DuMont-Betriebsrat: “Blutmond über Berlin”

Die Medienkonzentration geht einen Schritt weiter: Die Verlagsgruppe Madsack (Hannover) gründet mit Unterstützung der DuMont-Gruppe (Köln) eine gemeinsame Hauptstadtredaktion, DuMont wird zudem “Partner” von Madsacks zentraler Mantelredaktion Redaktionsnetzwerk Deutschland, kurz RND. Das RND beliefert die DuMont-Titel künftig mit überregionalen Geschichten, größtenteils sogar mit fertig produzierten Seiten. DuMont schließt dafür sein bisheriges Hauptstadtbüro, die Redaktionsgemeinschaft, kurz ReGe (über diese Entwicklung habe ich für die “taz” geschrieben). Nun haben die ReGe-MitarbeiterInnen ihre Kündigungen erhalten. Der Betriebsrat der Berliner DuMont-Redaktionen (v.a. “Berliner Zeitung”) schrieb dazu dies an die RedakteurInnen:

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

der mutmaßlich schöne Ausklang dieses Freitags, der Blutmond über Berlin, steht in seltsamen Kontrast zu dem, was tagsüber lief. Hier im Haus. Wir wollen das nicht unkommentiert lassen.

Heute hat DuMont, unser Arbeitgeber, den entscheidenden Schritt zur Abwicklung der Hauptstadtredaktion getan. Dafür kam der Geschäftsführer der DuMont Redaktionsgemeinschaft GmbH, Christian Kirschner, extra ins Haus – um 16 Kolleginnen und Kollegen, mehr als jedem Zehnten von uns übrigens, eine Kündigung in die Hand zu drücken.

[Aufzählung der Betroffenen] Ihr kennt sie alle aus unseren Zeitungen. Ihr werdet sie künftig nicht mehr alle bei uns lesen können.

Unser DuMont-Vorstandsvorsitzende Christoph Bauer hat die Gekündigten kürzlich noch als „einige der besten Journalisten Deutschlands“ bezeichnet. Wir als Berliner Betriebsrat hätten es daher mit Respekt zur Kenntnis genommen, wenn Herr Dr. Bauer heute selbst die Gelegenheit gefunden hätte, diesen Kolleginnen und Kollegen ins Auge zu schauen – und sich ihren Fragen zu stellen. Auf unsere Einladung, nach Berlin zu kommen, gab es aber leider keine Reaktion.

Stattdessen heißt es in einer Mitteilung an den Betriebsrat, es gebe keine Möglichkeit der Weiterbeschäftigung in diesem Haus, also in den übrigen Redaktionen und Teams. Jeder hier weiß – offenbar außer den Geschäftsführungen – dass eine solche Feststellung der Wirklichkeit Hohn spricht. Umgekehrt ist es richtig: Es gibt kein Team in diesem Haus, das keine Verstärkung nötig hätte, nicht selten sogar bitter nötig. Überall fehlt uns Personal für guten Journalismus.

Wir können als Betriebsrat diese Kündigungen leider nicht verhindern. Wir können den meisten nicht einmal widersprechen, weil eine Zeitung ein Tendenzbetrieb ist mit weniger Mitbestimmungsrechten als andere. Das haben wir hinzunehmen.

Nicht hinnehmen werden wir allerdings den Umgang mit uns. Nach nur anderthalb gemeinsamen Jahren am neuen Kreuzberger Standort wird ein harter Personalabbau mit vagen Versprechungen auf einige neue Jobs bei einem bisherigen Konkurrenten durchexerziert. Die Kündigung in der Hand, weiß immer noch niemand, ob er oder sie übernommen wird von Madsack. Klar ist nur, dass es nicht alle sein werden, denn es wird höchstens zehn Stellen geben.

Nach acht Jahren harter Arbeit in der Rege stehen die Kollegen damit draußen. Für manche ist es das Aus nach zehn, nach 15 oder nach mehr als 25 Jahren in den Redaktionen von Berlin und Frankfurt.
Jetzt wird die Tür geschlossen.

Beim Umzug vom Alexanderplatz lief es bekanntlich genauso. Das ist für alle, die in diesem Haus bleiben, mehr als eine Warnung.

Euer Betriebsrat

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