Jugendportale

Verlage wollen junge Nutzer

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
Schülerinnen – die jungen Nutzer. Internetseiten surfen sie kaum noch an. Informationen lassen sie sich meist kommen – über Apps oder die Fan-Seiten der Medien in sozialen Netzwerken.
„Wenn man zum Beispiel auf Facebook ist. Da wird viel miteinander geteilt und man sieht, was Freunde teilen.“
„Ich benutze gerne die ‚Tagesschau‘-App, morgens wenn ich zur Bahn fahre. Sonst abends gucke ich auch gerne die ‚Tagesschau‘. Sonst benutze ich auch die ‚BuzzFeed‘-App.“

BuzzFeed – ein Erfolgsportal aus den USA, konsequent für junge, gut vernetzte Leute. Spaß und Info-Häppchen – leicht verdaulich, leicht zu teilen. Im Fokus: vor allem mobile Leser. Für die Macher: die Zukunft des Journalismus.
“Die meisten Inhalte rufen junge Leute auf mobilen Gerät ab. Und sie wollen auf allen Plattformen darankommen, um mit ihren Freunden darüber zu sprechen, komische Fotos zu teilen, aber auch seriöse Nachrichten.“
Nachrichten für die vernetzte Generation. Die Antwort von „Bild“: der junge Ableger „BYou“. News von Starts und Sternchen, dazu Schmink- und Sporttipps. Eine Art tägliche „Bravo“ für die Hosentasche.
„Das, was ‚das Internet‘ für die Menschen ist, hat sich einfach verändert. Da gibt es ein völlig neues Leseverhalten. Wir sehen, dass sich das Leseverhalten fragmentiert.“
Die eine Webseite reicht wohl nicht mehr – auch nicht als Werbefläche, um Redaktionen zu finanzieren. Deshalb: zusätzlich „Byou“. Nutzer wollen von den Machern abgeholt werden – mit eigener Sprache.
„Wer legt dieses Leseverhalten am Dominantesten zu Tage? Das sind die jungen Leute. Also wenden wir uns mit Inhalten an junge Leute, um im Prinzip von ihrem Verhalten, von ihrem Leseverhalten zu lernen, und das dann auf unsere anderen Angebote und journalistischen Plattformen anzuwenden.“
Junge Plattformen – ein Labor für die Nutzer der Zukunft. Deshalb ist „Bild“ mit dieser Strategie nicht allein. Der „Spiegel“ startet „Bento“. Erste Experimente auf Facebook – dort, wo die Zielgruppe zu Hause ist. Richtig los gehen soll es in ein paar Wochen. Schon für alle sichtbar im Beta-Test: „Ze.tt“. Eine Internetseite vor allem für Studenten und: ein Ableger von „Zeit Online“, das sich bei Experimenten zurückhält.
„Wir werden nicht ganz so verspielt, nicht ganz so experimentel, nicht ganz so verrückt. Am Ende achten wir natürlich schon darauf, dass alles sozusagen noch den Markenkern trifft. Und das andere Team – das ‚Ze.tt‘-Team – hat eher den Auftrag, ein bisschen rumzuspielen, uns auch zu ärgern.“
Eine interne Konkurrenz, damit sich die Etablierten unter den Online-Journalisten bewegen. Denn: die Zeiten ändern sich!
Bisher lief das Spiel so: Medien schrieben ihre Geschichten. Wenn Nutzer erfahren wollten, was auf der Welt los ist, kamen sie vorbei. Sie holten sich Informationen bei den Journalisten ab.
Inzwischen aber stöbern Nutzer in sozialen Netzwerken: Was gibt es Neues, nicht zuletzt von ihren Freunden? Wollen Medien vorkommen, dann müssen sie hier rein.
Medien müssen ihre Geschichten also zu den Nutzern bringen und das auf immer mehr Kanälen.
Dafür veröffentlichen Medien sogar erste Artikel komplett auf Facebook – sogenannte „Instant Articles“. Der „Spiegel“ fängt damit an und auch „Bild“ lockt Nutzer gar nicht mehr weg Facebook von auf das klassische Portal.
„Wir glauben, dass es keinen Sinn mehr macht, an Plattformen festzuhalten wie zum Beispiel nur der stationären Webseite, nur dem Browser die von sehr vielen Menschen auf der Welt schlicht nicht mehr aufgerufen wird. Deswegen gehen wir so offensiv auf diese neue Plattformen wie ‚Instant Articles‘ und versuchen da, sehr schnell und sehr viel zu lernen.“
“Verlage sollten eines wissen: Der Wechsel von der klassischen Webseite zum Mobilen ist genauso bedeutend wie einst der Wechsel vom Gedruckten zum Netz.“
Die klassische Homepage: für junge Nutzer ein Auslaufmodell. Die Medien arbeiten daran, sie trotzdem zu erreichen. Aber: funktioniert das, kommen „Ze.tt“ und „Byou“ bei diesen Leserinnen an?
„Es ist alles sehr einfach formuliert, man kann es sehr gut verstehen und auch interessant präsentiert. Also ich finde die Seite ‚ze.tt‘ ziemlich cool.“
„So die eher unnützeren Nachrichten, die ich mir auch in der Freizeit angucken würde.“
Die Machart kommt an. Die Themen aber: bisweilen banal.
„Also hier geht’s gerade um den neuen Trend auf Instagram, dass Frauen ihre Hautfalten zeigen. Und das finde ich ist nicht wirklich ein sinnvoller Beitrag, der mich nicht wirklich interessiert.“
Aber draußen gibt es noch Millionen andere junge Nutzer. Das Rennen beginnt.
>> Beitrag im “Zapp”-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)