Neu umgarnt

Google wirbt um Journalismus

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
„Google und die Medien“ – von Konfrontation zu Kooperation. Traditionelle Verlage – sie müssen immer stärker nach neuen Geschäfts-Modellen fürs Digitale suchen. Genau in dieser Situation bietet sich der Internetkonzern als Retter an.

Kay Oberbeck, Sprecher Google Deutschland
„Wir versuchen, die Hand auszustrecken zu Verlagen. Wir versuchen, hier mehr zu machen.“

„Google pumpt 150 Millionen Euro in den Journalismus“, treibt Experimente in den Medienhäusern voran. Die melden stolz in eigener Sache: „SPIEGEL-Verlag und weitere schließen sich Googles Initiative an“. Die FAZ – sonst kritisch im Digitalen – spricht gar von einem „Pakt für den Journalismus“. Dazu: Exklusive Konferenzen für Verlagsmanager und Journalisten – wie neulich in Helsinki bei „Newsgeist“. Die Stimmung: gelöst. Die Diskussionen: vertraulich. Google organisiert sich raffiniert Nähe – und alle kommen. Vertreter der großen Verlagshäuser – auch aus Deutschland.

Kay Oberbeck, Sprecher Google Deutschland
„Es ist sicherlich ein neuer, eine neue Denke, dass man hier sehr, sehr viel partnerschaftlicher, sehr viel offener auch an die Medienunternehmen herangeht.“

Google und die Medien – man mag sich, man arbeitet und man spielt sogar miteinander. Anders: „Google und die Politik“. Die Suchmaschine – für sie zu mächtig, zu undurchsichtig. Die „Regulierung und Entflechtung von Google“ – deshalb ein Dauerthema. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel brachte gar eine Zerschlagung von Google ins Gespräch. Auch der Landespolitiker Torsten Albig hat die Macht der IT-Konzerne als Thema entdeckt. Er selbst: ständig auf Google.

Torsten Albig, Ministerpräsident Schleswig-Holstein (SPD)
„Ich bin so faul oder zumindest Mal bequem wie viele auch. Und das ist das Praktischste. Ich habe es oben auf meinem Handy. Und so nutzt man es und irgendwann glaubt man, das ist dein verlässlicher treuer Freund.“

Doch in der „Zeit“ mahnt Albig: „Google ist nicht zu durschauen“. Der Politiker will sich gegen die „Entstehung digitaler Informationsmonopole“ wehren.

„Möglicherweise sind die aktuellen Google-Akteure meine besten demokratischen Partner. Aber ich hätte gerne ein Regelwerk, das mich begleitet, auch wenn die Partner sich ändern.“ // „Ich möchte, dass Google Transparenz schafft. Dass ich erkennen kann, nach welchen Kriterien weist mir Google Informationen zu.“ // „Ich finde, ein erster Ansatz – und ich wundere mich, dass das nicht aktiver von denen kommt – dass sie sagen, dann lasst uns doch mal eine NGO-mäßige Begleit-, ein Begleitgremium, dem wir den Algorithmus offenlegen.“

Die ABC-Straße in Hamburg – die Deutschland-Zentrale von Google. Bei Fragen zum Algorithmus macht es sich der Konzern einfach und verweist aufs Netz. „So funktioniert die Google Suche“: Auf einem eigenen Portal listet der Konzern tatsächlich viele Kriterien auf. Doch komplette Transparenz und sei es auch nur für ein unabhängiges Kontrollgremium – mit Google nicht zu machen.

Kay Oberbeck, Sprecher Google Deutschland
„Den Algorithmus komplett zu offenbaren, wäre letzten Endes für unsere Nutzerinnen und Nutzer eine absolute Gefahr. Es würde ihnen in keinster Weise helfen, weil dadurch Manipulation, Spam, Malware Tür und Tor geöffnet wäre.“

Torsten Albig will noch mehr. Seine zweite Idee: Google soll gezielt besondere Inhalte in den Ergebnislisten möglich weit vorne präsentieren.

Torsten Albig, Ministerpräsident Schleswig-Holstein (SPD)
„Es muss so ein Anbieter sein, den Du immer findest auf der ersten Seite. Und das könnte dann ein öffentlich-rechtliches Angebot sein. Das weiß ich natürlich, ist mir auch klar, das muss jetzt der NDR sein, dass da viele aufstehen und sagen, warum der NDR und wo ist er denn besser als… Dahinter steckt ja nur die Idee, dass wir dort – zumindest mal kenne ich keine heftige Kritik dagegen – ein demokratisches Begleitsystem etabliert haben, dass die mich nicht beliebig manipulieren.“

Kay Oberbeck, Sprecher Google Deutschland
„Leuchtturm-Marken wie eine ARD, wie eine ‚Tagesschau’, wie eine ‚Welt’, wie eine FAZ, werden heute im Netz gefunden wie auch später im Netz gefunden. Und da bedarf es sicherlich nicht einer künstlichen Einrichtung einer künstlichen Fernbedienung, um das sicherzustellen.“

Regeln für Google und andere Netzriesen – dankbarer Stoff auch für öffentliche Diskussionen: „die Macht der Internet-Konzerne und die Ohnmacht der Politik“. Hier auch mit dabei: Journalisten und IT-Experten. Am Ende: alle zusammen keinen Schritt weiter.

Mathias Müller von Blumencron, Leiter Digitale Medien FAZ
„Das Problem ist doch: Was will ich eigentlich regulieren. Und das war auch wieder in unserer Diskussion ein großer Unsicherheitsfaktor. Die Datenschutzrechtliche Ebene – ja, da kann ich was machen. Ich kann die konzernrechtliche Ebene, also die Wettbewerbsebene, kann ich nach Wettbewerbskriterien beurteilen – was aber schwierig ist, weil Google in einem extremen Wettbewerbsumfeld steht, globalem Wettbwerbsumfeld. Im medialen Bereich ist es natürlich ganz schwer.“

Constanze Kurz, Chaos Computer Club
„Aus Sicht von Google habe ich dafür durchaus Verständnis: Die interessieren sich für ihre Shareholder, für ihre Profite. Und nur dann, wenn die Politik ihnen wirklich in die Quere kommt, dann werden sie handeln müssen.“

Google wirklich in die Quere kommen – dafür bräuchte es wirklich politische Mehrheiten. Torsten Albig führt diesen Kampf derzeit allein – nicht zuletzt im Kreis der 16 Länderchefs. Die aber entscheiden über die Spielregeln für die Medien.

Torsten Albig, Ministerpräsident Schleswig-Holstein (SPD)
„Das ist ein Thema, was normal ja auch nichts mit der Fähigkeit und Unfähigkeit der Politik zu tun hat, sondern dass Politik auch durchaus unterschiedlich die Dinge interpretiert und nicht alle interpretieren das – und das ist vielleicht auch gut so – so wie ich. Sondern es gibt auch andere Sichtweisen. Und sollten Menschen das so sehen wie ich, dass man da Google nicht ganz allein recht – oder andere Akteure –, dann müssen irgendwann 16 das so sehen – sonst wird das nichts.“

(Quelle: NDR-“Zapp”)