Knallhart gegen samtig

Die Interview-Profis Tim Sebastian und Hubert Seipel geben Auskunft über ihre Strategien und Ziele bei Gesprächen mit Politikern. Beide sorgen regelmäßig für viel Aufsehen

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
Hier sind Sendungstitel Programm: “Hardtalk” – mit Tim Sebastian bei der BBC und “Conflict Zone” – bei der Deutschen Welle. Er ist der Meister der Konflikte.

(freistehend)

Das Wortgefecht mit der AfD-Vorsitzenden – es hat ihn auch in Deutschland bekannt gemacht.

(freistehend)

Ein kurzes Interview per Skype mit dem Konfrontationskünstler: Was glaubt er – warum funktioniert seine Art zu Fragen? Und warum so hart in der Sache?

„Unterschätze niemals die Chance, 25 Minuten über dich selbst zu sprechen. Wir haben es nicht mit Kleinkindern zu tun, sondern mit Erwachsenen, die schon lange im Geschäft sind. In einem harten Geschäft: der Politik. Benehmen wir uns wie Erwachsene. Sie sagen was sie sagen wollen, wir nehmen es auf und senden es. Das ist der Deal.”

Sebastian liefert Konfrontation seit 30 Jahren. Gerade erst mit Brexit-Befürworter Daniel Hannan.

(freistehend)

Dem italienischen EU-Politiker Sandro Gozo.

(freistehend)

Dem griechischen Ex-Finanzminister Jannis Varoufakis.

(freistehend)

Ist die Eskalation das Ziel?

„Mein Ziel ist, sie herauszufordern und zur Verantwortung zu ziehen. Das ist zwangsläufig eine gegnerische Beziehung. Wir sitzen da nicht, um Freunde zu werden.“

Gibt es jemanden, bei dem Sie das bedauern, dass Sie ihn nicht bekommen haben?

„(Lachen) Putin.”

Glauben Sie, Wladimir Putin würde in Ihre Sendung kommen?

“Ich hoffe doch!”

Der Preis der harten Interviews: nicht jeder kommt. Aber er bekommt sie: Hubert Seipel – Meister der Zurückhaltung. Sein Interviewpartner immer wieder: Wladimir Putin – mit persönlichen Einblicken.

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„Ich mache jetzt den ‚Bad Cop‘ und konfrontiere den jetzt, führt zu relativ wenig. Je länger Menschen offenkundig reden, das ist meine Erfahrung aus vielen Gesprächen und Dokumentationen, die ich gemacht habe, desto mehr reden sie auch über das, über was sie gar nicht reden wollen.“

Seipel bekommt die großen Köpfe – und überlässt ihnen die Bühne.

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„Mein Ziel war: So viel wie möglich von ihm zu erfahren und das ins Fernsehen zu bringen und die Zuschauer darüber urteilen lassen.“

„Putins – Innenansichten der Macht“ – Seipels Biographie verkauft sich auch in Russland. Pflichttermin fürs russische Fernsehen in Moskau: die Buchpräsentation. Denn mit dabei: der Präsident. Höhepunkt: Die persönliche Widmung.

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Nähe statt Konfrontation – dafür muss Seipel Kritik einstecken: Kollegen rufen „Hofberichterstattung“! Seipel liefere „unkritisches Kreml-TV“. Und Putin sei: sein Kumpel.

„Nähe macht möglicherweise befangen. Aber ohne eine Annäherung an eine Person funktioniert auch nicht eine Befragung einer Person. Der Punkt ist ja, wo hört die Nähe auf? Ich bin in diesem Moment Journalist und er ist in diesem Moment Präsident. Wir benutzen uns gegenseitig, um irgendwelche Botschaften weiter zu vermitteln. Das werden Sie nie ausschließen können.“

Freundliche Interviews: Für den harten Frager Tim Sebastian hat das in Deutschland System. Deutsche Interviewer: aus seiner Sicht oft viel zu zahm.

“Auf Deutsch sagt man Interviewpartner. Wir sagen Interviewee. Ich denke euer Begriff klingt freundlicher als er eigentlich ist – zumindest soweit es mich betrifft.”

Zwei Strategien, zwei Interviewer. Bei dem einen kommen Politiker vielleicht zu gut weg – zu dem anderen vielleicht gar nicht.

“Die Entscheidung der Interviewpartner gefällt uns vielleicht nicht. Das ist die Kehrseite, wenn man in einer freien Gesellschaft lebt. Sie wählen, wir wählen. Manchmal freuen sie sich, manchmal wir.”

>> Beitrag in der NDR-Mediathek (Quelle: NDR-“ZAPP”)

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