Rückgaberecht für Journalismus

Online-Kiosk Blendle startet in Deutschland

für NDR Info

Manuskript des Beitrags
So etwas wäre im analogen Leben undenkbar: Leser, die sich an einem Kiosk aus Zeitungen und Magazinen die Geschichten herausreißen, die sie interessant finden finden, und auch nur dafür bezahlen. Und wenn ihnen ein Artikel nicht gefällt, dann geben sie die Geschichte einfach wieder zurück und bekommen ihr Geld wieder.

In den Niederladen geht das bereits seit einem Jahr – beim Online-Kiosk Blendle. Der startet nun auch hierzulande, ein Rückgaberecht für journalistische Texte inklusive.

(OV) „Überlegen Sie mal: Bevor Sie einen Text kaufen, wissen Sie gar nicht, ob er sein Geld wert ist. Also bieten wir Nutzern die Möglichkeit, ihr Geld zurückzukommen. Sie müssen einen Grund nennen – hat sie der Text enttäuscht, war er zu teuer oder so – aber dann bekommen sie tatsächlich ihr Geld zurück“

, verspricht Alexander Klöpping, einer von zwei Gründern. Ein Rückgaberecht auf Artikel – Verlage seien erst mal verschreckt gewesen. Klöpping kann allerdings beruhigen: In den Niederlanden verlangt nicht mal jeder zehnte Nutzer auch nur für einen Text sein Geld zurück. Was sie zurückgeben, dürfte Verleger aber aufhorchen lassen.

(OV) „Am häufigsten wird Klatsch zurückgegeben – dort hält der Text oft nicht, was die Überschrift verspricht. Das Rückgaberecht ist am Ende doch ein Anreiz für Verlage, gute Inhalte zu liefern. Denn wenn sie einen schlechten Job machen, wollen die Leute nun ihr Geld zurück haben.“

In den Niederladen zählt Blendle bereits 400.000 Nutzer. Bei deutschen Verlagen weckt das große Hoffnung. Axel Springer hat sich gleich an Blendle beteiligt, aber auch viele andere machen mit. Zum Start können Nutzer bereits in Dutzenden Titeln stöbern, vom „Kicker“ über „Brigitte“ und „Spiegel“ bis zur „Hamburger Morgenpost“.

Nutzer haben die Wahl: Sie können alle Titel durchsuchen, um auf einen Schlag alle Texte zu einem Thema zu finden. Auf der Seite und auch in den Apps von Blendle können Nutzer aber auch in einzelnen Titeln stöbern, sogar im Original-Layout. Das alles wirkt durchdacht.

Texte je nach Publikation für 20 bis 50 Cent – manch ein Verlag bietet das bereits selbst an. Stefan Scherzer vom Verlegerverband VDZ räumt allerdings ein: Eine gemeinsame Plattform haben die Verlage nie auf die Beine gestellt.

„Es ist häufig ganz gut, wenn ein neutraler Dritter Modelle anbietet, weil die Verlage sind ja untereinander im Wettbewerb. Das Zweite ist: Wenn alle Verlage sagen würden, wir machen eine Plattform, dann haben sie sofort Herrn Mundt vom Kartellamt auf dem Anrufbeantworter, weil das heißt natürlich eine Absprache, die kartellrechtlich nicht statthaft ist.“

Erst die Niederlande, jetzt Deutschland – als nächstes will Blendle in den USA starten. Hier aber ziehen sich die Verhandlungen mit den Verlagen noch hin. Unterdessen wächst die Konkurrenz. Readly zum Beispiel bietet bereits eine Flatrate für Zeitungs- und vor allem Magazintexte – so wie Spotify für Musik. Anders als bei Blendle hält sich die Begeisterung deutscher Verlage hier aber noch deutlich zurück.

>> Download MP3 (Quelle: NDR Info)

One thought on “Rückgaberecht für Journalismus”

Daniel Bouhs

Ich berichte über Medienunternehmen, Journalismus, Medien-/Netzpolitik – für TV, Radio, Print und Online. Manche nennen mich auch: den Mediennerd. Mit Jörg Wagner präsentiere ich das Medienmagazin auf radioeins.

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