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PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • MEDIENNOTIZEN #2: AfD und Correctiv

    Bislang waren AfD-Politiker vor allem dafür bekannt, dass sie Journalisten diffamieren – “Lügenpresse”, “Lückenpresse”, “Pinocchiopresse”, “Systempresse”, im grenzenlosen Vokabular der Medien-Skeptiker ist praktisch für alle etwas dabei.

    Seit dem vergangenen Wochenende wissen wir, dass die AfD Journalisten nun aber auch gezielt erziehen will. Auf dem Kölner Bundesparteitag hat AfD-Funktionär Marcus Pretzell jedenfalls politische Bildung für Berichterstatter gefordert, denn:

    “Das Problem der Presse ist nicht nur, dass sie Falsches berichten. Das Problem ist, dass sie Falsches berichten, weil sie es schlicht nicht besser wissen. Und daran müssen wir ansetzen! Wir müssen mit der politischen Bildung, die wir betreiben, tatsächlich bei den Journalisten schon anfangen.”

    “Spiegel”-Social-Media-King Torsten Beeck ist schon ganz wuschig und fragt:

    Humor mag eine Gegenstrategie sein und natürlich auch: Recherche. Die ist allerdings eine Herausforderung, wenn die Partei Journalisten immer wieder aussperrt, so auch im Kölner Hotel Maritim, wo der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) deshalb gleich ein “alternatives Pressezentrum” installiert hatte.

    Was dort vor sich ging und welche Strategie kritische AfD-Berichterstatter verfolgen, haben Jörg Wagner und ich im Radioeins-“Medienmagazin” besprochen – mit “Spiegel”-Reporterin Melanie Amann und dem DJV-Vorsitzenden Frank Überall. Beide waren währenddessen vor Ort. Die 20 Minuten können Sie hier nachhören.

    Im Radioeins-Schwerpunkt hören Sie auch kurz Markus Grill, den Chefredakteur von Correctiv, das gerade ein “Schwarzbuch AfD” vorgelegt hat. Das ausführliche Gespräch mit Grill, den ich am Freitag getroffen habe, finden Sie hier.

    * * *

    Da ich nun schon mal Markus Grill mein Mikrofon unter die Nase hielt, fragte ich auch gleich noch in Sachen “Fake-News“ nach. Als Correctiv-Gründer David Schraven Anfang dieses Jahres angekündigt hat, in den Kampf gegen Desinformation auf Facebook einzusteigen, verbreitete sich die Nachricht auf praktisch allen Kanälen. Danach ist es erstaunlich lange ruhig geblieben – zum einen, weil Facebook länger als gedacht für die Technik gebraucht hat, aber auch, weil Correctiv erst mal eigene Fact-Checker finden musste.

    “Dieses Team gibt es jetzt”, sagt Grill nun und weitet das Territorium seiner Fact-Checker gleich mal über Facebook hinaus aus:

    “Wenn zum Beispiel ein Politiker bei ‘Anne Will’ oder ‘Maybrit Illner’ irgendeinen Unsinn erzählt, dann werden wir das genauso überprüfen.”

    Das Fact-Checking-Team von Correctiv bilden zunächst “Hoaxmap”-Gründerin Karolin Schwarz, die auch mit dem neuen Medienmagazin “Mediasres” vom Deutschlandfunk kooperiert (zum Beispiel hier), und Jacques Pezet, der bereits für die “Libération” factcheckt. Bis Mai sollen insgesamt vier Fact-Checker für Correctiv arbeiten, darunter auch eine Teamleiterin – “eine bekannte deutsche Journalistin, die zu uns stoßen wird”, wie Grill süffisant erzählt. Die Tinte auf dem Vertrag sei aber noch nicht trocken, deshalb: psst!

    Derweil präsentiert Correctiv bereits erste Faktenchecks auf seiner Seite: Pezet hat sich FDP-Chef Christian Lindner vorgeknöpft. Außerdem veröffentlicht das Recherchebüro Fakten-Checks zur AfD, Auskopplungen des „Schwarzbuchs“.

    Mit den Rechtspopulisten dürften die vier Fakten-Checker gut ausgelastet sein. Es sei denn, das Phänomen “AfD” verflüchtigt sich. Jedenfalls sagt Grill:

    “Man konnte sich ja bei den rechtspopulistischen Bewegungen in Deutschland immer darauf verlassen, dass die intern so zerstritten sind, dass sie sich über kurz oder lang selber auflösen. Das war bei den Republikanern so. Das war bei der DVU so. Das war bei der Schill-Partei so. Das war bei der NPD auch so – abgesehen von ein paar Inseln im Osten Deutschlands.”

    In diesem Sinne!

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