Nur eine Frau, nur weiße Gesichter

Eine Frau steht an der Spitze: Christine Strobl wird Programmdirektorin von “Das Erste”. Auch andere Spitzenpositionen haben die Intendanten neu besetzt. Auf WDR5 habe ich über (mangelnde) Diversität gesprochen.

für WDR5

Dieser Beitrag wird hier lediglich als Arbeitsprobe präsentiert. Rechte etwa für Vervielfältigungen liegen beim WDR.

Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”

Wird bei radioeins jetzt Satire beschnitten?

Im Medienmagazin von radioeins haben Jörg Wagner und ich u.a. den Eklat um den Podcast mit Schroeder & Somuncu aufgearbeitet.

für radioeins

Dieser Beitrag wird hier lediglich als Arbeitsprobe präsentiert. Die Rechte etwa für Vervielfältigungen liegen beim rbb.

— Zeitmarken des Podcasts —
[00:00] INTRO: Schuldeingeständnis von Springer | [02:35] Eklat um radioeins-PodCast – Malcolm Ohanwe | [13:26] Eklat um radioeins-PodCast – Robert Skuppin | [21:20] M100 Media Award 2020 – Szabolcs Dull | [33:02] JVBB/DJV Berlin vor Vorstandswahlen – Ulrike Grönefeld/Steffen Grimberg | [46:27] Bonus: Kolumne Sarah Bosetti | [51:05] Bonus: Repodcast “Die Podcastin” | [1:29:50] Bonus: MCB Impact Day – TikTok-Panel

Quelle: radioeins-“Medienmagazin”

Brauchen wir eine zentrale Medien-Beschwerdestelle?

BILD wird für die Solingen-Berichterstattung dutzendfach gerügt, RTL praktisch gar nicht – weil es zu kompliziert ist. Das muss sich ändern, habe ich auf radioeins kommentiert.

für radioeins

— Manuskript des Beitrags —
Ist es uns also eher egal, was RTL macht?
Das glaube ich nicht. In sozialen Netzwerken und auch auf den Medienseiten der Zeitungen wird auch fleißig über RTL geschimpft – und das in diesem Fall sehr zurecht. Es wird einem nur nicht gerade leicht gemacht, sich über RTL zu beschweren. Den Presserat kennt, glaube ich, irgendwie jeder. Aber wer weiß schon, was Landesmedienanstalten sind, die die Privatsender kontrollieren?

Und selbst wenn man das weiß: Dann würde man sich ja zu RTL in Nordrhein-Westfalen beschweren – weil ja RTL in Köln sitzt. Tatsächlich hat der Sender aber mal seine Lizenz in Hannover erworben und wird deshalb in Niedersachsen beaufsichtigt.

Dabei wäre es total wichtig, auch RTL auf die Finger zu klopfen, weil der Sender ja das neue BILD werden will, vor allem im Netz: Da ist jetzt unter anderem zuständig Tanit Koch, die erklärtermaßen RTL.de kräftig ausbauen will zu einem großen Nachrichtenportal. Und die Kollegin war davor was? Chefredakteurin der BILD-Zeitung.

Uns wird es nicht leicht gemacht, uns über RTL zu beschweren. Wie könnte es denn besser laufen?

Also, ich finde es ist an der Zeit, das Beschwerdeverfahren über Medien zu professionalisieren und vor allem auch bekannter zu machen. Es ist einfach unübersichtlich: Für Veröffentlichungen von Verlagen gibt’s den Presserat, für Privatsender die Landesmedienanstalten – 14 Stück. Für uns wiederum, die Öffentlich-Rechtlichen, gibt es die jeweiligen Fernseh- und Rundfunkräte. Beim Presserat zum Beispiel sind die Tage auch ein paar Beschwerden zu RTL aufgelaufen. Die werden dort aber nicht bearbeitet, sagte man mir – und auch nicht weitergeleitet.

Wie hilfreich bitte wäre also eine zentrale Stelle – wenigstens für die Annahme aller Beschwerden über Medien. Die Landesmedienanstalten sind da schon einen ersten guten Schritt gegangen: Sie haben vor einigen Jahren programmbeschwerde.de gestartet. Was dort eingegeben wird, leitet die Zentrale dann an die zuständige Stelle weiter – ob privat oder öffentlich-rechtlich, wenn nicht wiederum von Verlagen. Aber auch da: Wer weiß, dass es das gibt?

Deshalb, mein Plädoyer: Damit wir alle mit Beschwerden helfen können, dass Medien gut kontrolliert und gerügt werden, wenn sie so in die Schüssel greifen wie jetzt BILD und RTL, braucht es eine und vor allem auch eine sichtbare Beschwerde-Zentrale für unsere Medienlandschaft.

Es müssen ja nicht gleich die Hersteller verpflichtet werden, auf jeden neuen Fernseher eine Hotline zu drucken. Aber: Medien geben viel Raum frei für die Bewerbung eigener Sendungen und Aktionen. Um die Beschwerdemöglichkeiten geht es dabei nie. Da wäre das Potenzial. Vielleicht ja auch für den berühmten Gesetzgeber.

(Quelle: radioeins)

Wie die deutsche Presse sich selbst kontrolliert

Der Presserat half einst, um ein Bundespressegesetz und damit eine staatliche Regulierung abzuwenden. Aber: Funktioniert das wirklich? Ein “Hintergrund” für den Deutschlandfunk.

für DLF

Dieser Beitrag wird hier lediglich als Arbeitsprobe präsentiert. Die Rechte, etwa für Vervielfältigungen, liegen beim DLF.

— Manuskript des Beitrags —

Manfred Protze kann getrost „Mr. Presserat“ genannt werden. Er ist seit 33 Jahren dabei und schätzt, dass er seitdem bereits an etwa 15.000 Entscheidungen beteiligt war. Protze befindet mit seinen Kolleginnen und Kollegen darüber, ob Verlage Grenzen überschritten haben. Kurz nachdem Protze zum Presserat kam, war er 1988 selbst Berichterstatter eines Vorgangs, der das Gremium intensiv beschäftigt und geprägt hat.

Tagesschau 1988: „Das Geiseldrama ist heute gewaltsam beendet worden. Bei einer Schießerei auf der Autobahn Köln-Frankfurt konnten die Geiselnehmer von Gladbeck und Bremen überwältigt werden. Doch in dem Feuergefecht kam noch eine weitere Geisel ums Leben.“

Protze war Regionalreporter der Deutschen Presse-Agentur. Als die Geiselnehmer durch sein „Territorium“ bei Oldenburg fuhren und die Polizei eine Nachrichtensperre verhängt hatte, wollte er sich ein eigenes Bild machen. Die Geiselnehmer schossen auf das Taxi, in dem er saß. Zwar wurde niemand verletzt. Aber: Ein Journalist, von Geiselnehmern beschossen – konnte so jemand Teil des Kontrollgremiums der Presse sein?

„Zum einen habe ich natürlich als junges Mitglied im Presserat die Vereinbarkeit meiner Rolle als – wenn man so will – ethischer Richter mit meinem eigenen Rechercheverhalten zum Thema gemacht. Habe das dem Leitungsgremium des Presserats vorgelegt. Die haben aber keinen Anlass gesehen, mein Amt in irgendeiner Weise in Zweifel zu ziehen. Das war die eine Seite. Und die andere: Es gab Verhalten von Journalisten, das durchaus auch Grenzen überschritten hat.“

Den Presserat haben vor allem die Interviews beschäftigt, die Reporter damals telefonisch mit den Geiselnehmern führten. Während die Geiseln noch in einer Bank um ihr Leben bangten, aber auch, als sie mit ihren Geiselnehmern auf der Flucht waren.

TV-Beitrag: „Fußgängerzone Köln, der dritte Tag. Hier wurde das Gangsterstück vollends zur Massenunterhaltung. Und wieder: Die Journalisten ohne Abstand verhindern ein Eingreifen der Polizei. Interviews mit den Geiselnehmern.“
„Wir waren in einer Notsituation. Was sollen wir machen? Ich habe keine Lust, mich von Maschinenpistolen durchlöchern zu lassen, ne?“

Der Presserat sprach mehrere Rügen aus, erinnert sich Protze. Außerdem zog das Gremium Konsequenzen aus dem Fall. Es erweiterte sein Regelwerk.

„Und das Wichtigste dabei ist halt die Festlegung: Interviews mit Tätern während des Tatvorgangs darf es nicht geben. Also man darf ihnen während der Ausübung einer Straftat nicht auch noch eine öffentliche Bühne liefern. Und das zweite ist generell die Festlegung: Die Presse wird sich nicht als Propagandainstrument für Straftäter gleich welcher Art zur Verfügung stellen.“

Der Pressekodex ist Richtschnur für Journalistinnen und Journalisten. Das Gremium haben 1956 fünf Verleger und fünf Journalisten gegründet – nach britischem Vorbild. Sie konnten damit ein Bundespressegesetz abwenden, das eine stärkere staatliche Regulierung vorsah. Der Presserat steht damit auch für die Pressefreiheit. Heute tragen ihn der Zeitungsverlegerverband BDZV, der Zeitschriftenverband VDZ sowie die Gewerkschaften DJV und DJU.

Aktiv wird der Presserat nur, wenn sich Leserinnen und Lesern bei ihm über einen Bericht beschweren – egal, ob Texte in gedruckten Zeitungen erschienen sind oder in den digitalen Angeboten der Verlage. In den vergangenen Jahren erreichten das Kontrollgremium immer mehr Beschwerden, 2019 waren es 2.175. Nur 2015 waren es in der Geschichte des Presserats noch mehr. Das lag vor allem an einem Fall:

Tagesschau 2015: „Flugzeugkatastrophe in den südfranzösischen Alpen. Auf ersten Bildern des Unglücksortes sind Trümmerteile mit Schriftzügen des Germanwings-Flugzeugs zu sehen. Sie sind weit verstreut.“

Beim Absturz der Germanwings-Maschine gingen unter anderem Beschwerden zu sogenannten Opfergalerien ein: Boulevardzeitungen, aber auch Zeitschriften zeigten Fotos der Verstorbenen, dazu Namen und teilweise auch Hobbys sowie weitere Details, die sich in Profilen etwa auf Facebook recherchieren ließen. Der Germanwings-Absturz beschäftigte das Gremium aber auch über Opferfotos hinaus, erinnert sich Protze.

„Ich nehme mal als Beispiel die Frage: Durfte ein Medium aus den Krankenakten des Unglückspiloten zitieren oder nicht? Da gab es massive Beschwerden zum Beispiel von Ärzten, die der Auffassung waren, hier wird nicht nur das Persönlichkeitsrecht des Piloten verletzt, gegebenenfalls sogar seiner Angehörigen, sondern auch noch die ärztliche Schweigepflicht unterlaufen und dergleichen. Das sind dann Fälle, in denen wir wirklich sehr intensiv streiten.“

Am Ende entschied der Presserat unter anderem: Der Co-Pilot, der die Maschine zum Absturz brachte, durfte in den meisten Fällen benannt und gezeigt werden. Der Presserat rügte aber eine Veröffentlichung von Fotos der Getöteten – wie oft in solchen Fällen, zumal wenn es auch um Kinder geht.

Knifflig sind auch Fälle, in denen es um den Verdacht auf Schleichwerbung geht, wenn also in Zeitungen und Zeitschriften die Grenze zwischen journalistischen Veröffentlichungen und Anzeigen verschwimmt. Neben Regionalzeitungen erhalten vor allem Illustrierte Rügen für Schleichwerbung.

Schleichwerbung beschäftigt den Presserat zunehmend – und damit auch Sascha Borowski. Er ist seit August der neue ehrenamtliche Sprecher und seit 2014 im Presserat. Hauptberuflich ist er „Chief Digital Editor“ der „Allgäuer Zeitung“. Borowski engagiert sich im Presserat, weil ihm daran gelegen ist, dass die Branche selbst weiter auf ihre journalistische Sorgfaltspflicht achtet – einen zentralen Grundsatz des Pressekodex.

„Die meisten Beschwerden, die wir im Presserat bekommen, sind tatsächlich Leser von Regionalzeitungen, die ein ganz spezielles Verhältnis zu ihrer Zeitung haben. Die stehen zu ihrer Zeitung. Die finden ihre Marke gut. Die haben ein Verhältnis zu ihrer Marke und sie wollen, dass da wirklich in den Redaktionen, dass ihre Zeitung sauber und sorgfältig recherchiert. Und das muss unser Anspruch sein, bei allem Druck, den wir haben – wirtschaftlicher Druck, zeitlicher Druck. Und dazu gehört auch, dass wir, wenn wir Fehler machen und wir machen Fehler, dass wir die transparent korrigieren – übrigens auch im Digitaljournalismus. Das ist sehr, sehr wichtig. Da ist es sehr einfach, Texte kurz zu ändern, neu zu speichern und zu veröffentlichen und damit Fehler zu kaschieren.“

Verlage, die sich dem Presserat angeschlossen haben, haben sich auch zu Transparenz bei eigenem Fehlverhalten verpflichtet. Rügen, die der Presserat bei klarem Fehlverhalten gegen sie ausspricht, müssen sie demnach selbst veröffentlichen. Regionaljournalist und Presseratssprecher Sascha Borowski:

„Es ist, glaube ich, schon für jeden Journalisten nicht schön, wenn ihn Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis rügen, weil er seine Profession nicht sauber gemacht hat. Insofern glaube ich schon, dass wir als Presserat durchaus eine gewisse Wirkung haben.“

Der gewissermaßen prominenteste Stammkunde des Presserats ist die „Bild“-Zeitung. Sie hat immer wieder deutlich gemacht, was sie vom Presserat hält. Die Redaktion berichtete schon mal unter Überschriften wie „Irre!“ über die Entscheidungen des Gremiums. In einem Fall – 2015 – starteten die Boulevardjournalisten sogar eine regelrechte Kampagne.

Der Presserat hatte entschieden, dass der Mord an einer 18-Jährigen nicht herausragend genug sei, um – ausnahmsweise – etwa auch ein Foto des Mörders zu veröffentlichen. Die Persönlichkeitsrechte, die auch Täter und Tatverdächtige hätten, seien wichtiger. „Bild“ berichtete tagelang und startete einen Aufruf:

„Wie finden SIE, dass der Presserat den Mord an einer 18-Jährigen ‚nicht besonders‘ findet? Sagen Sie ihm Ihre Meinung – und bitten Sie um eine Antwort!“

2011 drehte „Bild“ den Spieß sogar um, deutete die Rügen des Presserats zu einer Art Qualitätsmerkmal um:

„BILD erhält die meisten Beschwerden beim Deutschen Presserat. Weil wir uns nicht scheuen, unsere Meinung zu sagen und – im Interesse unserer Leser – den Mächtigen auf die Füße zu treten.“

Das alles ist ein paar Jahre her. Heute ist Julian Reichelt der Chefredakteur von „Bild“. Anders als seine Vorgänger will er nicht die Konfrontation suchen, sagt er:

„Es ist klar, dass Regulatoren – in dem Fall ja sozusagen Selbstregulatoren – und Regulierte nicht immer einer Meinung sind. Ich sehe allerdings keinen Anlass, da jetzt in irgendeiner Weise sozusagen zurückzuschlagen oder massiv Stimmung dagegen zu machen. Die machen ihre Aufgabe, wir machen unsere Aufgabe. Wie genau diese Aufgabe definiert ist, ist dynamisch. Wie Journalismus verstanden wird, was berichtet werden sollte, was nicht, ist immer in gewisser Weise auch dem Zeitgeist unterworfen – nach meinem Empfinden ein bisschen zu sehr dem Zeitgeist unterworfen.“

Reichelt sagt etwa: Wer es mit einem Mord an Kindern oder als Terrorist frei gewählt habe, in die Geschichtsbücher einzugehen, der solle da auch bleiben – auch mit vollem Namen. Und auch in einem anderen Punkt widerspricht er dem Presserat, dem neben Journalisten auch Vertreter von Verlagen angehören, auch vom Axel-Springer-Konzern, der „Bild“ herausgibt: Bei der Frage, ob die Presse Ausschnitte aus Videos zeigen darf, die Täter selbst ins Internet stellen oder live in sogenannten sozialen Netzwerken übertragen – wie 2019 die Attentäter in Christchurch und Halle.

Der Presserat entscheidet stets mit einfacher Mehrheit. Die will nicht, dass sich Journalistinnen und Journalisten zu Instrumenten von Tätern machen – wie bei den Interviews vor gut 30 Jahren in Gladbeck. Der „Bild“-Chefredakteur verteidigt hingegen seine Veröffentlichungen: Es gehe darum, die Täter und ihre Radikalisierung zu verstehen. Deshalb veröffentliche er auch Auszüge solcher Videos.

„Wer sind die Täter? Wie sind sie zu Tätern geworden? Was wurde da vielleicht nicht gesehen? Was wurde da übersehen? Und was von dieser Ideologie ist im Gange? Oder nimmt vielleicht sogar gerade noch zu? Was davon kann gestoppt werden? Was sehen wir da gerade nicht? All das ist nach meiner Auffassung die Aufgabe von Journalismus. Der Presserat kommt da zu einer anderen Auffassung. Aber das ist das Schöne in einem freien Land, dass man da darüber trefflich unterschiedlicher Meinung sein kann und auch streiten kann.“

Er selbst ärgere sich nicht über Rügen, sagt Reichelt. Und auch andere, langjährige Kritiker des Systems „Presserat“, hinterfragen die Wirkmacht des Kontrollorgans.

„Natürlich ist es nicht schön, so eine Rüge zu kassieren. Aber, ich meine: Wen juckt’s?!“

Medienjournalistin Ulrike Simon beobachtet die Arbeit des Presserats schon seit mehr als 20 Jahren, aktuell für die Branchenzeitung „Horizont“. Grundsätzlich ist das Instrument des Presserats eine gute Idee, sagt Simon. Die Medienjournalistin sieht in der Konstruktion aber auch ein Problem: Der Presserat sieht keine empfindlichen Strafen vor. Nur das würde aber ihrer Meinung nach in Redaktionen zu einer Verhaltensänderung führen, die sich konsequent anders verhielten, als es der Pressekodex vorsehe.

„Wenn ich Auto fahre, kann ich selbstverständlich immer wieder über rote Ampeln fahren, kann immer wieder die Geschwindigkeit übertreten. Ein Problem habe ich erst, wenn ich erwischt werde, wenn ich mehrfach erwischt werde, vielfach erwischt werde, mir einiges zu Schulden kommen lasse, dann habe ich irgendwann entweder Führerscheinentzug oder ich habe Punkte in Flensburg, muss irgendwann notgedrungen einen ‚Idiotentest‘ machen, wie man das landläufig nennt. So etwas gibt es in den Medien nicht. Es kostet kein Geld, es muss kein Chefredakteur noch einmal ein Volontariat machen, wenn er immer wieder Verstöße begeht. Diese Konsequenzen gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Insofern ist es ein Dilemma, das nur zum Teil zu lösen ist.“

Das langjährige Presseratsmitglied Manfred Protze berichtet wiederum: Viele Verlage betrieben bei den Anhörungen einen teils beachtlichen Aufwand, um das Gremium mit ausführlichen Schriftsätzen davon zu überzeugen, dass eine Rüge in ihrem Fall nun gerade nicht angebracht sei. Ganz egal scheine ihnen eine drohende Rüge also nicht zu sein. Bei denen, die für die Rechte der Betroffenen einer Berichterstattung kämpfen, ist der Presserat wiederum kein beliebtes Instrument.

„Der Presserat hat in seiner Geschichte an der Praxis gerade der Boulevardmedien nichts, aber auch gar nichts ändern können.“

Der Berliner Anwalt Christian Schertz hat sich auf den Schutz von Persönlichkeitsrechten spezialisiert.

„Ich habe manchmal das Gefühl gehabt, dass gerade bei ‚Bild‘, in den schlimmsten Zeiten der ‚Bild‘-Zeitung, die Rügen eher sogar fast als Ehrung angesehen wurden. Nach dem Motto ‚Da haben wir mal wieder richtig gerockt‘. Und deswegen mache ich keinen Hehl daraus, bei allem Respekt vor dem von der Institution selbst und der Idee, dass er in der Praxis leider nichts verändert hat und auch keine Wirkung entfaltet. Das Einzige, was wirklich hilft, gegen diese Medien und solche Verrohung der Medien vorzugehen, sind presserechtliche Schritte bei Gericht.“

Dann, nur dann, drohten auch echte Strafen und vor allem auch: Strafzahlungen mit abschreckendem Charakter. Schertz wünscht sich zudem, dass sich der Presserat öffnet.

„Es sind letztlich die Vertreter von Burda, Bauer, Springer et cetera, die dort über sich selbst richten. Und damit ist es natürlich schon dem Grunde nach was Anderes, als wenn unabhängige Richter über so einen Fall entscheiden. Das heißt, ich würde mir wünschen, dass der Presserat, wenn er denn überhaupt mal Reformwillen entwickelt, versucht, unabhängige, vielleicht auch pensionierte Richter zu gewinnen für die Spruchkörper und nicht Verlagsvertreter aus den Boulevardmedien, aber auch aus anderen Medien, die dann letztlich über sich selbst entscheiden müssen, und man sticht dem anderen nicht so gerne ein Auge aus. Das ist auch bei Journalisten so.“

Der Presserat selbst sieht sich allerdings nicht als Ersatzjustiz, sondern als zusätzliches, brancheninternes Instrument – vor allem auch, um den einen oder anderen Streit zu klären, bevor ein ordentliches Gericht bemüht werden muss mit all den Kosten, die daran hängen.

Der Presserat bekommt laufend neue Fälle auf den Tisch. In diesen Tagen – mal wieder über eine Berichterstattung von „Bild“.

In Solingen soll eine Mutter fünf ihrer eigenen Kinder getötet haben. Deren elfjähriger Bruder, zum vermuteten Tatzeitpunkt in der Schule, tauschte sich anschließend per Whatsapp mit einem zwölfjährigen Freund aus. RTL, aber eben auch „Bild“ zitierten aus dem Chat, zeigte die beiden Jungen. Dabei mahnt die Richtlinie 4 des Pressekodex zu den Grenzen einer Recherche: Gegenüber schutzbedürftigen Personen sei „besondere Zurückhaltung geboten“ – bei Kindern und bei Menschen in einer „seelischen Extremsituation“.

„Bild“ hat den Text nach heftigen Protesten etwa in sozialen Netzwerken wieder aus dem Netz genommen – wie es vom Axel-Springer-Verlag heißt, um den Freund des Überlebenden nicht „dauerhaft identifizierbar“ zu machen. Außerdem habe die Mutter des Chatpartners die Veröffentlichung zuvor ausdrücklich erlaubt. Ob das eine weitere Rüge abwendet?

Schon länger liegen dem Gremium Eingaben vor im Fall einer polizeikritischen Kolumne der „taz“, gegen die Bundesinnenminister Horst Seehofer nach eigenen Angaben sogar eine Strafanzeige prüfte.

Die Autorin hatte – bereits im Juni und zudem satirisch – angeregt, Polizisten auf die „Mülldeponie“ zu werfen. Hunderte Beschwerden gingen beim Presserat ein. Der will an diesem Dienstag prüfen, ob die Kolumne gegen Ziffer 1 seines Kodex verstößt: die Wahrung der Menschenwürde. Medienkritikerin Ulrike Simon fragt sich jedoch, ob dieser Stoff überhaupt für das ehrenamtliche Gremium geeignet ist.

„Diese Kolumne strotzte vor Geschmacklosigkeit. Geschmacksfragen sind nicht das Thema des Presserats. Das ist ein Thema, das der Journalismus für sich diskutieren muss.“

Überfordern Kolumnen, zumal zugespitzt satirische, das Selbstkontrollgremium der Presse? Auch der neue Sprecher des Presserats, Sascha Borowski sieht schwieriges Terrain:

„Vieles dabei ist tatsächlich eine Stilfrage, eine Geschmacksfrage und vielleicht gar nicht unbedingt eine medienethische Frage. Insofern bin ich auch sehr gespannt, was die Kolleginnen und Kollegen im zuständigen Beschwerdeausschuss sagen werden, ja.“

In den 1950er-Jahren startete der Presserat mit einem Beschwerdeausschuss. Mittlerweile sind es drei. Das Kontrollorgan wächst mit der Masse der Beschwerden. Presserat-Sprecher Borowski wirbt dafür, den Presserat dennoch nicht zu überhöhen.

„Ich bin der Meinung, der Presserat ist vor allem ein Kollegengremium. Da sitzen 28 Fachleute, die aus der Praxis kommen, und die diskutieren über mögliche Verfehlungen von Kolleginnen und Kollegen und sagen dazu dann ihre Meinung. Und ich finde, so muss man den Presserat auch sehen: Der kann Tipps geben, der kann hilfreich sein, der kann immer wieder dazu anregen, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion wirklich diskutieren über Entscheidungen und damit sensibilisieren. Ich glaube, das ist so mit eine Hauptaufgabe des Presserates, bei der Arbeit in die Redaktionen hinein.“

Kritiker wünschen sich unter anderem, dass der Deutsche Presserat schneller entscheidet, gerade bei den eher wenigen Fällen, die groß in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Der neue Sprecher sagt: Ihm persönlich sei es bisweilen auch zu lang, wenn zwischen Veröffentlichung und Entscheidung mehrere Monate lägen wie nun bei der „taz“. Sascha Borowski bittet aber auch um Verständnis: In den Beschwerdeausschüssen säßen nun mal Praktiker, die neben ihrer hauptamtlichen Arbeit in Redaktionen und Verlagen ehrenamtlich zusammenkämen – und das eben derzeit vier Mal im Jahr.

(Quelle: DLF-“Hintergrund”)

Interviews mit Abstand und Angel

Wie sich die Berichterstattung bei der Tour de France in Zeiten von Corona verändert, habe ich für den Deutschlandfunk recherchiert.

für DLF

— Manuskript des Beitrags —

„Die Tour 2020. Live im Ersten!“
„Und alles ist bereit für den längsten und schnellsten Maskenball der Geschichte. Willkommen zur 107. Ausgabe der Tour de France hier in Nizza…“

Das sagt Michael Antwerpes zum Start der Übertragung an diesem Wochenende und zieht mit einer gekonnten Bewegung seine blaue Maske mit dem weißen Logo der ARD von seinem Gesicht. Die Tour de France 2020 ist anders, auch für Journalistinnen und Journalisten. Das spürt vor allem, wer die Tour ins Fernsehen und Radio bringen möchte. Gabi Bohr ist die Teamchefin der ARD.

„Die Interviewpositionen haben sich natürlich verändert. Das ist alles etwas schwieriger geworden. Es ist eine neue Herausforderung. Aber: Deshalb sind wir vor Ort, dass wir das auch den Zuschauern und den Zuhörern auch mitteilen.“

Im Programm ist das tatsächlich nicht zu überhören. Immer wieder streuen Moderator und Kommentator Bemerkungen über die neuen Zwänge bei der Berichterstattung ein.

„Jetzt stellen sich die deutschen Fahrer erst mal selbst vor. Das haben sie mit eigenen Handyvideos uns geschickt, weil es natürlich nicht so einfach ist für uns, auch an die Fahrer heranzukommen. Die Hotels sind verbotene Zone für Journalisten. Man soll in seiner eigenen Blase bleiben. Aber die Jungs haben geliefert.“
„Hallo, ich bin André Greipel. Ich bin eigentlich zu alt für diesen Sport, aber dennoch bin ich sehr ambitioniert. Ich möchte nach Paris kommen…“

Alle wollen nach Paris. Dafür schränkt die ASO, die Organisation, die die Tour organisiert, die Bewegungsfreiheit der Berichterstatter massiv ein. Der große Plan, der auch die Medien einschließt, skizziert von Tour-Chef Christian Prudhomme:

„Alles wird getan, um die Blase von 30 Leuten pro Team zu schützen. Keine Isolation, aber Abstand: Keine Selfies, keine Autogramme, nur standardisierte Interviews.“

Interviews führt für die ARD Moritz Cassalette. Bei der Tour konnten sich er und seine Kollegen lange völlig frei bewegen. Das ist jetzt anders.

„Also normalerweise haben wir nach den Etappen immer an den Bussen gewartet, wo die Fahrer dann der Reihe nach eingetrudelt sind. Das geht jetzt nicht mehr. Aber wir haben sowohl am Start als auch am Ziel so Interviewboxen, die zugewiesen sind. Und da können wir warten und nach Rücksprache mit den Pressesprechern dann auch Gespräche führen mit den Fahrern – eben mit Abstand, mit Angel, also wir sind dann so zwei Meter voneinander entfernt. Aber das geht schon und das hat am ersten Wochenende wirklich gut funktioniert.“

Reporter müssen also vorher die Teams fragen, ob Fahrer bei ihnen vorbeischauen wollen. Außerdem sollen sich vor dem Start grundsätzlich keine Träger besonderer Trikots vor den Interviewboxen, in der sogenannten „Mixed Zone“, blicken lassen. Stattdessen verteilt der Veranstalter zentral Material an Medienvertreter. Letztlich: PR. Fahrer können bei diesem Prozedere kritische Fragen leicht umgehen.

Auch schreibende Journalisten spüren Einschränkungen. Emanuel Reinke berichtet für den SID, den Sportinformationsdienst. Die ASO zwingt ihn und seine Kollegen von Zeitungen und anderen Nachrichtenagenturen zur Zusammenarbeit.

„Wir sind, Stand jetzt, sechs deutsche Schreiber vor Ort. Das wird sich auch in den kommenden Wochen noch mal ein bisschen durchmischen, denke ich, aber von den sechs Anwesenden hier darf immer nur einer in die Mixed-Zone nach dem Rennen. Das heißt, wir müssen uns untereinander auch organisieren, absprechen, wer denn vor dem Rennen und nach dem Rennen in die Mixed-Zone geht und dann die Fragen stellt.“

Dennoch wollen Journalisten vor Ort präsent sein. Atmosphäre mitnehmen, soweit es irgendwie geht. Viele Restriktionen findet ARD-Reporter Cassalette, wie er sagt, „nicht wirklich befriedigend“. Er sagt aber auch:

„Das ist in diesem Jahr einfach so: Die Teams haben einfach, glaube ich, auch Angst, dass sie positive Fälle in ihrer Mannschaft haben, denn das könnte ja den Ausschluss von der Tour de France bedeuten. Und ich glaube, wir müssen alle in diesem Jahr einfach mit diesen Kompromissen klarkommen. Langfristig wäre das nicht schön.“

Genau das aber ist die Gefahr: Dass der Radsport – wie schon so viele Sportarten zuvor – einen neuen Standard etabliert für den Kontakt der Fahrer mit Journalisten. Ob das passiert, lässt sich freilich erst beurteilen, wenn Corona keine Bedrohung mehr ist für alle Beteiligten.

Bis dahin macht die ARD die Not zur Tugend. ARD-Teamchefin Gabi Bohr sagt: Neben Sport und Kultur geht es jetzt eben auch um Corona und die Hygienevorschriften.

„Insofern haben wir noch Themen mehr, die wir in unserem Programm präsentieren werden und wollen. Und wir hoffen natürlich, dass es weiter sehr interessant bleiben wird.“

>> Download MP3 (Quelle: DLF-Sport)

Der SWR, die neue Innovationsmaschine?

Im Medienmagazin von radioeins haben Jörg Wagner und ich SWR-Intendant Kai Gniffke und die Leiterin seines neuen XLabs, Vanessa Wormer, besucht.

für radioeins

— Zeitmarken des Podcasts —
[00:00] INTRO: Hexenküche 2009 | [01:54] Innovationsgespräch (1) mit Dr. Kai Gniffke und Vanessa Wormer | [10:23] Innovationsgespräch (2) | [20:48] Innovationsgespräch (3) | [31:14] Innovationsgespräch (4) | [49:48] Bonus: Der SWR 3 Jahre nach der Fusion aus Gewerkschaftssicht #r1MM 20.10.2001 [49:48] Bonus: Die Intendantensicht von Peter Voß #r1MM 01.12.2001

>> Download MP3 (Quelle: radioeins-“Medienmagazin”/wwwagner.tv)

Warum interviewt der rbb Rechtsextreme?

Im Medienmagazin von radioeins haben Jörg Wagner und ich mit rbb-Chefredakteur Christoph Singelnstein über “Sommerinterviews” mit AfD-Politikern gesprochen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

für radioeins

— Zeitmarken des Podcasts —
[00:00] INTRO: tt-Kommentar zu Rechtsextremismus 11.07.2019 | [03:14] Politik am See – Christoph Singelnstein | [21:48] Sommerbibliothek (2) Huib Modderkolk – Der digitale Weltkrieg. Den keiner bemerkt | [29:21] Ausbremsen und Ablenken: die PR-Tricks des Bundesverkehrsministeriums | [39:05] Bonus: zak-Haider-Interview, 14.11.1994 | [44:34] Bonus: Die ARD und die Wahlwerbung #r1MM 25.05.2019 | [53:27] Bonus: Morddrohung gegen WDR-Journalist Georg Restle #r1MM 27.07.2019 | [1:03:19] Bonus: ZDF-Online-PK 10.07.2019

>> Download MP3 (Quelle: radioeins-“Medienmagazin”)

Scheuers PR-Tricks

Der Bundesverkehrsminister hat schon mit genug Affären zu kämpfen. Nun hat sein eigenes Kommunikationsteam eine weitere ausgelöst: E-Mails offenbaren, was Scheuer und seine PR-Manager von kritischen Anfragen von Medien halten. Beitrag für WDR5.

für WDR5

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder)

Die Kampfansage bleibt

1,1 Milliarden Euro pro Saison – auch wenn das ein bisschen weniger ist als bisher: Die Vergabe der Bundesligarechte sichert die Liga finanziell ab und auch vor allem deutscher Sender. Die sollten sich aber nicht zu sehr in Sicherheit wiegen. Mein Kommentar für den Dlf.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —
Wie sehr hatten alle mit Amazon gerechnet – dem Onlinedienst mit seinem gigantischen Budget. Und dem Streaming-Anbieter DAZN mit seinem milliardenschweren Privatinvestor. Doch zum Bieterkampf zwischen den beiden ist es offensichtlich nicht gekommen. Damit muss die Deutsche Fußball-Liga (DFL) indes nicht unzufrieden sein: In der Krise halten die Liga und die deutschen Sender zusammen. Man weiß, was man voneinander hat.

Sky ist der große Gewinner, die Zukunft des Münchner Bezahlsenders damit sicher. Dass DAZN vom Sommer 2021 an freitags und sonntags überträgt ist verschmerzbar. Exklusivität hatte ohnehin wieder mal das Kartellamt untersagt: Für die Ausschreibung galt ein sogenanntes „Alleinerwerbsverbot“. Und sogar „Ran“ darf ein Comeback feiern, mit neun frei empfangbaren Spielen pro Saison. Eine kleine Überraschung.

Auch bei ARD und ZDF dürften die Sektkorken geknallt haben: Das „Sportstudio“ und die „Sportschau“ sind gesichert. Mehr noch: Beide dürfen auch im Internet – in ihren Mediatheken und Apps – den Ball rollen lassen – zu allererst aber wieder „Bild“. Ebenso anders als bisher darf die ARD auch ihre legendäre Bundesligakonferenz nicht nur im Radio senden, sondern auch im Netz. Die ARD plant ohnehin einen Ausbau von sportschau.de. Die Ware „Fußball“ kommt da wie gerufen.

Aber: Vorsicht! Dieses Ergebnis heißt nicht, dass das Ringen um die Rechte vorbei ist. Amazon hat in der Krise keine Geldsorgen – im Gegenteil! Der Online-Konzern baut allerdings gerade eine andere Plattform aus: Twitch, eine Art Youtube für Livestreams – bisher für Computerspiele, zunehmend auch für Sport. In Großbritannien werden Nutzerinnen und Nutzer dort Spiele der Premiere League sehen können.

Deutschland steht bei der Entwicklung von Twitch noch hinten an, wie so oft beim „Rollout“ neuer Geschäftsmodelle amerikanischer Konzerne. Ein Erfolg der Plattform könnte die Karten aber wieder ganz neu mischen. Und auch DAZN hat gerade noch mal beteuert, „die Nummer 1 der Live-Sport-Anbieter“ werden zu wollen. Die Kampfansage bleibt. Und auch die „Bild“-Zeitung will mit 100 Millionen Euro ihr Video-Angebot ausbauen, plant bereits eine eigene Bundesliga-Show.

Welche Rolle klassische Fernseh-Anbieter noch spielen – in vier Jahren dürfte die Lage eine völlig andere sein und die aktuelle Rechtevergabe für die Sender rückblickend wie eine letzte Gnadenfrist wirken. Allzu sicher sollten sich Sky oder auch die ARD deshalb besser nicht fühlen – auch wenn sie jetzt erst mal vier Jahre verschnaufen können.

>> Download MP3 (Quelle: DLF-“Sport”)

Eine Gemeinschaft ringt um ihre Zukunft

Im Juni 1950 wurde die ARD beschlossen – der Aufbau eines bundesweiten Fernsehprogramms. Was die ARD künftig sein soll und wie teuer sie sein darf, ist heute Gegenstand politischer Diskussionen. Unser “Hintergrund” im DLF.

für Deutschlandfunk

— Beitrag gemeinsam mit Marcus Heumann —

— Manuskript des Beitrags —
„This is Radio Hamburg – a station of the allied military government. Hier spricht Hamburg – ein Sender der alliierten Militärregierung.“

Hamburg, 4. Mai 1945 – das sind Geburtsort und Geburtstag des deutschen Nachkriegsrundfunks.

„Radio Hamburg, ein Sender der britischen Militärregierung – das interessierte mich“, erzählt Axel Eggebrecht. „Und am 16. Juni 45, für mich ein unvergesslicher Tag, betrat ich das Funkhaus in der Rothenbaumchaussee.“ Der Schriftsteller und Journalist Axel Eggebrecht, der sich im NS-Regime als Systemgegner mit harmlosen Filmdrehbüchern durchgeschlagen hatte, wird zu einem der ersten deutschen Mitarbeiter bei Radio Hamburg, das ab September 1945 als „Nordwestdeutscher Rundfunk“, kurz NWDR, die gesamte britische Zone und Berlin versorgt.

Obwohl er beim Vorstellungsgespräch einiges Misstrauen überwinden muss: „Auf allen Gängen standen Tommies mit aufgepflanztem Bajonett, und schließlich kam ich zu einem Captain Everitt, der so etwas wie ein Programmleiter war. ‚Wann haben Sie zum letzten Mal eine Sendung gemacht?‘ fragte er mich. Ich sagte: ‚Am 6. Februar 1933, seitdem hatte ich leider keine Möglichkeit mehr.‘ Er musterte mich mit unverhohlener Ironie: ‚Aha, wieder ein Anti-Nazi – wie jetzt alle Deutschen. Da haben wir uns wohl etwas geirrt.‘“

Ab Oktober 1946 unter der Leitung von Hugh Carleton Greene, dem vormaligen Chef des Deutschen Dienstes der BBC, wird der NWDR, der sich erst zehn Jahre später in NDR und WDR aufspaltet, zur Keimzelle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Greene im Juni 1947: „Für die SPD und KPD ist der NWDR antimarxistisch, und für die CDU ist er marxistisch. Es scheint mir, dass dem NWDR in aller Bescheidenheit erlaubt werden könnte, zu dem Schluss zu kommen, dass er in seinen Bemühungen, unparteiisch und überparteilich zu sein, nicht nur Misserfolge aufzuweisen hat.“

„Greene hat sozusagen die Grundfundamente eines unabhängigen Journalismus den Deutschen beigebracht und immer wieder betont, wie wichtig es sei, dass Leute festangestellt seien und deshalb nicht abhängig, auch kritisch gegenüber dem Staat zu sein; was man den Deutschen ja auch lange beibringen musste“, sagt Bernd Gäbler, Medienwissenschaftler, Journalist und früherer Leiter des Grimme-Instituts.

1948 und 1949 werden – parallel zur Entstehung des Grundgesetzes, das Presse- und Rundfunkfreiheit garantiert – in den Westzonen die deutschsprachigen Sender aus alliierter Kontrolle entlassen. Nach dem Muster des NWDR entstehen Anstalten des Öffentlichen Rechts: zunächst der Bayerische Rundfunk in München, der Süddeutsche Rundfunk in Stuttgart, der Südwestfunk in Baden-Baden, Radio Bremen und der Hessische Rundfunk in Frankfurt am Main. Dabei verteidigen die West-Alliierten eisern ihr Konzept des Rundfunks als gesamtgesellschaftliches Eigentum gegen alle Einmischungsversuche aus der Politik.

Im Juni 1950 schließlich, vor 70 Jahren, versammeln sich die sechs Sender unter dem Dach einer „Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands“: Die ARD, zu Beginn nur mit Hörfunksendern, finanziert durch Gebühren der Bürger, ist geboren.

„Hier spricht Deutschland! Aus Baden-Baden hörten Sie eine Gemeinschaftssendung zu den Wahlen in der Sowjetzone“: Das erste Projekt der ARD richtet sich an Hörer in der DDR: Für sie produziert der Senderverbund erstmals zu den Volkskammerwahlen im Oktober 1950 Gemeinschaftssendungen, die von allen ARD-Anstalten ausgestrahlt und neben den Sendungen des US-kontrollierten RIAS Berlin zu einer wichtigen Informationsquelle für die Menschen „drüben“ werden.

Schon wenige Monate nach ihrer Entstehung gründet die ARD ein gemeinsames historisches Schallarchiv, das heutige Deutsche Rundfunkarchiv. Eine Kommission soll ein gemeinsames bundesweites Fernsehprogramm aufbauen – mit Zulieferungen von allen regionalen Sendern.

Der regelmäßige Fernsehdienst startet, betreut vom NWDR in Hamburg, am 1. Weihnachtstag 1952, zunächst nur in Norddeutschland. Noch sind es nur ein paar hundert Zuschauer, die schon am Tag darauf auf der Mattscheibe die Geburt jener Sendung verfolgen können, die bis heute zum Markenkern der ARD gehört: die Tagesschau.

Schon in ihrer Titelmusik kann die Tagesschau der frühen Jahre nicht die Nähe zur Kino-Wochenschau verleugnen; einen Nachrichtensprecher gibt es auf dem Bildschirm erst ab 1960.

Die Beliebtheit des Fernsehens wird beflügelt durch erste Liveübertragungen wie die der Krönung Queen Elizabeths im Juni 1953 oder des deutschen Triumphes bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954. Doch erst im November 1954 startet das bundesweite „Deutsche Fernsehen“ unter dem Signet der ARD, nachdem alle zuliefernden Anstalten technisch miteinander vernetzt sind.

Viele Sendereihen und Bildschirm-Stars werden ab Mitte der 50er Jahre zu regelrechten Ikonen des ARD-Programms, vom „Internationalen Frühschoppen“ über das „Wort zum Sonntag“ bis zur „Augsburger Puppenkiste“, von Peter von Zahn über Robert Lembke bis zu Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld.

Und auch die Tagesschau entwickelt sich schnell weiter. Statt einem bunten Themenkaleidoskop in Wochenschau-Manier dominiert nun die aktuell-politische Berichterstattung. Daran hat sich bis heute ebenso wenig geändert wie an der 1956 erneuerten Erkennungsmelodie – aus der „Hammond-Fantasie“ von Hans Carste.

„Wir haben als erster 1957 eine Strichliste führen müssen über die politischen Parteien, wer dran war: SPD, CDU und so weiter“, erzählte der erste Tagesschau-Chefredakteur Martin S. Svoboda 1990 im Gespräch mit früheren Mitarbeitern wie dem NDR-Redakteur Jürgen Schröder Jahn: „Ich kann mich erinnern, dass der Svoboda der undiplomatischste Chef war, den ich je hatte. Das ging doch bis zu strengen Verweisen an einflussreiche Politiker, nicht bei der Mittagskonferenz anzurufen. Ich erinnere mich, dass der damalige Bundesinnenminister Schröder die Unverschämtheit besaß, uns zu stören während unserer Mittagskonferenz, und er dann gesagt hat: ‚Jetzt haben wir keine Zeit, Herr Schröder, rufen Sie später wieder an!‘“

Die Einmischungsversuche der Politik in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gipfeln Ende der 50er Jahre im Versuch Konrad Adenauers, ein zweites, privat finanziertes, aber unter Regierungskontrolle stehendes Fernsehprogramm aufzubauen. Mehrere SPD-regierte Bundesländer antworten mit der Anrufung des Bundesverfassungsgerichts. Und das spricht in seinem sogenannten „1. Fernsehurteil“ 1961 wegweisende Worte.

Bernd Gäbler: „‚Die Staatsferne der elektronischen Medien ist ein hohes Gut‘, und ab diesem Fernsehurteil 1961 gibt es in unserer Gesellschaft einen Pfeiler, auf dem das ganze öffentlich-rechtliche System ruht und sich immer wieder darauf berufen kann.“

Damit sind des Kanzlers Träume eines Regierungsfernsehens dahin. Aus der Konkursmasse des havarierten Adenauer-Fernsehens entsteht 1963 das ZDF – als eine von den Bundesländern gemeinsam getragene öffentlich-rechtliche Anstalt.

Durch die Popularität des Fernsehens wird der ARD-Hörfunk in den frühen Sechzigern in die Defensive gedrängt. „Diversifizierung“ heißt die Antwort, das Radioprogramm wird für verschiedene Zielgruppen zurechtgeschnitzt. Es entstehen Spezialsendungen und später eigene Rundfunkwellen; von fremdsprachigen Programmen für die sogenannten Gastarbeiter bis zu Pop-, Klassik-, Kultur- und Servicewellen. Und schon 1962 – als einziger überregionaler Sender – der Deutschlandfunk, damals vor allem als Informationssender für Hörer in der DDR konzipiert. Sein Pendant für das Ausland ist die im selben Jahr geschaffene „Deutsche Welle“.

Ab Mitte der 80-er Jahre müssen sich die Öffentlich-Rechtlichen dann doch noch privater Konkurrenz erwehren, als mit RTL und SAT1 die ersten kommerziellen TV-Sender auf der Mattscheibe auftauchen. Doch auch dem neuen, sogenannten „dualen System“ setzt das Bundesverfassungsgericht Grenzen – gleich durch mehrere Rundfunkurteile.

Medienforscher Gäbler: „Das eine, das Öffentlich-Rechtliche ist die Basis, dann darf es auch das andere geben. Aber nie andersherum.“

Die deutsche Einheit wird auch für die ARD zu einem Kraftakt: Der DDR-Rundfunk wird integriert – journalistische Kontrahenten von einst sitzen nun mitunter Schreibtisch an Schreibtisch in der gleichen Redaktion.

Heute, 70 Jahre nach ihrer Gründung, zählt die ARD – nach diversen Umstrukturierungen und Fusionen – neun öffentlich-rechtliche Anstalten. Die betreiben jeweils ein Drittes Programm, gemeinschaftlich das Erste, tagesschau24 und den Film- und Dokumentationskanal One. Dazu kommen etwa 60 Radiosender und moderierte Livestreams im Netz sowie gemeinsame Programme mit dem ZDF und Sendern im Ausland: der KiKa, Phoenix, 3sat und Arte. Die ARD ist groß.

Aber was soll sie künftig eigentlich sein und was darf das kosten? Darüber wird aktuell besonders intensiv diskutiert: Nach elf Jahren soll der Rundfunkbeitrag ab Januar 2021 steigen, um 86 Cent auf 18,36 Euro pro Haushalt im Monat. So hat es die Finanzkommission KEF, die die Beitragshöhe regelmäßig überprüft, im Frühjahr vorgeschlagen.

Ob es dazu kommt, hängt von den Landesparlamenten ab, die der Erhöhung in den kommenden Monaten alle zustimmen müssen. Davor müssen – voraussichtlich bei ihrem nächsten Treffen Mitte Juni – auch noch alle Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zustimmen.

Tom Buhrow – früher Moderator der „Tagesthemen“, heute Intendant des WDR – und aktuell ARD-Vorsitzender: „Wir sind immer in einem gesellschaftlichen Spannungsfeld tätig, das ist ganz klar. Das war über die sieben Jahrzehnte so, die es uns gibt. Eine Signalwirkung – nicht von der Politik, sondern von der Gesellschaft insgesamt ist, dass sie sehen will, dass wir uns der Zukunft zuwenden, dass wir Angebote machen, die ihnen nutzen und dass wir im digitalen Raum mehr machen.“

Mit funk betreibt die ARD – auch hier gemeinsam mit dem ZDF – inzwischen ein „Content-Netzwerk“. funk hat keinen eigenen Sender, sondern veröffentlicht seine etwa 70 Formate vor allem in sozialen Netzwerken, auf Youtube oder Instagram – dort, wo das Publikum der Zukunft ist.

Die ARD, sagt Tom Buhrow, stecke aber in einem Dilemma: „Eigentlich muss man ja in solchen Zeiten des Wandels in die neue Technik, in die neue Verbreitungsform mehr investieren, um da attraktiv zu sein fürs Publikum und für die Nutzerinnen und Nutzer. Man kann das alte aber auch nicht lassen, denn das sind die treusten unserer treuen Zuschauerinnen und Zuschauer und Hörerinnen und Hörer.“

Dazu kommt die heikle politische Stimmungslage. Mit der AfD sitzt in allen Landesparlamenten eine Partei, die oft von „Staatsfunk“ spricht und den Rundfunkbeitrag abschaffen will. Dabei sorgt gerade der für Staatsferne: Das Geld für die Sender kommt – abgesehen von der Deutschen Welle – nicht aus dem Staatshaushalt und kann deshalb auch nicht mal eben gekürzt werden, wenn einer Regierung das Programm nicht passt.

Die FDP, die an drei Landesregierungen beteiligt ist, steht wie die übrigen Parteien grundsätzlich zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie will ihn aber spürbar kürzen: Unterhaltung und Sport könnten doch auch private Sender.

Auch Teile der Union wünschen sich eine andere ARD, so wie Rainer Robra, der Chef der Staatskanzlei in Sachsen-Anhalt: „62 Jahre der 70 Jahre der ARD habe ich bewusst miterlebt. Wir haben 1958 den ersten Fernsehapparat bekommen. Also insofern kenne ich das noch als den Funk der deutschen Länder.“

Die ARD solle sich wieder stärker abgrenzen von den nationalen Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, vor allem vom ZDF. Ein Rückbesinnen auf die Wurzeln, bei denen auch im Ersten bewusst aus den Regionen geschaltet worden sei, um die politische und gesellschaftliche Realität der Bundesrepublik abzubilden.

„Nicht Berlin als Paris, alles kommt von dort aus, oder als London oder als Madrid. Keine zentralstaatliche Verfassung, sondern ein Leben von unten aus den Regionen bis in die höchste politische Ebene. Und da noch mehr in der ARD übereinander und voneinander zu erfahren und miteinander zu besprechen, das halte ich für die eigentliche große Zukunftschance der ARD.“

Die ARD hat auf diese Forderungen reagiert. Seit Ende Mai haben die „Tagesthemen“ mehr Sendezeit – zunächst freitags, später auch an anderen Tagen. Moderatorin Caren Miosga sagte zum Start der Veränderung: „Wie sieht der Alltag der Menschen in Deutschland aus? Welche Geschichten haben sie zu erzählen? Ab heute wollen wir uns regelmäßig Zeit nehmen, noch genauer hinzuschauen und reisen quer durch die Republik in unserer neuen Rubrik ‚Tagesthemen mittendrin‘.“

Kritiker wie CDU-Politiker Rainer Robra begrüßen diesen Schritt. Allein: „Das reicht mir zugegebenermaßen noch nicht. Aber ich finde es ein sehr wichtiges Signal auch gegenüber der Diskussionen, die eben auch stark dadurch getrieben wird, gerade auch aus Ostdeutschland, dass man den Eindruck hat, noch nicht wirklich voll von der ARD akzeptiert zu sein und noch nicht voll in der Gemeinschaft der Länder im Rundfunk angekommen zu sein.“

Will heißen: Die ARD sollte den Mitteldeutschen Rundfunk nicht nur formal zu ihren Mitgliedern zählen, sondern dieses Sendegebiet auch ganz selbstverständlich bundesweit abbilden. Manch ein Unionspolitiker in den Landesparlamenten mahnt zudem, die ARD, die zuletzt aus dem Rundfunkbeitrag 5,6 Milliarden Euro bekam, müsse sich „gesundschrumpfen“ – zumal in Zeiten der Coronakrise, unter der viele Bürgerinnen und Bürger litten.

Tatsächlich sind im öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem längst Sparmaßnahmen angelaufen. Neben der ARD betonen auch Deutschlandradio und das ZDF, Kooperationen hinter den Kulissen – bei Technik und Verwaltung – seien von großer Bedeutung. Deutschlandradio ist darüber hinaus vertraglich verpflichtet, eng mit ARD und ZDF zusammenzuarbeiten. Viele bauen seit Jahren Stellen ab und streichen Angebote – auch, weil sie davon ausgehen, dass die geplante Erhöhung des Rundfunkbeitrags nicht reichen wird, um in den nächsten vier Jahren, solange dauert die nächste Beitragsperiode, die laufenden Kosten zu decken.

Wie eins ist die ARD noch in ihrem 70. Jahr? WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender Tom Buhrow will so viel Gemeinschaftssinn erhalten, wie möglich. Leicht werde das aber nicht. „Das muss eine Balance sein zwischen dem, was man in der eigenen Landesrundfunkanstalt an Sparmaßnahmen und an Kürzungen macht und dem, was in der Gemeinschaft an Kürzungen vorgenommen werden muss. Das ist ein schwieriger Prozess. ”

Über den in den kommenden Monaten auch in den 16 Landesparlamenten intensiv diskutiert werden wird, wenn es um die geplante Beitragserhöhung und damit verbundene Sparmaßnahmen geht. Bisher ist auch noch nicht klar, ob alle Parlamente zustimmen. Als Wackelkandidat gilt vor allem Sachsen-Anhalt, aber zum Beispiel auch Sachsen.

Die Zukunft der ARD – wie auch von Deutschlandradio und dem ZDF – sieht Bernd Gäbler trotz dieser Debatten nicht grundlegend gefährdet. Der Medienwissenschaftler warnt aber auch davor, dass die Intendantinnen und Intendanten in dieser entscheidenden Zeit allzu selbstbewusst auftreten:

„Es gibt eine Gefahr, die ich sehe. Die liegt darin, dass die Sender-Verantwortlichen ihren Auftrag überhöhen. Wenn ein Intendant sagt ‚Die Gebühr ist eine Demokratieabgabe‘ oder ‚Wir sind der Kitt für die Gesellschaft’ – das ist eine Anmaßung! Wenn man diesen Anspruch hat, dann führt das immer zu einem Überhang der Didaktik gegenüber dem Handwerk, immer dazu, dass ich als Medien die Leute zu einem Zusammenhalt erziehen will, obwohl die Gesellschaft sich innerlich pluralisiert. Man muss aufpassen, dass man Arenen der Meinungsbildung organisiert, aber nicht sich begreift als Erzieher des Volkes.“

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