Taskforce Recherche

Gemeinnützige Projekte für Lokaljournalismus

für B5aktuell

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Manuskript des Beitrags
Thomas Schuler mag keine Schnellschüsse – er ist vor allem für ausführliche Recherchen zu haben. Seit Jahren erklärt er dem Nachwuchs, wie das geht: sich Unterlagen bei Behörden besorgen, Protagonisten für eine Geschichte finden, Fakten verifizieren, am Ende ein opulentes Bild aus den Puzzleteilen einer ausgiebigen Recherche zusammensetzen. Doch bislang verharren solche Kurse oft in der Theorie. Jetzt will Schuler das ändern. Sein neues Projekt: Pro Recherche.

„Es ist nicht umgekehrt, dass man vor allen Dingen Theorie macht, wie es jetzt sehr oft passiert und dann ein bisschen Praxis noch, für die dann leider oft die Zeit fehlt, weil einfach sehr viel Zeit für das Recherchieren erforderlich ist, sondern wir setzen ein Thema – in diesem Fall wird es im November um das Thema Cross-Border-Leasing gehen,“

und dann sollen die Teilnehmer seines neuen Projekts eben vor allem eines: Recherchieren. Zusammen mit ein paar anderen erfahrenen Kollegen will er seine Schüler dann über Monate begleiten. Recherchiert werden soll dabei vor allem vor der eigenen Haustür, dort, wo Lokalzeitungen seit Jahren schwächeln.

„Im Idealfall werden etliche Tageszeitungen Beiträge veröffentlichen – und zwar genau an den Orten, an denen solche Verträge abgeschlossen worden sind – und dann wird möglicherweise unsere kleine Lehrredaktion – zwölf Leute plus drei Referenten – noch ein größeres Stück bauen, das vielleicht tatsächlich in einem nationalen Medium dann gegeben wird.“

Schuler hofft auf Förderer und darauf, dass er ihnen bald anbieten kann, ihnen dafür auch eine Spendenquittung auszustellen. Der Journalist hat dafür beim Finanzamt für sein Projekt beantragt, als gemeinnützige Veranstaltung anerkannt zu werden. Andere haben das bereits geschafft, vor einem Jahr etwa das Recherchebüro Correctiv. Hier können Förderer sogar Mitglied werden. Der neue Correctiv-Chefredakteur Markus Grill, der gerade vom „Spiegel“ kam, plant nun ebenfalls, Recherchen im Lokalen zu unterstützen.

„Die Idee ist auch, wenn Leute aus der Community sagen, in unserer Stadt irgendwie funktioniert was nicht richtig, dass wir dann kommen, ja? Dass wir sozusagen wie als Task-Force irgendwie einreiten in eine Stadt und – in Kooperation gerne mit der örtlichen Lokalzeitung, wenn die das will, also zeigen, wie man an Dokumente rankommt, an Informationen rankommt – auch die Stadtverwaltungen ein bisschen piesacken, wie es die Lokalzeitungen vielleicht nicht immer so machen.“

Dabei geht es dem Correctiv-Chef Grill ähnlich wie Thomas Schuler: Auch er weiß noch nicht, wie groß sein Engagement für den Lokaljournalismus am Ende sein wird.

„Wir haben ja keine Abos. Wir brauchen Unterstützer. Wir brauchen Leute – einzelne Leute, Bürger oder eben Stiftungen –, die das, was wir tun, für sinnvoll und richtig finden.“

Wer Correctiv fördert, kann sein Engagement bei seiner nächsten Steuererklärung geltend machen. Als Gemeinnützigkeit gilt Correctiv aber nur, weil die Rechercheure neben ihren eigenen Recherchen, die zuletzt unter anderem im „Spiegel“ und in der „Zeit“ veröffentlicht wurden, Zeit in Ausbildung investieren. Correctiv-Mitarbeiter touren dafür durch die Republik und erklären anderen Journalisten, aber auch Bürgern, wie jeder mit sogenannten Informationsfreiheitsgesetzen einen Blick in die Aktenschränke der Verwaltung werfen kann. Bei Correctiv führte der Weg zur Gemeinnützigkeit also über Bildung – Thomas Schuler sieht sich im Vorteil:

„In dieser ganzen Debatte ist ja immer ein Punkt zentral, nämlich: Alle diese Projekte müssen eigentlich Bildung leisten. Und wir haben das ja an erster Stelle bei uns eigentlich. Wenn wir ausbilden und fortbilden, dieses Modul ist unser wichtigstes, dann hoffe ich eigentlich, dass uns die Gemeinnützigkeit, die wir beantragt haben, das wir die wirklich bekommen.“

Was beide eint, ist der Wunsch, dass irgendwann auch Journalismus an sich als gemeinnützige Unternehmung anerkannt werden kann. Das aber ist den Behörden in Deutschland nicht erlaubt – bislang zumindest.

>> Download MP3 (Quelle: B5-“Medienmagazin”)

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