Die Bewegtbild-Offensive der Verlage

Reichweitenstarke Ausspielwege über Social Media und leistungsstarke Smartphones ermöglichen Verlagen den Einstieg in den Bewegtbild-Journalismus. Die “Bild” ist ganz vorn dabei

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
„3, 2, 1…“

Berlin-Kreuzberg, die Regie der „Bild“-Zeitung. Mehrfach täglich gehen Boulevard-Reporter live.

(Auszug)

Hier wird professionell verpackt, was als Signal via Smartphone ankommt. Einfaches und schnelles Programm – gezielt für soziale Netzwerke. Der Anfang vom Umbruch.

OT Julian Reichelt (Chefredakteur bild.de)
„Man kann das Angriff aufs Fernsehen nennen. Man kann es Revolution nennen. Ich nenne es Revolution. Ich glaube, wir sehen tatsächlich eine Revolution, die einen Angriff eigentlich überflüssig macht.“

Diese Revolution hat viele Kinder. Zum Beispiel hier in Regensburg: Die „Mittelbayerische Zeitung“ – seit Jahrzehnten eine Redaktion, in der vor allem geschrieben wird. Jetzt aber auch hier: eine neu Video-Offensive.

(Auszug)

Reporter liefern Interviews per Smartphone zu. Dazu noch die Moderation – fertig ist die die eigene Sendung:

(Auszug)

Der Nachrichtenchef der Zeitung: in der Bewegtbild-Offensive – letztlich, weil Smartphones das Technik-Monopol der Sender gebrochen haben.

OT Christian Kucznierz (Leiter Newsdesk „Mittelbayerische Zeitung“)
„Es ist einfach früher sehr aufwändig gewesen, mit einem Kamerateam irgendwas zu machen und in einer vernünftigen Qualität zu machen. (…) Heute können Sie einfach innerhalb von wenigen Sekunden den Film der ganzen Welt zugänglich machen. Und wie gesagt: Wenn wir da nicht hingehen würden, wo unsere Nutzer und Leser sind in ihrer täglichen Lebenswirklichkeit, wären wir halt schlecht beraten.“

Zu den Sendungen kommen Live-Einsätze. Spektakuläres nicht nur aufschreiben, sondern auch zeigen.

(Auszug)

Die Video-Offensive der Verlage – sie soll nicht als Angriff aufs TV verstanden werden. Stattdessen: Diplomatie.

OT Christian Kucznierz (Leiter Newsdesk „Mittelbayerische Zeitung“)
„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz. Wir machen kein Fernsehen. Wir machen Videobeiträge. Ob das eine Lücke ist, in die wir gesprungen sind, weiß ich nicht. Aber wir haben Geschichten und Themen aus der Region, die wir halt auf allen Ebenen erzählen wollen. Und dementsprechend erzählen wir sie jetzt auch mal in Videobeiträgen.“

Und das interessiert die Medienaufseher. Gremiensitzung in Berlin-Mitte. Brauchen Verlag für Videos eine TV-Lizenz? Wenn sie live senden, mitunter schon.

OT Cornelia Holsten (Direktorin Bremische Landesmedienanstalt)
„Das gleiche gilt für das Kriterium des Sendeplans beispielsweise. Also wenn ich als Zuschauer nicht aktiv werden muss, indem ich beispielsweise auf einen Button klicke und dann ein Angebot sehen kann, sondern wenn es von alleine auf mich zukommt, hat der Rundfunkstaatsvertragsgeber vor vielen, vielen Jahren gedacht, ist da so eine Wucht drin, dann braucht das auch eine Zulassung.“

Doch Zeitungen wollen nicht offiziell Fernsehen sein. Axel Springer achtet peinlich genau aufs Rundfunkrecht:

„Lizenzen müssen nur beantragt werden, soweit das Gesetz dies vorsieht. Dies ist bei den Videoformaten von BILD nicht der Fall.“

Sonst könnte es Debatten geben über die Marktmacht von Axel Springer. „Bild“ aber nutzt clever Lücken im alten Rundfunkrecht, sagt zum Beispiel nicht auf die Minute genau, wann sie live geht.

OT Cornelia Holsten (Direktorin Bremische Landesmedienanstalt)
„Sie müssen sich das so vorstellen: Der Rundfunkstaatsvertrag ist so etwas wie ein Opa, den man total gerne mag. Der hat ganz viel erfahren, der hat ganz viel zu erzählen und ganz viel zu geben. Aber in manchen Stellen – ich sage mal: Inlinern können Sie mit dem nicht mehr. Und so ähnlich können Sie mit dem Rundfunkstaatsvertrag jetzt in die Welt von Periscope und Facebook-Live-TV ganz schwer sich da fortbewegen.“

Unterdessen bauen die Verlage aus, allen voran „Bild“: Der Putsch in der Türkei – „Bild“ ist drauf. 15 Jahre „9/11“ – „Bild“ sendet aus New York. Und auch bei Wahlen: „Bild“ geht live.

(Auszug)

OT Julian Reichelt (Chefredakteur bild.de)
„Wenn der Reporter jetzt neuerdings ein iPhone mit dieser Live-Technologie dabei hat, ändert sich an dem Anspruch nichts, die als erster zu haben. Nur die Übertragungstechnik, die ändert sich. Ja? Aber das ist natürlich dann, wenn wir sehen, mit welch enormer, mit welch enormem Ressourcenaufwand wir beim Fernsehen konkurrieren, ist dann natürlich eine besondere Freude mit diesem sehr kleinen Set-Up solche Sachen eben exklusiv und als erster in diese neue Social-Media-Welt zu transportieren.“

Eigenes Programm machen – für Zeitungen auch Zukunftssicherung. Wichtig in Zeiten, in denen Print immer schlechter funktioniert – und das ausgerechnet, weil das Netz Zeitungen unter Druck gebracht hat.

OT Julian Reichelt (Chefredakteur bild.de)
„Ich glaube, das ist durchaus vergleichbar mit dem, was wir sozusagen als alte Print-Industrie die letzten 15 Jahre erlebt haben: Dass wir mal die einzigen waren, die mit Zeitungen Nachrichten, Unterhaltung, Meinung usw. verteilen konnten, und plötzlich mit dem Smartphone jeder seinen eigenen Verteilungsmechanismus für Nachrichten, Unterhaltung usw. in der Hand hatte (…) Wir sind jetzt aber durch das, was im Bewegbild-Bereich geschieht, in der Lage, wieder deutlich offensiver vorzugehen.“

Und so erreicht mit jedem Smartphone-Video auch ein Hoffnungsschimmer die Redaktion – Hoffnung auf den Weg aus der Zeitungskrise.
„Danke fürs Zuschauen! Pfiatdi!“

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“ZAPP”)

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