Welche Nutzerdaten dürfen bei Facebook landen?

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Wenn es um Datenschutz geht, ist Matthias Eberl gründlich. Beim Surfen im Internet nutzt er beispielsweise zwei Browser. Das ist unbequem, soll aber verhindern, dass sich die Daten vermischen. Vor allem Facebook soll keinen Zugriff erhalten auf das, was Eberl sonst im Internet tut. Umso überraschter war er als ihm das soziale Netzwerk plötzlich Hotels vorschlug – zu Reiszielen, nach denen er sich zuvor tatsächlich erkundigt hatte – auf dem Reiseportal booking.com.

„Da habe ich überlegt, wie das überhaupt zustande gekommen sein kann und hab‘ eben herausgefunden, dass Facebook tatsächlich von ‚Booking‘ meine E-Mail-Adresse bekommen hat.“

Das funktioniert über eine Schnittstelle namens „Custom Audience“. Facebook bietet Seitenbetreibern dabei an, ihre Kunden bei Facebook zu identifizieren, um ihnen dann persönlich zugeschnittene Werbung anzuzeigen – in diesem Fall eben Hotels. Die Daten dafür werden zwar teilanonymisiert. Letztlich kann Facebook die Informationen aber wieder den Profilen zuordnen.

„Um mich dann dort bewerben zu können, muss natürlich ‚Booking‘ auch angeben, dass ich in Wien oder in Bern Interesse an Hotels habe. Und das ist für mich dann tatsächlich auch etwas gewesen, wo eine Grenze überschritten ist, dass also Kundendaten, wo ich einfach davon ausgehe, dass sie vertraulich behandelt werden, an Dritte weitergegeben werden.“

Heiko Dünkel ist Referent für „Rechtsdurchsetzung“ beim Verbraucherzentralen Bundesverband. Er verweist auf ein Gerichtsurteil aus diesem Frühjahr, das Seitenbetreiber beim Einsatz von Werbe-Instrumenten wie „Custom Audience“ in die Pflicht nimmt. Immerhin wanderten Kundendaten gezielt an das soziale Netzwerk.

„Damit ist nach Auffassung des Verwaltungsgerichts in Bayreuth eine Weitergabe der Daten an Facebook verbunden. Und dafür braucht man eine Einwilligung. Das kann man nicht über eine Interessensabwägung machen.“

Portale müssten Nutzer beim Anlegen eines Profils also direkt fragen, ob sie diese spezielle Verknüpfung zu ihrem Facebook-Profil also wollen.

„Das Risiko für Verbraucher besteht hier vor allen Dingen darin, dass er überhaupt keine Kontrolle mehr hat, was mit seinen Daten angestellt wird. Gerade im Fall von Facebook stellt ja Facebook dieses Tool den Unternehmern ja nicht nur im Interesse der Unternehmer zur Verfügung, sondern Facebook verwendet diese Daten dann auch selber.“

, mahnt Verbraucherschützer Dünkel. Er hat selbst gerade einen anderen Fall in Sachen „Custom Audience“ auf dem Tisch und bereitet juristische Schritte vor. Matthias Eberl hat wiederum Beschwerde gegen booking.com eingereicht – als Münchner bei der Bayerischen Datenschutzaufsicht.

„Im Idealfall wird booking.com dieses Vorgehen einfach untersagt und zwar ausdrücklich. Und der zweite Idealfall wäre natürlich auch, dass da eine Strafe verhängt wird, die nach meiner Ansicht auch einfach fällig wird, weil ‚Booking‘ ein Unternehmen sein müsste, was diese ganzen rechtlichen Sachen vorher ordentlich geklärt hat.“

Booking wiederum teilt auf Anfrage von NDR Info nur Grundsätzliches mit: Datenschutz sei dem Unternehmen sehr wichtig. Außerdem setze man auf Instrumente, die sehr etabliert seien und seit Jahren von vielen Unternehmen eingesetzt würden. Das Motto also: Es machen am Ende doch praktisch alle.

Booking.com glaubt auch, sich an die Datenschutzgrundverordnung zu halten. Nun müssen Datenschützer entscheiden, ob das wirklich so ist und dann gegebenenfalls auch: weitere Gerichte.

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