PR-Instrument?

Mit Andreas Maisch habe ich in ZAPP über Pressereisen im politischen Raum berichtet. Zwei von drei Teilnehmern lassen sich einladen – weil Verlage nicht zahlen.

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —

Fast wie eine Klassenfahrt: Eine Gruppe Journalisten besucht die EU-Kommission. ZAPP ist vor drei Jahren mit dabei. Treffen mit Günther Oettinger. Ein EU-Kommissar zum Anfassen.
Beim Fachgespräch in kleiner Runde platzieren und diskutieren der Kommissar und seine Experten ihre Botschaften – damals zur umstrittenen Urheberrechtsreform.
„Die europäischen Themen gehen sehr tief rein auch in die Fachjournalisten, in die Wirtschaftsredaktion. Und dort sind dann oft Journalisten mit europäischen Themen befasst, die den Brüsseler Betrieb so nicht kennen. Und da geht es darum, die einfach mal einzuladen in den Brüsseler Maschinenraum, damit sie die handelnden Personen und die Verfahren besser einschätzen können.“
Reinhard Hönighaus will, dass sich Medien mit Europa beschäftigen. Dafür bringt er Journalisten mit EU-Politikern zusammen, organisiert ganze Reisepakete. Wie hier nach Brüssel, aber auch in die Mitgliedsstaaten.
Auch die Entwicklungshilfeagentur der Bundesregierung, die GIZ, lädt Journalisten zu Reisen ein – zu einem ihrer gut anderthalbtausend Projekte weltweit.
Das Ergebnis: eher wohlwollende Berichte über die Hilfsprojekte. Nicht nur im GIZ-Magazin „Akzente“, sondern auch in der Tagespresse – oft von denselben Autoren. Nur ein Beispiel: die Reise zu einem Ausbildungszentrum in Tunesien. Artikel darüber: Auf der Seite der GIZ. In der „Rheinischen Post“. In der „Sächsischen Zeitung“. Und im „Südkurier.“
Julia Gerlach war einst mit der GIZ im Jemen. Über ein Frauenhaus berichtete sie zunächst für das Magazin der GIZ. Dann verkaufte sie ihre Recherche auch an die „Berliner Zeitung“ und die „NZZ am Sonntag“.
„Ich glaube, dass sie durchaus natürlich Interesse daran hatten, dass über ihr Projekt auch in anderen Medien berichtet wird und dadurch natürlich einfach für ein größeres Publikum diese Informationen auch zugänglich gemacht wurden. Aber es war nicht das, was sie sozusagen verlangt haben.“
Als freie Korrespondentin hätte Julia Gerlach die Reise in den Jemen damals ohne GIZ-Unterstützung nicht realisieren können – auch wegen der schwierigen Sicherheitslage. Die Journalistin weiß selbst: Dieses Modell hat auch seine Probleme.
„Natürlich ist es schwierig, in so einer Situation jemanden zu finden, der sagt ‚Hör mal zu, dieses Projekt ist total korrupt und wir werden hier schlecht behandelt und es gibt auch nichts zu essen‘. Das würden die natürlich nicht sagen. Das heißt, wenn man investigativ über solche Projekte berichten möchte, dann darf man natürlich keine Pressereise machen.“
Die GIZ gibt zu ihren Pressereisen kein Interview, betont aber: Die Reisen seien nur ein Angebot.
„Den Journalisten steht es frei, weiter zu recherchieren. Wir knüpfen die Teilnahme jedenfalls an keine Bedingungen.“
Wolfgang Bauer berichtet auch über Krisen, Katastrophen und Hilfsprogramme. Pressereisen lehnt er konsequent ab.
„Pressereisen, ich glaube, muss man schon fast als Auftragsarbeiten bezeichnen, was dann am Ende dabei herauskommt, nicht weil die Kollegen sich jetzt willentlich korrumpieren lassen würden, sondern weil ihnen technisch keine anderen Werkzeuge in die Hände gelegt werden. Sie haben fast nur die Chance einen positiven Artikel darüber zu verfassen.“
Bauer arbeitet für die „Zeit“. Reisekosten sind für ihn kein Problem. Auf eigene Faust erfährt er dann etwa von „Rissen im Fundament“ eines GIZ-Projekts in Afghanistan. Sein Vorwurf: schwere Baumängel und ein Korruptionsverdacht. Gesprächspartnern, die man auf Pressereisen trifft, traut er solche Hinweise nicht zu.
„Denn die stehen ja auch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dieser Hilfsorganisation und wurden eingeladen von der Hilfsorganisation, die ihnen dann quasi einen Tag später wieder diverse Hilfen zukommen lässt, für ihre Landwirtschaft, für ihr Startup-Projekt, was sie da am Laufen haben.“
Zeitungsverlagen fehlt aber zunehmend Geld für Auslandsreisen. Nur wie wäre es dann, das Reise-Sponsoring transparent zu machen? Bei unseren Stichproben: kein einziger Hinweis. Aus den Redaktionen heißt es: Transparenz sei eigentlich Standard. Hier habe man es vergessen, es sei zu lange her oder die Autoren hätten nicht informiert.
Wenn der EU-Sprecher anbietet, die Reisekosten zu übernehmen, greifen zwei von drei Journalisten zu. Transparent mache es davon wiederum nur die Hälfte.
Warum, glauben Sie, macht der andere Teil das nicht? Stellen Sie sich diese Frage?
„Klar. Ich spreche auch mit den Journalisten darüber. Und dann sagen Sie da vielleicht, ja, das sieht ein bisschen doof aus und außerdem das Programm ist doch sowieso so überparteilich und es ist unverdächtig, da sehen wir keinen Grund, das noch irgendwie besonders auszuflaggen. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn es alle täten.“
Den Blick weiten, notfalls auch mit solcher Unterstützung – besser als Recherche vom Schreibtisch. Dem Publikum sollte dann aber wenigstens klar sein, wie die Berichte entstehen.

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

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