Gefahr im Anflug?

FEATURE Drohnen im zivilen Einsatz

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Manuskript des Beitrags
Fernsteuerung: „Geschwindigkeit 0 Kilometer pro Stunde.“

Pilot: „So. Ich warte das Diagnosesystem ab, ob irgendwelche Fehler sich tun. Überprüfe die Umgebung. Gucke nach oben, ob der Himmel, ob dort Zugverkehr ist. Und dann starte ich – vorsichtig – bringe das Fluggerät erst mal auf eine Höhe, wo ich die Sicherheit habe und genau weiß, jetzt fliege ich dort hin, wo ich hinfliegen möchte. Das Gerät hält sich da, weil das GPS-Hold aktiviert ist. Und kann dann meinen Auftrag ausführen.“

Ein Feld bei Braunschweig. Sascha Birr startet einen Multi-Copter – eine sogenannte Drohne. Das Gerät ist mit mehreren kleinen Rotoren bestückt und insgesamt gut einen halben Meter breit wie lang. Der Pilot bleibt am Boden. Ein rechteckiges Steuergerät hängt vor seinem Bauch. Seine Daumen bewegen zwei kleine Joysticks.

Pilot: „Das funktioniert mit zwei Joysticks, weil die Richtungen, in die ich steuern muss – hoch, runter, rechts, links – und um die eigene Achse drehen, damit möglich ist.“

Reporter: „Wie lange mussten Sie dafür üben, bis Sie das richtig beherrscht haben?“

Pilot: „Ich sage mal in meinem Fall, mhm, Vierteljahr bis ein halbes Jahr, wo ich dann sagen kann: Jawohl, jetzt fliege ich das Gerät sicher, wo ich wirklich sagen kann, es ist wirklich sicher.“

Fernsteuerung: „Landen.“

Multi-Copter sind ein boomendes Geschäft. Die Geräte sind inzwischen regelrecht idiotensicher: Sie halten sich bei Bedarf selbständig in der Luft oder landen auch per Knopfdruck – eingebaute Satellitenempfänger machen es möglich. Vor allem: Sie werden immer billiger. In Elektronikmärkten sind manche Geräte schon für wenige hundert Euro zu haben. Gesteuert werden sie bequem per Smartphone, das heute fast jedes Kind in der Tasche hat. Drohnen kommen damit im Alltag an.

Das Gerät in Braunschweig kostet allerdings so viel wie ein Kleinwagen. Der Copter ist für den professionellen Einsatz gemacht und wird mal mit hochauflösenden Kameras bestückt und mal mit Sensoren, die Wärmebilder liefern. Der Pilot arbeitet für Copting, ein noch junges Unternehmen, das seit gut einem Jahr Drohnen-Flüge als Dienstleistung verkauft. Auch das: ein wachsender Markt. Christian Kaiser hat Copting gegründet. Die Palette des Unternehmens ist groß:

„Beispielsweise Abflug von Dächern mit Thermographie-Kameras, um nachzuweisen und zu schauen, wie die Gebäude-Höhle aussieht, damit eine energetische Sanierung geplant werden kann, und zwar zielgenau geplant werden kann. Oder aber, dass man auch wiederum die Dächer abfliegt zu unterschiedlichen Tageszeiten, um eine Beschattung festzustellen, um hinterher optimal eine Solarpaneele hinzustellen. Begleitung von Übungen, von Veranstaltungen aus der Luft, also Erstellen von Videos. Das sind alles Dinge, die wir durchführen.“

Gebäude abfilmen, Veranstaltungen erfassen – früher hätten seine Auftraggeber für Luftaufnahmen einen Hubschrauber mieten müssen. Das hätte ein Vielfaches gekostet und wäre deutlich aufwändiger gewesen. Multi-Copter revolutionieren das Geschäft und machen vieles in der Luft überhaupt erst bezahlbar. Gleichzeitig wird die Technik immer ausgefeilter.

„Die Geräte können völlig autonom fliegen. Sie können programmiert werden und können diese Routen komplett autonom fliegen. Da braucht es keine Sichtverbindung zum Steuerer. Es braucht keine Funkverbindung zur Funke des Steuerers. Die Dinge fliegen automatisch, autonom.“

Drohnen, die – einmal programmiert – ihr Ziel selbständig erreichen und bei Bedarf auch festgelegte Routen immer wieder aufs Neue abfliegen, zwischendurch sogar selbständig ihre Batterien aufladen. Das bringt Unternehmen auf Ideen, allen voran die Logistik-Branche. Ob Versandhändler, Pizza-Lieferdienste oder Paketzusteller: Sie alle arbeiten daran, Produkte per Drohne auszuliefern und damit: automatisch.

In einem Video präsentiert der Versandhändler Amazon seine Vision: Ein Kunde braucht dringend ein Ersatzteil und wählt bei der Bestellung im Netz die Lieferung über den schnellen Luftweg aus – Lieferzeit: gerade mal 30 Minuten. Ein Mausklick und ein Mitarbeiter legt das bestellte Teil in eine kleine Plastikbox.

(Plastikbox wird verschlossen)

Die Box gleitet über ein Rollband. Am Ende wartet eine Drohne. Sie greift sich die Ladung und macht sich auf den Weg.

(Drohne startet)

Am Ziel angekommen, stellt die Drohne die Kiste vor der Haustür des Kunden ab – und fliegt wieder davon.

(Plastikbox absetzen, wegfliegen)

Das klingt nach Science-Fiction und ist tatsächlich noch ein Zukunftsmodell. Doch die Lieferungen per Multi-Copter – sie wird längst auch in der Praxis getestet, sogar in Deutschland. Der Paketzusteller DHL beliefert derzeit in einem Feldversuch die Nordsee-Insel Juist mit einem „Paketcopter“. Er bringt dringend benötigte Medikamente vom Festland – selbständig, bei jeder Wetterlage, sogar nachts. Im Werbevideo schwärmt ein DHL-Manager.

„Was wir mit diesem Anwendungsfall jetzt zeigen wollen, ist eben, dass es möglich ist, mit dieser Technologie schwer erreichbare Gebiete mit dem Paketcopter zu erreichen und eben so auch das Thema ‚Notfallversorgung’ – zum Beispiel alleinige (eilige?) Arzneimittel – eben auch sicherzustellen.“

Unmittelbar um Leben und Tod geht es wiederum bei einem anderen Forschungsprojekt. Das Szenario hier: Ein Mann bricht zusammen – vermutlich ein Herzinfarkt, die Zeit rennt. Die Tochter des Betroffenen wählt mit dem Handy den Notruf und übermittelt ihre Positionsdaten. Die Leitstelle schickt wie üblich einen Notarzt raus, dazu aber für die Erstversorgung auch gleich eine Notfall-Drohne.

Telefonstimme: „112 Operator – what is your emergency?“
Frau: „It’s my dad. I think he had a heart attack.“
Telefonstimme: „We’ve got your location. The ambulance drone is on it’s way.“

Die Notfall-Drohne. Sie wird unter anderem an der Technischen Universität im niederländischen Delft entwickelt. Während der Rettungswagen noch auf dem Weg ist, kann die Tochter des Mannes, der in Lebensgefahr schwebt, angeleitet von der Rettungswache ihren Vater wiederbeleben. In der Drohne ist dafür eine Videokamera integriert und vor allem eines: ein Defibrillator.

(Wiederbelebung)

Die Entwickler träumen von einem ganzen Netz aus Rettungs-Drohnen. Schon heute seien sie in der Lage, 100 Stundenkilometer schnell zu fliegen – ohne sich durch den Verkehr quälen, ohne Umwege fahren zu müssen. Während ein Rettungswagen in den Niederlanden im Schnitt zehn Minuten braucht, um beim Patienten zu sein, könnte eine Rettungs-Drohne ihr Ziel also in gut einer Minute erreichen. Zeit, die Leben rettet – das leuchtet ein.

Szenarien für den Einsatz von Drohnen gibt es jede Menge. Die Deutsche Bahn etwa hat diverse getestet: bei der Suche nach Sprayern, die nachts Züge verschandeln und das Unternehmen so viel Geld kosten. Auch Wartungsflüge über dem Schienennetz, an Brücken und in Tunnelanlagen sind für die Bahn ein Thema. Darüber reden will der Konzern derzeit aber nicht. Ein Sprecher erklärt: Das passe nicht in die Strategie.

Offener zeigt sich die Polizei. Auch sie setzt heute vielerorts ganz selbstverständlich auf Drohnen, etwa die Zentrale Polizeidirektion von Niedersachsen. Sie hat – in Hannover – zwei Multi-Copter im Einsatz und dafür vier Beamte zu sogenannten Luftfahrzeugfernführern ausgebildet. Einer der Piloten ist Johannes Faust.

„Wir haben ganz verschiedene Einsatzszenerien oder Einsatzansätze im Zusammenhang mit diesen Geräten erprobt, beispielsweise im Bereich – was sich auch als Schwerpunkt in der letzten Zeit herausgestellt hat – der Brandursachen-Ermittlung. Häufig haben in der Vergangenheit ja auch unsere Brandursachen-Ermittler auf Systeme wie Drehleitern zurückgegriffen, um beispielsweise bei nicht mehr betretbaren Objekten, die auf Grund der Brandeinwirkung einsturzgefährdet sind, dennoch aus der Nähe mögliche Entstehungsorte oder auch einen Gesamtüberblick zu gewinnen. Da zum Beispiel können diese Systeme als eine Art Kamera-Arm agieren, die eben ohne die Spuren in irgendeiner Form zu zerstören durch ihren geringen Abwind auch Detail-Fotos liefern können.“

Fotos von Tatorten sind das eine, 3D-Objekte für die Spurensicherung das andere. Zusammen mit den Aufnahmen von Multi-Coptern kann eine spezielle Software Situationen dreidimensional erfassen. Das hilft Ermittlern etwa, um auch später am Schreibtisch oder in Gerichtsprozessen Perspektiven zu rekonstruieren. Wo hat sich an einem Tatort ein Schütze positionieren müssen? Und wie hat sich ein Unfall ereignen können? Dazu kommt die Planung der Einsatzkräfte vor Großereignissen – auch hier hilft die Übersicht, die mit Kameras bestückte Drohnen liefern. Und mehr:

„Umweltdelikte sind ein Stichpunkt, wo die Systeme in den vergangenen Jahren auch eingesetzt worden sind, sei es im Zusammenhang mit der Dokumentation aus der Luft der Einleitung von Abwässern, indem man dann Leitungssysteme mit einem Kontrollgas begast hat und dann anhand dieser Luftaufnahmen verfolgen konnte, wie verläuft diese Leitung, führt das tatsächlich in ein Gewässer, wo es nicht reingeleitet werden darf und soll.“

Die Drohne als Hilfsmittel – von Polizei, Rettungskräften oder Unternehmen. So nützlich die Geräte aber auch sein mögen: Die neue Technik birgt Risiken. Da ist etwa die rein physische Sicherheit: Wenn es immer mehr Geräte werden, steigt die Gefahr von Unfällen – von Kollisionen und Abstürzen. Eine Drohne wiegt immerhin mehrere Kilogramm, dazu kommen häufig Kameras, teils mit wuchtigen Objektiven.

Auch wenn die Geräte leicht zu besorgen sind: Fast nirgends dürfen Multi-Copter einfach so starten – von ausgewiesenen Modellflugplätzen einmal abgesehen. Rund um Flughäfen gelten weiträumige Sperrzonen, dazu kommen Beschränkungen über einigen Städten. Das Zentrum Berlins etwa ist für Drohnen gänzlich tabu. Wer die Geräte geschäftlich betreibt, der braucht außerdem eine Aufstiegsgenehmigung.

Die vielleicht wichtigste Einschränkung aber ist: Copter-Piloten dürfen ihre Geräte hierzulande lediglich „auf Sicht“ fliegen – der Paketcopter von DHL ist eine seltene Ausnahme unter strenger Beobachtung. Dass der Versandhandel flächendeckend Ware per Drohne ausliefert, ist also pure Fiktion und das übrigens auch in den USA.

Das alles sind gesetzliche Grenzen, die den Braunschweiger Copter-Unternehmer Christian Kaiser ärgern. Er würde Unternehmen gern für die Wartung oder für die Bewachung ihrer Gelände automatische Flüge anbieten.

„Also man hat ja die technischen Möglichkeiten, zu kontrollieren, wo sich das Gerät befindet, weil die Telemetrie wird ja immer gesendet und ich sehe auf dem Laptop über eine Karte, wo sich das Gerät gerade befindet, in welcher Höhe, in welcher Geschwindigkeit, wohin fliegt er – das sehe ich alles und muss nicht zwingend die Sichtverbindung zu dem Gerät haben. Daher: Ja, wir sind in den Einsatzmöglichkeiten eingeschränkt, wir könnten mehr tun. Technisch ist das möglich. Technisch ist das auch zuverlässig möglich. Wir dürfen es nur nicht. Und die Unternehmen genau das gleiche: Unternehmen würden auch gerne viel mehr damit machen, dürfen es aber nicht.“

Bei der Deutschen Bahn ist hinter den Kulissen zu erfahren: Die Tests zur Suche nach Sprayern seien durchaus erfolgreich gewesen. Aus Probeeinsätzen sollte der Regelbetrieb werden. Doch Juristen hätten dann abgewiegelt: Die Rechtslage lasse das gar nicht zu. Derzeit prüft die Bahn andere Szenarien und will damit demnächst an die Öffentlichkeit gehen. Drohnen bleiben für sie ein interessantes Instrument.

Auch die Polizei könnte mehr tun, darf es aber nicht. Ein Szenario drängt sich förmlich auf: Die Beobachtung von Demonstrationen, vor allem, bei Ausschreitungen. Eine Drohne könnte – bestückt mit einer Kamera – in Echtzeit zur Aufklärung beitragen. Luftfahrzeugfernführer Johannes Faust aber wiegelt ab:

„Mit einem Wort: nein. Was durchaus geschehen ist – natürlich im Vorfeld –, wenn es darum geht, die möglichen Räume oder gefährdeten Objekte einfach zur Kräfteeinweisung Vorfeldaufnahmen ohne Personen zu fertigen, das ist geschehen, oder auch vielleicht den Verlauf polizeilicher Sperrlinien zu dokumentieren: ja. Bei Versammlungen: ein definitives Nein.“

Reporter: „Obwohl das sicher eine Hilfe wäre, oder? Sie sprachen ja davon, dass das politisch letztlich gesetzt ist, dass das nicht gemacht wird.“

„Es gibt gegenwärtig keine Notwendigkeit, die Systeme in diesem Bereich einzusetzen. Das ist, der Polizeihubschrauber nimmt in diesem Bereich auch hervorragend seine Aufgaben wahr. Letztendlich ist das aber auch nicht an uns, das zu entscheiden. Es ist nicht gewünscht und die Polizei tut es nicht.“

Nicht gewünscht – die Politik verbietet der Polizei eine bequeme und dazu noch billige Möglichkeit, Einsatzorte zu überblicken. Der Grund: Eine leise und kleine Drohne würden den Beobachteten mehr Angst machen als ein lauter Hubschrauber.

„Ja, also, das ist für mich sehr schwierig, das im Einzelnen, das ist ja auch eine Vielzahl von verschiedenen Dingen, die vielleicht die Menschen, die dann sich beobachtet – ich setze das wohlweislich in Anführungszeichen – fühlen durch so einen Drehflügler. Was da im Einzelnen die Motive und Sichten sind, da müsste ich auch Spekulieren. Es ist nur so – das ist für mich auch die klare Abgrenzung –, das ist bereits etabliert, der Polizeihubschrauber ist auch bekannt als Überwachungs-, nicht als Überwachungs-, das ist schlecht ausgedrückt, als Übersichtsinstrument. Ich möchte da keinen falschen Eindruck erwecken, ganz im Gegenteil. Dieser Eindruck könnte hier anscheinend entstehen. Um alleine das schon zu vermeiden, wird auch auf das etablierte Einsatzmittel abgestellt und diese Systeme werden nicht eingestellt.“

Das fliegende Auge, das sich völlig unbemerkt heranpirscht – ein Horrorszenario. Bei der Polizei lässt sich das eindämmen. Aber was, wenn immer mehr private Nutzer Drohnen haben, die mit Kameras bestückt sind? Und was, wenn auch immer mehr Kriminelle die Geräte einsetzen? Auch hier ist Christan Kaiser mit seinem jungen Unternehmen aktiv. Er berät Unternehmen bei der Konzernsicherheit. Die fliegenden Kameras seien hier schon lange ein Thema. Das Stichwort hier: Betriebsspionage.

„Man glaubt immer, dass man schnell reagieren kann, wenn man sieht, dass so ein Ding einschlägt und wieder rausfliegt, aber das ist Mumpitz. Das Ding, die Copter, fliegen so schnell ein, können Sachen aufnehmen und ist so schnell wieder draußen, dass man überhaupt keine Chance hat, groß zu reagieren und irgendwelche Abfang-Maßnahmen zu machen. Das geht schlicht nicht, weil sie eben entsprechend so schnell sind. Wir haben gemeinsam so Dinger geflogen und testweise sind von außen – natürlich alles mit Erlaubnis, das ist völlig klar – eingeflogen, um zu schauen, wie reagieren denn die Personen auf dem Betriebsgelände. Und Sie glauben gar nicht, wie fasziniert die Leute da stehen uns nach oben gucken. Ne, das hat eher noch so ein Faszinosum denn ein Bedrohungspotenzial. Aber so schnell wir waren, Aufnahmen gemacht haben, waren wir auch wieder draußen und weg.“

Unternehmen wie etwa VW wollten darüber naturgemäß lieber nicht reden. Und auch die Polizei gibt sich einigermaßen ratlos: Wie die Geräte erfasst werden, geschweige denn, wie ihre Halter ermittelt werden sollten, ist völlig unklar. Im Netz wiederum kursieren Ideen für Gegenmaßnahmen: Abfang-Drohnen, die zwar nicht lange, dafür aber extrem schnell fliegen können und die mit einem Fangnetz ausgerüstet sind.

Das fliegende Auge ist aber auch im Kleinen ein Problem. Datenschützer wie der Hamburger Beauftragte Johannes Caspar beobachten zunehmend mit Sorge, dass der Absatz von günstigen leicht zu steuernden Hobby-Drohnen wächst und damit Kameras nicht nur wie bisher verbaut in Handys am Boden sondern nun auch angehängt an Multi-Copter in der Luft allgegenwärtig werden.

„Dann muss natürlich ganz genau geguckt werden, werden hier nicht plötzlich Bilder von Bewohnern in den Wohnungen genommen. Das sind dann auch nicht ganz kleine Eingriffe in die Privatsphäre. Derartige Eingriffe können im Extremfall auch strafrechtlich relevant sein. Dann nämlich, wenn es den unmittelbaren privaten Lebensbereich der Personen betrifft, die sich eines solchen Kamera-Angriffs eben nicht bewusst sein müssen. Insofern ist bei diesem Einsatz der Drohnen natürlich auch immer die Gefahr dabei, dass man Dinge tut, die man nicht tun darf.“

Ahnungslosigkeit als Gefahr – bei den Multi-Coptern sei das ein besonderes Problem, mahnt Caspar. Immer günstigere Geräte, fest installierte Kameras und ein Einsatz ganz ohne Ausbildung – für Datenschützer eine gefährliche Kombination.

„Die Drohnen sind ja mobil und insofern ein besonderer Gefährdungs-Tatbestand, verwirklichen also einen stärkeren Eingriffs-Gehalt, weil sie schwerer zu kontrollieren sind. Sie lassen sich nicht auszeichnen, eine Kennzeichnung ist nicht möglich. Und sie lassen sich am Ende auch möglicherweise dann nicht kontrollieren. Auch derjenige, der sie einsetzt, wird nicht auffindbar.“

Der Hamburger Datenschützer wünscht sich einen Beipackzettel: Neuen Geräten soll eine Broschüre beiliegen, die Nutzer darüber aufklärt, wo sie ihre Geräte überhaupt aufsteigen lassen und wann sie ihre Kamera einschalten dürfen – und vor allem: wann eben nicht. Doch auch dann bleibt am Ende eine Frage, bei aller Faszination für die neue Technik und ihre vielfältigen Möglichkeiten: Lässt sich ihr Einsatz überhaupt kontrollieren? Lassen sich die ausfindig machen und sanktionieren, die mit ihrem fliegenden Auge Grenzen übersteigen? Auch der Datenschützer muss passen:

„Kontrollieren können wir es ja jetzt schon nicht. Und wir sind weit davon entfernt, zu kontrollieren die gesamte Videoüberwachung in einer Stadt wie Hamburg. Wir können nur den Einzelfall am Ende kontrollieren – der Fall, der uns dann gemeldet wird. Das ist bei Videoüberwachung kein Problem. Dann geht man vor Ort, guckt sich das an. Etwas anderes ist es bei einer Drohne, die dann aufgestiegen ist und weg ist und wo man dann eigentlich gar nichts mehr hat.“
Fernsteuerung: „Landen.“

>> Download MP3 (Quelle: NDR Info-“Das Forum”)