Die dritte Halbzeit

Mit Theo Koll, ein paar guten Ideen und Fußball im Rücken erzielt das “Auslandsjournal” die besten Quoten seit Langem

für "Berliner Zeitung"

Theo Koll ist ganz aus dem Häuschen, weil eine mutige Entscheidung nicht ihr Ende im Fiasko gefunden hat. Sein wöchentliches „Auslandsjournal“ am Mittwochabend sahen 2012 im Schnitt gut zwei Millionen Zuschauer – ein Marktanteil von fast zehn Prozent, oder wie das ZDF jubelt: „Die beste Quote seit sieben Jahren.“ Als Koll vor zwei Jahren mit der Idee um die Ecke kam, das zeitweise dahindümpelnde „Auslandsjournal“ direkt nach dem „heute-journal“ zu platzieren, hätten „durchaus kenntnisreiche Kollegen vor dem Sendeplatz gewarnt“, erzählt Koll, der nicht nur das Gesicht der Sendung ist, sondern auch Chef der Redaktion Politik und Zeitgeschehen.

Die Sendung, 30 Minuten lang und mit bis zu fünf Berichten aus aller Welt gespickt, sendet damit inzwischen gegen die „Tagesthemen“, zumindest wenn das ZDF nicht die Champions League überträgt. Die Skepsis sei groß gewesen, ob der Korrespondentenmix gegen das Nachrichtenmagazin der ARD bestehen könne – und das auch noch mit gelegentlichen monothematischen Ausgaben, Kolls zweiter Idee. „Und was soll ich sagen“, fragt sich Koll. „Wir können.“

Der Programmmacher, der einst „Frontal 21“ mit aufgebaut hat, hauchte der Sendung erfolgreich neues Leben ein. Das „Auslandsjournal“ immerhin leistet sich das ZDF bereits seit bald 40 Jahren. Wie der neue Erfolg zustande kam? „Wir versuchen, mit dem Zuschauer auf Augenhöhe zu sein“, sagt Koll. Tatsächlich ist seine Sendung nicht mehr so arg von Berichten der berühmten „Auslandsfürsten“ geprägt, wie herrschaftlich auftretende Korrespondenten der öffentlich-rechtlichen Sender einst völlig zurecht beschimpft wurden.

Interesse an Sonderausgaben

Heute ist das Magazin souverän und modern zugleich, etwa mit der Rubrik „Außendienst“. Dort mischen sich Reporter frischeren Schlags unter fremde Kulturen – koreanische Sängerinnen etwa oder auch US-Elitesoldaten. Die Reihe vermittelt dem Zuschauer wieder das Gefühl, die Welt zu entdecken.

Worüber sich Koll vor allem freuen darf, ist das Interesse an seinen Sonderausgaben. Dreimal ging das „Auslandsjournal“ mit einem einzigen Thema über den Sender, zum „Reich der Zukunft – Machtwechsel in China“, zu den Ägyptischen „Tagen des Zorns“ und am Tag nach der US-Wahl. Alle drei hoben den Schnitt an, den Befürchtungen zum Trotz.

„Ich will das angesichts von drei monothematischen Ausgaben im vergangenen Jahr nicht überinterpretieren“, sagt Koll, „aber offensichtlich wird vertiefende Einordnung gesucht.“ Diese Ein-Themen-Sendungen mit unterschiedlichen Beiträgen soll es dann auch „immer wieder“ geben, etwa zum 50. Geburtstag des Élysée-Vertrags am 22. Januar oder zum „gefährlichsten Land der Welt“, wie Koll Pakistan betitelt: „Dieser dauer-pubertierende Staat reibt sich Atomwaffen strotzend beständig an seinem Nachbarn Indien und destabilisiert die ganze Region.“

Nun drängt sich die Frage auf, ob nicht die Champions League sein Erfolgsbringer ist, die das ZDF zuletzt immer wieder vor dem „Auslandsjournal“ übertragen hat. „Der Fußball ist es nicht allein“, sagt Koll. Seine Sendung habe das ganze Jahr über zugelegt, während die Champions League erst zur zweiten Jahreshälfte ins Programm kam. „In der ersten Hälfte kickten sie sogar noch gegen uns.“

Koll sieht eher den „Tele-Dreisprung am Mittwoch“, wie er das nennt, als Erfolgsfaktor dafür, dass Zuschauer vom „heute-journal“ über das „Auslandsjournal“ bis hin zum Reportageformat „Zoom“ dranblieben. Das liegt ebenso vor den Zielvorgaben der Chefredaktion. Der Informationsabend am Mittwoch sei damit insgesamt „ein für viele überraschender Erfolg“, sagt Koll. „Auch das hatten die Unken anderes vorhergesagt.“

Auslandsjournal, ZDF, 22.15 Uhr

>> zur Originalveröffentlichung auf berliner-zeitung.de

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