Journalisten wehren sich gegen nervige Trolle

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Es gibt einfach keine Geheimnisse mehr, Redaktionen sagen endlich die Wahrheit. Zum Beispiel die Macher der „Welt“ – ihre Kritik an Russland ist natürlich: bestellt.

„Hier im Newsroom hat das rote Telefon geklingelt. Am anderen Ende war diesmal nicht – wie sonst – Angie herself, sondern der US-Präsident.“

Und sogar die „Tagesschau“ antwortete ganz offen auf einen Nutzer, der sich über gleichlautende Berichte wundert und auf der Facebook-Seite nach Gründen fragt:

„Systempresse. Wissen Sie doch.“

Medien haben jahrzehntelang sogenannte Trolle einfach stillschweigend ertragen –Nutzer, die nicht sachlich diskutieren, sondern pöbeln und das ständig. Jetzt aber halten Journalisten gezielt gegen diese kleine, aber eben sehr lautstarke Minderheit der Nutzer. Mit dabei ist auch der „Spiegel“. Social-Media-Chef Torsten Beeck:

„Das ist so eine Mischung aus Verzweiflung und Kopfschütteln, was das häufig auslöst, dass man einfach denkt: Was soll ich mit den Leuten noch machen? Wir haben jetzt zehn Mal versucht, denen mit Argumenten bei zu kommen. Und es ist manchmal auch einfach so ein Schlussstrich, den man tatsächlich als Redakteur auch zieht,“

und dann eben den Troll, wie Beeck sagt, „freundlich auf die Schippe“ nimmt. Dabei soll niemand beleidigt, niemand verletzt werden. Auch will damit niemand fundierter Kritik an der journalistischen Arbeit entgehen.

„Man kann tatsächlich auch nicht alles mit einem total ironischen Super-Tweet einmal kurz wieder wegwischen, aber ich glaube man sieht, dass wir da auch tatsächlich ein gewisses Selbstbewusstsein auf den Kanälen entwickeln.“

Bei der „Welt“ in Berlin steuert wiederum Martin Hoffmann die Ironie-Offensive. Auch er ist überzeugt: Aussitzen bringt nichts. Der alte Trick „bloß nicht auf Nervensägen einsteigen, die verschwinden dann schon“ – im Netz habe er nicht funktioniert.

„Ich glaube, dass vor allem die Erfahrung gezeigt hat, dass es wenig bringt, die Leute einfach zu ignorieren, weil sie ganz schnell mit ihren Aussagen das Diskussionsklima vergiften.“

Wenn jemand konsequent echte Diskussionen stört, dann versucht deshalb auch Hoffmann mit möglichst lustigen Einträgen die Stimmung zu heben: Mit ironischen Kurzgeschichten, die quasi vom „wahren Leben“ in seiner Redaktion berichten.

„Uns springen dann ganz schnell andere Nutzer auch zur Seite und dadurch wird der Troll quasi von so einer überwältigenden Mehrheit von Menschen im Prinzip abgeblockt, dass er dann früher oder später klein bei gibt.“

Ironie statt Ignoranz, da macht – wohl dosiert – auch die „Tagesschau“ mit, die zweifellos seriöseste aller deutschen Nachrichtenmarken. Chefredakteur Kai Gniffke ist dabei zwar eher zurückhaltend, lässt seinen Leuten im Netz aber freie Hand.

„Ich bin nicht der Meinung, dass Ironie wirklich immer gut funktioniert. Im Gegenteil: Ich bin eher skeptisch. Aber ab und zu darf das sein, gerade wenn es augenzwinkernd ist. Das trägt auch dazu bei, dass nicht jede Diskussion dann auch so verletzend geführt wird, wie das leider manchmal der Fall ist.“

Auch die „Tagesschau“ will – dem ein oder anderen augenzwinkernden Eintrag zum Trotz – dabei offen für echte Kritik bleiben, sich ihr stellen und von ihr lernen, wo das geboten ist. Aber auf Herablassendes müsse man eben auch reagieren dürfen, sagt Gniffke – ab und zu durchaus auch mit Ironie, solange sie nicht gleich zur Regel wird.

„Ironie ist nicht das Allheilmittel. Das kann mal auch dazu dienen, das wir unsere Selbstachtung wahren, aber es gibt sicherlich angemessenere Möglichkeiten auch, mit Kritik umzugehen.“

>> Download MP3 (Quelle: NDRinfo-“Netzwelt”)

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