Medienjournalist

Daniel Bouhs ist Medienjournalist in Berlin und Hamburg - v.a. für den NDR.
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PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter

    ARD/MDR-Moderator René Kindermann organisiert nun auch einen Ski-Weltcup. Wie geht “sein” Sender damit um?

    für Deutschlandfunk

    Manuskript des Beitrags
    Es sind Szenen wie diese aus der „Sportschau“, die zeigen, wie René Kindermann tickt. Damals – im März – haben gerade die Kombinierer Johannes Rydzek und Eric Frenzel bei der Weltmeisterschaft im finnischen Lahti Gold im Teamsprint geholt. Kindermann steht zusammen mit Bundestrainer Hermann Weinbuch – und: verbeugt sich – so tief er kann.

    „Meine Verehrung!“
    „Vielen Dank!“
    „Herzlichen Glückwunsch! Was für eine unglaubliche Leistung auch heute wieder!“

    Bei allzu begeisterten Sportjournalisten sprechen Kritiker gerne von Fans, die es hinter die Absperrungen geschafft haben. Bei René Kindermann lässt sich ergänzen: Er baut diese Absperrungen nun sogar selbst auf.

    Gemeinsam mit seinem Kollegen Torsten Püschel hat René Kindermann in Dresden die CitySki GmbH gegründet – Ziel: der Skilanglauf Sprint Weltcup – erstmals in Dresden, vor „spektakulärer Kulisse“, wie es heißt.

    Auszug „Trailer“

    Ein Werbefilm lässt dann auch Bildstärke erwarten: Langläufer entlang des Elb-Ufers, die Dresdner Altstadt im Blick. Dem Publikum dürfte das gefallen. Gut wiederum für den Sport.

    Warum aber wird der Sportjournalist zum Sportveranstalter? Wird er damit nicht Teil der Szene, die er sonst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentiert? Wo will er da persönlich Grenzen ziehen? Und: Wie laufen die Vorbereitungen?

    Kindermann sagt am Telefon ab – freundlich, aber bestimmt. Nur ein einziger Satz offiziell von ihm, schriftlich abgestimmt:

    „Die Stadt ist der Star, wir halten uns persönlich mit Auftritten zurück.“

    Eine Sprecherin des Organisationsteams sagt sogar ein bereits vereinbartes Interview mit dem Deutschlandfunk wieder ab – auch, wenn es ausdrücklich nur um die Vorbereitungen geht.

    Immerhin per E-Mail verbreitet sie Euphorie: Die Dresdner seien ebenso begeistert wie die Spitzensportler. Außerdem gebe es „sachsenweit große Unterstützung“. Beim Weltverband kämen Nachhaltigkeitskonzept und Schülerprojekte gut an.

    „Aus unserer Sicht sind alle Hürden aus dem Weg geschafft und der Weg ist frei für die Premiere.“

    300.000 Euro schießen sowohl die Landesregierung als auch die Stadt Dresden zu – Gegenleistung für den Werbeeffekt, den so ein Ereignis in der sächsischen Landeshauptstadt bringe, so die Weltcup-Sprecherin in Ihrer E-Mail. Ansonsten finanziere sich das Projekt ganz klassisch: über Tickets und Sponsoren.

    Um die kümmert sich wiederum einer, der sich mit der Nähe zum Sport-Business auskennt wie kaum ein zweiter: Hagen Boßdorf – einst Sportkoordinator der ARD mit extremer Nähe zum Radsport, heute als Vermarkter und Berater tätig.

    Boßdorf ist – zusammen mit Kindermann – Ansprechpartner für „Sponsorenpakete“. Der Weltcup lockt dafür so:

    „Durch die Einbettung des Skiweltcup Dresden in die Wintersport-Übertragungen von ARD oder ZDF sowie Eurosport erreichen Sie ein Millionen-Publikum.“

    Wie geht der Mitteldeutsche Rundfunk mit dieser Entwicklung um – wie will er René Kindermann, den Sportveranstalter, weiter als Sportjournalisten einsetzen? Immerhin präsentiert er nicht nur die Nordische Kombination in der ARD-„Sportschau“, sondern moderiert etwa auch den „Sport im Osten“ im MDR.

    Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi erklärt, er sei früh eingeweiht worden – so, wie der MDR das von seinen Mitarbeitern erwarte, die zwar einerseits freie Mitarbeiter seien, andererseits aber auch das Programm prägten. Es gebe „keine Verbindung zum MDR“. Der MDR-Sport werde nur nachrichtlich berichten. Das Ereignis zeige eh’ das ZDF. Jacobi schriftlich:

    „Ich sehe keinen Grund, René Kindermann oder Torsten Püschel von anderen Projekten abzuziehen. Sie organisieren ja nicht den eigentlichen Wettkampf. Das macht der Deutsche Skiverband. Die Beiden kümmern sich um die Rahmenbedingungen: Genehmigungen, Schnee, Sicherheit. Sie machen nur einen Orga-Job.“

    So sieht es jedenfalls der Programmdirektor. Sein Moderator René Kindermann – laut Jacobi „einer der bekanntesten des MDR“ – muss sich derweil mit Lärmgutachten herumschlagen. Und mit Kunstschnee beschäftigen. Kindermann hat sich Schneemaschinen liefern lassen. Denn: Wer weiß schon, ob Mitte Januar genug herunterrieselt – wenn in Dresden vor dem Elbpanorama die Langläufer sprinten werden. Zum ersten Mal.

    Original-Antwort: MDR-Programmdirektor Wolf Dieter Jacobi
    “René Kindermann und Torsten Püschel haben uns früh eingeweiht — so, wie wir das von unseren Mitarbeitern erwarten, die zwar einerseits freie Mitarbeiter sind, aber andererseits auch unser Programm prägen. Wir haben sie darauf hingewiesen, dass sie nicht im Namen des MDR agieren können. Ich sehe bei diesem Projekt kein Problem: Es gibt keine Verbindung zum MDR. Die Beiden werben auch nicht damit, dass sie MDR-Mitarbeiter sind. Es sind allenfalls Zeitungen, die in ihren Berichten erwähnen, dass Kindermann und Püschel auch für den MDR arbeiten — verständlich, denn René Kindermann ist zum Beispiel einer der bekanntesten Moderatoren des MDR.”

    “Das Landesfunkhaus Sachsen wird sicher darüber berichten, da es ein Großereignis in Dresden ist. Der MDR-Sport wird allenfalls nachrichtlich aktiv, denn Winter-Großereignisse laufen bei ARD und ZDF. Den Skiweltcup in Dresden wird zudem das ZDF übertragen. Die beiden haben also in unseren Programmen nichts mit ihrem Projekt zu tun. Die Federführung für Skilanglauf hat ohnehin der Bayerische Rundfunk in der ARD. Ich sehe keinen Grund, René Kindermann oder Torsten Püschel von anderen Projekten abzuziehen. Sie organisieren ja nicht den eigentlichen Wettkampf. Das macht der Deutsche Skiverband. Die Beiden kümmern sich um die Rahmenbedingungen: Genehmigungen, Schnee, Sicherheit. Sie machen nur einen Orga-Job.”

    >> Download MP3 (Quelle: DLF-Sport)