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PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • MEDIENNOTIZEN #6: IRT, #RP17, AUSSPRACHE

    Ist das ein Thema für ein Medienmagazin – oder ein (mutmaßlicher) Fall von Wirtschaftskriminalität, der genau so auch außerhalb unserer Branche spielen könnte? Das haben sich sicher alle Medienredaktionen dieser Tage gefragt als die Affäre um die Patenterlöse des Instituts für Rundfunktechnik bekannt wurde, das die öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinschaftlich tragen.

    Ein Anwalt und Ex-Mitarbeiter (!) des IRT, der die Patente des Instituts am Markt platzieren sollte, soll dabei über Jahre einen dreistelligen Millionenbetrag abgezweigt haben, so zumindest der Vorwurf. Klaus Ott hat am Mittwoch einige frische Details in der “Süddeutschen Zeitung” zusammengetragen (€). Den Fall selbst haben allerdings nicht Investigativreporter ans Tageslicht gebracht, sondern die öffentlich-rechtlichen Sender selbst – ausnahmsweise, will man fast sagen.

    Bei ZAPP haben wir uns entschieden, dass diese Affäre ein Thema für uns ist, denn: Es geht am Ende auch um Millionen aus Rundfunkbeiträgen, die vielleicht gar nicht hätten in das IRT fließen müssen, wenn die Patente zuverlässiger vermarktet worden wären.

    Eine der vielen Fragen, die einem neben einem gepflegten #WTF zum Fall durch den Kopf gehen: Hätte sich das IRT vielleicht sogar ganz mit den Lizenzgebühren tragen können und sich die Sender so ihre Zuschüsse in den vergangenen Jahren gänzlich sparen können? Unseren Film mit dem Stand der Dinge von Mittwochabend finden Sie jedenfalls hier:

    In den Beitrag eingeflossen ist auch ein kurzes, aber vielsagendes Interview mit dem Justiziar Albrecht Hesse vom Bayerischen Rundfunk, den meine Kollegin Tina Soliman nach einer kurzfristig anberaumten Gesellschafterversammlung getroffen hat. Der BR ist die “Sitzanstalt” des IRT, hatte die Anzeige erstattet und übernimmt auch die Krisenkommunikation für das Technik-Institut.

    Hesse räumt – aus Perspektive der Gesellschafter – erstaunlich offen Versäumnisse ein: Das IRT habe “diesem Anwalt vertraut und der hat eben diese Vertrauensstellung sträflich ausgenutzt” – statt selbst darauf zu achten, wie sich der Wert der eigenen Patente entwickelt und ob da nicht mehr Lizenzgebühren hätten zurückfließen müssen. “Da hat man sich eben zu wenig drum gekümmert.”

    Der Justiziar erklärte meiner Kollegin auch, wie die Affäre überhaupt aufgekommen ist: “Bei einem Prozess in den USA kamen da verschiedene Sachen ans Licht.” Es waren also offensichtlich keine Kontrollen des IRT und auch nicht der Gesellschafter, also der Sender, sondern: ein Zufall.

    Während der Verdächtige in U-Haft sitzt und Millionen per Arrestbeschluss gesichert sind, drängt sich eine strukturelle Frage auf: Wie schaffen es ARD, ZDF und Co., in ihrem Institut neben technischer auch ökonomische Energie zu wecken? Lösungsvorschläge: dringend gesucht!

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    Dann war die vergangenen Tage dieses Klassentreffen der sogenannten Netzgemeinde. Mit Fiete Stegers, der die Berichterstattung des NDR aus und über die Netzwelt koordiniert, bin ich über die #rp17 gestreift – meine neue Kamera, eine GH5, im Anschlag.

    Das Ergebnis ist eine sehr eindeutige, wenn auch nicht wirklich überraschende Umfrage dazu, wie die versammelten Fans der Digitalisierung die Pläne der Bundesregierung finden, Plattformen wie Facebook und Youtube zum raschen Löschen von strafbaren Inhalten zu zwingen. Das kryptische Stichwort hier: Netzwerkdurchsetzungsgesetz oder kurz NetzDG.

    Die Reaktionen sind einhellig: Netzaktivisten, aber auch Vertreter der großen IT-Verbände (= IT-Unternehmen) und Journalistenorganisationen lehnen die Pläne nach wie vor ab. CCC-Sprecherin Constanze Kurz warnt etwa davor, dass “der Staat einen Anreiz für automatisierte Filterprozeduren” schaffe – es drohe Willkür. Deshalb seien Aktivisten, NGOs und Konzerne auch auf einer Seite – und dagegen. Kurz: “Da bin ich doch gespannt, ob der Bundesjustizminister die Eier hätte, sich gegen diese breite Front zu stellen.”

    Die flotte Umfrage und auch ein Statement eines Google-Sprechers, das wir bewusst von den übrigen Stimmen getrennt haben, können Sie sich hier reinziehen:

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    380.000 Einträge – mit Lautschrift und Hörprobe: Für Journalisten des gesprochenen Worts ist die ARD-Aussprachedatenbank ein tägliches Hilfsmittel. An diesem Freitag wird sie 20 Jahre alt. dpa-Korrespondent Thomas Maier erzählt die Geschichte und zitiert Redaktionsleiter Roland Heinemann: “Jeder darf erwarten, dass sein Name richtig ausgesprochen wird.”

    Ich habe mich ja schon lange gefragt, wie auch die vielen Radio-Moderatoren, die ich gar nicht kenne, meine Beiträge so zuverlässig anmoderieren können (ein Lehrer nannte mich über Jahre konsequent “Herr Baus”, weil er sich vor der korrekten Aussprache drückte). Hätte er doch nur Zugriff auf die ARD-Aussprachedatenbank gehabt:

    Screenshot ARD-Aussprachedatenbank

    Na dann.

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