Millionen für deutsche Verlage

Der Tech-Konzern Google pumpt immer mehr Geld in die Medienlandschaft, auch in Deutschland. Für ZAPP habe ich eine Zwischenbilanz gezogen.

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —
Google hat schon wieder etwas Neues. In der Google-eigenen „News-App“ dürfen Zeitungen und Verlage ihre Inhalte jetzt in einer Art „Schaufenster“ präsentieren. Von der „Zeit“ über „T-Online“ bis zum „Spiegel“. „Showcase“ heißt das. Und Google: zahlt dafür.
Der frühere „Handelsblatt“-Manager Gerrit Rabenstein verantwortet die Partnerschaften zu den Verlagen in Deutschland. Er ist ganz stolz.
[Gerrit Rabenstein, “Google News Initiative”] “Google News Showcase” ist in der Tat das größte und ehrgeizigste Projekt, was wir dieser Art gestartet haben. Über die nächsten drei Jahre wird Google dort 900 Millionen Euro investieren. (…) Was wir davon haben, ist: Wir können da, wir können unsere Nutzerinnen und Nutzern zum Beispiel in “Google News” zusätzliche, weiterführende Informationen anzeigen. Verlage haben davon, dass sie neue Nutzerinnen und Nutzer auf ihre Internetseiten teilweise auch für Bezahlcontent heranführen.“
Dem „Tagesspiegel“ und anderen Verlagen kauft Google die Texte aber nicht ab. Wer sie lesen will, den leitet die Suchmaschine auf das jeweilige Portal – mitunter direkt zum Abo-Angebot.
Im Verlag ist die Freude groß: Der Technologieriese schickt Publikum und auch noch Geld. Der Chefredakteur weiß jedoch: Damit verfolgt der Tech-Konzern natürlich auch eigene Ziele.
[Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur “Der Tagesspiegel”] „Google ist schon der Konzern, der sich im Moment am meisten auf die Verlage zubewegt hat. Das muss man schon sagen. Wie gesagt, wir machen uns da nichts vor. Aber es ist eines, es sind sehr interessante Schritte und es vor allen Dingen bedeutet für uns in der Umsetzung und in der Praxis, dass wir definitiv Vorteile haben und besser dastehen als vorher.“
Wenn es um Medien geht, ist Google seit Jahren allgegenwärtig. Mit seiner „Digital News Initiative“ und einem Nachfolgeprojekt pumpt der Konzern weltweit viele Millionen Euro in den Medienmarkt. Finanziert damit Digitalprojekte in zahlreichen Verlagshäusern. Google sponsert zahlreiche Journalistentreffen und investiert auch in die Ausbildung, etwa mit Stipendien für Datenjournalisten.
Ingo Dachwitz sieht das kritisch. Er legt gerade mit der Otto-Brenner-Stiftung eine Studie vor: „Medienmäzen Google“. Dafür haben die Autoren mit vielen in der Branche gesprochen.
[Ingo Dachwitz, netzpolitik.org] „Was die Verlagsleute angeht, ist erst mal ganz deutlich geworden: Viele Innovationsprojekte der letzten Jahre wären nicht zustande gekommen, wenn Google gar nicht dieses Geld gegeben hätte. Also Google stößt da in eine Lücke vor, die die Verlage in Sachen Innovation offengelassen haben. Das ist für viele Verlage, gerade auch für kleinere Verlage, aber selbst für die größeren essenziell gewesen, eigentlich an der Stelle die Unterstützung von Google zu bekommen. Und da ist so ein bisschen die Haltung: Der Journalismus braucht eigentlich jede Hilfe, die er kriegen kann, und kann deshalb auch nicht wählerisch sein an der Stelle, von wem es Geld gibt.“
Im Verlagshaus Gruner + Jahr hat der „Stern“ mit Geld von Google eine junge politische Talkshow entwickelt, zu sehen auf Googles Portal Youtube.
Auch technische Standards haben Medien gemeinsam mit Google entwickelt – etwa einen Code, der Webseiten schneller laden lässt – zum Beispiel: Nachrichtenangebote.
Googles Initiativen sind wohl auch eine Folge politischen Drucks.
Viele Verleger fordern seit Jahren: Die Politik soll Google verpflichten, für die Einbindung von Nachrichten in Google-Angeboten zu zahlen. Im Frühjahr soll es EU-weit soweit sein.
[Ingo Dachwitz, netzpolitik.org] „Wir können ganz klar nachweisen, welche strategischen Interessen es eigentlich gibt, die sich mit diesen Initiativen verbinden. Das ist der PR-Aspekt. Das ist die politische Landschaftspflege an der Stelle. Das ist das Abwehren von Regulierungsversuchen im medienpolitischen Bereich. Das ist teilweise auch die Vermarktung eigener Google Produkte.“
[Gerrit Rabenstein, “Google News Initiative”] „Ich habe manchmal den Eindruck, es wird laut gerufen danach, dass wir uns engagieren. Und wenn wir etwas tun, dann ist es aber auch wieder falsch. Ich glaube manchmal, unsere Kritiker müssen sich auch entscheiden, welche Rolle sie Google zugestehen möchten. Wir sind nicht nur als Technologieanbieter, sondern auch als Suchmaschine natürlich daran interessiert an einer engen Zusammenarbeit und einem engen Austausch.“
Für etliche Verlage überwiegt der Vorteil: Google nehme sie und ihre Sorgen ernst. Aber was ist mit der gesunden journalistischen Distanz?
[Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur “Der Tagesspiegel”] „Unseren Journalismus machen wir völlig unabhängig von Google. Es kann durchaus auch auf diese Art und Weise Artikel verlinkt werden von uns, von unserer Seite aus, die sich kritisch mit Google auseinandersetzen. Google hat null Einfluss auf die redaktionelle Arbeit. Es wäre noch schöner!“
Die Studienmacher berichten: Zumindest einzelne Gesprächspartner hätten durchaus Sorgen vor Selbstzensur und Beißhemmungen durch eine größere Nähe zu Google.
[Ingo Dachwitz, netzpolitik.org] „Wir haben von keinem Fall gehört, dass das Google jetzt als Tool benutzt hätte, um Berichterstattung zu verhindern oder explizit Einfluss zu nehmen. Das ist sozusagen die gute Nachricht. Die gute Erkenntnis an der Stelle. Die schlechte Nachricht ist: Es bleibt trotzdem nicht ohne Folgen für die Branche. Und es bleibt nicht ohne Gefahren für die Verlage.. (…) Wenn man anfängt, damit zu planen, dass es Geld von Google gibt an der Stelle, dann muss man auch stärker darauf achten, dass man den Förderer an der Stelle nicht verschreckt. Ich halte es aus journalistischer Perspektive nicht für klug.“
Google ist der „Gatekeeper“ im Internet. Dem können und wollen sich viele Medien nicht verschließen. Die Berührungsängste sind spürbar weniger geworden. Manche können sie sich womöglich einfach nicht mehr leisten.

(Quelle: NDR-“Zapp”)

Rechtsruck in den “Tagesthemen”?

Die ARD überarbeitet ihren Kommentarplatz – nicht nur das Etikett, sondern auch inhaltlich. Was das etwa für die politische Ausrichtung heißt und was Kritiker befürchten, habe ich für ZAPP zusammengetragen.

für NDR Fernsehen

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— Onlinebegleittext zum Film—
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, im Oktober 2019, trat Helge Fuhst als sogenannter Zweiter Chefredakteur der Redaktion ARD-aktuell in Hamburg an. Während sich sein Kollege Marcus Bornheim als Erster Chefredakteur vor allem um die “Tagesschau” kümmert und seine Kollegin Juliane Leopold in der Chefredaktion um die digitalen Aktivitäten, ist Fuhst für “Tagesthemen” zuständig. Dort schraubt er gerade an den täglichen Kommentaren. Der Chefredakteur spricht von einem “ganzen Paket” an Änderungen, die das Publikum nach und nach bemerken werde.

Der erste und sichtbarste Schritt ist auch bei Satiriker Jan Böhmermann angekommen. Nach 42 Jahren heißt der Kommentar in den “Tagesthemen” nun Meinung – wie Moderatorin Caren Miosga ankündigte, “ganz einfach, damit noch deutlicher wird, dass dies nicht die Ansicht der gesamten ‘Tagesthemen’-Redaktion ist, sondern die persönliche Meinung eines einzelnen Kollegen. Böhmermann vermutet, die “Angsthasenredaktion” befinde sich in einer “heraufbefürchteten journalistischen Defensive”, und fragte: “Was sind denn das für “Leute”, die das nicht verstehen?”

AfD und FDP fordern “Ausgewogenheit” – und die ARD zieht nach

Fuhst verteidigt den Schritt. Die Chefredaktion habe zwar keine Statistik geführt, sagt er, doch aus Diskussionen in Sozialen Netzwerken oder auch in der Zuschauerpost sei klar geworden, dass einige hinter dem Begriff “Kommentar” nicht das richtige vermuteten. “Wir sind auch nicht die Einzigen, die von ‘Meinung’ sprechen”, sagt Fuhst. Bei vielen Zeitungen hießen entsprechende Seiten schon lange so. Für die Chefredaktion passe der Begriff schlicht “besser in die heutige Zeit”. Ändern sollen sich bald aber auch das Format und vor allem die Bandbreite der Positionen.

Im Netz hat die “Tagesschau” Erfolg mit Pro-und-Contra-Kommentaren, bei denen gegensätzliche Meinungen direkt aufeinanderprallen. Das soll es künftig auch in den “Tagesthemen” geben – ein paar Mal im Jahr und zu ausgewählten Inhalten. Bei großen Themen sollen aber auch die klassischen, einzelnen Meinungsbeiträge über die Zeit unterschiedliche Positionen widerspiegeln. Auch dazu registriere die Redaktion immer wieder Kritik in Sozialen Netzwerken und per Post. Aus der Politik fordern vor allem AfD und FDP “Ausgewogenheit”. Dazu sei die ARD nun mal verpflichtet.

Während Fuhst in der Chefredaktion von ARD-aktuell grundsätzlich am Format arbeitet, wird die Auswahl der Themen und Kommentierenden von Rainald Becker als ARD-Chefredakteur in München koordiniert. “Ich sage mal, wenn sie im Jahr 25 Mal im weitesten Sinne Klimawandel kommentieren und 25 Mal immer aus der gleichen Richtung, dann blenden sie einen Teil der Bevölkerung aus”, sagt er. “Da wollen wir in Zukunft ein bisschen gegensteuern, um das mal klar zu sagen.”

Historiker warnt vor Diskursverschiebung nach rechts

In der Wissenschaft werden Zweifel laut, ob dieser Weg tatsächlich geboten ist. “Wessen Position wird eigentlich gehört, wessen Position wird gesendet und welche Position bekommt damit auch Legitimität?”, fragt Jürgen Zimmerer, Historiker an der Hamburger Universität. Er warnt vor einer “Diskursverschiebung” nach rechts. Zudem könnten extreme Positionen salonfähig gemacht werden.

“Multiperspektivität ist gut”, sagt Zimmerer. Zum einen sollten aber gerade schwierigen Positionen nicht ungefiltert Sendezeit eingeräumt werden, sondern nur mit einer Einordnung, sonst setzten sei sich fest. “Aber es gibt natürlich einen Rahmen, außerhalb dessen Positionen einfach absurd sind Ich warte dann auf den Kommentar in den ‘Tagesthemen’ zu ‘Die Erde ist eine Scheibe’ oder ‘Der Antisemitismus ist richtig’.”

Die Frage wird also sein, wie weit das Spektrum erweitert werden soll. “Antisemitische Meinungen haben in den ‘Tagesthemen’ überhaupt nichts zu suchen”, betont Becker. Solange er Chefredakteur sei, “aber mit Sicherheit” auch unter seinem Nachfolger Oliver Köhr, der im Mai antritt, werde es das nicht geben. “Da muss man dann einschreiten. Und ansonsten: Zwischen den Leitplanken, die uns die demokratisch-freiheitliche Grundordnung setzt, muss alles möglich sein.”

ARD will mehr Experten statt Stimmen aus der Hierarchie

Becker sucht nun mit den Chefredakteurinnen und Chefredakteuren der neun ARD-Sender neue Gesichter und vor allem Stimmen für den Kommentarplatz in den “Tagesthemen”. Mehr jüngere sollen es dem Vernehmen nach gerne sein, nachdem unter Becker der Anteil von Frauen an den gesprochenen Kommentaren im zuletzt ausgewerteten Jahr 2019 bereits auf 41 Prozent gestiegen ist – von beinahe 0 im ersten Jahr 1978. Außerdem sollen mehr Expertinnen und Experten, eventuell sogar Externe ihre Meinung sagen. Zurückstehen sollen dafür Hierarchinnen und Hierarchen der Sender, so der Plan.

“Wir werden keine Zensur ausüben”, erklärt Rainald Becker auf die Frage, wie der Kreis der Kommentierenden aus der ARD zustande kommen soll. Eine feste Liste soll es – anders als in den vergangenen Jahrzehnten – nicht mehr geben. “Wir werden rumfragen. Wir werden uns vielleicht ein bisschen mehr Zeit nehmen in unseren täglichen Schaltkonferenzen, eine Kommentatorin oder einen Kommentator zu einem bestimmten Thema zu finden. Aber wenn es eine bestimmte Richtung nicht gibt, dann gibt es sie nicht.”

Quelle: NDR-“ZAPP”

Eingeschränkte Berichterstattung

Über die Folgen der Coronakrise für die Berichterstattung über die Tour de France habe ich in ZAPP berichtet.

für NDR Fernsehen

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(Quelle: NDR-“ZAPP”)

Kurswechsel: Olaf Scholz und die Medien

Das Verhältnis von Olaf Scholz zu den Medien gilt als schwierig. Für ZAPP bin ich mit Lea Eichhorn der Frage nachgegangen, ob Scholz seine Strategie für seine Kanzlerkandidatur ändert.

für NDR Fernsehen

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(Quelle: NDR-“ZAPP”)

Wie das Scheuer-Ministerium Journalisten austrickst

Das Bundesverkehrsministerium “torpedierte” mit Tricks die Arbeit von kritischen Journalisten. Bericht für ZAPP.

für NDR Fernsehen

— Beitrag gemeinsam mit Martin Kaul

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(Quelle: NDR-“ZAPP”)

Wohin mit der ARD?

Der Senderverbund ist historisch gewachsen: Viel TV, noch mehr Radio, nun immer mehr im Netz. Politik und Kritiker fragen sich derweil: Wie viel ARD soll künftig noch sein?

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“ZAPP”)

Regierungs-PR als Konkurrenz für Journalisten?

Während Hauptstadtkorrespondenten über schwere Zugänge in den politischen Maschinenraum klagen, startet die Bundesregierung mit ihren Experten einen eigenen Podcast.

für NDR Fernsehen

— Beitrag gemeinsam mit Caroline Schmidt —

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>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Mit Fakten gegen Fakes

Die Deutsche Welle sendet in 30 Sprachen, bezahlt vom Staat. Für ZAPP bin ich der Frage nachgegangen, welche Ziele dieses mediale Instrument der Bundesregierung verfolgt.

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —
Die Bundesliga – auf Hausa und Kisuaheli. Aus Bonn nach Afrika.
Die Deutsche Welle sendet in 30 Sprachen. Auch im Netz: ein üppiges Sprachangebot. Wichtig noch immer: Fernsehen – fünf Sender für unterschiedliche Regionen. Korrespondenten: weltweit.
„Es scheint, als wären Afrikaner neuerdings geradezu besessen davon, ihre Arbeiten mit ihrer Identität zu versehen.“
Und Sendungen für viele Regionen. „77 Percent“ – für die 77 Prozent Unter-35-Jähriger in Afrika.
„Stell‘ Dir vor: Du träumst von einer Weltreise, Dir fehlt aber das Geld dafür.“
Und: „Jaafar Talk“ mit Jaafar Abdul Karim. Er diskutiert, was den Nahen Osten bewegt. Fast jeder zweite Online-Zugriff im Netz auf die „Welle“ kommt von dort.
Peter Limbourg, Intendant Deutsche Welle
„Wir erreichen 95 Prozent unserer Nutzer erreichen wir in den nichtdeutschen Angeboten. Das heißt, wir haben uns auch klar entschieden, in Richtung internationales Angebot zu gehen und eben nicht nur ein Schaufenster Deutschlands zu sein.“
Intendant Peter Limbourg war früher Informationsdirektor bei ProSiebenSat1. Heute wirbt er für den Auslandsrundfunk – ein Kanal, direkt finanziert aus Steuergeld.
Immer wieder spannend für die „Welle“: Die Debatte um den Auftrag im Bundestag. Viel Zustimmung, aber auch: Kontroversen. Die Deutsche Welle – angeblich unzulässiges Mittel der Außenpolitik:
Erwin Renner (AfD)
„Das führt ja dann letztlich zu einer inoffiziellen Nebenaußenpolitik, die jedweder demokratischen Kontrolle entbehrt.“
Am Ende haben sich die Regierungsfraktionen aber immer durchgesetzt – und den Etat zuletzt sogar erhöht.
Gitta Connemann (CDU/CSU)
„Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen…“
Martin Rabanus (SPD)
„Für Fakten statt für Fake News als ein Beitrag für eine friedlichere Welt.“
Gitta Connemann (CDU/CSU)
“…damit Despoten die Freiheit genommen wird, alles zu tun, und genau dafür steht die Deutsche Welle.
„This is DW News, live from Berlin“

Die Strategie der Programmmacher: immer wieder neu Schwerpunkte – je nach weltpolitischer Lage.
Nadja Scholz, Strategie-Chefin Deutsche Welle
„Das hat natürlich auch permanente Verschiebungen bringt das mit sich, sodass wir auch unsere Region permanent neu überprüfen und die Märkte uns anschauen und gucken, wo wir uns verstärkt engagieren müssen. Zum Beispiel haben wir in den letzten Jahren in der Türkei unser Angebot ausgebaut, weil wir gemerkt haben, die Türkei verwandelt sich gerade sehr, ist auch sehr nah an Deutschland dran. Und da haben wir neue Angebote in den Markt gebracht.“
Wie „+90“. Extra für diesen Youtube-Kanal über die Türkei und türkische Kultur weltweit gibt es mehr Geld. Bei „+90“ arbeitet die „Welle“ mit BBC, France 24 und Voice of America zusammen, den staatlichen Auslandssendern aus Großbritannien, Frankreich und den USA.
Nadja Scholz, Strategie-Chefin Deutsche Welle
„So unterschiedlich wir sind, so haben wir doch gemerkt, dass es in ganz vielen Bereichen darum geht, dass die Meinungsfreiheit und die Menschenrechte in verschiedenen Staaten eingeschränkt werden und wir da als europäische oder auch westliche Auslandssender das Gefühl haben, dass wir gemeinsam was erreichen können, wenn wir gegen Propaganda, gegen bestimmte Narrative angehen.“
Dafür schaut die „Welle“ von Jahr zu Jahr weniger in die Heimat, mehr raus in die Welt. Vor allem dort hin, wo es knallt.
Peter Limbourg, Intendant Deutsche Welle
„Wir sind keine Hasardeure. Und beispielsweise wir haben auch niemanden zurzeit in Syrien, obwohl es da mittlerweile auch wieder Gebiete gibt, wo man hinfahren könnte. (…) Wir sind an vielen Orten dieser Welt, wo es unruhig ist. Und das müssen wir auch, weil wir auch einfach strategisch gesehen haben: Wir müssen stärker zu unseren Zielgruppen hin.“
Der Deutschen Welle geht es überall um freiheitliche Werte – aus deutscher Sicht.

>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Bezahlte Berichte?

Sportjournalisten lassen sich oft vom Sportbusiness zu Reisen einladen, zeigt eine neue Studie. Mitunter reißen dabei Grenzen zur Werbung ein. Mein Bericht für ZAPP

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— Manuskript des Beitrags —
Kitzbühel. Das Rennen auf der „Streif“ – die spektakulärste Station des Ski-Weltcups. Und zur Weißwurst-Party danach eine enorme Promi-Dichte. Für Publikum und Medien: attraktiv.
Dachte sich auch der „Tagesspiegel“ und twittert stolz: Unser Redakteur „mittendrin statt nur dabei“.
Das Ergebnis unter der Überschrift „Sie gehen steil“: ein launig-kritischer Bericht über den großen Zirkus rund um das Rennen. Am Ende schließlich der Hinweis: „Der Autor reiste auf Einladung der Marke Tommy Hilfiger nach Kitzbühel.“
Wir fragen nach bei Anna Sauerbrey, im „Tagesspiegel“ zuständig für „Compliance“: Wie lief das ab, mit Hilfiger?
„Die sind zunächst auf unsere Mode-Redaktion zugekommen, haben gesagt, wir bieten diese Reise an, möchtet ihr? Die Mode-Redaktion hat zunächst sehr skeptisch reagiert, dachte dann aber hmm, vielleicht für unsere Sportberichterstattung ein interessantes Feld, wir könnten die Reise doppelt nutzen, sowohl für die Mode als auch für die sportliche Berichterstattung. In dem Fall haben sich beide Ressorts dafür entschieden, dass der Sportredakteur fährt.“
Nur ein paar Tage später erscheint auch ein eher wohlwollendes Interview mit Tommy Hilfiger. Daneben setzen Models seine Ski-Kollektion in Szene. Interviewer: der Sportredakteur. Diesmal kein Hinweis auf die Finanzspritze.
Auf Leserinnen-, Leserseite könnte der Eindruck entstehen „Ah, da wurde jemand für die Sportberichterstattung mitgenommen und dann bekam er ein nettes, gut inszeniertes, für seine Produkte inszeniertes Interview geschenkt‘…
“…ja…”
Ist diese Konstellation schwierig?
“Ich fand es auch unglücklich. Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns wenn, dann auf die Sportberichterstattung beschränken, weil eben da die Unabhängigkeit von Berichterstattung und Sponsor größer ist.“

Die Hochschule in Ansbach. Die frühere „Kicker“-Redakteurin Jana Wiske forscht zu „Pressereisen im Sportjournalismus“. Sie hat sich in 20 Redaktionen umgehört.
„Persönlich schon teilgenommen“ haben 80 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten. Ihre „Redaktion nimmt regelmäßig teil“ sagen: 55 Prozent. Außerdem glaubt die Mehrheit: Ja, Pressereisen werden wichtiger.
„Man muss es differenziert betrachten, weil einfach die Situation im Sportjournalismus auch solchen bezahlten Pressereisen einen Raum bietet. (…) Der Kostendruck lässt es zum Beispiel nicht zu, dass man mal ein Formel-1-Rennen in Australien besucht als Journalist und da beiwohnt. Und da springen dann eben auch sehr häufig Pressereisen oder sind Pressereisen ein gutes Mittel, um vielleicht das ein oder andere zu besetzen, was eben auch der Rezipient möchte, nämlich die Nähe zu den Protagonisten und die Nähe zu einem Sportevent.“
Pressereisen, meint Wiske, könnten auch helfen. Sponsoren durchaus Türöffner sein. Werbliche Artikel gelte es dann aber zu vermeiden.
„Ich hätte mir zum Beispiel ein Interview gewünscht über Lebenswerk oder das Thema Nachhaltigkeit, Umweltschutz in der Mode. Das wäre denke ich passend gewesen und vielleicht auch der journalistischen Freiheit hätte das eher gutgetan, aber tatsächlich geht’s um die aktuelle Kollektion, Preise der Kollektion, Farben. Also es geht in eine Richtung, die doch sehr werblich ist.“
Sponsoren wollen letztlich vor allem verkaufen. Hilfiger hat im Kern-Verbreitungsgebiet des „Tagesspiegel“ knapp zehn eigene Läden. — Würden sie die Ski-Kollektion mit einer Anzeige bewerben: der Listenpreis in der Wochenend-Ausgabe des Tagesspiegel läge für eine halbe Seite bei fast 19.000 Euro.
Wäre eine Anzeige für die Zeitung nicht der bessere Deal? Die hätte ja auch mehr Geld gebracht als so eine Reiseunterstützung.
„Ja, wir freuen uns über Anzeigen, über jede, die bei uns im Blatt stattfindet, natürlich auch wenn Tommy Hilfiger sich dafür entscheiden sollte, bei uns zu werben, über eine Anzeige von Tommy Hilfiger. In dem Fall war das nicht der Fall, sondern es wurde eben eine Pressereise angeboten. Das geschieht dann tatsächlich völlig unabhängig von der Anzeigenabteilung.“

Der „Tagesspiegel“ beteuert seine Unabhängigkeit – und holt unter dem Hilfiger-Interview nun auch den Transparenzhinweis nach. So sei es eigentlich auch Standard. Außerdem will der „Tagesspiegel“ vor Reisen nachschauen, ob ein Sportereignis wie Kitzbühel sein Publikum überhaupt interessiert.
„Das ist jetzt sicherlich nicht das Kernthema für unsere Berliner Leserschaft. Denke ich auch, dass man da vielleicht in Zukunft eher dann auf die Berichterstattung von unserem Partner ‚Kurier‘ in Wien zurückgreifen kann.“
Statt es selbst zu machen und hinzufahren.
„Ja.“

Der ‚Tagesspiegel‘ will also im Zweifel lieber Texte einer anderen Zeitung übernehmen. Sauberer wäre das. Aber auch ein Reporter weniger vor Ort.

>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Sind 86 Cent mehr zu wenig?

Der Rundfunkbeitrag liegt bei 17,50 Euro, das Programm kostet allerdings 18,35 Euro – Rücklagen haben den Preis stabil gehalten. Für ZAPP bin ich der Frage nachgegangen, wie es weitergehen könnte.

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)