Verbraucherjournalismus: Inhalte nicht nur für Sonderseiten

Das “Netzwerk Recherche” hat auf einer Fachtagung über den Verbraucherjournalismus diskutieren lassen. Ich war u.a. für den Dlf dabei.

für Deutschlandfunk

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— Manuskript des Beitrags —

„Haben Sie gesehen? Es gibt eine Zeitschrift ‚Der Karpfen‘. Ich war ganz begeistert. Ja. Demnächst kommt auch noch ‚Der Heilbutt’‘ und ‚Die Forelle’…“

Barbara Brandstetter lehrt Wirtschaftsjournalismus. Sie hat eine Statistik im Gepäck. In Deutschland erscheinen immer mehr Zeitschriften – vor allem für Verbraucher.

„Wir haben einen Boom im Zeitschriftenbereich, und da geben wir Tipps. Sie finden Hygge oder wie Sie sich gesund ernähren, vegan ernähren, ja? Wie viele Zeitschriften gibt’s inzwischen, die sich damit beschäftigen?“

Auch in Zeitungen und Online-Portalen hat Verbraucherjournalismus seit Jahren Konjunktur. Doch oft wurden nur die Flächen ausgeweitet, nicht die Redaktionen. Ein Beispiel: die Zentralredaktion der Funke-Mediengruppe. Sie beliefert mehr als ein Dutzend Zeitungen in ganz Deutschland, wie das „Hamburger Abendblatt“. Im Verbraucher-Ressort sitzen: vier Redakteure. Darunter Alina Reichardt.

„Alleine unser Ressort mit diesen vier Personen hat am Tag sechs komplette Seiten zu bestücken – und zusätzlich Online zu beliefern. Und zwölf verschiedene Layouts.“

Redakteurin Reichardt sagt: Maximaler Effizienz und bestmögliche Planung geben ihnen Sicherheit – auch bei komplizierten Gerichtsurteilen etwa für Finanzprodukte.

„Aber es stimmt schon. Im Vergleich zu anderen Ressorts sind wir knapp aufgestellt, weil man eben sagt: ‚Na ja, ihr müsst ja nicht auf spontane Ereignisse reagieren, deswegen stecken wir eben 15 Leute in die Politik und vier ins Verbraucherressort‘. Es wird dem nicht mehr Raum gegeben.“

Auch andernorts sieht es nicht besser aus, das wird auf der Tagung deutlich. Das Risiko sind schnelle, oberflächliche Berichte, für die Journalisten nur noch Verbraucherschützer fragen. Olaf Langner vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband sieht inzwischen wenige fundierte, dafür umso mehr dünne Berichte:

„Vom Verhältnis her eher ein Drittel, zwei Drittel. Es wird in der Regel auch nicht die Gegenseite gefragt. Und am Ende fehlt das, was, glaube ich, am wichtigsten ist: Lieber Verbraucher, pass auf das auf – und wenn Du Hilfe suchst, guck da nach.“

Wissenschaftlerin Brandstetter fordert wiederum nicht nur mehr Personal. Sie wünscht sich auch, dass Verbraucherjournalismus überall stattfindet:

„Ich plädiere seit Jahren dafür, in die Köpfe herein zu bekommen: Verbraucherjournalismus bedeutet, in Redaktionen einfach die Perspektive der Leser einzunehmen, ja? Welche Fragen könnte sich der Leser zu dem aktuellen Thema stellen. Und es ist nicht nur eine Berichterstattung, die verbannt gehört auf irgendwelche Sonderseiten.“

Sondern in Wahlkämpfen auch in den Politikteil gehört, beispielsweise: Was würde konkret im Geldbeutel der Wähler passieren, wenn ein Kandidat – wie aktuell für das Amt des CDU-Vorsitzes – mit seinem Steuer- oder Rentenmodell durchkommt?

Gleichzeitig beobachtet Brandstetter aber schon den nächsten Boom – die gemeinsame Recherche mit dem Publikum. „Zeit Online“ hat etwa über die Leser die Dispo-Zinsen der deutschen Banken zusammengetragen, Tageszeitungen wie das „Hamburger Abendblatt“ die Eigentumsverhältnisse von Miethäusern.

Der Verbraucherjournalismus trifft dabei andere Disziplinen – den Daten-, den Online- und den Lokaljournalismus. Zeit, zusammenzuarbeiten, dachte auch das Netzwerk Recherche, das die Tagung zum Verbraucherjournalismus – zusammen mit der Stiftung Warentest – veranstaltet hat. Netzwerk-Vorsitzende Cordula Meyer mahnt:

„Guter Verbraucherjournalismus hilft Bürgern, mündige Entscheidungen als Konsumenten zu treffen. Und eigentlich hat Journalismus zu Verbraucherthemen einen größeren Stellenwert verdient, auch in der Branche selbst.“
>> Download MP3 (Quelle: Dlf-“Mediasres”)

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