Thomas Hinrichs

Bayerischer Rundfunk untersagt “Gender-Lücke” – mit einer Ausnahme

Im radioeins-“Medienmagazin” haben Jörg Wagner und ich mit BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs gesprochen. Die Geschäftsleitung des Senders hat entschieden, wie ihre Redaktionen gendern dürfen – und wie nicht.

für radioeins

Gesamtes radioeins-“Medienmagazin” vom 5. Dezember 2020:

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Auskopplung des Interviews mit Thomas Hinrichs:
(Quelle: radioeins-“Medienmgazin” 5.12.2020)

— Wörtliches Transkript —

Patricia Schlesinger [00:00:00] Ich gendere. Ich rede von Hörerinnen und Zuschauern und Userinnen. Ich gendere auf diese Weise. Sternchen fällt mir schwer, weil ich finde es auch optisch nicht schön. Es ist für mich eine Vergewaltigung der Sprache, sag ich auch. Ich finde es sieht nicht nur nicht schön aus im Geschriebenen, sondern auch Sprecher*innen mag ich auch nicht gerne. Intendant*innen, damit komme ich nicht gut zurecht. Aber, ich sage es auch: Ich habe viele Diskussionen meiner Tochter hinter mir, die gar nicht verstehen kann – “Du kämpfst dafür, dass Frauen überall sind und dann sagst Du, das ist schwierig?!”.

[00:00:28] Ich finde es gut, dass Fritz das jetzt macht als erste Radiowelle, als junge Welle. Ja, warum denn nicht? Dann lass sie das doch machen. Sprache darf sich auch verändern. Sprache darf sich auch verändern. Und ich bin ein Mensch, der viel mit Sprache lebt und sie auch liebt. Und ich tue mich da schwer, aber auch wir können dazulernen. Lassen wir es mal dabei.

Jörg Wagner [00:00:48] Also ein einheitliches Bild im rbb lehnen Sie ab?

Patricia Schlesinger [00:00:50] Ne, es muss im Moment nicht sein. In den Nachrichten bei Fritz haben wir extra gesagt: Die können es anders machen. Wir überlassen es unseren Moderator*innen, ob sie tatsächlich das mitsprechen wollen oder nicht. Nicht nur bei Fritz, auch woanders. Das finde ich in Ordnung. Ich tue mich auch schwer zu sagen: “Das ist der richtige Weg.” Sprache atmet. Sprache darf sich auch entwickeln. Ich muss nicht alles schön finden. Also, ich finde es schwer zu sagen, wir machen es jetzt nur so und wir machen es so. Nur auf die eine oder nur auf die andere Weise. Schauen wir mal, wie es sich entwickelt.

Jörg Wagner [00:01:18] Das ist die Auffassung von rbb-Intendantin Patricia Schlesinger zur Frage, wie es ihr Sender mit dem Gendern halten soll. Medienhäuser, auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, suchen ja bekanntlich und viel diskutiert einen Weg, um alle Geschlechter möglichst natürlich in ihrer Sprache abzubilden. Sender treibt dabei vor allem die Frage um, ob das gesprochene sogenannte Gendersternchen ein praktikabler Weg ist. Sie hören es ja immer, wenn wir eine Lücke lassen. Während das immer mehr Redaktionen zulassen, hat die Geschäftsleitung des Bayerischen Rundfunks nun entschieden: Das Sternchen bzw. die Lücke soll nicht gesprochen werden, zumindest nicht außerhalb von Angeboten für die jüngere Zielgruppe. So hast Du es zumindest mir gestern erzählt, Daniel.

Daniel Bouhs [00:01:59] Ja, so wurde es mir zumindest aus dem Sender in München zugetragen. Und da dachte ich mir: Reden wir doch besser nicht nur über den BR, sondern auch mit ihm. Und in der Leitung, am Telefon ist nun Thomas Hinrichs, der Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks. Guten Abend!

Thomas Hinrichs [00:02:15] Servus, grüß Gott! Das ist die Grundlage guter Recherche, mit den Leuten direkt zu sprechen. Darüber bin ich sehr froh.

Daniel Bouhs [00:02:19] Genau.

Jörg Wagner [00:02:20] Dafür ist das Medienmagazin übrigens bekannt. Wir recherchieren gerne an der Quelle.

Thomas Hinrichs [00:02:25] Ich habe ein bisschen reingehört. Und wenn man sich dann korrigiert, dann ist ja prima. Sehr gut.

Daniel Bouhs [00:02:29] Ja. Herr Hinrichs, warum haben Sie sich dann dafür entschieden, die Genderlücke – mit der kleinen Ausnahme für die jungen Angebote – nicht im Programm des BR zu tolerieren?

Thomas Hinrichs [00:02:41] Ich muss zunächst sagen: Als ich gerade Patricia Schlesinger gehört habe, die ich großartig finde, habe ich dem ganz viel abgewinnen können. Wir haben durchaus eine hohe Sensibilität für das Thema und wir haben eine großartige Diskussion gerade bei uns im Hause. Wir haben einen Diversity-Beirat. Dort gibt es eine Arbeitsgruppe zur gendergerechten und -sensiblen Sprache. Also, es ist nicht so, wie der ein oder andere in Berlin möglicherweise denken mag, die Bayern preschen da voran. Nein, das Gegenteil ist eigentlich der Fall: Wir wollen die Menschen nicht erziehen. Wir wollen sie nicht bevormunden. Und wir haben beobachtet, dass es unser Publikum verunsichert an der einen oder anderen Stelle.

[00:03:20] Es gibt Zielgruppen – und so haben wir unser Programm aufgestellt, dass wir bestimmte Zielgruppen zu erreichen versuchen – und da müssen wir sehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Jungen Welle PULS zum Beispiel – Hörfunk, Fernsehen, Online, für die ich verantwortlich bin – und auf der anderen Seite der Sonntags-Stammtisch mit einem Durchschnittsalter von roundabout über 70. Das ist nicht gleich. Die Sprache ist nicht gleich. Und wir haben uns fest vorgenommen, dass wir nicht bevormunden, dass wir nicht erziehen wollen. Und deswegen haben wir gesagt: Solange die Mehrheit nicht dafür ist, in diesem Sinne gendern – die deutsche Sprache gibt ja wahnsinnig viel her, um Gleichberechtigung in der Sprache herzustellen – solange wollen wir das auch nicht tun, mit der Ausnahme von Zielgruppen, wo das schon getan wird. PULS hab ich genannt. Da sprechen die meisten schon, also mehr als die Hälfte das Gendersternchen, wenn wir da Call-Ins haben, wäre es seltsam, wenn wir das nicht täten. Die großartige “News WG” auf Instagram, die kennen Sie. Wir haben einen Podcast für die LGBQT-Menschen draußen im Lande und da war es völlig absurd, wenn wir dort das Gendersternchen nicht sprechen. Aber in anderen Bereichen nicht. Aber das heißt nicht – noch einmal, ich weiß, warum Sie den Bayrischen Rundfunk angerufen haben – dass wir unsensibel sind. Das Gegenteil ist der Fall.

Jörg Wagner [00:04:33] Nee, nee. Was mich jetzt so verwirrt – ich weiß nicht, wie es den Hörerinnen und Hörern geht – ich weiß jetzt gar nicht mehr: In welcher Redaktion gibt’s jetzt ein Sternchen und in welchem nicht? Kann es nicht auch tatsächlich so sein wie im rbb, dass es den Moderatorinnen und Moderatoren selbst überlassen ist, wie man das macht? Das ist doch viel natürlicher.

Thomas Hinrichs [00:04:52] Das glaube ich eben nicht. Das glaube eben ich nicht, weil Sprache ist etwas sehr Individuelles. Und wir haben es ja gerade gehört, wie Patricia Schlesinger sich geäußert hat: ihre Tochter spricht es und sie spricht es nicht. Wenn wir aber als öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der die Aufgabe hat, vom Siebenjährigen bis zur 97-Jährigen alle Menschen zu erreichen, dann müssen wir nicht nicht darauf hinausgehen, dass sich jeder selbst verwirklicht, sondern dass wir unseren Auftrag bestmöglich erfüllen. Wir wollen die Menschen nicht verwirren. Wir wollen mit unserem Inhalt rüberkommen. Und dann müssen wir uns etwas mehr Mühe geben an der Stelle. Ich sage es ja bereits: Wir haben eine Content-Strategie. Wir haben eine Zielgruppen-Analytik. Wir wissen, dass sie mit ein und demselben Angebot nicht alle Menschen aller Altersgruppen erreichen können. Und deswegen muss man an der Stelle differenzieren. Und deswegen haben wir unseren Redaktionen, unseren Moderatorinnen und Moderatoren gesagt: Wenn sie für eine Zielgruppe unterwegs sind, also für bestimmte Welden arbeiten – nicht für PULS, nicht für die “News WG” und nicht für den Podcast, den ich nannte –, dann werden wir, solange die Mehrheit der Bevölkerung – und das geben die Zahlen her – das Gendersternchen nicht spricht, dann werden wir es auch nicht sprechen. Ganz einfach!

Daniel Bouhs [00:05:57] Aber das wirkt so ein bisschen nach dem Motto: Da, wo der Druck von der Hörerschaft groß genug ist, da sozusagen, ziehen sie ihre sonstige Linie nicht durch. Es wird ja auch in Ihrem Haus – Sie haben es schon angedeutet – leidenschaftlich diskutiert, wie im Rest der Gesellschaft über das Gendern ja auch. Und ein Kritikpunkt, wenn man die Genderlücke nicht spricht, ist ja, dass zum Beispiel bei der Formulierung “Polizistinnen und Polizisten” nur zwei Geschlechter eingeschlossen sind, aber nicht die Menschen, die sich nicht klar einem Geschlecht zugeordnet fühlen. Wäre es nicht auch Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, all die anderen Menschen auch einzuschließen sprachlich, auch in den übrigen Angeboten?

Thomas Hinrichs [00:06:39] Also, die deutsche Sprache gibt ja jetzt schon wahnsinnig viel her dafür. Und deswegen – ich habe selbst germanistische Linguistik studiert, in Bayern übrigens an einer großartigen Universität – also die Sprache gibt es jetzt schon her. Was mich freut an dieser Diskussion, ist, dass wir das Werkzeug des Journalismus, nämlich Sprache, jetzt wirklich eingehend untersuchen. Viele, die sich an der Diskussion beteiligen, wissen gar nicht, was man jetzt alles schon machen kann. Und das kann man. Gerade auch im diversen Bereich. Da hilft uns unser Diversity-Beirat. Da hilft uns die Arbeitsgruppe. Da hilft uns die Diskussion. Und das ist bei weitem nicht so, dass die jungen Frauen jetzt – nehmen wir das Gendersternchen – dafür sind und die älteren Männer dagegen, sondern das geht quer durch die Altersgruppen. Und deswegen sage ich noch einmal: Das ist der Service des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dass wir zielgruppenkonforme Angebote machen. Und das erfordert dann ein gewisses Maß an Differenzierung. Ich meine, das ist unser Werkzeug, da können wir nicht schlampig mit umgehen. Und deswegen haben wir an der Stelle gesagt: In den Zielgruppen – und es ist der momentan noch größere Teil, indem das nicht gesprochen wird – sprechen wir es auch nicht. Und darüber hinaus bitten wir jeden – und die Diskussion gibt es her –, dass wir alle Geschlechter gleichberechtigt und gerecht beurteilen können.

[00:07:53] Ich will Ihnen ein Beispiel geben aus dieser Woche, weil die Leute sagen: “Wo werde ich denn da verwirrt?!” Ich hatte diese Woche eine interne Bewerbung für eine Stelle. Und da war ein Kollege aus der Personalabteilung – ein Mann. Der sprach das Gendersternchen und das darf er auch. Er ist nicht auf dem Schirm. Er ist nicht auf dem Sender. Und das ist seine Sprache. Und da war die Progammbereichsleiterin – eine Frau –, die sprach es nicht. Und ich sah die Unsicherheit bei den Kandidatinnen und Kandidaten: Wie muss ich mich jetzt verhalten? Muss ich es sprechen? Muss ich es nicht sprechen? Habe ich größere Chance, wenn ich es spreche oder nicht? Und ich glaube, dass das nicht gut ist an der Stelle. Und ich glaube, dass das nicht gut ist an der Stelle. Und deswegen haben wir die Linie vorgegeben, dass wir für die Zielgruppen, die wir in der Mehrzahl erreichen, eine Regelung treffen und dann auch unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten, Moderatorinnen und Moderatoren und die Redaktionen bitten, sich daran zu halten, bis sich das verändert. Auch das hat Patricia Schlesinger gesagt: Sprache verändert sich. Ich weiß nicht, ob die Dagmar Reim noch kennen, die Vorgängerin von Patricia Schlesinger…

Jörg Wagner [00:08:48] …ja, ja, ja. Aber wir kennen natürlich auch den Bayerischen Rundfunk, der immer etwas Besonderes war. Da darf man ja zum Beispiel Dialekt reden, ohne dass das irgendwie kritisiert wird. Es ist nicht Hochdeutsch unbedingt Pflicht. Das fränkische R ist ja bei Ihnen sozusagen im Sendegebiet durchaus verankert. Aber der BR ist eben nicht nur der BR, sondern auch Teil der ARD. Sie wissen es. Sie waren ja einst Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell in Hamburg, glaube ich, für die “Tagesthemen” verantwortlich. Wie sind denn dort inzwischen die Absprachen, wenn es darum geht, dass der BR die ARD beliefert und wenn der BR Angebote der ARD wiederum übernimmt? Kommt man da nicht durcheinander?

Thomas Hinrichs [00:09:23] Lassen Sie mich diesen Punkt noch sagen: Dagmar Reim rief hin und wieder an, als ich noch Chefredakteur in Hamburg war, und sagte: Ihr habt den Genitiv nicht gesprochen. Für den Kämpfe ich und ich werde den Kampf verlieren. Das wird nicht gelingen an der Stelle. Sprache entwickelt sich. Und genauso betrachten wir das an der Stelle auch. Und wenn Sie jetzt die “Tagesschau” betrachten: In der “20 Uhr” wird es nicht gesprochen. Das hören Sie ja jeden Abend. Die Zielgruppe ist von 10 bis 90, bis 100. Da sind alle vertreten. Wenn Sie in die sozialen Medien gehen bei den “Tagesschau”-Angeboten, da ist es so. Und diese Differenzierung, die halten wir aus. Die ist klug. Und so halten wir es auch.

[00:09:59] Das klappt also prima dahingehend, dass man jetzt keine per „Ordre du mufti“ ganz klaren Regelungen hat. Aber bei einer sich entwickelnden Sprache, bei einer sehr heterogenen Gesellschaft müssen wir das aushalten und auch diese Diskussion aushalten. Und ich wehre mich so ein bisschen dagegen, dass man da dann sondern so eine Polemik reinbringt und das dogmatisch betrachtet. So ist Sprache immer gewesen und so ist es auch hier.

Daniel Bouhs [00:10:24] …meint Thomas Hinrichs, der Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks, der abgesehen von seinen jungen Angeboten Abstand davon nimmt, die Genderlücke zu sprechen, aber anderweitig dann doch gendern und gendern lassen möchte. Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Henrichs!

Jörg Wagner [00:10:38] Grüße in die bayerische Landeshauptstadt!

Thomas Hinrichs [00:10:42] Danke vielmals. Servus!

— Reaktionen —

— Weiterführendes —

6 Antworten zu “Bayerischer Rundfunk untersagt “Gender-Lücke” – mit einer Ausnahme”

  1. […] Thomas Hinrichs sagt, der BR wolle die Menschen nicht „bevormunden“ oder „erziehen“. Solange die Mehrheit der Bevölkerung den Genderstern nicht spreche, „werden wir es auch nicht sprechen. Ganz einfach!“. Als Ausnahme nennt Hinrichs Sendungen mit junger Zielgruppe, dort werde es auch beim BR gemacht. Es aber grundsätzlich den Moderator*innen zu überlassen, lehnt Hinrichs ab. Das ganze Interview können Sie hier hören. […]

  2. Anatol Stefanowitsch, ein bekannter feministischer Linguistik-Professor, schrieb vor einiger Zeit, als die Stadtverwaltung in Hannover gendern zur Pflicht machte, einen interessanten Artikel in der ZEIT: “Geschlechtslos in Hannover”, https://www.zeit.de/kultur/2019-01/gender-sprache-geschlechtergerechtigkeit-hannover-leitfaden-gleichstellung/komplettansicht

    Er erläutert darin, daß der Genderstern ein “soziolinguistischer Marker” ist, also ein sprachliches Merkmal, das von der Sprachgemeinschaft mit bestimmten sozialen Gruppen assoziiert wird und dessen Benutzung die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe demonstrieren soll. Die zwangsweise Einführung in Hannover hat zur Folge:

    “…. Das Gendersternchen verliert so nicht nur seine Bedeutung im engeren Sinne, sondern auch seine Fähigkeit, die Weltsicht derjenigen zu vermitteln, die es verwenden. …”

    Da hat er völlig recht. Der Genderstern ist ein politisches Symbol bzw. politisches Statement. Ein analoges Beispiel ist der Begriff “Werktätige” in der DDR. Dort wurden Arbeitnehmer oft “Werktätige” angeredet oder bezeichnet. Vordergründig sogar ein normales Wort. Tatsächlich waren aber Werktätige definiert als Menschen, die von der eigenen Arbeit leben und die als Arbeitgeber keine andere Menschen ausbeuten und die man bekämpfen muß. Dieses Wort zu benutzen war ein Bekenntnis zu dieser Weltsicht.

    Stefanowitsch hat diese Bekenntnisfunktion des Gendersterns ganz richtig beschrieben. Alleine durch die intensiven Gebrauch dieses Symbols durch die Grünen ist es faktisch ein Markenzeichen für diese Partei geworden.

    Die Ablehnung des Gendersterns (oder Doppelpunkts oder anderer Konstrukte) bzw. der Aussprachelücke ist meiner Meinung nach weit überwiegend eine Ablehnung des damit verbundenen ideologischen Bekenntnisses.

  3. Ich war viele Jahre lang Hörer des “Medienmagazins” von radioeins. Seitem dort aber “gegandert” wird, kann ich das Angebot nicht mehr ertragen. Immer dann, wenn man über einen Beitrag nachdenken möchte, wird das durch sprachlichen Irrsinn konterkariert.
    Schade.

  4. Danke, Herr Hinrichs. Mir würde es weder beim Bäcker noch im Gespräch mit Freunden einfallen, ein Sternchen zu sprechen. Und wer mir unterstellt, ich würde dadurch irgendwelcher Geschlechter ausgrenzen, diskriminiert mich. Das Gegenteil ist der Fall: Wer versucht den grammatikalischen Genus mit dem realen Sexus gleichzusetzen hat nicht verstanden, dass Sprache immer abstrahiert: der Mensch – die Person versus der Mensch*in – die Person*in. Klingt komisch, aber warum soll das Gendersternchen nur für Berufsbezeichnungen oder Sammelbezeichnungen gelten. Und was ist mit zusammengesetzten Hauptwörtern: Die Flugkapitän*innenkappe, Bäcker*innengehilf*innen? Was für ein Verbrechen an der Sprache – gesprochen noch mehr! Wer sich im normalen Gespräch “über den Zaun”, “auf dem Gang” gegenüber seinen Mitmenschen so äußern möchte – sehr gerne. (Mir ist das bisher nicht passiert, aber das kann ja an meinen Nachbarn und Kollegen liegen). Aber im Radio oder Fernsehen, wo es auf Verständlichkeit ankommt, bin ich froh, wenn diese Verständlichkeit nicht einer Sprache geopfert wird, die einen englischen Trend nachäfft und zugleich alle, die da nicht mitmachen wollen, an den moralischen Pranger stellt.