Journalist • Producer

PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • Julia Jäkel kritisiert Facebook

    Auf dem European Newspaper Congress 2017 #ENC17 in Wien hat Julia Jäkel, CEO des Verlages Gruner + Jahr, Facebook kritisiert: Das soziale Netzwerk brauche einen “Verantwortungsbooster” und Ansprechpartner jenseits von Sales-Personal, etwa für Medienhäuser, die sinnvolle Kooperationen ausloten wollten. Wörtliches Transkript:

    [00:00:00] Facebook braucht wirklich einen Verantwortungs-Booster – und zwar massiv! Es sind doch wir Verlage, die Facebook mit seriösen Inhalten speisen. Wir sind es! Wir wissen, wie man wahr von falsch unterscheidet. Und wir wissen auch, wie schwer es ist und dass es manchmal fast gar nicht möglich ist, aber mindestens, wie viel Aufwand sich dahinter verbirgt. Wir bieten Anzeigenkunden verlässliche und seriöse Umfelder, in denen auch keinerlei. Markenrisiko besteht. Bei Facebook kann man sich da nicht so sicher sein.

    [00:00:31] Ich habe in den letzten Monaten wirklich mich intensiv mit dem auseinandergesetzt, was Mark Zuckerberg gepostet hat, geschrieben hat und was er denkt und was er sagt. Und ich muss sagen: Man braucht wirklich sehr, sehr viel guten Willen, um zu glauben, dass er seine Verantwortung schon erkannt hat. Wenn man Zuckerberg über Facebook liest, kann man nur feststellen, ihm reicht es nicht mehr, nur Freunde zusammenzubringen, sondern Facebook erhebt im Grunde heute Anspruch auf das gesamte soziale Gefüge unserer Gesellschaft – online wie offline. Facebook sieht sich quasi in der Tradition des Institutionbuildings nach dem Zweiten Weltkrieg.

    [00:01:17] Zuckerberg sieht in Facebook – ich zitiere – die globale Infrastruktur – wirklich! – um Probleme wie Terrorismus, Naturkatastrophen, Seuchen, Flüchtlingskrisen, Klimawandel zu lösen. Und ich will mich darüber ehrlich nicht lustig machen. Ich will auch nicht zynisch sein. Erst mal ist es gut, dass jemand so denkt, so groß denkt. Aber bitte schön: Davor – finde ich – lieber Mark Zuckerberg: Übernehmen Sie wirklich Verantwortung! Für: Fakenews, Beleidigung und Gewaltdarstellung im Netz.

    [00:01:52] Und ich kann Ihnen nur Heute empfehlen – ich hab das heute gerade zum Frühstück gelesen, das ist keine angenehme Frühstückslektüre –, aktuell der “Guardian” hat publiziert, die Facebook-Regularien zum Umgang mit sozusagen grauenhaften Themen, die bei Facebook oder im sozialen Netz stattfinden, alleine sich damit zu beschäftigen, was dort an Elend publiziert wird und hoch geschleudert wird, macht einen wirklich sehr sehr, sehr nachdenklich. Tun Sie sich das ruhig mal an!

    [00:02:20] Frau Jäkel, Sie haben im Frühjahr häufiger Facebook kritisiert, Sie haben es auch heute wieder getan. Was mich interessiert: Es gibt ja auch so etwas wie eine operative Ebene – macht man bei Instant Articles mit, macht man bei einer Fakenews-Initiative mit. Durch den Titel, den ich jetzt verantworte, weiß ich, dass es manchmal recht schwierig ist, mit Facebook ins Gespräch zu kommen. Wie reagieren die denn, wenn Sie denen das sagen, was Sie uns gesagt haben – sind Sie überhaupt im Gespräch?

    [00:02:45] Ja, wir sind im Gespräch – inzwischen. Wir wurden ja von Facebook auch angefragt, ob wir bei dem Thema Fakenews helfen würden. Das hat bei uns – also es gibt natürlich vielfältige Beziehungen zu Facebook, ist ja logisch, auch Abhängigkeiten, auch klar. Trotzdem war das nochmal eine Initialzündung und noch mal intensiver uns mit der Frage zu beschäftigen, wie es eigentlich unser Miteinander. Und natürlich versuchen wir, auf operativen Ebenen auch miteinander Kontakt zu haben. Aber was wir schon bedauern – und das sage ich auch öffentlich, weil ich es genauso auch den Kollegen von Facebook direkt sage – wir finden schon, dass es nicht nur Sales-Truppen in Deutschland geben sollte von Facebook, sondern dass es dort auch Menschen geben muss, mit denen du über Partnerschaften sprechen kannst, die darüber nachdenken, wie sie seriösen Inhalt uns auch teilhaben lassen an der Monetarisierung. Aber vor allen Dingen suchen wir auch Ansprechpartner, die gerade heute, wo in unserer Gesellschaft die Frage nach “Wie gehen wir mit sozialen Medien um? Wie wollen wir sie regulieren? Wollen wir sie regulieren”, dass es dort auch genügend Ansprechpartner gibt, die sich überhaupt mit diesem Thema in unseren Ländern beschäftigen und nicht nur im Silicon Valley. Das ist uns wirklich wichtig. Und da müssen wir nicht, da müssen wir nicht über agressiv sein. Da geht es nicht darum, Leute die Ecke zu stellen. Aber es geht darum, dass wir wirklich glauben, dass ein so gigantisch großes Unternehmen, wie es Facebook ist, Verantwortung übernehmen muss – wie wir es Verlage im kleineren Stil auch gemacht haben. In den 50er Jahren war ein Pressegesetz am Horizont sozusagen in Deutschland und die Verlage haben sich zusammengetan und gesagt “Okay, dann müssen wir uns dann selbst regulieren. Und daraus ist ganz viel entstanden, unter anderem der Presserat.