Von gestern

Rabatte für Journalisten

für NDR Fernsehen

— zusammen mit: Caroline Ebner —

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Manuskript des Beitrags
Der Presseausweis. Offiziell ein notwendiges Arbeitsinstrument, doch für viele Journalisten jahrelang auch: eine tolle Rabattkarte. Zum Beispiel für Flüge für die Hälfte – vergünstigte Urlaubsreisen – und sogar Autos zum Vorzugspreis.
“Hoffen Sie dadurch auf positive Berichterstattung? – „Ja, natürlich – wo immer möglich.”
“ich glaube einfach, es ist eine Maßnahme, die für Bekanntheit sorgt und die natürlich auch für Sympathie sorgen soll.”

Doch die Zeiten haben sich geändert. Die goldene Ära für die Schnäppchenjäger unter den Journalisten – aus und vorbei. Die Bahn, die Telekom, Airberlin: Sie gewähren Journalisten keine Vorteile mehr. Rabattierte Bahncards, Handyverträge und Flüge seien ”nicht mehr zeitgemäß”. Auslöser: Vor allem der Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident. Ihn schimpften Journalisten als obersten Schnäppchenjäger, Vorteilsnehmer, Profiteur einer Günstlingswirtschaft. Die Folge: strengere Sitten, auch bei den Medien selbst. Oberster Sittenwächter hier: der Deutsche Journalistenverband – der die vermeintlichen Rabattkarten ausstellt.
“Wir haben nämlich deshalb ein Problem damit, weil Journalisten, die Rabatte annehmen, sich in eine Abhängigkeit von dem Rabattgeber, sprich von dem Unternehmen begeben. Diese Abhängigkeit kann möglicherweise dazu führen, dass der Journalist nicht mehr unabhängig und unvoreingenommen über dieses Unternehmen berichtet. Und das schadet ihm und seiner Glaubwürdigkeit.“
Um die sorgen sich auch Verlage und Sender selbst, sind deutlich sensibler geworden. Einige Medienhäuser haben ihren Journalisten die Annahme von Rabatten komplett verboten – Deutschlandradio, SWR, Burda und NDR. Andere – unter ihnen Springer, WDR und RTL – schränken ein, setzen Obergrenzen oder empfehlen den Verzicht. Einige Häuser erlauben weiter Presserabatte, wie ZDF und Süddeutsche Zeitung – aber nur, wenn die Rabatte für alle Journalisten gleichermaßen gelten. Rabatte also für die ganze Berufsgruppe. Und genau das ist auch weiterhin das Schlupfloch für Journalistenrabatte – oder Pressekonditionen, was schöner klingt.
Auf diesem Markt tummelt sich auch: Ausgerechnet der DJV. Der Berufsverband bietet für Journalisten selbst Rabatte an – über eine eigene Servicetochter. Die jubelt in einer Pressemitteilung: “faire Konditionen” für DJV-Journalisten, “Nachlässe von bis zu 40%”.
“Bei dem Rabattmodell für Mitglieder wird der Rabatt nicht vom Unternehmen an das Mitglied gegeben, sondern das läuft über die kommerzielle Tochter von uns, insofern gibt es keinen direkten Kontakt zwischen dem Mitglied und dem Unternehmen.”
Also nur ein DJV-Rabatt ist ein guter Rabatt. Eine Argumentation, die nicht unbedingt einleuchtet – weder Journalisten noch Unternehmen.
“Das ist schon eine gehobene Form der Widersprüchlichkeit, glaube ich.”
“Was ändert sich an der Korruption, dem korruptiven Angebot an eine Berufsgruppe dadurch, dass jetzt nicht mehr der Einzelne empfänglich ist, also die Hand aufhält, sondern sein eigener Berufsverband das systematisch organisiert? Das ist ja grotesk.”
Keine Schlupflöcher für Journalistenrabatte fordert also der ehemalige Kommunikationschef von VW. Das Netzwerk Recherche vertritt dieselbe Linie – mit einem strengen Medienkodex, der Presserabatte verbietet. Schließlich prangern Mitglieder dieses Vereins Günstlingswirtschaft in der Politik selbst an. Dazu passen keine Rabatte vom DJV als Berufsverband.
“Würde man denn eine solche Erklärung auch akzeptieren, wenn das zum Beispiel ein Politiker macht? Würde man dann sagen: Da ist etwas dazwischen geschaltet, dann ist das zwar ein Vorteil, aber im Grunde beeinflusst mich das gar nicht. Das würde man vielleicht auch mit Skepsis betrachten. Und deshalb ist es einfacher zu argumentieren und man bringt sich als Journalist einfach gar nicht in diese Lage, die möglicherweise angreifbar ist, wenn man von Vorneherein sagt, ich mach das lieber nicht. “
Der DJV macht das aber auch – praktisch aber vermittelt seine Servicetochter Rabatte beim Autokauf. Neuwagenanverkauf – explizit an Journalisten.
“Das sind Rabatte, die deshalb gewährt werden, weil da eine potente Käuferschicht fragt. Und das ist nicht anders als bei anderen Organisationen, die so etwas für ihre Mitglieder ausgehandelt haben und die Mitglieder sind dann eben keine Journalisten, sondern beispielsweise Beamte oder aber Autofahrer beim ADAC.”
“Wenn ein Neuwagen mit 40% Rabatt auch bei Altenpflegern und allen möglichen anderen Berufsgruppen, die in Verbänden organisiert sind, zugute kommen, dann kann man diese Argumentation nachvollziehen. Ich hab so ein bisschen Zweifel, dass das so ist.”
Denn Journalisten prägen Meinungen. Wenn sie eine Fluglinie, einen Urlaubsort oder ein Auto gut finden hoffen Firmen auf Positivberichte – und neue Käufer.
“Wir setzen da durchaus auf das mündige Mitglied. Wir haben es da nicht mit Kindern zu tun, die man erziehen muss. Also, unsere Kolleginnen und Kollegen wissen und kennen unsere Position. Und wir gehen davon aus, dass sie so verantwortlich handeln, dass sie das berücksichtigen in ihrem eigenen Tun.”
Der Journalistenverband drückt sich so vor einem Rabattverbot – weil er selbst profitiert. Und so hat der Presseausweis als Rabattkarte immer noch nicht ganz ausgedient.

(Quelle: NDR-“Zapp”)