Medienjournalist

Daniel Bouhs ist Medienjournalist in Berlin - vor allem für ARD, Dlf, taz.
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PODCAST

Langfassungen meiner Interviews im Abonnement.

  • “Zeit Online”-Geschäftsführer und ProSiebenSat1-Boss zur “Super-Mediathek”

    Wenn Ulrich Wilhelm für seine Amtszeit als ARD-Vorsitzender ein Thema auf seine Agenda gesetzt hat, dann ist es die Idee, mit einer Art “Super-Mediathek” aus öffentlich-rechtlichen, aber auch privaten Inhalten etwas gegen die Übermacht aus dem Silicon Valley zu tun (Interview mit ihm u.a. dazu für ZAPP hier). Zuletzt hatte sich dazu etwa “Spiegel”-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer wohl gesonnen geäußert. Zwei neue Stimmen zum Spiel.

    ProSiebenSat.1-Chef Conrad Albert gab sich im “Handelsblatt” euphorisch:

    “Ulrich Wilhelm ist ein echter Vordenker. Ich begrüße die Idee. Wir brauchen deutsche und europäische Alternativen zu Netflix, Amazon Prime oder Youtube. Wir müssen mehr gemeinsam Hand in Hand machen, gerade auf der Inhaltsebene. Hier liegt unsere Kraft. Wir bei Pro Sieben Sat 1 wollen daher noch stärker lokale und Live-Inhalte ausbauen – auch als Gegenpol zu der amerikanischen Massenware.”

    “Zeit Online”-Geschäftsführer Rainer Esser, für dessen Portal ich ürigens erst neulich die Debatte zusammengefasst habe, sagte auf dem Europäischen Zeitungskongress in Wien:

    “Auf jeden Fall, das ist doch wunderbar! Nur die Idee eines ‘Gegen-Facebook’? Den Begriff finde ich – mit Verlaub – ein bisschen gaga. Wenn sich Qualitätsmedien zusammenschließen, um auf ihrer Plattform mehr Traffic, mehr Action, mehr Freude zu erzeugen – allemal! Aber wir sollten schauen: Was macht Facebook denn erfolgreich? Das ist die Zentrierung auf den Nutzer. Das schaffen die halt zehn Mal besser als die meisten Medien, als Fernsehen, als Onlineportale. Die Zentrierung auf den Nutzer und das Engagement der Nutzer, dass halt jeder – ich weiß nicht – eine halbe Stunde oder eine Stunde auf diesem Medium ist. Dass das einem Konsum von möglicherweise ‘Zeit Online’ oder Puls-Formaten abgängig ist, das ist halt so. Dann sind die halt besser als wir. Wir sollten lernen. Wir sollten uns anschauen, was machen die so gu[t].”

  • Schutz durch Kooperation

    Immer mehr Journalisten, die über die Mafia berichten, arbeiten grenzüberschreitend – genau wie die Mafia. Doch im Kampf gegen die Presse hat diese die Justiz für sich entdeckt.

    für NDR Fernsehen

    Manuskript des Beitrags
    Perugia, die Hauptstadt Umbriens, nördlich von Rom. 170.000 Einwohner. Auch hier investiert: die Mafia. Geräuschlos kauft sie Land und Immobilien. Legt ihr schmutzig verdientes Geld an. Mischt sich unter die Gesellschaft.
    Claudio Cordova recherchiert im Süden Italiens, lebt und arbeitet also, wo die ’Ndrangheta zu Hause ist, mit Drogen ihr Geschäft macht.
    In Perugia tauscht er sich dazu mit Kollegen aus – auf einem Journalisten-Kongress.
    „Die ‘Ndrangheta ist die stärkste und reichste kriminelle Organisation. Und sie ist sehr, sehr gefährlich.“
    Cordova hat das Portal „Il Dispaccio“ gegründet – „Die Depesche“. Dort berichtet er regelmäßig über die Mafia – etwa über ihre Autobomben-Attentate. Wenn die Mafia will, räumt sie ihre Gegner immer noch so aus dem Weg.
    „Ich passe auf der Straße auf. In Bars, in Restaurants ist es gut möglich, einem ‘Ndranghetisti zu begegnen. Einem von der Mafia.“
    Auch Cecilia Anesi aus Italien und David Schraven aus Deutschland recherchieren zur Mafia – aller Gefahren zum Trotz. Und arbeiten grenzüberschreitend – genau wie die Mafia.
    „Wir müssen mehr über die länderübergreifenden Aktivitäten der Mafia berichten, denn die Mafia respektiert keine staatlichen Grenzen. Wir arbeiten am großen Bild.“
    „Wir haben halt große Mafia-Bosse vom Farao-Clan, die in Deutschland operieren, die Schutzgelderpresserringe aufgebaut haben, die Gewinne aus illegalen Geschäften investiert haben in großem Umfang. Wir reden hier von hohen, hohen Millionen-Summen.“
    Eine Sonderausgabe des RTL-„Nachtjournals“. Cecilia Anesi und ihre Kollegen aus Deutschland recherchieren gemeinsam die Verflechtungen der organisierten Kriminalität.
    „Die Mafia Kalabriens macht weltweit geschätzt 53 Milliarden Euro Umsatz – mit Drogenschmuggel, Waffenhandel und illegaler Müllentsorgung. In 30 Ländern sind gut 60.000 Menschen für sie aktiv.“
    Recherchen, die den Mafia-Clans nicht gefallen dürften. Die Vernetzung aber stärkt die unbequemen Journalisten.
    „Von der deutschen Seite war das super spannend, weil Du konntest halt mit den Informationen, die wir aus Italien gekriegt haben, in Deutschland weiter recherchieren. Als lokaler Journalist hast Du keine Chance, die Geschichte zu machen.“
    Bei der Vernetzung geht es aber nicht nur um die inhaltliche Arbeit:
    „Ich denke die Zusammenarbeit gibt uns auch Sicherheit. Es hilft nicht, einen Einzelnen loszuwerden. Wir sind immer mindestens zu fünft. Und wenn Du diese los wirst, kommen weitere 200 nach, die ihren Job übernehmen. So bringt es nicht besonders viel, Journalisten zu bedrohen.“
    Vernetzung auch über IRPI – das investigative Reporter-Projekt in Italien. Gemeinsam berichten die Journalisten über Die Globalisierung der Camorra – und gehen auch mit ihren Recherchen global.
    Das Problem in Italien: Viele Rechercheure sind Freiberufler. Auch Lorenzo Bagnoli. IRPI aber hilft ihm raus aus dem Einzelkämpferdasein.
    “Das ist der einzige Weg, um ein internationales Publikum zu bekommen. Wenn ich immer nur Lorenzo Bagnoli geblieben wäre – es wäre unmöglich gewesen, so viele Zeitungen und Medien zu bespielen.“
    Gemeinsam sind die Rechercheure außerdem deutlich wehrhafter, auch vor Gericht. Denn in ihrem Kampf gegen die Presse hat die Mafia auch die Justiz als Instrument für sich entdeckt.
    “In Italien klagen sie einfach viel – und ohne Grenzen. Sie fordern Schadenersatz in Millionenhöhe. Sie ziehen dafür auch vors Strafgericht – weil sie wissen, dass sie dir so Ärger bereiten.“
    „Wir haben selber bei uns Kollegen gehabt – Ceci auch –, die halt so angegangen worden sind. Und auf einmal stehst Du da und hast eine Drohung über Dir von 20, 30, 40, 50 tausend Euro, wo Du keine Ahnung hast, wie Du das bezahlen sollst. Und das ist der eigentliche Angriffspunkt. Den hat die Mafia herausgefunden. Den haben die Mafiosi herausgefunden. Und die setzen die länderübergreifend ein.“

    Mafia-Berichterstatter müssen also gar nicht mehr so sehr um ihr Leben fürchten. Inzwischen versucht es die Mafia mit geräuschloseren Mitteln, wenn es darum geht, Journalisten zum Schweigen zu bringen.
    >> Beitrag in der NDR-Mediathek

  • Konfrontation oder Kooperation?

    Kampf um die Sportrechte

    für Deutschlandfunk

    Manuskript des Beitrags
    Zwei Monate sind sie nun schon her, die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Es waren die ersten Spiele der Geschichte überhaupt, die ARD und ZDF nicht komplett zeigen konnten. Der US-Konzern Discovery hatte vom Internationalen Olympischen Komitee die Fernsehrechte für Europa erworben und damit vor allem für: Eurosport. Am Ende gab Discovery ARD und ZDF dann aber eine Sublizenz.

    In Leipzig sitzt Discovery-Managerin Susanne Aigner-Drews auf den Medientagen Mitteldeutschland in einer Gesprächsrunde. Sie zieht Bilanz. Natürlich sei sie hoch zufrieden mit dem journalistischen Programm von Eurosport. Aber: “Also Quotenmäßig muss ich sagen: Da sind ARD und ZDF einfach eine Macht. Das ist ganz klar. Aber unser Ansinnen, unser Ziel ist es natürlich schon, ein bisschen die Gewohnheiten zu ändern.”

    Olympische Spiele sowohl bei öffentlich-rechtlichen als auch bei privaten Kanälen, teils sogar im Pay-TV. Von einigen wenigen Disziplinen abgesehen, hatte das Publikum die Wahl. Das wird auch bei den Sommerspielen in Tokio so sein. Für Discovery, das zunächst auf Exklusivität aus war, sie sich aber am Ende offensichtlich doch nicht leisten wollte, ist dieses parallele TV-Angebot eine schwierige Situation.

    “Das sind top Produkte, die abgeliefert werden für den Zuschauer. Zweifelsohne”, sagt die Geschäftsführerin der deutschen Discovery-Sender. Und kündigt an: “Dass wir da lauter werden müssen und mehr Präsenz zeigen, dem Zuschauer klarer machen, dass Eurosport Olympische Spiele vollumfänglich überträgt, das ist mit Sicherheit Hausaufgabe für die nächsten zwei Jahre.”

    Discovery hat auch bei der Fußball-Bundesliga zugeschlagen. Denn auch sie gibt es nicht mehr nur bei einem Kanal. Der Bezahlsender Sky hat nun mit Eurosport eine Konkurrenz. Immerhin: Hier läuft eine Begegnung nur auf dem einen oder anderen Kanal. Für Neuling Discovery die Chance, sich zu profilieren und zu jubilieren:

    “Wir haben es im Laufe der Saison geschafft, mit unserer Fußballberichterstattung – auch dank der Experten, die wir haben, Matthias Sammer, der sich ein extrem scharfes Profil erarbeitet hat – uns wirklich einen Namen zu machen und als eigenständiges Produkt dazustehen.”

    Die Programmmanager gewöhnen sich langsam aber sicher daran: Exklusivität bei einzelnen Wettkämpfen ja – über eine ganze Sportart aber immer seltener. Für Axel Balkausky, den Sportkoordinator der ARD, ist Kooperation längst Pflichtprogramm.

    “Wir haben es ja auch erlebt, dass inzwischen die Länderspiele zwischen ARD, ZDF und RTL geteilt werden. Wir haben jetzt Fußball-Rechte an der WM an Sky, U-HD-Rechte, sublizensiert. Das hat ja auch damit zu tun, dass unsere finanziellen Möglichkeiten oftmals beschränkt sind.”

    Die Beitragskommission KEF, die über die Ausgaben der öffentlich-rechtlichen Sender wacht, hat den Sportetat von ARD und ZDF gedeckelt, während die Preistreiberei am Sportrechtemarkt weiter geht.

    “Für uns ist die Möglichkeit von dem Kuchen etwas abzubekommen, wenn es sich eben marktwirtschaftlich entwickelt, sich die Rechte zu teilen”, sagt ARD-Sportkoordinator Balkausky. Sportarten verteilen sich so zunehmend auf mehreren Plattformen. Liveübertragungen hinter Bezahlschranken, aber gleichzeitig auch Berichterstattung etwa in der “Sportschau” vor Massenpublikum.

    “Ich glaube – dieselbe Entwicklung hat man auch bei vielen Ballsportarten oder bei Eishockey, das heißt, die Fläche wirklich über Streaming-Dienste über Telekom, über Eurosport-Player und so weiter auszuspielen, aber die Zuspitzung, die vielen Menschen zu erreichen, das ist das, was wir immer noch sehr, sehr gut können. Und deshalb ist ja auch so etwas wie mit Sky zustande gekommen, dass wir gemeinsam die Handball-Bundesliga erworben haben, um einfach eben beides abzudecken, die Fläche und auch die Spitze.”

    Dass das nicht immer klappt, zeigt das Debakel um die Übertragungsrechte der Handball-Weltmeisterschaft vor gut einem Jahr: Kein deutscher Sender hat sich mit den aggressiven Rechtevermarktern, einer Agentur aus Katar, einigen können.

    “Das muss man sich mal vorstellen. Der Europameister geht zur Weltmeisterschaft und wird im eigenen Land nicht gesehen. Das ist natürlich hart”, erinnert sich Andreas Michelmann, der Präsident des Deutschen Handballbundes.

    Er fordert, zumindest Endspiele in die sogenannte Schutzliste aufzunehmen – sie wären dann Pflichtprogramm im frei empfangbaren Fernsehen. Die Länder, die für die Medien zuständig sind, haben sich dazu aber zuletzt nicht durchringen können. So bleibt das Risiko für die nächste WM.

    “Die Rechte sind vergeben von dem Weltverband an eine Agentur, aber die Agentur hat die Gespräche noch nicht aufgenommen. Sie machen im Augenblick Hallenbesichtigungen und ähnliches, aber mit uns ist offiziell noch nicht gesprochen worden und glaube ich, auch nicht mit keinem anderen”, so ARD-Sportkoordinator Balkausky.

    Ist das die katarische Agentur? “Nein, nein, nein, nein!” Dann besteht ja noch Hoffnung. “Die sind es nicht geworden und von daher glaube ich, dass ein großes Interesse besteht, das im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. Und ob wir das dann werden oder jemand anderes, das werden wir sehen.”

    >> Download MP3 (Quelle: DLF-Sport)

  • Öffentlich-rechtliche Eigenreklame

    Die Kritik an den Rundfunkbeiträgen wird auch in Deutschland lauter. In diesen Zeiten will die ARD nun für sich selbst werben.

    für taz

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  • Deutschland sucht die Supermediathek

    Die ARD-Chefs sind begeistert von der Idee einer Mediathek aus öffentlich-rechtlichen und privaten Angeboten – als Alternative zu US-Plattformen. Kann das funktionieren?

    für ZEIT ONLINE

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  • Klaus Brinkbäumer, Ranga Yogeshwar, Markus Beckedahl zur “Super-Mediathek”

    In der “Presseclub”-Ausgabe vom 8. April 2018 fragte Moderatorin Sonia Mikich “Spiegel”-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, ARD-Journalisten Ranga Yogeshwar und netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl, was sie von der Idee des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm halten, eine “Super-Mediathek” als Gegenentwurf zu US-Plattformen zu gründen:

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  • Anschlag? Amoktat? Todesfahrt?

    Früh sprachen JournalistInnen am Samstag von einem „Anschlag in Münster“. Redaktionen korrigierten sich, die ARD sagte einen “Brennpunkt” ab.

    für taz

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  • Programm, Online, Kosten

    Neue Regeln für ARD/ZDF

    für NDR Fernsehen

    >> Beitrag in der NDR-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

  • Gemeinsame Plattform von ARD und Verlagen

    Es gibt kaum deutsche Alternativen zu sozialen Netzwerken und anderen Angeboten von Facebook und Google. Der BR-Intendant hat nun die Idee einer gemeinsamen Plattform mit Inhalten von Öffentlich-Rechtlichen und Verlagen eingebracht – eine Art “Super-Mediathek”.

    für Deutschlandfunk

    Manuskript des Beitrags
    “Folgen Sie uns doch auf Facebook oder Twitter” – auch Sendungen auf öffentlich-rechtlichen Kanälen werben so um ihre Fans. Sie wollen mit ihrem Publikum in Kontakt bleiben und ihnen neue Inhalte schmackhaft machen – dafür sind soziale Netzwerke schließlich da. Allein: Redaktionen diskutieren zunehmend, ob das so klug ist, US-Plattformen eigene Inhalte zuzuschieben und so die Attraktivität der Portale zu erhöhen, die um die Inhalte herum Werbung platzieren und damit Milliarden machen.

    Die Emanzipation von Googles Videoplattform Youtube, vor allem aber auch von Facebook – für den gegenwärtigen ARD-Vorsitzenden, den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm, könnte sie das Projekt seiner Amtszeit sein: eine Art Super-Mediathek, auf der öffentlich-rechtliche, aber auch viele andere Inhalte Platz finden. Die Daten blieben unter eigener Kontrolle und nicht zuletzt auch: die Spielregeln.

    “Sie lesen selber: Jede Änderung des Algorithmus, die ja nie besprochen wird, nie vorangekündigt wird, nie transparent gemacht wird führt dazu, dass man sofort im Wettbewerb entsprechende Folgen zu tragen hat. Und es wäre sozusagen ein ganz großer Wurf, den Europa leisten könnte, zu dem wir als Teilnehmer natürlich nur einen ganz kleinen Beitrag leisten könnten”, erklärte Wilhelm Journalisten bereits – weitgehend unbeachtet – zu seinem Amtsantritt im Januar. Inzwischen haben mehrere Intendanten ihre Sympathien bekundet, etwa Patricia Schlesinger vom RBB und Tom Buhrow vom WDR. Wilhelm gibt sich bescheiden. Tatsächlich aber ist er der Treiber dieser Idee.

    “Es ist eine Idee, die darauf angelegt ist, mit den Verlagen auszuloten, ob es da Gemeinsamkeiten gibt. Also ich würde nicht sagen, so muss es sein – lieber Mathias Döpfner –, sondern die Frage wäre eher an ihn und viele andere: Könnte das ein Feld sein, über das wir gemeinsam nachdenken sollten?”

    Mathias Döpfner – Präsident des Zeitungsverlegerverbandes BDZV und Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlages – kritisiert sonst die Öffentlich-Rechtlichen für ihre Onlineaktivitäten. Auf der Jahrespressekonferenz seines Konzerns ließ er aber erkennen, dass er einer gemeinsamen Sache gegen US-Plattformen wohlwollend gegenübersteht.

    “Dieser Vorschlag ist interessant und diesem Vorschlag wohnt auch eine absolut richtige Idee inne”, sagt Döpfner. Er – das heißt: Axel Springer, aber auch der BDZV – wollen das prüfen. Allerdings mahnt der Chef-Verleger auch:

    “Natürlich muss man immer sehr darauf achten, dass nicht ein Kooperationsangebot auch eine Umarmung wird, die das Gegenüber erdrückt und ihm die Luft abschnürt. Also das schauen wir uns sehr genau an und auch, glaube ich, ist hier sehr darauf zu achten, dass privater Sektor und öffentlicher Sektor getrennt bleiben.”

    Die Hürden für eine Super-Mediathek aus Videos und Texten wären hoch, das lehrt auch die Erfahrung: ARD und ZDF wollten vor einigen Jahren “Germany‘s Gold” starten, eine gemeinsame Plattform für ihre Inhalte, aber auch für Filme von Dritten. Allerdings hatte das Bundeskartellamt etwas dagegen.

    Und dann wäre eine solche Plattform auch technisch eine große Herausforderung. Facebook und Youtube haben immerhin die Such- und Vorschlagsalgorithmen ihrer Angebote über Jahre perfektioniert und auch das Tempo, also wie schnell Trefferlisten und die eigentlichen Inhalte erscheinen. Auch bei einer möglichen Personalisierung macht den US-Giganten so schnell niemand etwas vor.

    Fraglich wäre zudem, wie Verlage etwa für ihre Inhalte Geld verlangen könnten. Google und Facebook arbeiten dazu derzeit an eigenen Modellen.

    “Da ist ja wirklich von der Informatik und der mathematischen Seite her sehr, sehr viel an Denkarbeit zu leisten. Sie haben natürlich dafür auch einen beachtlichen Aufwand des Gesetzgebers zu bedenken”, sagt der ARD-Vorsitzende. Beim Bayerischen Rundfunk hat Wilhelm in den vergangenen Jahren passenderweise eine eigene Softwareschmiede aufgebaut. Sie hat zuletzt die ARD-Audiothek entwickelt, die viel Lob erfährt. Diese Einheit könnte helfen – und die Länder per Gesetzesänderung eine Super-Mediathek erlauben.

    “Die Initiative soll ja einfach ein Nachdenken in die Richtung ermöglichen. Am Ende kommt es darauf an, ob alle die, die da als Akteure zu gewinnen wären, sagen, das könnte hilfreich sein.”

    Der anhaltende Skandal um den Datenabfluss bei Facebook – er wird das Bedürfnis nach einer Emanzipation von den US-Plattformen gewiss noch einmal verstärken.

    >> Download MP3 (Quelle: DLF-“Mediasres”)

  • Kein Sockenwechsel

    Tom Buhrow bleibt weitere sechs Jahre Chef des WDR. Er will die BeitragszahlerInnen davon überzeugen, dass die ARD doch Reformen kann

    für taz

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