“Fake News”-Checker in Deutschland

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
Teil 1: Überblick

Sie wollen es für Facebook richten: Die Journalisten des Recherchebüros Correctiv: „Jäger der Falschmeldungen“. Im Januar gefeiert auch als die „Fake-News-Fahnder“.
David Schraven, Herausgeber “Correctiv”:
„Wir wollen, dass Menschen aufgeklärte Informationen haben, auf deren Basis sie auf tatsächlichen Informationen, auf deren Basis sie informierte Entscheidungen treffen können über die Zukunft unseres Landes.“
Die Umsetzung aber zieht sich: Correctiv sucht nun erst „zum schnellstmöglichen Termin Fact Checker“ und fragt: „Du möchtest im Internet nach falschen Behauptungen suchen und diese richtigstellen?“ Facebook wiederum: Schraubt noch immer an der Technik. Will aber bald auch in Deutschland, dass Nutzer einen verdächtigen „Beitrag als Falschmeldung markieren“ und der Konzern beim Teilen dann hinweisen: „von Faktenprüfern außerhalb von Facebook angezweifelt“.
Aber die Suche nach weiteren Partnern: kompliziert. „Facebook, Fake News und die Medien – Aufklärer verzweifelt gesucht“.
Stattdessen bauen Medien ohne Facebook Anti-Fake-News-Einheiten auf – auch ARD und ZDF. Öffentlich-rechtliche Sender im Kampf um die Deutungshoheit? Umstritten.
Kai Gniffke, Chefredakteur “ARD-aktuell”:
„Die ‚Tagesschau’ ist kein Wahrheitsministerium. Die ‚Tagesschau’ ist ein Dienstleister in Sachen Information. Und die ‚Tagesschau’ – glaube ich – ist auch die Quelle, bei der die Menschen nachgucken, wenn sie ein Gerücht oder eine Meldung hören, bei der sie sich nicht sicher sind, ob das stimmt.“
Peter Frey, Chefredakteur ZDF:
„Es hat auch etwas damit zu tun, dass ich davon ausgehe, dass die Bundestagswahl gezielt zum Anlass genommen wird, Deutschland mit ‚Fake News’ anzugreifen. Und darauf müssen wir eine Antwort geben.“

Teil 2: Besuch beim BR

Arbeitsgruppentreffen. Thema: Fake im Netz.
„Ich glaube, wir haben die Tools, um Fake-Videos zu finden. Wir finden sie halt in dem Moment, in dem sie gerade anfangen, von größeren Mengen von Leuten wahrgenommen zu werden.“
„Wir kriegen von diesen Videos halt nur etwas mit, wenn es in einen Artikel eingebunden ist, weil wir uns nur gerade auf die Artikel ein bisschen spezialisiert haben.“
Das Netz durchwühlen, aktuelle Aufreger suchen – vier Wochen gibt der Bayerische Rundfunk dieser Arbeitsgruppe, um den richtigen Umgang mit „Fake News“ zu finden. Die Einheit: „BR Verifikation“. Ziel: Vernetzung – mit Sendern, Redaktionen und Reportern. Gemeinsam: verifizieren.
„Ist aber tatsächlich noch so ein bisschen dürftig, was da aus den Redaktionen kommt.“
„Die sind noch nicht gewöhnt, dass es uns gibt. (Lachen)“

Deshalb fahnden sie selbst nach Fake-News – und werden immer wieder fündig, auch jenseits des Politischen.
„RT-Deutsch darüber ein Heilmittel gegen alle Krebsarten. Also die ganze Meldung macht einen eigentlich schon mal skeptisch.“
„Wenn was dran ist, dann machen wir es auch.“
„Dann machen wir es ganz groß – aber ich halte es für ausgesprochen unwahrscheinlich.“

Spezielle Datenbanken verraten den Journalisten, was gerade wie oft geteilt wird. Nur: Was in geschlossenen Gruppen oder auch auf WhatsApp passiert bleibt unsichtbar.
Stefan Primbs (“BR Verifikation”):
„Also wir sehen im Grunde nur die Spitze des Eisbergs. Wir hoffen aber ein bisschen, dass uns die Spitze des Eisbergs doch etwas über den Eisberg an sich verrät.“
Auch Sprachen sind eine Barriere. Für das Vorstoßen in die Filterblasen etwa von Türken in Deutschland brauchen Anti-Fake-News-Teams auch passende Mitarbeiter.
Stefan Primbs (“BR Verifikation”):
„Hier haben wir noch einen blinden Fleck. Das ist die türkischsprachige, die russischsprachige, auch die arabischsprachige Community in Deutschland.“
Trotz aller Probleme: In der Redaktion wird schon umgesetzt, Berichte über Falschmeldungen ans Publikum gebracht. Die klassische journalistische Form aber: ein Auslaufmodell.
Gudrun Riedl (Redaktionsleitung BR24):
„Wenn wir ein Thema posten, ist eben nicht gesagt, dass dieses Thema diskutiert wird, sondern das Thema nimmt eben in der Diskussion auf Facebook eine völlig andere Richtung. Und wenn wir diese Themensetzung unserer User – die uns ja liken – ernst nehmen, dann müssen wir das Thema eben in einer völlig anderen Facette diskutieren, auch recherchieren. Das nehmen wir wichtig. Und das halte ich auch für eine notwendige Weiterentwicklung des Journalismus.“
Beispiel: die Wahl die Wahl des Bundespräsidenten. Halbwissen bei den Nutzern: Gauck, der bisherige, wohne „in einem Schloss mit ca. 1.000 Zimmern“.
Die Journalistin schmeißt ihren „Fact Fox“ an – eine Datenbank für widerlegte Gerüchte. Automatisch wird die neue Behauptung mit früheren abgeglichen. Die journalistische Antwort – kopiert und eingefügt mit wenigen Klicks: „Ganz so ist es nicht“. Gauck wohnt nur in einer Villa.
Gudrun Riedl (Redaktionsleitung BR24):
„Das kennt jeder auch aus seinem eigenen Kreis, Freunde, Bekannte, Familie –, dass oft sich Vorurteile lange halten und auch immer wieder diskutiert werden zu bestimmten Zusammenhängen. Und Social Media bewegt sich eben auch in so einem Rahmen. Das hat auch zu tun mit Journalismus: Wir haben uns Jahrzehnte nicht erklärt, warum sehen wir ein bestimmtes Thema unter diesen Gesichtspunkten, auch von der Faktenanordnung her. Wir müssen es einfach besser erklären…“
„…transparent machen.“
„Transparent machen. Erklären, wie wir zu einer Einschätzung kommen, diese Einschätzung aber auch diskutieren mit den Argumenten, die uns entgegengestellt werden.“

„Tools und Technik“ gegen „Fake News“ – noch entwickeln die Journalisten das in ihrem Labor. Und fragen sich dabei: Ob Gerüchte tatsächlich Wahlen entscheiden können? Hier glauben sie nicht daran. Aber:
Stefan Primbs (“BR Verifikation”):
„Es kann natürlich durchaus sein, dass gewisse Stimmungselemente durch eine Reihe von, insbesondere von propagandistisch gefärbten News verändert werden. Und diese Stimmungselemente können wir wahrnehmen. Darauf müssen wir als Medien reagieren und müssen den Leuten helfen, die Sachen einzuordnen.“

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“ZAPP”)

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