Des Fußballs neue Stimme

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Am Sonntag steht in der 50-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga eine Premiere an, aber nicht auf dem Feld. Früher war Christina Graf zwar selbst Profi, aber nun mit 27 beginnt ihre zweite Karriere: mit dem Anpfiff um 13.30 Uhr, wenn die Berliner Hertha in Regensburg aufläuft und Graf die Partie der Zweiten Bundesliga für den Bezahlsender Sky begleitet – als erste Frau.

„Sabine Töpperwien und Claudia Neumann haben gute Vorarbeit geleistet“, sagt Graf. „Ich komme in einen einigermaßen gepolsterten Bereich.“ Mit Töpperwien fiel im ARD-Hörfunk eine einstige Männerbastion. Neumann wirkt auf das ZDF-Publikum ein, beschränkt sich aber bislang auf Frauenspiele. Graf ist die eigentliche Pionierin: Sie darf dem Herrenfußball ihre Stimme leihen, und das im TV.

Reichlich Routine

Im vergangenen Herbst hat Sky dafür einen mittelgroßen Aufwand betrieben. Graf setzte sich in einem Casting gegen etwa 1200 Kontrahentinnen durch – „von der Hausfrau über die Steuerfachangestellte bis hin zur Sport-Reporterin“. Graf ist nicht völlig neu im Geschäft. Sie kommentiert bereits Spiele, allerdings im Hörfunk für Radio Siegen. Seit rund vier Jahren ist sie dabei und bringt so reichlich Routine mit.

Nun aber muss sie sich umstellen, ihr Publikum sieht ja fortan mit. „Ich muss lernen, auch einfach mal die Klappe zu halten, wenn das Spiel läuft“, sagt Graf. „Das ist – zugegeben – bei meiner Vorgeschichte nicht immer so einfach und vielleicht die größte Herausforderung.“ Graf spricht von einer „Riesenchance“ und will ihr Sky-Engagement nicht bloß als großen Spaß verstanden wissen. „Fußballspiele zu kommentieren, ist mein Beruf“, sagt sie. „Natürlich möchte ich da fest dranbleiben.“ Die Sache bei Sky sei deshalb auch so angelegt, dass sie die Chance habe, sich zu etablieren – eine PR-Nummer sei das nicht.

Die Neue in der Kommentatorenriege der Fußball-Bundesliga bringt unterdessen beste Voraussetzungen mit, um ein Spiel tatsächlich fundiert zu analysieren: Sie selbst war einst Bundesligaspielerin für den SC 07 Bad Neuenahr und den FFC Heike Rheine. Noch im Kindergartenalter ging das los, meist im Mittelfeld, sonst als Verteidigerin. Auf dem Platz kennt sie sich also aus.

Zurückhaltung üben

Doch während es damals ordentlich zur Sache ging – bis hin zur Sportinvalidität, wie sie sagt – will sich Graf jetzt eher in Zurückhaltung üben. „Wer mich aus dem Radio kennt, der sagt mir vielleicht eine gewisse Ironie nach“, sagt sie. Ihre Schlagfertigkeit wolle sie zwar gerne mitbringen, aber „anfangs noch etwas vorsichtig“ sein.

>> zur Originalveröffentlichung auf berliner-zeitung.de

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