Imagepflege via Facebook

Die Social-Media-Offensive der Bundesregierung

für NDRinfo

Manuskript des Beitrags
Ein Café in Berlin-Mitte. Tabea Wilke zückt ihr Handy. Sie hilft Politikern beim Auftritt in sozialen Netzwerken und besucht die Bundesregierung – auf Facebook.

„Ah, da ist was Schönes! Die Sommerzeit in Berlin, mit einem wunderbaren Foto auf das Bundespresseamt mit Blick auf die Spree. Das ist großartig, das sind schöne Bilder, das wollen die Menschen sehen.“

„Hat jetzt mit harter Politik aber nichts zu tun, oder?“

„Ne. Es geht ja auch darum, auf Facebook Emotionen zu transportieren. Und das sieht man auch übrigens hier auch bei der Bundesregierung sehr schön. Sie hat einerseits dieses wundervolle Spree-Foto. Und wenn man mal so ein bisschen runter scrollt, kommt gleich Fakten zu den Anschlägen in Tunesien und Frankreich.“

Allein die Vorbereitung ihrer Social-Media-Strategie hat sich die Bundesregierung 120.000 Euro kosten lassen. Die Präsenz gerade auf Facebook – für Regierungssprecher Steffen Seibert ist sie konsequent.

„Es gibt viele Menschen, die sind erreichbar über gedruckte Broschüren – und deswegen kriegen sie die über uns. Und es gibt welche, die sind inzwischen fast nur noch im Netz oder fast nur noch in den sozialen Medien erreichbar und deshalb sind wir auch da aktiv.“

Seiberts Leute gewähren in kleinen Videos einen Blick in das Cockpit der Regierungsmaschine – während der Landung. Sie zeigen Kanzlerin und Minister bei der Arbeit. Dazwischen: Klassische Statements zur griechischen Schuldenkrise oder zum Arbeitsmarkt. Knapp 100.000 Nutzer haben diese Regierungsbotschaften bereits abonniert. Unter den Einträgen platzieren viele wiederum ihre Fragen. Der Regierungssprecher räumt ein: Sein Team schafft es nicht, alle zu beantworten.

„Es wird sicher immer welche geben, die mit Recht sagen: Moment mal, ich habe da eine Frage gestellt, auf die habe ich keine Antwort bekommen. Aber wir tun so viel wir können.“

Auf einer anderen Plattform ist die Bundesregierung inzwischen in der Defensive. Auf dem noch jungen Profil der Kanzlerin im Foto-Dienst Instagram löscht sie konsequent russische Kommentare.

Offizielle Begründung: Die Sprache passe nicht zum Kanal. Was der Regierung aber passt sind die eigenen Bilder, die die Kanzlerin in Szene setzten. Beraterin Wilke ist der Meinung: Merkel mit anderen Regierungschefs – das ist die richtige Strategie.

„Das zeigt, die Bundeskanzlerin ist an einer Lösung interessiert, sie arbeitet hart, das alles vermittelt dieses Bild. Und das ist auch eine Information und das können Bilder viel besser transportieren als jeder geschriebene Text.“

Letztlich bedient Merkel diese Kanäle nicht selbst, sondern ihr Team. Auf Facebook ist das durchaus üblich, auf Twitter wiederum verpönt. Hier ist persönlicher Einsatz gefragt. Merkel hält sich aus dieser Plattform dann auch konsequent heraus und ist damit nicht allein, wie ein Blick auf die EU-Regierungschefs zeigt: Auch ihre Kollegen aus Österreich und Schweden bleiben Twitter fern. Andere haben zwar mal damit begonnen, ihr Profil aber wieder eischlafen lassen. Social-Media-Offensiven mögen gerade hoch im Kurs stehen. Für den direkten Draht aber ist nicht jeder zu haben.

>> Download MP3 (Quelle: NDRinfo-“Netzwelt”)

Daniel Bouhs

Ich berichte über Medienunternehmen, Journalismus, Medien-/Netzpolitik – für TV, Radio, Print und Online. Manche nennen mich auch: den Mediennerd. Mit Jörg Wagner präsentiere ich das Medienmagazin auf radioeins. In einem eigenen Projekt dokumentiere und analysiere ich zudem die Debatte über die Zukunft von ARD und ZDF.

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