Journalist • Producer

PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • MEDIENNOTIZEN #7: Amazon-Audio, Nebentätigkeiten, Staatsfunk

    Paul Huizing, Robert Skuppin

    Audible-Manager Huizing, Radioeins-Chef Skuppin (Fotos: Bouhs)

    Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber: Ich schlafe bei Hörbüchern bestens ein. Für mich persönlich war ein Abonnement des Amazon-Audio-Ablegers Audible deshalb lange rausgeschmissenes Geld – zumal in Notfällen auch wunderbar der Einschlafen-Podcast hilft (den Macher hatte ich 2014 für das ZDF besucht, Youtube-Clip hier).

    Nun aber kitzelt mich Audible: Die Plattform macht neuerdings nicht nur in Unterhaltung für die Ohren, sondern auch in Audio-Journalismus – mit einer regelrechten Podcast-Offensive mit Reihen von Zeitschriftenredaktionen wie “Spiegel” und “Bunte”, aber auch mit bekannten Radio-Profis wie Jörg Thadeusz und Bettina Rust (PR dazu hier und hier).

    Für die Kollegen des WDR5-Medienmagazins bin ich zwei Fragen nachgegangen: Was will Audible? Und: Wie gefährlich wird die Amazon-Tochter etablierten Sendern?

    Während die Deutschland-Zentrale von Amazon sich neulich noch für unseren ZAPP-Film zu den Chancen und Risiken von Alexa für Radio-Macher kräftig ausschwieg, kam von der Tochter Audible eine halbe Stunde nach der Anfrage eine Zusage für einen Besuch.

    Paul Huizing – “Senior Director Content Creation EU” bei Audible – kann offensichtlich aus dem Vollen schöpfen: Er investiere allein im ersten Jahr bereits einen “substanziellen siebenstelligen Betrag” in das Geschäft mit Podcasts. Auf einen ersten “Call for papers” habe ihn eine dreistellige Zahl an Format-Ideen erreicht. Das Ergebnis:

    “Mit 22 Podcasts sind wir gestartet, jetzt kommen jeden Monat zwei neue dazu, die dann wöchentlich wieder erscheinen.”

    Exklusivität wolle er nicht, aber “die Besten ihres Fachs”, sagt der Audible-Manager – und beteuert: “Wir brauchen die ARD.” Es gehe darum, das Genre “Podcast” gemeinsam nach vorne zu bringen.

    Ob das die Senderchefs beruhigen wird? Radioeins-Chef Robert Skuppin klang bei meinem Besuch eher alarmiert:

    “Bei Spotify muss man ja sagen, hat man sehr schnell gemerkt, dass man es nicht so richtig ernst nehmen kann. Das [Abwerben von Jan Böhmermann und Olli Schulz] war dann doch ein Marketing-Coup, der vielleicht bis heute auch funktioniert. Ich glaube, bei Audible gibt es schon eine viel nachhaltigere Strategie, da etwas zu entwickeln und den Audiomarkt tatsächlich auch zu verändern. Deswegen nehme ich das tatsächlich ernst.”

    Erst mal sagt Skuppin: Seine Leute wie Thadeusz und Rust seien freie Mitarbeiter. Ihre Verträge würden ihnen Doppelrollen im Sendegebiet, also Berlin-Brandenburg, verbieten – aber im Netz und dann auch noch hinter einer Bezahlschranke? Skuppin will das beobachten.

    “Wenn das tatsächlich so wäre, dass das massiv Fahrt aufnimmt, dann müssen wir tatsächlich darüber reden. Und dann müssen wir schauen, inwieweit wir da Exklusivität eben auch gewährleisten können. Ich glaube schon, dass die notwendig ist, um das auch deutlich zu sagen.”

    Audible zeichnet dieser Tage in Berlin auch eine erste journalistische Show auf – so richtig mit Publikum und Live-Charakter. Radioeins wurde angefragt, ob der ARD-Sender diese Show nicht präsentierten könnte, als Partner. Skuppin sagte ab. Er ist neugierig, bleibt vorerst aber lieber auf Distanz.

    Die viertelstündigen Interviews finden Sie hier (Huizing) und hier (Skuppin).

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    René Kindermann, Torsten Püschel

    ARD-Moderatoren Kindermann und Püschel (Screenshot: NDR)

    Apropos Doppelrollen: Bei ZAPP beschäftigen wir uns ja fast schon leidenschaftlich mit den Nebentätigkeiten von öffentlich-rechtlichen Moderatoren und Reportern. Diesmal in unserem Fokus: die Sportjournalisten René Kindermann und Torsten Püschel.

    Die beiden sind für die ARD-“Sportschau” und vor allem den MDR unterwegs, nicht zuletzt im Wintersport. Nun sind sie parallel selbst unter die Sportveranstalter gegangen und haben eine Station des Skilanglauf-Weltcups in Dresden organisiert.

    Keine Frage: Für die Stadt sind Bilder jenseits von Pegida-Demonstrationen ein Geschenk. Aber: Ist die Doppelrolle der Organisatoren angebracht – wo ziehen ihre Sender und vor allem Kindermann und Püschel selbst fortan die Grenzen?

    Antworten darauf hatte sich ursprünglich die Deutschlandfunk-Sportredaktion gewünscht und deshalb auch bereits im Dezember den ersten Aufschlagbekommen. Damals sagte mir Kindermann am Telefon freundlich aber bestimmt ab: keine Interviews zur eigenen Rolle – die Stadt sei doch der Star.

    Bei ZAPP haben wir nun rund um das Event-Wochnenende ausführlich mit MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi gesprochen, der einst auch Sportchef des Leipziger Senders war. Jacobi zieht die Beschäftigungs-Grenze – wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky – für seine beiden freien Mitarbeiter innerhalb des Wintersports: Skilanglauf ist tabu, aber die Nordische Kombination etwa geht weiterhin.

    Eine deutliche Trennung? Jacobi macht immerhin selbst deutlich, dass er sich auf einer Gratwanderung bewegt:

    “Sicherlich kann man darüber streiten, wo die Trennlinie dann gezogen wird. Aber wie gesagt: Es sind viele Faktoren mit zu berücksichtigen. Und wir haben es jetzt in dem Fall so entschieden. Und man muss schauen, wie es sich weiterentwickelt. Es ist ein Sonderfall. Ich kenne sonst ja auch nichts Vergleichbares. Und in dem Fall hoffe ich, dass wir auch mit der Entscheidung richtigliegen.”

    Auch für unseren ZAPP-Beitrag wollten Kindermann und Püschel keine schriftlichen Fragen beantworten. Nun, ich habe es dann direkt auf ihrer Veranstaltung probiert – sehen Sie selbst und hier mein Interview mit Programmdirektor Jacobi.

    * * *

    Abschließend noch ein Mediathek-Tipp: ARD, ZDF und Deutschlandradio wird ja von ihren extremsten Kritikern gerne vorgeworfen, sie seien “Staatsfunk” – arg fahrlässig, natürlich. Aber es gibt ihn tatsächlich, den Staatsfunk – sogar mitten in der EU: in Ungarn.

    Bei ZAPP haben wir unsere erste Sendung in diesem Jahr dem Thema“Europas öffentlicher Rundfunk unter Beschuss” gewidmet. Meine Kollegin Caroline Schmidt war dafür etwa in der Schweiz, wo es für die SRG in diesem Jahr ums Ganze geht. Stefanie Groth war in Großbritannien – die BBC hat eine jahrelange Debatte um Sinn und Zweck ihrer Programme hinter sich. Auch die Niederlande sind Thema.

    Zusammen mit meiner Kollegin Gabriella Balassa war ich Ende vergangenen Jahres in Ungarn – beim Staatsfunk. Der ließ seine Tore für uns leider verschlossen. Aussteiger haben uns aber aus dem Innenleben berichtet, etwa von regierungstreuen Sprachregelungen für die Berichterstattung über Flüchtlinge.

    Die ganze Sendung können Sie sich hier ansehen – und mit uns hoffen, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio bleiben, was öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Deutschland derzeit ist: in seiner Berichterstattung frei und ein kritischer Begleiter der Regierenden, nicht ihr Sprachrohr.

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