Der gläserne Zuschauer?

Smart-TV und Datenschutz

für WDR5

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Manuskript des Beitrags
Wenn es um Technik geht, dann nimmt es Sebastian Mondial genau. Mondial ist ein sogenannter Datenjournalist. Er interessiert sich dafür, welche Informationen Geräte ins Internet senden und wie leicht sie sich abfangen lassen. Dabei beschäftigt sich der Berliner inzwischen auch mit Fernsehern: mit modernen Geräten, den Smart-TV.

„Smart-TVs sollen ja dem Begriff nach intelligent sein. Die Intelligenz kommt aber hauptsächlich aus dem Netz. Das heißt, sie sind dauernd verbunden, laden die Informationen nach, von Fernsehsendern, von Fernsehherstellern und sie übermitteln auch Daten zurück.“

Fernseher sind heute keine Empfangsboxen mehr, sondern interaktive Maschinen. Ihr Innenleben unterscheidet sich nicht mehr von Computern. Sie sind selbst welche. Den Unterschied macht die Bedienungsoberfläche. Mondial mahnt: Die Software sei nicht nur einfach, sondern oft: viel zu einfach, vor allem beim Datenschutz.

„Bei einem herkömmlichen PC, selbst bei Smartphones oder Tablets, gibt es die Möglichkeit, die Geräte zurückzusetzen, die Cookies zu löschen, Einschränkungen zu geben, was die Datenspuren betrifft. Bei Smart-TVs ist das überwiegend nicht der Fall. Und zusätzlich schwer gemacht wird das durch die Aktivierung der Geräte, bei denen man normalerweise dann die Zustimmung gibt in den ‚Terms of Service’, dass alles mit den eigenen Daten gemacht werden kann.“

Ganz oder gar nicht – das ist bei vielen der vermeintlich smarten Geräte das Prinzip: Interaktivität ein oder aus. Mondial wünscht sich hingegen wie bei Internet-Browsern auf PCs auch hier viele kleine Optionen. Der mündige Zuschauer solle entscheiden können, welche Anwendungen funken dürften und welche eben nicht – je nachdem, welcher er vertraue. Dann könnte sich der Zuschauer etwa gezielt gegen die Smart-TV-Plattform eines Geräteherstellers entscheiden, der darauf auch Produkte verkaufen will, anderes aber gleichzeitig zulassen – vielleicht den Standard HbbTV, der das lineare Fernsehprogramm mit dem Internet verkuppelt. Auch für diese Funktion, die über die rote Taste auf der Fernbedienung erreichbar ist, kommuniziert der Fernseher, etwa mit dem ARD-Playout-Center in Potsdam. Leiter: Uwe Welz.

„Sender aufrufen, umschalten, es wird der ‚Red Button’ geladen. In dem Moment beginnt die Kommunikation. Wer bist Du? Was bin ich? Was willst Du? Aha, Du kriegst also jetzt das Paket für die Startleiste. Aha, ist geladen – fertig.“

Der Anschluss an den multimedialen Videotext, den Programmführer, die Mediathek und Zusatzinhalte für den Sonntagskrimi – damit der Zuschauer all das auf Knopfdruck bekommt, funken die Fernseher im Hintergrund die Sender an, auch, damit die Anbieter wissen, in welchen Situationen welche Module gefragt sind. Die Sender wollen damit ihr Angebot optimieren. Ihr Versprechen: Anonymität.

„Wir betreiben eine Messung des Nutzungsverhaltens und keine Messung des Zuschauerverhaltens. Das heißt, hier wird wie im Online-Bereich eben gemessen, wie oft ein Dienst aufgerufen wird. Die Programmmacher bekommen diese Daten nicht.“

Der Zuschauer hat außerdem die Möglichkeit, sowohl die Statistik als auch das Setzen von Cookies zu unterbinden. Das sind kleine Datenpakete, die direkt auf den Geräten abgelegt werden und die die Angebote der Sender etwa daran erinnern, dass der Zuschauer die Schriftgröße angepasst hat. Wer das nicht will, kann ein entsprechendes Häkchen setzen. Datenschützer sprechen von einem „Opt-out“. Deutsche Sender haben den inzwischen flächendeckend in ihre Angebote integriert.

„Der absolut gläserne Zuschauer wäre ja, wenn die Fernsehsender wüssten, welche Person gerade vor den Fernsehern sitzen und was sie sich genau wie lange ansehen. Das ist Gott sei Dank nicht möglich,“

sagt dann auch Datenjournalist Mondial. Und trotzdem: Beim Datenschutz könnte für seinen Geschmack noch nachgelegt werden, etwa eine Verschlüsselung. Die fehlt bislang auch bei der Übermittlung der Daten über den Interaktiv-Dienst HbbTV.

„Das heißt: Alle, die diese Information durchleiten, kriegen diese Informationen auch mit. Wann sozusagen jemand zu Hause ist, beziehungsweise dass er überhaupt so einen Fernseher nutzt. Das kriegen auch die Provider mit. Das kriegen auch die Dienste mit. Und da ist sozusagen gar kein Schutz gegen den Missbrauch dieser Daten irgendwie möglich.“

Das wiederum haben auch Sender und Hersteller im Blick. Über die Deutsche TV-Plattform, in der sich viele von ihnen zusammengeschlossen haben, fordern sie für die Weiterentwicklung des Standards mehr Sicherheit. Und die soll mit HbbTV 2.0 tatsächlich bald kommen. Dann werden auch smarte Fernseher noch dazu lernen.

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”)

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