam auf einen Schlag der Rest von einem Münchener Ehepaar zusammen. “Ich habe sie zufällig in St. Petersburg kennengelernt und ihnen von dem Projekt erzählt – und sie fanden es so gut, dass sie sich kurzfristig entschieden haben, es zu unterstützen.”
Nach der Idee ist also auch das Geld da. Wie und vor allem wann sie ihr Projekt letztlich aber umsetzen wird, steht noch in den Sternen. Tillmann, die vor allem fürs Radio arbeitet, findet derzeit keinen Abnehmer. Die Sender, die zwar nicht die aufwendige Reise, aber zumindest die Produktion bezahlen könnten, reagieren teils gar nicht auf Tillmanns Angebot oder lehnen schließlich ab. Die Recherche sei gefährlich. Tillmann überlegt, ihre Arbeit am Ende einfach ins Netz zu stellen.
Aber auch das Visum könnte noch ein Problem werden: Ein Journalistenvisum scheint aussichtslos. Einfach so als Touristin einzureisen wäre heikel: Ihr Recherchevorhaben steht für jeden einsehbar im Netz, sie könnte also auffliegen.
Einfacher haben es da die Freischreiber. Der Verein selbständiger Journalisten hat per Crowdfunding gut 12.000 Euro akquiriert, um eine “Freienbibel” aufzulegen, ein Buch mit Tipps und Tricks für Kollegen. Wer Geld gegeben hat und damit die Honorare für Autoren und Grafiker finanziert, bekommt je nach Höhe der Spende eines der ersten Expemplare oder wird zusätzlich im Buch als Unterstützer erwähnt. Ein Budget von 7.000 Euro haben die Freischreiber mindestens für das Projekt sammeln wollen, fast doppelt so viel ist zusammengekommen. Hunderte unterstützen dieses Projekt.
Dass das klappen würde, war nicht immer klar: Zum Start der Förderphase zahlten die ersten Spender schnell ein, stagnierte die Summe im April, und zwar deutlich unter dem Zielbetrag, den die Freischreiber angegeben hatten. Um dem Projekt doch noch zur erfolgreichen Finanzierung durch die Crowd zu verhelfen, aktivierten die Freischreiber also ihre Verteiler. Mit Erfolg.
Jung und naiv als Konzept
Auch bei dem Berliner Journalisten Tilo Jung funktionierte es: Ihm spendete die “Crowd” in diesem Frühjahr fast 6.000 Euro. Mit deren Hilfe kann er nun seine Serie “Jung & Naiv” fortsetzen, in der er, zunächst auf eigene Kosten, versuchte, sich komplexe Themen wie Netzneutralität und Kriegseinsätze von Experten möglichst verständlich erklären zu lassen.
Der Frankfurter Comiczeichner Joscha Sauer bekam von seinen Fans sogar über 180.000 Euro, um den Figuren seiner Reihe “Nichtlustig” Leben einhauchen zu können – Starthilfe für die Produktion von Youtube-Videos. Auch Sauer belohnte seine Förderer: Wer spendete, sieht die Cartoons zuerst, wer besonders großzügig war, zudem bei einem Filmabend mit dem Autor.
Daniel Bröckerhoff hält unterdessen eisern an seinem Traum fest, seine “st_ry” ebenfalls abseits der etablierten Strukturen der Medienkonzerne produzieren zu können. “Wir werden das Projekt nicht einfach sterben lassen, nur weil das auf Anhieb nicht geklappt hat”, sagt der Fernsehautor, der einst bei RTL gelernt hat und nun als Freier arbeitet, etwa für NDR und ZDF. “Irgendwie werden wir das durchziehen – mit einem etwas anderen Modell.”
Eigentlich läuft die Förderphase für “st_ry” Mitte Juni aus. Denkbar wäre, den Zeitraum deutlich zu verlängern – dabei muss allerdings die Crowdfunding-Plattform startnext einwilligen. “Jedenfalls müssen wir offenbar doch in Vorleistung gehen”, sagt Bröckerhoff, der das Projekt nicht alleine, sondern mit etwa einem Dutzend Kollegen umsetzen will. Neben ihm gibt es Produzenten, Redakteure und Techniker.
“Wir wollen ja nicht Netzqualität bieten, wie das jeder kann, sondern Fernsehqualität”, sagt der Journalist. Sein Bewerbungsvideo, in dem er sogar die Hose heruntergelassen hat, um zu illustrieren, dass er es mit seinem Datenstriptease erst meint, zeigt das: Der Trailer wirkt so professionell produziert, dass er ebenso bei ZDF Neo oder EinsPlus laufen könnte. Aber mehr als das Thema wird darin eben noch nicht verraten. Und Datenschutz an sich ist dann auch ein sehr weites Feld. Bröckerhoff will das justieren.
“Vermutlich müssen wir außerdem erst einmal eine Folge drehen, damit die Leute wissen, was wir ihnen bieten”, sagt Bröckerhoff. Damit aber steigt freilich der Aufwand – und nicht zuletzt vor allem auch: das Risiko. 42.000 Euro bleibt eben so oder so eine ordentliche Stange Geld.
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Sicheres “Capital”?
Gruner und Jahr will sein Wirtschaftsblatt erneuern
WDR5-Beitrag vom 25. Mai 2013
(Beitrag ab Minute 33:25)
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Digitales Mitmachen: “Tatort+” und “ZDFcheck”

radioeins-Beitrag vom 18. Mai 2013
>> Download MP3 (verlinkte Audio-Quelle: rbb, radioeins) -
Auch falsche Vögel zwitschern
Twitter macht es Hackern relativ leicht
WDR5-Beitrag vom 11. Mai 2013
>> Download MP3 (verlinkte Audio-Quelle: WDR5, “Töne, Texte, Bilder”) -
Die re:publica 13
Beitrag im WDR5-”Morgenecho”, 3:30 Minuten, nicht online
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Kein Quellenschutz
Journalisten sollten Brisantes nicht in der Cloud speichern
Journalistische Recherchen sind in sogenannten Cloud-Lösungen wie Dropbox oder auch Apples iCloud nicht nur der Gefahr von Hackern ausgesetzt, sondern auch staatlichen Ermittlern – und das auch aus Deutschland.“Der Quellenschutz, wie er bei uns in der Strafprozessordnung vorgesehen ist, umfasst nur diejenigen Materialien, die sich in Gewahrsam des Journalisten oder der Redaktion befinden”, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar der taz. “Wenn die Daten ausgelagert sind auf die Cloud ins Internet, dann ist dieser Schutz nicht gegeben. Das heißt, die Daten dürften gegebenenfalls auch von Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt werden.”
Schaar sagte, dieser rechtliche Spielraum für die Ermittlungsbehörden habe ihn selbst überrascht. Er habe davon erfahren, als er sich für die Diskussion “Wer schützt die (Presse-)Freiheit im Internet?” kundig gemacht habe, zu der am Donnerstagabend unter anderem Reporter ohne Grenzen in Berlin eingeladen hatten. “Inwieweit die Dienste die Daten dann auch herausgeben, ist noch eine andere Frage”, sagte Schaar im Anschluss an diese Debatte. “Aber nach deutschem Recht jedenfalls wären sie dazu verpflichtet.”
Journalisten genießen in Deutschland das Privileg, ihre Quellen und brisante Rechercheunterlagen in aller Regel nicht preisgeben zu müssen. Nun drängt sich die Frage auf, wer jetzt in der Pflicht ist: Müssen Journalisten auf derlei bequeme Dienste grundsätzlich verzichten oder die Politik das Beschlagnahmeverbot auch auf das Digitale ausweiten? “Wir brauchen beides”, sagte Schaar. Natürlich sollte jeder, der mit vertraulichen und sensiblen Daten umgehe, ständig hinterfragen, wie sicher der genutzte Speicherplatz sei. “Zum anderen brauchen wir aber auch einen gesetzlichen Schutz”, forderte Schaar. “Den brauchen wir aber nicht nur in Deutschland, sondern mindestens in Europa.”
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Ohne Quotendruck
Der NDR zeigt ab Sonntag (15.30 Uhr) seine Sendereihe “7 Tage”. Nachwuchsreporter tauchen dafür eine Woche lang in eine andere Welt ein. Diesmal in die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz
Eigentlich hätte das Format schon längst wieder auf Sendung sein sollen, doch dann fiel den Programmmachern im NDR plötzlich ein: Sonntagnachmittags zappen auch Kinder durchs Fernsehen. Da macht sich ein Puff-Bericht nun mal nicht gut. Jugendschutz und so. Also geht es erst eine Woche später los, an diesem Sonntag, mit dem Besuch in einem ehemaligen Konzentrationslager. Der gekaufte Sex muss warten, das Grauen nicht.
“7 Tage” heißt das Format, das der Sender eine “innovative Autoren-Dokumentar-Reihe” nennt. Im vergangenen Jahr sendete der NDR diese zunächst, ohne die Werbetrommel zu rühren. Die Sendung sollte sich im laufenden Betrieb entwickeln, was geklappt hat. Nun startet die zweite Staffel der Reihe, deren Titel Programm ist: Junge FilmemacherInnen tauchen immer zu zweit für jeweils eine Woche in ein Milieu ein. Einer hält die handliche Kamera, der andere steht davor. So unauffällig wie möglich soll das sein.
Die Autoren des ersten Films leben und arbeiten sieben Tage in Auschwitz, “um zu verstehen, was das ist: Schuld”, wie es in ihrem Film heißt. Der, der nicht die Kamera hält, sondern vor ihr durch die Geschichte führt, streicht wie ein Zivildienstleistender die alten Bauten. Er pflegt das Mahnmal und konserviert Schuhe, deren Träger hier knapp sieben Jahrzehnte zuvor erst interniert und dann ermordet wurden. Und er spricht mit denen, die seit Jahren hier sind, um die Erinnerung wach zu halten.
Ob die vielen langen Momente bloß gespielt sind, in denen sich der Reporter betroffen und nachdenklich gibt? Der Chef der Sendereihe, Fabian Döring, sagt jedenfalls: “Die Autoren kommen immer anders wieder, als sie ursprünglich ins Projekt reingekommen sind. Die Woche verändert sie.”
Die Reihe ist ein wenig Günter Wallraff, Journalisten also, die in fremde Rollen schlüpfen – nur eben mit offenem Visier. In einem nächsten Teil geht ein Autorenduo “7 Tage unter Penner”. Sie arbeiten in der Bahnhofsmission.
Insgesamt 25 Folgen sind allein für dieses Jahr angesetzt. Aber sonntags um 15.30 Uhr -ernsthaft? Wer soll da einschalten? “Das ist ein Dornröschenplatz”, sagt Redaktionsleiter Döring. “Wenn Vettel in der Formel 1 seine Runden dreht, dann können wir ohnehin nicht punkten.” Doch das habe auch seinen Vorteil: Quotendruck gebe es hier von vornherein nicht. Sie setzten auf Abrufe im Netz, “von jungen Zuschauern, die nicht den NDR, sondern Inhalte suchen”. Außerdem stehe das Format bereit, wenn eines Tages der öffentlich-rechtliche Jugendkanal kommt.
Aber auch jüngeres Publikum muss irgendwie auf die Reihe aufmerksam werden. Dafür soll N-Joy sorgen, die hauseigene Radio-Jugendwelle des Senders. Döring plant außerdem ein Experiment: “Wir wollen Mediensäulen in norddeutschen Schulen aufbauen, denn unsere Stoffe Nationalsozialismus, Armut und Prostitution sind ja auch etwas für den Unterricht.” Starten könnte es in einer Hamburger Schule, die Gespräche dazu laufen.
“7 Tage” verfolgt also irgendwie auch einen pädagogischen Ansatz. Gleichzeitig versteht sich die Reihe als Gegenentwurf zu den klassischen Ego-Dokumentationen, in denen Reporter Atommülllager besuchen oder Biobauernhöfe. “Wir gehen vom Bauch in den Kopf und nicht anders herum, wie etwa ,Panorama – Die Reporter’”, sagt Döring. “Bei uns wird nichts vorher geskriptet, sondern alles entsteht immer spontan vor Ort.” Was Döring nicht sagt: Das funktioniert natürlich nur, solange seine Sendung klein bleibt. Steigt mit einem besseren Sendeplatz das Risiko, müsste auch er Sicherheit schaffen.
Unterdessen hat er auch für die kurzfristig abgesetzte Puff-Folge eine Lösung gefunden. “7 Tage im Bordell” läuft nun Ende Juni um 23.30 Uhr – nach der Wiederholung eines “Tatorts”, der passenderweise auch im Rotlichtmilieu spielt. “Das ist jetzt mehr oder minder zufällig ein guter Testballon”, sagt Döring. “Wir werden dann wissen, wie unser Format auch in einem ganz anderen Programmumfeld läuft.”
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