Warum trollen Journalisten zurück?

Interviews mit Martin Hoffmann (“Welt”) und Torsten Beeck (“Spiegel”) zum Umgang mit Nervensägen im Netz — vom 18./19. Dezember 2014

Martin Hoffmann
(Foto: D. Schwiesau)

Martin Hoffmann: “Die Erfahrung hat gezeigt, dass es wenig bringt, die Leute einfach zu ignorieren, weil sie ganz schnell mit ihren Aussagen das Diskussionsklima vergiften. Das einzige, was dagegen hilft, ist, tatsächlich dagegen vorzugehen. Und das kann man machen, indem man die Leute bannt, in dem man Kommentare einfach löscht – oder auf eine psychologisch vielleicht wertvollere Weise, indem man nämlich den Leuten einfach das Gefühl gibt, dass sie nicht gewollt sind, indem man ihnen zeigt, dass sie nicht willkommen sind auf der Facebook-Seite und indem man es dadurch quasi schafft, dass sie vielleicht selber zu dem Schluss kommen und sagen: Okay, es macht mit einfach keinen Spaß mehr, hier zu sein, und ich gehe dann auf eine andere Seite und trolle dort weiter.”

Torsten Beeck
(Foto: privat)

Torsten Beeck: “Das ist eine Mischung aus Verzweiflung und Kopfschütteln, so dass man sich denkt: Was soll ich mit den Leuten noch machen?! Wir haben jetzt zehn Mal versucht, denen mit Argumenten beizukommen. Und das ist manchmal auch einfach so ein Schlussstrich, den man dann tatsächlich als Redakteur zieht und sagt: So, Leute, wir haben es versucht mit euch. Wenn ihr da nicht wirklich drauf einsteigt, dann kann man euch nur noch mit ignorieren beikommen – oder wir versuchen, euch freundlich auf die Schippe zu nehmen. […] Natürlich handeln wir immer als Marke und wenn wir da Nutzer verarschen, dann steht uns das überhaupt nicht gut zu Gesicht. Aber es gibt durchaus einen Weg, der nicht brutal ist, der nicht verletzend ist, der nicht jemanden bloßstellt.”

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