Mit “Upday” zum Erfolg?

Warum Springer mit Samsung kooperiert

für WDR5

Manuskript des Beitrags
Im Rückblick ergibt plötzlich alles einen Sinn. Ende November irritierte Kai Diekmann noch mit Einträgen auf Twitter: Während hiesige Medienmacher noch fasziniert aufs Silicon Valley blickten, zu Facebook und Google und Apple, trieb sich der „Bild“-Chefredakteur in Süd-Korea herum. Zusammen mit anderen Vertretern von Axel Springer besuchte er Samsung. Heute ist klar: Damals wurde ein großes Projekt eingefädelt. Das Medienhaus und der Handyhersteller machen gemeinsame Sache. Das erste Produkt: „Upday“ – eine Nachrichten-App nur für Samsung-Kunden.

„Wir profitieren sehr in der Zusammenarbeit mit Samsung, weil wir sozusagen als digitales Verlagshaus die Expertise im Journalismus mitbringen und Samsung die Expertise in der Technologie und natürlich als Vertriebskanal mit Samsung-Handys, weil die Abdeckung in Europa sehr hoch ist.“

, sagt Sandra Petersen, die Sprecherin des neuen Projekts. Dabei bündeln also zwei Schwergewichtige ihre Kräfte: das Medienhaus, das mit seinem Journalismus an mobile Nutzer herankommen möchte, und der IT-Konzern, der Inhalte für seine Handys sucht. Auch für Jens Twiehaus, der die Verlagsszene für den Branchendienst „Kress“ beobachtet, ist diese Kooperation ein kluger Schachzug:

„Axel Springer will zum führenden Digitalverlag werden und dazu muss das Unternehmen auf das Smartphone. Und man muss sich vor Augen führen: Das iPhone vielleicht das bekannteste Smartphone, aber nicht das verbreitetste. Nicht einmal jedes fünfte Verkaufte Smartphone in Deutschland ist ein iPhone. Und d a ist Samsung schon eher so etwas wie der Volkswagen unter den Smartphones.“

Auch Inhaltlich probiert Springer Neues: Nur die Rubrik „Want to know“ – also „Das will man wissen“ – stellt die Redaktion aus Geschichten zusammen, die Springer-Journalisten aufgeschrieben haben. Die Rubrik „Need to know“ – also „Das muss man wissen“ – ist hingegen ein „kuratierter Nachrichtenstream“. Das heißt: Anders als bei klassischen Zeitungen und Portalen schreiben hier keine Springer-Redakteure die Neuigkeiten auf. Die App stellt die Nachrichten stattdessen aus Quellen im Netz zusammen – von den eigenen Titeln bis zu fremden, von „Bild“ und „Welt“ bis zur FAZ und „Süddeutschen Zeitung“.

„Das ganz erklärte Ziel dieser Plattform ist es eben, nicht nur Axel-Springer-Marken dort einzubinden, sondern eine übergreifende Plattform zu sein“

, sagt dann auch Springer-Frau Petersen. Aber was haben eigentlich die anderen davon, was hat etwa die FAZ davon, in „Upday“ aufzutauchen und vor allem: Darf Springer das so einfach, sich für seine App an fremden Texten bedienen? Petersen erklärt: Letztlich verweist die App nur auf fremde Inhalte. Der Nutzer surft sie dann an.

„Wir verlinken auf die Mobilseiten der Publisher und zahlen natürlich das Leistungsschutzrecht an die entsprechenden Publisher.“

Das Leistungsschutzrecht – das ist so gar nicht Silicon Valley. Es ist ein Gesetz, das es vor allem gibt, weil Verlage – allen voran Springer – juristisch gegen Google kämpfen. Das Gesetz verpflichtet Unternehmen, die mit der Verlinkung auf Online-Inhalte von Zeitungen und Magazinen Geld verdienen wollen, dafür zu bezahlen. Mit „Upday“ will Springer also der Branche offensichtlich ganz nebenbei auch zeigen: Das Gesetz, das viele als überflüssig bezeichnen, bringt etwas, nämlich Verlagen bares Geld und sei es auch nur untereinander, denn Google zahlt bislang nicht.

Noch digitaler werden, mit einem IT-Riesen kooperieren, das Wunsch-Gesetz unter Beweis stellen: „Upday“ ist für Springer offensichtlich ein ziemlich wichtiges Projekt. Das zeigen auch die Personalien: „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann hat den Deal mit Samsung in Korea eingefädelt, „Welt“-Chefredakteur Jan-Eric Peters soll „Upday“ nun bei Nutzern etablieren. Er wechselt dafür nach 13 Jahren die Redaktion. Für Branchenkenner Twiehaus ist das eine durchaus bemerkenswerte Entscheidung:

„Den Chefredakteur der zweitgrößten Tageszeitung des Hauses abzuziehen in so ein Digitalprojekt, das bedeutet natürlich, dass man glaubt, dass das möglicherweise das Geschäftsmodell der Zukunft wird.“

Das mit dem Geschäftsmodell ist allerdings noch nicht ganz klar. Springer und Samsung, den neuen Partnern, geht es erst mal vor allem darum, die App unter die Leute zu bringen. Das wiederum ist klassisch Silicon Valley#: Erst mal anfangen. Geld verdient wird später. Für traditionelle Verlagshäuser ist das alles eine neue Welt.

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”)

Daniel Bouhs

Ich berichte über Medienunternehmen, Journalismus, Medien-/Netzpolitik – für TV, Radio, Print und Online. Manche nennen mich auch: den Mediennerd. Mit Jörg Wagner präsentiere ich das Medienmagazin auf radioeins. In einem eigenen Projekt dokumentiere und analysiere ich zudem die Debatte über die Zukunft von ARD und ZDF.

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