Was bewirkt Netzpolitik.org?

Das politische Blog wird zehn

für B5aktuell

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Die Netzpolitik – sie war lange ein Fall für Technikverliebte, ein Thema nur für Nerds. Doch das Ringen um die Spielregeln im Internet hat in den vergangenen Jahren zunehmend die Öffentlichkeit erreicht und sie mitunter sogar mobilisiert

Auszüge „Tagesschau“: „In vielen deutschen Städten haben viele tausend Menschen gegen das Urheberrechtsabkommen Acta demonstriert.“ // „Die Deutsche Telekom muss im Streit um ihre geplante Internet-Bremse eine Niederlage einstecken.“ // „Totale Überwachung – das ist die Angst, die Angst, die Demonstranten in Frankfurt und mehr als 30 anderen deutschen Städten auf die Straße getrieben hat.“

Der Streit um ein faires Urheberrecht, der Kampf für schnelle Datenleitungen, der Widerstand gegen übermütige Geheimdienste – das ist der Alltag auf netzpolitik.org und das inzwischen seit zehn Jahren. Der Blog hat deshalb viele Stammleser, darunter auch Netzpolitiker wie den Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil, SPD:

„Wenn ich mir in den letzten Jahren die großen netzpolitischen Debatten – Vorratsdatenspeicherung, Acta, Netzsperren angucke, da haben sie auch immer sozusagen immer eine politische Rolle gespielt, also Themen besetzt und auch Meinung vorangebracht. Insofern treiben sie auch die politisch Debatte.“

Treiber der netzpolitischen Debatte – das ist netzpolitik.org vor allem, weil hier Aktivisten in die Tasten hauen, so wie Gründer Markus Beckedahl. Früher war er bei den Grünen aktiv, heute ist er erklärter Lobbyist. Er setzt sich für die Interessen der Nutzer ein, mit einem Verein namens „Digitale Gesellschaft“ und – zusammen mit einem guten Dutzend anderer Autoren – nicht zuletzt mit seinem Blog.

„Wir machen etwas, was man im Amerikanischen eher Advocacy-Journalismus nennen würde, das heißt, wir treten für eine Sache ein, mit den Mitteln des Journalismus. Wir schreiben das transparent drauf.“

Aktivistischer Journalismus, das ist das Selbstverständnis der Blogger auf netzpolitik.org. Sie recherchieren und analysieren das politische Geschehen aus der Distanz, so wie klassische Journalisten – einerseits. Denn andererseits treten sie immer wieder Kampagnen los oder rufen zu Demonstrationen auf. Schreiben mit Haltung nennt das Beckedahl und sagt: Diese Leidenschaft habe viele Themen doch erst groß gemacht.

„Das heißt, wir haben sie begleitet von Anfang an als sie keinen interessierten und haben sie quasi mit beerdigt, sei es irgendwie die Netzsperren rund um die ‚Zensursula’-Debatte, sei es die Vorratsdatenspeicherung. Und wir haben schon über den NSA-Skandal berichtet als Edward Snowden noch nicht bei der NSA war. Und wir werden dann auch weiter darüber berichten, wenn das für die anderen Medien kein Thema mehr sein wird.“

Dran bleiben und unbequem sein – ein Versprechen, das die Leser im wahrsten Sinne des Wortes honorieren. Auf Werbung können die Blogger kaum setzen, ihr Publikum ist dafür technisch viel zu aufgeklärt und würde mit kleinen Programmen lukrative Werbebanner blockieren. Doch die Fans des Blogs sorgen trotzdem dafür, dass von netzpolitik.org inzwischen eine dreiköpfige Redaktion leben kann – zumindest auf dem noch immer vergleichsweise günstigen Berliner Niveau.

„Wir haben jetzt ein Geschäftsmodell gefunden, wo wir nach langer Diskussion mit unserer Community festgestellt haben, wir probieren mal Leserfinanzierung als eine starke Säule aus – und das funktioniert super. Also es funktioniert insofern super, dass wir in den letzten Monaten eigentlich jeden Monat mindestens 8.000 Euro über freiwillige Spenden bekommen haben.“

Die Zukunft scheint also weitgehend gesichert – finanziell, aber auch, weil selbst nach zehn Jahren keine andere Plattform die Netzpolitik so detailliert begleitet wie dieser Blog. Fans wie dem Netzpolitiker Lars Klingbeil fällt zumindest aus dem Stand keine Alternative ein, auch wenn er selbst nicht alle Positionen der Aktivisten teilt.

„Ich lese es wirklich regelmäßig, ich ärgere mich auch regelmäßig darüber. Das ist aber glaube ich auch Aufgabe von so einem Blog, dass man uns Politikern nicht gefallen muss, sondern dass man immer wieder auch Stachel ist. Ob es jetzt das Medium Nummer eins ist? Spontan würde ich sagen: Es gibt keins, was besser in Quantität und Qualität über Netzpolitik berichtet, ja.“

>> Download MP3 (Quelle: B5-“Medienmagazin”)

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