ARD/ZDF: Sparen in den Auslandsstudios

Radio und TV, aber auch ARD und ZDF wollen im Ausland näher zusammenrücken. Reporter müssen zudem mehr liefern. Über diese Veränderungen habe ich für WDR5 berichtet.

für WDR5

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Von Jan-Christoph Kitzler wird viel gefordert. Der Hörfunkkorrespondent im ARD-Studio Rom soll inzwischen alle Kanäle bedienen – neben Radio auch Fernsehen und Online. In den Sendern heißt das: trimedial arbeiten.

„Also ich bin ja eigentlich schon so ein Trimedialer. Ich bin 44, habe ein Volontariat beim NDR gemacht, habe dort auch Fernsehen gelernt. Habe dann sogar noch vier Jahre beim Fernsehen gearbeitet. Also man kann mich auch vor eine Kamera stellen zur Notz. Das geht schon.“

Ein Radiokorrespondent mit Fernseherfahrung – Kitzler ist wie gemacht für diese neue Zeit. Über Jahrzehnte hatten die Sender Radio- und Fernsehreporter parallel in alle Welt geschickt – oft zwar in dieselbe Stadt, aber getrennte Büros.

Schon bald soll mit diesen getrennten Reporter-Welten Schluss sein. In Rom ist schon vor zwei Jahren ein „trimediales Studio“ entstanden: Radio und Fernsehen teilen sich einen Newsroom. Kitzler schwärmt von der Anbindung ans Fernsehen.

„Wir vom Hörfunk, wir waren vorher – sage ich mal – auch oft Einzelkämpfer. Jetzt haben wir technisch gute Unterstützung, wenn es Probleme gibt. Wir haben leichter die Möglichkeit, auch mal an Töne vom Fernsehen zu kommen. Wir kooperieren inhaltlich natürlich. Also es gibt immer wieder den Fall – zum Beispiel, wenn ich jetzt ein großes Interview anleiere, dass ich sage ‚Hier, Fernsehen, schick‘ doch eine Kamera mit, dann mache ich das für euch mit, das ist überhaupt kein Problem‘.“

Nicht neben- sondern miteinander arbeiten – das klingt in der Theorie einfacher als es in der Praxis ist. Schwierig ist etwa der unterschiedliche Takt, denn das Radio, bei dem sich ein einzelner Reporter nur ein Mikrofon schnappen muss, kann sich oft schneller für ein Thema entscheiden als das „große“ Fernsehen.

„Im Fernsehen ist es so: Bevor die sich in Gang setzen – das sind ja oft zwei oder drei Leute –, dann brauchen die erst einen Auftrag, weil das sehr teuer ist. Das heißt, das dauert dann ein bisschen mehr. Ich muss dann sozusagen Gesprächspartner erst mal vertrösten. Das ist manchmal ein bisschen lästig bei der Planung, aber im Prinzip geht das schon.“

Christian Nitsche ist der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, der für die ARD die Studios in Italien, Österreich und Israel betreibt und umgerüstet hat. Der Chefredakteur will keine Reporter abbauen, aber dass seine Leute im Ausland mehr produzieren als bisher – indem zunehmend alle alles machen. Reporter vom Radio etwa auch mal für Schaltgespräche im Fernsehen einspringen.

„Das ist das Modell der Zukunft, dass man – wenn Sie so wollen – einen Triathleten hat, der überall einsetzbar ist. Wir schulen auch in anderen Bereichen. Wenn Sie sich ansehen: Susanne Glass, die jetzt in Tel-Aviv ist und dort Studioleiterin – kam vom Hörfunk, hat dann Fernsehen gemacht und ist jetzt trimedial.“

Anders als in Rom sitzen in Tel-Aviv nicht nur Fernsehreporter der ARD mit ihren Kollegen vom Radio zusammen. Ach die Korrespondenten des ZDF sitzen in demselben Gebäude. Die neuen Sparpläne von ARD und ZDF sehen eine Verzahnung vor – hinter den Kulissen. Für Nitsche der nächste logische Schritt.

„Wir bieten das dem ZDF an. Also die ARD ist da insgesamt offen und wir wollen alle Potenziale heben, die es gibt. Allerdings ist auch klar, dass die Redaktionsbereiche getrennt arbeiten, sonst würde es keinen Sinn machen, dass man zwei Sender hat. Das ist schon wichtig, dass wir unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Sichtweisen weiterhin präsentieren.“

Ähnlich hat sich auch schon ZDF-Intendant Thomas Bellut geäußert: Sparen ja, aber bloß nicht auf Kosten der unabhängigen Berichterstattung.

„Wenn es aber geht, dass wir in Räumlichkeiten im Ausland zusammenziehen oder aber auch in Basisinfrastrukturen – Schnitteinrichtungen oder anderem – kooperieren, stehe ich dem sehr offen gegenüber. Wir haben aber auch festgestellt, dass beide Senderketten mit den Studios sehr gut ausgelastet sind, also dass wir da keine Unterdeckung haben.“

Keine Unterdeckung – für Radiokorrespondent Jan-Christoph Kitzler heißt das: Er arbeitet oft am Anschlag – wie viele seiner Kollegen, zumal wenn sie inzwischen unterwegs auch immer häufiger das Smartphone zücken müssten, um schnell auch noch Videos zu drehen. Das mache zwar Spaß, koste aber nun mal Zeit.

Das Zauberwort der Stunde heiße daher: priorisieren – und im Zweifel auch mal bewusst ‚Nein‘ sagen.

„Das ist eigentlich eher die größte Sorge, dass wir jetzt sozusagen alles machen und dass dadurch die Arbeit so viel wird, dass die Momente, wo man einfach mal recherchieren muss, man mal kurz nachdenken muss, sozusagen was ist das jetzt eigentlich, was hier passiert, dass diese Momente weniger werden.“

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”)

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