Medien, Digitales, Netzpolitik.

Daniel Bouhs ist Journalist in Berlin - für Print, Online, Funk. >> zur Vita

 

SEMINARE

Recherche unter Zeitdruck an der Berliner Journalisten-Schule:

2.-3. Juni 2014, jeweils 9.00 bis 17.00 Uhr
8.-9. Sept. 2014, jeweils 9.00 bis 17.00 Uhr
28.-29. Nov. 2014, jeweils 9.00 bis 17.00 Uhr

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  • Günther Jauch setzt die 6-Tage-Regel durch

    Worauf man stößt, wenn man der Frage nachgeht, warum wir Beitragszahler eigentlich nicht all das frei im Netz abrufen können, was ARD und ZDF mit unserem tatsächlich oft gut angelegten Geld so produzieren. Bei einem Blick in die Mediatheken fällt zum Beispiel auf, dass Frank Plasbergs „Hart aber fair“ ein Jahr lang online auf Abruf wartet, „Günther Jauch“ sich hingegen nach nur einer Woche wieder aus dem Netz zurückzieht – und streng genommen sogar nicht einmal das, denn: Die Sendung verschwindet bereits stets in der Nacht zu Sonntag, also nach gut sechs Tagen, aus dem Online-Angebot des Ersten Programms.

    Ein Genre (politischer Talk), ein Sender (Das Erste), aber zwei unterschiedliche Verfallsdaten – wie kann das sein? Fragen wir den Intendanten des Senders, der für Jauchs Talk zuständig ist: NDR-Chef Lutz Marmor, der seit diesem Jahr auch der ARD vorsitzt. Marmors Antwort, nun ja, überrascht:

    „Günther Jauch ist es wichtig, dass am Tag vor der neuen Sendung die Ausgabe der Vorwoche nicht mehr im Netz steht. Er möchte mit der jeweils aktuellsten Fassung im Netz vertreten sein.“

    Mit anderen Worten: Günther Jauch entscheidet, wie lange wir seine Sendungen nachschlagen können. Die ARD unterbietet dafür sogar die Haltbarkeitsdaten ihrer politischen Sendungen – die von den Ländern verordnete Begrenzung also, über die sich die ARD sonst beklagt. Denn gleichzeitig teilt ARD-Chef Marmor auf meine Anfrage – in diesem Fall für die “Berliner Zeitung” – mit:

    Gerade hinsichtlich unseres Informationsauftrags sollten die Interessen der Beitragszahler an erster Stelle stehen.

    Danach strebt die ARD. Bloß Günther Jauch muss sich nicht daran halten.

    Nachtrag 18:30 Uhr: Ein ARD-Kollege weist mich darauf hin, dass “Hart aber fair” gar nicht ein Jahr im Netz bleibt. Stimmt, ich komme auf Anhieb auch bloß bis März 2012 zurück, also nur knapp ein Jahr.

    Nachtrag 23. Januar: Eine Sprecherin von Jauchs Produktionsfirma I&U antwortet auf die Frage, warum die Sendung nach 6 Tagen aus dem Netz geht: “Für die Entscheidung waren sowohl urheberrechtliche Gründe als auch die Wahrung von Rechten am eigenen Bild maßgeblich. Die jeweils aktuelle Folge der Sendung ist im Netz verfügbar. Die ARD hat vertraglich zugesicherte Zugriffsrechte für Ausschnitte aus dem Programm. Überdies wird die Sendung in mehreren Dritten Programmen, auf Phoenix und Tagesschau 24 wiederholt.” Und ich finde interessant, wie viel Kontrolle sich die ARD für einen Günther Jauch aus der Hand nehmen lässt.