Medienjournalist

Daniel Bouhs ist Medienjournalist in Berlin und Hamburg - v.a. für den NDR.
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PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • Klaus Brinkbäumer, Ranga Yogeshwar, Markus Beckedahl zur “Super-Mediathek”

    In der “Presseclub”-Ausgabe vom 8. April 2018 fragte Moderatorin Sonia Mikich “Spiegel”-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, ARD-Journalisten Ranga Yogeshwar und netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl, was sie von der Idee des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm halten, eine “Super-Mediathek” als Gegenentwurf zu US-Plattformen zu gründen:

    Die Ausgabe ging der Frage “Keine Likes mehr für Facebook – wer setzt dem Netzwerk Grenzen?” nach. Sie ist hier in Gänze abrufbar.

    Wörtliches Transkript:

    Mickich: Herr Brinkbäumer, der gegenwärtige ARD-Vorsitzende Uli Wilhelm hat so eine Art “Super-Mediathek” jetzt ins Spiel gebracht. Da sollen nicht nur die Sender – manche sagen sogar europaweit die öffentlich-rechtlichen Sender –, sondern auch alle Qualitätszeitungen, Zeitschriften und so weiter mitmachen, damit User wissen, das ist ziemlich seriös, das ist überprüft, da können wir hin, die können wir zur Verantwortung ziehen. Ist das eine gute Idee?

    Brinkbäumer: Das müsste ich tatsächlich – bevor ich das jetzt hier live bei Ihnen sage, da machen wir mit – etwas genauer kennen. Klingt aber gut. Klingt schlüssig. Klingt wie etwas, was dann wirklich belegen könnte: Das ist Qualität. Das ist wahr.

    Yogeshwar: Aber was Uli Wilhelm als Idee hat, macht schon Sinn. Warum? Vor hundert Jahren war weniger Information gleichbedeutend mit weniger Demokratie. Heute leben wir in einer Zeit, wo zu viel Information, bei der wir nicht wissen, was richtig und was falsch ist, dazu führt, dass unser Blick verzerrt wird, dass wir nicht mehr wissen, was ist richtig und was ist falsch. Und das bedeutet: Wir brauchen irgendwann Orientierungsmarken, vielleicht Labels, die uns sagen “Okay, das ist wirklich recherchiert und das ist nicht irgendwo fake”, um uns zu orientieren. Wenn wir eine Gesellschaft sind, die nicht mehr weiß, wo die Nachrichten herkommen, werden wir eine orientierungslose Gesellschaft. Und das kann gefährlich werden.

    Mikich: Herr Beckedahl, Sie kriegen das Schlusswort. Und, was halten Sie davon?

    Beckedahl: Von der Mediathek? Kann man wahrscheinlich jetzt nicht so viel falsch machen. Wird wahrscheinlich auch nicht viel Relevanz haben. Wenn es aber darum geht, Alternativen zu Facebook zu finden, dann dient – glaube ich schon – das öffentlich-rechtliche Modell als Vorbild, wo wir stolz drauf sein könnten, was wir aber radikal weiterentwickeln sollten. Ich möchte jetzt nicht, dass ARD und ZDF anfangen, eine Alternativen aufzubauen, aber ich glaube, zum Beispiel aus der Haushaltsabgabe könnten wir zehn Prozent einfach mal abziehen und in einen Fonds für nicht-kommerzielle Netz-Innovationen stecken, um vielleicht das Facebook von morgen bauen zu können, wo wir dann alle hingehen können, weil es halt datenschutzfreundlich, offen und sicher ist.