Medienjournalist

Daniel Bouhs ist Medienjournalist in Berlin und Hamburg - v.a. für den NDR.
>> zur Vita
>> zur Technik
>> zur Transparenz

 

PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • Geschlossenheit als Drohung

    FC Bayern vs. Medien

    für Deutschlandfunk

    Manuskript des Beitrags
    Es ist der große Traum von immer mehr Politikern, Unternehmern und eben auch Sport-Managern: die Emanzipation von „diesen Medien“ und damit der lästigen, kritischen Berichterstattung, die sich nur schwerlich kontrollieren lässt – vor allem, wenn es mal schlecht läuft. Das Prinzip „Don’t bomb the messenger“ – bombardiere nicht den Überbringer der schlechten Nachrichten – ist für Populisten keine Option. Im Gegenteil.

    Die Bayern-Bosse wollen vor den Journalisten eine Mauer aufbauen. Bis hier hin und nicht weiter! Geschlossenheit als Drohung. Das Management greift Reporter und ihre Berichterstattung an, einzelne sogar namentlich. „Name Blaming“ – wohl wissend, dass die eigenen Anhänger zuschauen in den Livestreams auf Youtube und Facebook und dem Vereinssender. Öffentliche Prügel gegen die Medien im Livestream statt ein klärendes Gespräch hinter verschlossenen Türen oder juristische Schritte gegen echte Falschmeldungen hinter den Kulissen – das war ein kalkulierter Schritt.

    Ganz offensichtlich war das Ziel, bei den Fans Stimmung zu machen gegen einzelne Journalisten, mit amtlichem Fingerzeig. Als ob Uli Hoeneß und Konsorten ein „So halten Sie die Medien klein“-Seminar bei Donald Trump belegt hätten. Dieser Auftritt war jedenfalls vor allem eines: erbärmlich. Souverän wäre, sich um die eigenen Probleme zu kümmern, statt ein Ablenkungsmanöver auf Kosten anderer zu starten. Dabei ist es auch völlig unerheblich, ob die Attackierten Journalisten des Boulevards sind oder nicht. Hier sitzen alle in einem Boot.

    Dieser Vorgang passt aber – leider – eben auch in eine ausgeklügelte Medien-Strategie des FC Bayern. Es geht um maximale Kontrolle. Los ging das mit Jürgen Klinsmann. Er führte „britische Verhältnisse“ ein, schottete Spieler konsequent von Journalisten ab. Kontakt gibt es heute vor allem in einem eigenen Medienzentrum – separat zum Clubhaus, damit die einen den anderen gar nicht erst über den Weg laufen.

    Dazu kommen die eigenen Plattformen – in sozialen Netzwerken und dem eigenen Fernsehkanal FC Bayern TV. Die Bayern erzählen ihre eigenen Geschichten und führen selbst Interviews mit Spielern und Funktionären. Kritische Fragen sind hier wohldosiert.

    Den Bayern ist dieser Bereich so wichtig, dass sie ihn im Frühjahr sogar aus dem eigentlichen Klub herausgelöst haben: Eigene Medien sind für den Verein an der „Säbener“ nicht mehr irgendeine beiläufige Aktivität, sondern ein separates Unternehmen – und das gilt es zu schützen. Andere Medien sind in dieser nun profitgetriebenen Konstruktion: Konkurrenten. Dieser Umbau geschah eher geräuschlos, hinter den Kulissen, und war eine formale Kampfangsage an die Medien. Die schon jetzt legendäre Pressekonferenz setzte diesem Prozess nur öffentlich noch einen drauf, damit es auch der Letzte merkt: Wenn ihr nicht spurt, also harmlos berichtet, machen wir das mit „diesen Medien“ jetzt einfach ohne euch.

    Letztlich aber ist es wie in der Politik: Der Wähler, also der Fan, entscheidet, ob sich der Populismus, also der FC Bayern, durchsetzt – oder nicht. Dieser Prozess ließe sich noch stoppen. Theoretisch.

    >> Download MP3 (Quelle: Dlf-Sport)

  • Kritik an Verwendung von “Zitat-Kacheln”

    für NDR Info

    Manuskript des Beitrags
    Ein Anruf bei Martin Hoffmann. Der Journalist, der einst das Social-Media-Team der Zeitung “Die Welt” geleitet hat, kritisiert schon seit Monaten immer wieder Kollegen – und zwar immer dann, wenn sie besonders knackige Zitate von sehr populistischen Politikern auf sogenannte Zitat-Kacheln schreiben, die sie dann beispielsweise bei Facebook oder Twitter veröffentlichen. Die Zitate stehen neben den Fotos der Politiker – zur schnellen Verbreitung in den sozialen Netzwerken. Hoffmann findet das falsch: “Das Problem mit diesen ‘Zitat-Kacheln’ ist letztendlich, dass wir Journalisten da einfach eine Botschaft weitergeben, ohne ihr irgendwie einen Rahmen zu geben, also ohne sie einzuordnen.”

    Im Radio oder im Fernsehen sei das anders, hier würde ein Reporter in seinem Bericht oder ein Moderator den jeweiligen Kontext liefern, vielleicht auch die Aussage mit Fakten widerlegen. Oder auch in einem Text in der Zeitung oder im Netz: Auch hier würde niemand – ohne ein Minimum an Einordnung einfach so ein Zitat drucken, meint Hoffmann: “Dummerweise hat sich das aber so im Online-Journalismus – besonders in Social-Media – irgendwie eingeschlichen. Das ist nicht gut!”

    Hoffmanns Vorwurf lautet: “Zitat-Kacheln”, auf denen sich nur ein kurzer Wortlaut, der Name und die Funktion des Politikers und vielleicht noch ein Stichwort zum Thema der Aussage findet, sei kein Journalismus. Medien würden so bloß Populisten helfen. Zuletzt hat sich Hoffmann nach der Bayern-Wahl aufgeregt, als Medien – zum Beispiel der Deutschlandfunk – Zitate von AfD-Politikern verbreitet haben, in denen sie die Neuwahl des Bundestages forderten.

    Hoffmann fliegen dafür in sozialen Netzwerken “Likes” und zustimmende Kommentare zu. Auch von Kollegen – und auch, wenn er das Social-Media-Team der Tagesschau kritisiert. Etwa, wenn die Tagesschau Zitate von US-Präsident Donald Trump verbreitet. Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke wiederum nimmt seine Kollegen in Schutz: “Wer mit der kurzen Form nicht leben kann, der sollte nicht Nachrichten machen. Das ist unsere verdammte journalistische Pflicht, Inhalte auf engem, begrenztem Raum und in kurzer Zeit zu vermitteln. Dazu gehören auch ‘Zitat-Kacheln’.”

    Bieten Redaktionen wie die Tagesschau damit aber nicht vielleicht doch Populisten eine Bühne? Gniffke wehrt sich auch gegen diesen Vorwurf: Seine Redaktion biete niemandem eine Bühne, sie berichte. Dabei dürfte es auch keine Rolle spielen, ob den Journalisten ein Politiker, dessen Äußerungen oder Wortwahl nicht gefallen: “Wenn wir also beispielsweise ein Zitat von Markus Söder mit dem ‘Asyl-Tourismus’ benutzen, dann können wir unserem Zuschauer, unserem User, getrost das Urteil überlassen, ob er das gut oder schlecht findet. Da müssen wir und da sollten wir nicht dran schreiben: ‘Ach, das finden wir aber nicht so schick’.”

    Tatsächlich ist die Verkürzung der “Zitat-Kacheln” mitunter aber durchaus ein Problem: wenn Zitate zwar knackig sind, aber aus dem Zusammenhang gerissen. Passiert ist das vor einem Monat dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Viele Medien, darunter die Heute-Sendung im ZDF, teilten Spahns Aussage zum Mangel an Pflegekräften: “Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen.”

    Das Zitat ging “viral” und Spahn wurde von vielen Bürgern kritisiert. Allein: Spahn hatte sich in dem Interview vor allem dafür stark gemacht, die Bedingungen der Pflegekräfte zu verbessern und mehr Pfleger einzustellen. Der zitierte Vorschlag sollte eine Übergangslösung sein. Die “Zitat-Kacheln” suggerierten etwas anderes.

    Redaktionen verweisen in solchen Fällen gerne auf die ergänzenden Zeilen in ihren Einträgen in sozialen Netzwerken und die Links auf ausführliche Artikel. Kritiker Hoffmann warnt hingegen: “Wenn man sich die Mechanismen anschaut, die da wirken, dann ist es nun mal ganz oft so, dass die Leute eben diesen zweiten Klick nicht mehr machen. Sie sehen das, was ihnen vielleicht in den Feed gespült wird, machen dann aber ganz oft nicht mehr den Klick.” Was am Ende hängen bleibe sei ausschließlich die Aussage, die auf der Kachel steht.

    >> Download MP3 (Quelle: NDR Info)

  • WDR nach #metoo

    Schuld sind auch Strukturen

    für NDR Fernsehen

    >> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

  • Welche Nutzerdaten dürfen bei Facebook landen?

    Widerstand gegen Austausch mit Buchungsportalen

    für NDR Info

    >> Beitrag bei “NDR Info

  • Faktencheck

    Chemnitz-Videos auf dem Prüfstand

    für NDR Fernsehen

    >> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

  • Streifendienst auf Facebook

    Polizei betreibt über 330 Social-Media-Profile – inzwischen auch persönliche für Beamte

    für NDR Fernsehen

    >> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

  • Zeitungen im Einheitslook?

    Ein Mantel für alle

    für NDR Fernsehen

    Manuskript des Beitrags

    Lars Haider in seiner Redaktion. Die Journalisten des “Hamburger Abendblatts” konzentrieren sich ganz aufs Lokale. Berichte aus Deutschland und der Welt bekommen die Blattmacher von außen zugeliefert. Ein Modell – etabliert schon vor Jahren.
    “…diese Seite, und am Ende diese Seite.”
    “Heute sind es von den 44 Seiten, die morgen im Hauptprodukt erscheinen, kommen exakt 6 aus der Zentralredaktion in Berlin.”
    Fix und fertig?
    “Fix und fertig. Aber da muss man auch sagen, das sind halt 6 von 44.”
    Nicht viele, aber: prominente Seiten. Etwa die Berichterstattung über die Bundespolitik, dazu Berichte der Auslandskorrespondenten und ein bisschen Buntes. Der sogenannte Mantel. Ein Qualitätssprung für den
    Chefredakteur – auch verglichen zu der Zeit, als sich das “Abendblatt” noch einen eigenen Korrespondenten in Berlin geleistet hat:
    “Wenn das ‘Hamburger Abendblatt’ dann ein Interview mit dem Bundeskanzler damals oder später mit der Bundeskanzlerin haben wollte, haben die gesagt ‘Ja, ihr seid auch mal alle vier Jahre dran, nämlich immer bei der Hamburg-Wahl’. Und den Rest der Politikberichterstattung haben die meisten Regionalzeitungen von einer einzigen Zentralredaktion übernommen, nämlich der Zentralredaktion, wenn man so will, der Deutschen Presseagentur. Und da ist es da ist es schon, finde ich, eine Verbesserung, wenn es auf einmal nur fünf, sechs, sieben größere Zentralredaktionen gebe. Dann wäre auf jeden Fall mehr Vielfalt als es früher war.”
    Haiders Zentralredaktion sitzt in Berlin. Sie beliefert alle Zeitungen, die zur Funke-Mediengruppe gehören – auch das “Hamburger Abendblatt”.

    Zentralredaktionen wie hier der Funke-Gruppe sind zweifellos eine neue publizistische Kraft. Zeitungsforscher Horst Röper vermutet aber vor allem eine andere Motivation bei den Verlegern.
    “Es ist ein kostensparendes Modell und darum geht es. Die Verlage wollen Kosten einsparen, das können Sie mit diesem Modell in der Tat. Und deswegen reüssiert dieses Modell inzwischen ja bei vielen Gruppen und jetzt sogar über Gruppen-Grenzen hinaus, also durch den Verbund von mehreren großen Verlagen.”
    Einen solchen Verbund bildet das Redaktionsnetzwerk Deutschland RND von Madsack in Hannover. Es beliefert mehr als 40 Tageszeitungen.
    Bislang hat auch die DuMont-Gruppe in Berlin eine Zentralredaktion betrieben – für die eigenen Zeitungen.
    Nun aber gibt DuMont seine Zentralredaktion auf, macht stattdessen gemeinsame Sache mit dem RND – dessen publizistische Macht damit noch weiter wächst.
    Festakt in Hannover vor wenigen Wochen: Madsack feiert – 125 Jahre Verlagsgeschichte. Es gratuliert der Bundespräsident – mit einer deutlichen Botschaft:
    “Wenn man dann mit einem überregionalen Bericht oder Kommentar täglich in Zukunft vielleicht fast sieben Millionen Leser von mehr als 50 Tageszeitungen erreicht, dann muss sich jeder einzelne Journalist auch bei Madsack immer bewusst sein, wie viele Menschen er am nächsten Tag mit seiner Bewertung von politischen Vorgängen natürlich beeinflusst.”
    Was bedeutet diese Entwicklung für die journalistische Vielfalt?
    “Was wir verlieren, sind die unterschiedlichen Blickwinkel und diese unterschiedlichen Blickwinkel haben sich früher auch gegenseitig befruchtet, das heißt die Kollegen in Berlin haben natürlich auch immer nachgelesen, was hat der andere aus dem Thema gemacht und haben das eben dann vielleicht in ihre künftige Berichterstattung mit einfließen lassen. Diese Wechsel von Blickwinkeln, diese zusätzlichen Aspekte entfallen nun, weil wir eine relativ einheitliche Berichterstattung haben.”
    Die Funke-Zentralredaktion bleibt für ZAPP verschlossen. Auch der Newsroom von Madsack. Beide sehen in der Zentralisierung kein Sparprogramm, sondern ein Modell für die Zukunft. Auch die Vielfalt bleibe erhalten.
    “Die geht überhaupt nicht zurück, weil es so viele überregionale Zeitungsgruppe gibt und überregionale Medien wie öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk, Magazine, es kommen neue Internetanbieter, die auch überregionalen Journalismus machen. Da muss sich keiner Sorgen machen.”
    Nürnberg. Vor allem im Süden der Republik produzieren viele Redaktionen ihre Zeitungen noch komplett selbst – von der ersten bis zur letzten Seite. So wie die “Nürnberger Nachrichten”.
    “Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, den Mantel hier selbst zu produzieren. Er muss passen für die Region, für die wir hier Zeitung machen, also für den nordbayerischen Raum, einen Umkreis von 60, 70 Kilometer rund um Nürnberg. Wir finden, wir müssen auch verstehen, wie die Leute hier ticken, und glauben, dass die Nähe zu den Lesern ganz wichtig ist. Deswegen sind wir wild entschlossen, hier zu produzieren für die Menschen hier vor Ort.”
    Das klappt aber nur mit Material der Nachrichtenagenturen. Die Titelseite: mitunter fast komplett mit Texten der dpa – echter Massenware. Die übrigen Seiten aber: mit eigenen Geschichten. Brüssel will neue Regeln für E-Bikes – der Bericht erzählt die Folgen – nicht irgendwo, sondern konkret in Nürnberg.
    Glauben Sie, dass das Zentralmantel-Modell – die Fertigseiten Politik, Wirtschaft –, dass das nicht nur eine Mode sein wird, sondern das etablierte Modell sein wird in der Zukunft?
    “Die Zeichen stehen so, dass es so sein wird, dass wir dann in der Tat eine Ausnahme sein werden, aber Ausnahmen bestätigen die Regel und Ausnahmen sind ja oft nicht schlecht, sondern funktionieren auch ganz gut.”
    “Ich glaube die These halt nicht, dass man es als Einzelkämpfer schaffen kann. Selbst wenn man drei Korrespondenten in Berlin hat, ist die Durchschlagskraft halt nicht gut. Wir haben eine Redaktion in Berlin mit 70 Leuten. Das ist eine ganz andere – Sie können überall mitfliegen, Sie können zu allen Hintergrundgespräche gehen, Sie können zu diesen unendlich vielen Terminen in Berlin gehen. Das schafft halt ein oder zwei alleine nicht.”

    Zwei Regionalzeitungen – zwei Philosophien. Beide haben etwas für sich. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Die Zukunft gehört den zentralen Mantelredaktionen.

    >> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

  • Hans Leyendecker: Ein Journalist blickt zurück

    Was zählt ist, “wie man anständig bleibt”. ZAPP blickt mit Hans Leyendecker, der beim “Spiegel” die Flick-Affäre aufdeckte, heute bei der “SZ” ist, zurück auf ein bewegtes Reporterleben.

    für NDR Fernsehen

    Manuskript des Beitrags
    „Ich war ein Hai beim ‚Spiegel‘. Ich war nicht nett. Und andere waren auch nicht nett. Und wir haben uns gekloppt und gestritten. Das habe ich bei der ‚Süddeutschen‘ nie erlebt. (…) Und das hat mir als Person unheimlich gutgetan, dass ich da runtergekommen bin und, und, und von daher ist meine – ich war 18,5 Jahre beim ‚Spiegel‘. War eine tolle Zeit. Ich bin jetzt 21 Jahre bei der ‚Süddeutschen‘. Das ist für mich ein Glück, dass ich hier gelandet bin.“
    Die Staatsanwaltschaft Köln erwägt strafrechtliche Schritte gegen den ‚Spiegel‘. Das Hamburger Nachrichtenmagazin veröffentlicht nach eigener Darstellung in seiner neuesten Ausgabe Auszüge aus der Anklageschrift in der Flick-Spendenaffäre.
    „Wegbegleiter in meinem journalistischen Leben ist schon Flick-Parteispende, die aller erste.“
    Weil sie Sie auch groß gemacht hat, oder…
    „Nein, nicht weil sie mich groß gemacht hat. Sondern weil es die Affäre war, mit der ich zu tun hatte.“
    Lothar Späth – seit über 12 Jahren Ministerpräsident von Baden-Württemberg tritt zurück. Gegen den CDU-Politiker waren Vorwürfe laut geworden, er habe sich Urlaubsreisen von Firmen finanzieren lassen.
    „Das, was ich früher so großartig fand – wenn jemand zurücktrat aufgrund einer Geschichte –, das finde ich heute gar nicht mehr großartig. Ich habe im Lauf der Zeit zu mir selbst auch ein distanziertes Verhältnis gewonnen, beispielsweise die Geschichte gemacht, die wir gemacht haben über Lothar Späth beim ‚Spiegel‘ über die Traumschiff-Reisen und das andere, wo er dann zurückgetreten ist. Das war von der Sache her okay, aber die Form, wie wir es gemacht haben, würde ich heute nicht mehr machen. Und da sind schon einige Punkte, wo ich mit mir selbst auch nicht mehr so zurechtkomme, wie ich gewesen bin.“
    „Und wenn ich keine faire Chance habe, dann kann ich im Grunde nur die Entscheidung treffen, die ich jetzt getroffen habe, nämlich dass ich weder mir, noch meiner Familie es nötig habe, nach 12 1/2 Jahren diese Arbeit, dies alles zuzumuten.“
    „Man verändert sich im Lauf der Zeit. Man sieht auch, dass derjenige, über den man da schreibt, vielleicht kein Schurke ist, sondern dass er an irgendeiner Fehlentwicklung beteiligt war, dazu aber viele gute Gründe gibt, warum man sagen kann, wir müssen ihn auch vor sich selbst schützen.“
    „Oder wenn wir die Christian-Wulff-Geschichte, die mich sehr geprägt hat, sehen, wie eine Journalistengruppe den verfolgt hat, wir sehen dann das Ende oder – und, und, und wenn einer nicht die Stärke von Wulff gehabt hätte, wäre er vielleicht von der Brücke gegangen. Und das sehe ich heute natürlich auch im Lauf der vielen Geschichten, die man gemacht hat, sehe ich manches kritisch, woran ich beteiligt war, was ich getan habe. Und das hat nichts damit zu tun, ob ich ‚Spiegel‘ oder ‚Süddeutsche‘ war, sondern was ich als Journalist in dem Bereich gemacht habe.“

    Die Fahnder hatten gehofft, die beiden mutmaßlichen RAF-Terroristen am Schweriner See ohne Probleme festnehmen zu können als diese eine Gaststätte verlassen wollten. Birgit Hogefeld zog ihre Waffe, eröffnete den Schusswechsel. Zwei Menschen starben.
    „Bad Kleinen war eine Katastrophe.“
    Leyendecker verließ sich bei der Enthüllung über den „Todesschuß“ auf seinen Informanten, erzählte dessen Version von der angeblichen Exekution. Andere Journalisten behaupteten Ähnliches. Die Republik hatte ihren Skandal. Doch die Spurensuche am Tatort konnte die behauptete Exekution nicht belegen. Und auch der anonyme Informant stritt plötzlich alles ab.
    „Was ist nach Bad Kleinen alles passiert? Der Bundesinnenminister ist gegangen. Der Generalbundesanwalt musste gehen. Und eigentlich – wenn’s ganz gerecht zugegangen wäre – hätte auch ich gehen müssen.“
    „Aber: Das ist das Gute an der Geschichte. Nicht mal die beiden Bad-Kleinen-Informanten, die es gegeben hat, sind dabei hochgegangen. Und das war wichtig.“

    Ein Whistleblower hat Journalisten über 11 Millionen Dokumente zugespielt. Darunter 4,5 Millionen E-Mails.
    NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ konnten auf mehr als 11 Millionen Dokumente einer Anwaltskanzlei auf Panama zurückgreifen.
    „Panama Papers“ – aus dem Schattenreich geheimer Firmen und verborgener Vermögen.

    „Also die Investigation hat sich verändert. Es begann eigentlich so mit Akten und dann kamen auch diese großen Festplatten, die auch ein Stückchen verbunden werden jetzt mit der Investigation, wobei es da ganz viele Bereiche gibt.“
    „Für mich ist das schon eine fremde Welt, aber eine großartige Welt. Was ich über Panama gelernt habe, war, dass Kollegen aus 80 Ländern mit einander arbeiten. Ich war bei einer Konferenz dabei, wo die sich vorstellen. Da stellte sich einer vor: Mein Name ist Jim und ich komme aus Venezuela. Und der nächste kam aus Israel. Und der nächste kam aus Island. Und du hast auf einmal das Gefühl, eine Armada von Journalisten, die an irgendeiner Geschichte arbeiten. Die haben zum Teil wie gesagt, das ist für mich das Größte dabei zu sein. Und das erleben zu dürfen, das war der Traum.“

    Sie unterrichten letztlich auch. Mit Volontärin bei der “Süddeutschen” sitzen sie zusammen. Was reichen Sie für Tipps letztlich weiter?
    „Auch die Tipps haben sich so ein bisschen geändert. Also früher habe ich mehr so Tipps rüber gegeben, wie man an die Sachen kommen kann. Und heute gebe ich mehr Tipps rüber, wie man anständig bleibt. Das ist, glaube ich, wichtig, dass sie immer wiederkehren können. Das sind vielleicht Glücksmomente. Wenn sie jemanden haben und sie haben bei ihm – wenn man es in einem bösen Wort sagt – berufsverändernd gewirkt und sie treffen ein halbes Jahr später und er sagt, das war nicht alles ganz gerecht vielleicht, aber ich fand ihre Arbeit dennoch gut und ich habe jetzt folgenden Tipp für sie – dann hast du nicht ganz daneben gelegen.“
    „Herzliche Einladung und auf Wiedersehen vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund.“
    „Ich weiß noch, als sie mich anriefen und sagten ‚Können Sie sich vorstellen‘. Hab gesagt: ‚Ne‘. Weil wenn du so zurückblickst, wer Kirchentagspräsident war – von Weizsäcker, Eppler – wie viele große Namen mit Kirchentag verbunden sind, da sagt man, dafür reicht es nicht. Dafür reicht es nicht intellektuell, dafür reicht es nicht von der Größe. Da reicht nix. Also meine Frau sagte zu dem Augenblick ‚Das musst Du jetzt machen, Du magst den Kirchentag so gern‘.

    (freistehend: Kirchentag-Konzert)
    Wie groß ist der Schiss, das zu verbocken?
    „Groß.“
    Ja?
    „Also ich glaube schon, dass ich auch ein bisschen übertreibe. Die Angst, es zu verbocken, ist seit der ersten Stunde da, dass ich sage, das ist so ein wichtiges Projekt und wenn du jetzt versagst – wenn der Kirchentag nicht so wird, weil du selbst nicht // reichst, das wäre für mich schon eine riesige Enttäuschung. Deshalb habe ich auch viel, laufe ich auch die ganze Zeit, um – so. Aber jetzt habe ich das Gefühl: Wir bekommen das wunderbar gemeinsam hin.“

    >> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

  • DuMont-Betriebsrat: “Blutmond über Berlin”

    Die Medienkonzentration geht einen Schritt weiter: Die Verlagsgruppe Madsack (Hannover) gründet mit Unterstützung der DuMont-Gruppe (Köln) eine gemeinsame Hauptstadtredaktion, DuMont wird zudem “Partner” von Madsacks zentraler Mantelredaktion Redaktionsnetzwerk Deutschland, kurz RND. Das RND beliefert die DuMont-Titel künftig mit überregionalen Geschichten, größtenteils sogar mit fertig produzierten Seiten. DuMont schließt dafür sein bisheriges Hauptstadtbüro, die Redaktionsgemeinschaft, kurz ReGe (über diese Entwicklung habe ich für die “taz” geschrieben). Nun haben die ReGe-MitarbeiterInnen ihre Kündigungen erhalten. Der Betriebsrat der Berliner DuMont-Redaktionen (v.a. “Berliner Zeitung”) schrieb dazu dies an die RedakteurInnen: Gesamten Eintrag anzeigen »

  • Grünes Licht für die Fusion

    Madsack und DuMont dürfen ihre Hauptstadtredaktionen zusammenlegen. Die Veränderungen treffen vor allem DuMont-Mitarbeiter.

    für taz

    Gesamten Eintrag anzeigen »