Distanz?

Sportmoderatoren organisieren Sport-Event

für NDR Fernsehen

Manuskript des Beitrags
Trotz frühlingshafter Bedingungen: eine Premiere in Dresden. Kunstschnee für den Ski-Weltcup. Spitzensport am Elbufer.
(freistehend: Sportszene)
Ein Zuschauermagnet. Auch die Organisation dahinter: einen Blick wert.
Etwa: René Kindermann – hier auf seiner eigenen VIP-Tribüne. Sonst in anderer Funktion:
„Meine Verehrung. Herzlichen Glückwunsch – was für eine unglaubliche Leistung!“
Kindermann – als Sportreporter der ARD leidenschaftlich an der Piste, vor allem im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks.
Der Reporter Kindermann lobt andere Veranstalter, die ihr Ereignis durchziehen:
(Experte)„Ein Hoch auf die Veranstalter!“
(Kindermann)„Also das muss man – absolut wirklich sagen, unterstreichen. Unglaublich, dass das hier stattfinden konnte!“

Kurz danach wird er selbst zum Veranstalter.
Zusammen mit Torsten Püschel – hier beim Boxen, sonst kommentiert er Wintersport.
René Kindermann und Torsten Püschel – zwei ARD-Sportjournalisten in neuer Rolle – als geschäftsführende Gesellschafter –
Sportveranstalter des FIS Skilanglauf Sprint Weltcups Dresden.

„taz“-Redakteur Jürn Kruse beschäftigt sich seit Jahren mit der Nähe von Sportjournalisten zum Sport.
(Reporter)„Ist denn dieser Wechsel hin zum Sportveranstalter-Sein jetzt so etwas wie eine neue Qualität?”
(Kruse)„Ich finde es zumindest besonders bemerkenswert. Ja. Und ich finde, man muss auch eine gewisse Chuzpe haben, das so durchzuziehen.“

Der MDR berichtet über das Ereignis seiner Mitarbeiter – kommt an der Kunstschnee-Premiere nicht vorbei.
(Moderator)„Weil auf Frau Holle mal wieder kein Verlass war, mussten seit gestern – wir haben darüber berichtet – tausende Kubikmeter Schnee in die Stadt gekarrt werden.“
Und dann: der eigene Reporter als Veranstalter.
(Kindermann)„Wir haben allein durch die Temperaturen in dieser Woche zwischen 500 und 600 Kubikmeter Schnee verloren.“
(Kruse)„Es ist natürlich schwierig, wenn ich auf der einen Seite Journalist bin und auf der anderen Seite eben mit meinem Berichterstattungsgegenstand, was auch der Welt-Ski-Verband ist, Geschäftlich verbandelt bin. Eigentlich müsste ich mich entscheiden für das eine oder das andere.“
Die „Sportschau“ führt Kindermann weiter als Moderator. Aus der ARD-Sportkoordination heißt es: „Ausreichend Distanz“ sei wichtig. Deshalb: „Langlauf-Weltcups werden von anderen Kolleginnen und Kollegen im Wintersportteam betreut.“
Beide seien nur für die Nordische Kombination gebucht. Aber: Beide Weltcups sind Veranstaltungen des Welt-Ski-Verbandes. Die Trennung also: schwierig.
Auch der MDR-Programmdirektor zieht innerhalb des Wintersports die Grenze. Die beiden seien freie Mitarbeiter und bräuchten andere Standbeine. Ein Dilemma.
(Jacobi)„Sicherlich kann man darüber streiten, wo die Trennlinie dann gezogen wird. Aber wie gesagt: Es sind viele Faktoren mit zu berücksichtigen. Und wir haben es jetzt in dem Fall so entschieden. Und man muss schauen, wie es sich weiterentwickelt. Es ist ein Sonderfall. Ich kenne sonst ja auch nichts Vergleichbares. Und in dem Fall hoffe ich, dass wir auch mit der Entscheidung richtigliegen.“
(Kruse)„Ich finde, dass Herr Jacobi da hätte eine andere Grenze ziehen müssen oder zumindest deutlich machen müssen, dass er das auch problematisch findet und dass man eben mit Herrn Kindermann spricht und dass man auch der Öffentlichkeit deutlich macht: Wir hier beim MDR sehen das eigentlich kritischer und müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen.“
Dieses Mal hat das ZDF den Langlauf-Weltcup in Dresden übertragen – nicht die ARD.
(ZDF-Moderator)„Spannende Langlauf-Sprints. Direkt mitten aus Dresden – eine gelungene Premiere.“
Und die Kulisse – perfekt fürs Fernsehen:
(ZDF-Reporter)„Die Frauenkirche drüben auf der anderen Seite – man setzt diese spektakuläre Szenerie gut ins Bild.“
(Reporter)„Das käme ja perspektivisch auf die ARD – wenn wir jetzt über mindestens vier Jahre Dresden reden – auch zu. Was würde da für ein Mechanismus greifen, was müsste man überlegen, was schlagen Sie vor?“
(Jacobi)„Darüber würde ich nachdenken, wenn es so käme. Im Moment ist es spekulativ.“
(Reporter)„Es wäre einfacher für Sie, wenn es nicht dazu kommt.“
(Jacobi – lacht) „Ich habe auch genug andere Themen, mit denen ich mich beschäftigen kann. Es muss nicht zwingend das Thema sein.“

Es könnte aber Thema werden – wenn Kindermann und Partner weitermachen.
Auf ZAPP-Anfragen: keine Antworten. Wir probieren es direkt.
(Reporter) „Zwei Sätze?“
(Kindermann) „Nein!“

Kindermann lässt alles offen. Der Welt-Ski-Verband aber plant schon – bis 2021.

>> Beitrag in der NDR-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

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