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PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • MEDIENNOTIZEN #3: ZDF-Strategie, “Stream On”

    Über den Kurs, den der ZDF-Chefredakteur eingeschlagen hat, lässt sich streiten, aber immerhin: Er hat einen. Peter Frey killt seit Jahren Magazine, die nicht in der Primetime oder mit dem nötigen Erfolg senden – schon 2011 etwa “ZDF.umwelt” und die “ZDF.reporter”, in wenigen Wochen geht dann auch bei “ML Mona Lisa” das Licht aus. Stattdessen setzt er auf Dokus: “ZDFzoom”, “ZDFzeit”, “planet.e” und – statt “ML Mona Lisa” – bald auf noch ein Doku-Format. Alles zusätzlich zur verseichten “ZDF.reportage” und den sporadischen Langstrecken von “Wiso” und “Frontal21”.

    Peter Frey liebt Dokus. Unter ihm erfährt dieses Genre eine beeindruckende Renaissance: ZDFinfo hat er zu einem dezidierten Doku-Kanal umgebaut, durchaus erfolgreich, vor allem bei jüngeren Zuschauern. Wie, das habe ich schon im August in der “taz” notiert: etwa mit zuletzt 122 Eigen- und 450 lizenzierten Produktionen im Jahr, zusätzlich zum Nachschub aus dem Hauptprogramm. Frey muss zudem auch Phoenix, 3sat und Arte mit Dokus versorgen. Auch wenn er diese Formulierung “ein bisschen polemisch” findet: Das ZDF ist inzwischen eine Doku-Fabrik.

    Über diese Entwicklung, die letztlich getrieben ist von krassen Sparzwängen (inzwischen geht es um mehr als 500 Stellen, noch knapp 100 davon müssen bis 2020 weg), habe ich nun im Medien-Magazin (!) ZAPP berichtet. Die Kollegen haben zusätzlich mein Interview mit dem Chefredakteur in Langfassung veröffentlicht.

    Frey erzählt darin auch, wie er sicherstellen will, dass frauenpolitische Themen auch nach dem Aus von “ML Mona Lisa” ihren Platz im Programm finden: Der ZDF-Chefredakteur wird künftig jährlich einen frauenpolitischen Report vorlegen – zumindest intern und vor den Gremien.

    * * *

    Peter Frey hatte das Interview binnen weniger Stunden zugesagt. In anderer Sache quälte sich das ZDF offenbar. Jedenfalls liegen zwischen meiner ersten Anfrage zum Thema “Stream On” (“Warum, wie und zu welchen Konditionen?”) und der elektronischen Zustellung der Antworten 27 Tage.

    Dass sich mit dem ZDF ein öffentlich-rechtlicher Anbieter an dem Telekom-Modell beteiligt, bei dem Kunden die Inhalte einzelner Audio- und Videodienste trotz einer grundsätzlichen Volumenbegrenzung in ihrem Tarif unbegrenzt streamen können, ärgert Netzaktivsten. Das ZDF teilt nun mit:

    “Das ZDF bekennt sich zu den Grundsätzen der Netzneutralität. Exemplarisch wird auf die auch auf der Webseite der Bundesnetzagentur veröffentlichte Stellungnahme von ARD und ZDF zu den BEREC-Leitlinien zur Auslegung der Netzneutralitätsverordnung der Europäischen Union hingewiesen.

    Weder die Netzneutralitätsverordnung noch die Auslegungsleitlinien der BEREC verbieten sogenannte Zero-Rating-Angebote. Solche Angebote müssen allerdings besonderen Anforderungen hinsichtlich der Diskriminierungsfreiheit genügen:

    – Im konkreten Einzelfall hat uns die Telekom versichert, dass grundsätzlich jeder Anbieter von Videodiensten im Internet bei der Mobilfunkoption Berücksichtigung finden kann. Die Berücksichtigung ist für Inhaltanbieter darüber hinaus auch ausnahmslos nicht mit Kosten verbunden.

    – Die Tarifoption ist nur in Verträgen aktivierbar, die eine größere Menge von Inklusiv-Volumen (mehrere Gigabyte) beinhalten. Das heißt: Wer StreamOn hat, hat zugleich die Möglichkeit, auch andere Dienste außerhalb von Zero Rating zu nutzen.

    – Schließlich erfolgt im Sinne der BEREC-Leitlinien im Falle des vollständig aufgebrauchten Inklusiv-Datenvolumens eine Drosselung aller Angebote, auch soweit sie in der Option Berücksichtigung finden, d.h. es erfolgt auch insoweit keine Diskriminierung gegenüber Dritten.

    Das ZDF hat keinen Einfluss auf die Geschäftsmodelle der Mobilfunkunternehmen. Die Telekom hat hier eine Mobilfunkoption im Rahmen der regulatorischen Vorgaben geschaffen, die der Kontrolle der Bundesnetzagentur unterliegt. 

    Unter Berücksichtigung der Wettbewerbssituation im Netz erscheint es dem ZDF – auch im Sinne des Nutzers – als sinnvoll und vorteilhaft, die Zugänglichkeit unserer Inhalte auch über die “Stream On”-Option der Telekom zu ermöglichen.”

    Während sich das ZDF schon im Vorfeld des “Stream On”-Starts entschieden hat, sich bei der Telekom für dieses Modell freischalten zu lassen, überlegt die ARD noch immer, ob sie sich daran beteiligen möchte. Vielleicht wartet sie ja die Prüfung durch die Bundesnetzagentur ab, damit sie ganz offiziell sagen kann: Das Angebot ist doch sauber.

    Derweil fragt passenderweise die “Tagesschau” anlässlich des Starts von “Stream On”: “Zwei-Klassen-Internet dank Turbo-Daten?”

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