Medienjournalist

Daniel Bouhs ist Medienjournalist in Berlin und Hamburg - v.a. für den NDR.
>> zur Vita
>> zur Technik
>> zur Transparenz

 

PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • Mascolo: Journalisten fit genug in Verdachtsberichterstattung?

    Auszug aus dem Panel “Verdachtsberichterstattung:
    Ein Dialog zwischen Juristen und Journalisten” (Deutscher Anwaltverein und Journalistenverband Berlin-Brandenburg) am 7.3.2018 in Berlin.

    Wörtliches Transkript

    [00:00:00] Wir haben ja jetzt den ganzen Abend darüber geredet, was wir in unserem Beruf eigentlich alles dürfen. Aber die Frage, was wir dürfen, hängt für mich immer ganz wesentlich mit der Frage zusammen, ob wir das, was wir dürfen, eigentlich auch noch ausreichend gut können. Also ob wir eigentlich auch eine Form von Ausbildung haben – auch in den Redaktionen -, wo über die besondere Frage, was eigentlich Verdachtsberichterstattung ist, ob darüber eigentlich geredet wird. Ich will gar nicht sagen gelehrt wird.

    [00:00:30] Ich denke, dass an ganz vielen Stellen – auch verbunden mit einer hohen Arbeitsverdichtung – da nicht über Fälle wie Dieter Wedel, aber über Fälle im Lokalen, im Regionalen berichtet wird, wo ich mich frage, sind diejenigen, die diese außerordentlich verantwortungsvolle Aufgabe ausüben, sind die darauf eigentlich gut genug vorbereitet? Kümmern sich ihre Verleger, Intendanten, wer immer dafür Verantwortung trägt dafür, dass sie sagen, in diesem ganz besonders sensiblen Bereich sorge ich dafür, dass da eine Ausbildung, die Zeit, die du hast, um dich mit diesen Dingen zu beschäftigen und dass all das vorhanden ist, so dass du das auch mit der notwendigen Sorgfalt tun kannst.

    [00:01:23] Ich fürchte, dass die Antwort darauf manchmal ja, aber immer häufiger auch nein ist. Und mir ist jedenfalls, wenn es um diesen justiziellen Bereich angeht – ich kann mich erinnern, dass der Hamburger Strafrechtler Johann Schwenn ich glaube schon vor vielen Jahren irgendwie darüber sich wahnsinnig aufgeregt hat, weil er immer gesagt hat, ich habe mit ganz vielen Journalisten zu tun, die wissen nicht, dass es im Zivilrecht keine Anklage gibt. Und die können irgendwie auch nicht genau die Unterscheidung vornehmen zwischen was ist eigentlich ein Strafverfahren und wo endet das Strafverfahren oder das Ermittlungsverfahren mit der Anklage, was bedeutet die Zulassung der Anklage. Und er hat das immer mit dem Fußball verglichen und hat gesagt: Wenn die irgendwie auf dem Platz stehen würden und könnten Freistoß nicht vom Elfmeter unterscheiden, dann wären die irgendwie sofort weg. Aber wenn es um so einen sensiblen Bereich wie das Strafverfahren geht, regt sich darüber eigentlich gar keiner auf.

    [00:02:15] Also wenn wir mal einig darüber sind, wie wichtig und notwendig auch diese Form von Verdachtsberichterstattung ist, und wenn wir wissen, dass unsere Arbeit sich geradezu zwingend unterscheiden muss von all dem, was wir da draußen irgendwie zu häufig inzwischen erleben – Vorverurteilung, Hass, Häme – umso wichtiger wird ja, was das angeht, unsere Arbeit.

    [00:02:37] Und da kann ich immer nur dafür plädieren: Dann muss sie den höchsten journalistischen Maßstäben und Standards genügen und dann müssen diejenigen, die in Redaktionen Verantwortung tragen für die journalistischen Inhalte oder für die wirtschaftlichen Fragen, auch für die notwendigen Voraussetzungen sorgen.