Olympische Dauerbeschallung

TV-Rechte an Discovery/Eurosport

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
Was während der Spiele Sportfans kollektiv vor die Fernseher zieht und das Internationale Olympische Komitee in kraftvollen Werbefilmen zusammenstellt – es verschwand bisher zwischen den Wettkämpfen meist im Archiv. Das aber wird sich sehr bald ändern: Das IOC setzt gerade seine neue Medienstrategie für das digitale Zeitalter um. Dabei bleibt nichts, wie es war. Der wesentliche Schritt dafür sind neue Partner, die ganz im Sinne des IOC agieren wollen. Für Europa steht der inzwischen fest: Discovery, die Mutter von Eurosport. Für Thomas Horky, der in Hamburg Sportjournalisten ausbildet, keine Überraschung:

„Das Paket insgesamt war sicherlich für das IOC von Discovery Communications interessanter, weil es einen kompletten Kanal auf einer sehr großen Plattform über mehrere Ebenen verspricht und dazu eben einen Olympia-Kanal, das, was ARD und ZDF so sicherlich nicht leisten können und wahrscheinlich auch nicht wollen.“

Selbst wenn öffentlich-rechtliche Sender wie BBC, ARD und ZDF das wollten: Sie dürften nicht, denn das Medienrecht zwingt sie, Videos von Sportereignissen nach wenigen Tagen wieder zu löschen. Zeitgemäß ist das nicht – das IOC hat das erkannt.

Im Digitalen ist Eurosport seit Jahren stark. Technischer Partner hier: der Internetkonzern Yahoo. Yahoo fährt derzeit eine Video-Offensive. Yahoo, Eurosport und das IOC – das passt.

Wie aber können sich die Olympia-Rechte für Discovery lohnen, die den Konzern immerhin 1,3 Milliarden Euro kosten. Klar ist: Discovery darf und will in einigen Ländern Sublizenzen verkaufen. ARD und ZDF sind also noch nicht endgültig raus. Auch IOC-Präsident Thomas Bach sagte, im deutschen TV-Markt sei „weitaus mehr Platz“ als 200 Stunden Olympia-Programm, die Discovery live im Free-TV bieten müsse.

Discovery-Chef David Zaslav plant allerdings, das Geschäft vor allem selbst zu machen. Im Gespräch mit dem Wirtschaftskanal Bloomberg deutet er an: Für einige Olympia-Inhalte werden Sportfans von 2018 an auch direkt zahlen müssen.

„Einige Olympia-Inhalte müssen wir frei ausstrahlen – das werden wir auch tun. Wir werden Nutzern olympische Inhalte auch direkt anbieten – auf allen Plattformen. Denken Sie daran: Wir sind der weltweit führende Pay-TV-Anbieter – und in Europa stark.“

Mit Bezahlfernsehen kennt sich Discovery aus – auch hierzulande. Den Hauptkanal können Zuschauer zwar kostenfrei sehen – werbefinanziert. Anders Eurosport 2: Das Schwesterprogramm kostet Geld, auch im Netz. Discovery ist auf eine Mischwelt aus frei empfangbaren und kostenpflichtigen Angeboten vorbereitet, das IOC für dieses Modell zu haben.

Olympia ist Kommerz, das merken bald also auch die Zuschauer und Nutzer im Netz. Und auch inhaltlich werde sich die olympische Dauerbeschallung von allem bisherigen unterscheiden, ist Sportjournalisten-Ausbilder Horky überzeugt, denn das IOC wolle hier schließlich selbst Inhalte platzieren.

„Natürlich ist für den Rezipienten der Nachteil, dass er eben dann wahrscheinlich nur dieses Senderecht bekommt und nicht mehr das, was ARD und ZDF zusätzlich liefern – also ich denke nur an das gesamte Korrespondenten-Netzwerk, was öffentlich-rechtliche haben, an die Vielfalt der Berichterstattung, die empirisch gesättigt wesentlich größer ist bei ARD und ZDF als bei Eurosport.“

Für den Fall, dass sie am Ende gänzlich leer ausgehen sollten, haben ARD und ZDF angekündigt zu prüfen, ob sie kleinere Sportveranstaltungen noch übertragen wollen. Sportverbände fürchten den Verlust der großen Reichweite.

Dass Olympischen Spiele künftig nicht mehr bei ARD und ZDF zu sehen sein könnten – für Thomas Horky ist das allerdings nicht gleich ein Horrorszenario. Die öffentlich-rechtlichen Sender könnten sich Olympia doch einfach weiter widmen. Horky sieht in einem Rechte-Aus auch eine Chance.

„Das heißt also, weg vom reinen Abspielkanal für das, was ein IOC einem als Fernsehsignal zur Verfügung stellt, hin zu einem wesentlich distanzierteren, kritischen, hintergründigen Journalismus.“

Distanz und Kritik – das ist auf einem Kanal, wie ihn das IOC nun gemeinsam mit seinem neuen Partner Discovery hochziehen will, nicht im Übermaß zu erwarten. Hier wird im Zweifel das Produkt „Olympia“ gefeiert – den mit Abstand größten Event.

>> Download MP3 (Quelle: DLF-“Sport am Wochenende”)

Die Marktschreier

Wie Redaktionen Recherchen verkaufen

für B5aktuell

Manuskript des Beitrags
„Wir sind hier im Haus 18 beim NDR in Lokstedt und hier sitzt das Ressort ‚Investigation’. Wir sind ‘ne kleine, aber feine Truppe…“

Und Julia Stein gehört selbst zu dieser Redaktion, die gerade wieder Schlagzeilen macht, zusammen mit dem WDR und der „Süddeutschen Zeitung“ als Teil eines weltweiten Recherchercheverbunds. „Swissleaks“: der größte Daten-Bankraub der Geschichte. Um Themen wie diese möglichst schnell an ein zugleich möglichst breites Publikum zu bringen, arbeiten hier bewusst Fernseh-, Radio- und Online-Journalisten in einer Redaktion. Vor allem sitzen sie ganz in der Nähe besonders gefragter Kollegen, von ARD-aktuell und vor allem von der „Tagesschau“.

„Es ist kein Zufall, es ist Absicht. Wenn wir eine Etage tiefer gehen würden, sind wir schon bei ‚Tagesthemen’, bei ‚Nachtmagazin’, noch eine Etage tiefer sind wir bei der Planung von ARD-aktuell. Und die kurzen Wege, die Kollegen direkt zu treffen, das hat sich schon vielfach als Vorteil erwiesen.“

Auch wenn diese Nähe mitnichten ein Selbstläufer ist, wie Julia Stein berichtet: die „Tagesschau“ schafft für Recherchen wie „Swissleaks“ immer wieder Reichweite und die ist bei Journalisten begehrt. Noch sehr viel aktiver sind die Kollegen von der BBC. Die britische Rundfunkanstalt, die Sender in aller Welt betreibt, hat ihr System perfektioniert.

Ausschnitt „Panorama“

BBC-Journalisten finden heraus: Bei den Sprachtests, die Einwanderer für ein Visum bestehen müssen, wird großflächig betrogen. Eine Industrie der Schummelei – das ist ein Thema, nicht nur für eine Dokumentation. In London nimmt sich deshalb eine spezielle Einrichtung der Sache an: eine Redaktion namens „Impact“. Sie sorgt dafür, dass die BBC einzelne Recherchen auf so vielen Plattformen wie möglich erzählt.

„The role auf the BBC-‚Impact’-Team is to make sure that our best regional journalism reaches as many audience as possible. That could be on…“

In der hauseigenen Akademie der BBC erzählt „Impact“-Chef Mark Perrow wie er das macht – etwa, indem er die Geschichten auch gezielt in anderen Sprachen erzählt, die Geschichten weiter dreht, in diesem Fall für den eigenen Kanal für Indien.

Ausschnitt BBC India

„Das war eine gewichtige Recherche. Sie sollte so viele Menschen wie möglich erreichen. Es geht doch darum, unser Geld so klug wie möglich einzusetzen.“

Die Gefahr dabei: Redaktionen machen Geschichten größer als sie sind. Tatsächlich ist der Druck in den Medienhäusern mitunter gewaltig: Jeder muss beweisen, dass er sein Geld wert ist und Zeitungen wie Magazine müssen sich im wahrsten Wortsinne verkaufen – so auch die „Welt“ aus Berlin. Exklusives stellt sie bewusst zur Schau.

„Die ‚Welt’-Gruppe betreibt das sehr systematisch, weil wir das natürlich versuchen, bei jeder Geschichte, wo wir sehen, die ist Exklusiv oder wir sind die ersten mit dieser Meldung, wollen wir natürlich logischerweise Marketing betreiben für unsere Produkte,“

erklärt Beat Balzli, der stellvertretende Chefredakteur. Er will, dass die Geschichten seiner Journalisten die Runde machen, in der „Tagesschau“, aber vor allem bei den Nachrichtenagenturen, die Medien oft wörtlich übernehmen. Wer das konsequent schafft, der darf auf eine Belohnung hoffen: eine Bonuszahlung für Journalisten.

„Das wird sicher angesprochen in den Zielvereinbarungen, das ist ganz klar. Also die Zitierungsquote ist ein Teil der Ziele, das ist klar.“

Das mit der Präsenz ist für die „Welt“ aber auch etwas einfacher geworden: Axel Springer hat N24 gekauft. Der Nachrichtensender bildet mit den Journalisten der Zeitung eine gemeinsame Redaktion. Seitdem hat Exklusives auch hier Konjunktur.

>> Download MP3 (Quelle: B5-“Medienmagazin”)

Der gläserne Zuschauer?

Smart-TV und Datenschutz

für WDR5

Manuskript des Beitrags
Wenn es um Technik geht, dann nimmt es Sebastian Mondial genau. Mondial ist ein sogenannter Datenjournalist. Er interessiert sich dafür, welche Informationen Geräte ins Internet senden und wie leicht sie sich abfangen lassen. Dabei beschäftigt sich der Berliner inzwischen auch mit Fernsehern: mit modernen Geräten, den Smart-TV.

„Smart-TVs sollen ja dem Begriff nach intelligent sein. Die Intelligenz kommt aber hauptsächlich aus dem Netz. Das heißt, sie sind dauernd verbunden, laden die Informationen nach, von Fernsehsendern, von Fernsehherstellern und sie übermitteln auch Daten zurück.“

Fernseher sind heute keine Empfangsboxen mehr, sondern interaktive Maschinen. Ihr Innenleben unterscheidet sich nicht mehr von Computern. Sie sind selbst welche. Den Unterschied macht die Bedienungsoberfläche. Mondial mahnt: Die Software sei nicht nur einfach, sondern oft: viel zu einfach, vor allem beim Datenschutz.

„Bei einem herkömmlichen PC, selbst bei Smartphones oder Tablets, gibt es die Möglichkeit, die Geräte zurückzusetzen, die Cookies zu löschen, Einschränkungen zu geben, was die Datenspuren betrifft. Bei Smart-TVs ist das überwiegend nicht der Fall. Und zusätzlich schwer gemacht wird das durch die Aktivierung der Geräte, bei denen man normalerweise dann die Zustimmung gibt in den ‚Terms of Service’, dass alles mit den eigenen Daten gemacht werden kann.“

Ganz oder gar nicht – das ist bei vielen der vermeintlich smarten Geräte das Prinzip: Interaktivität ein oder aus. Mondial wünscht sich hingegen wie bei Internet-Browsern auf PCs auch hier viele kleine Optionen. Der mündige Zuschauer solle entscheiden können, welche Anwendungen funken dürften und welche eben nicht – je nachdem, welcher er vertraue. Dann könnte sich der Zuschauer etwa gezielt gegen die Smart-TV-Plattform eines Geräteherstellers entscheiden, der darauf auch Produkte verkaufen will, anderes aber gleichzeitig zulassen – vielleicht den Standard HbbTV, der das lineare Fernsehprogramm mit dem Internet verkuppelt. Auch für diese Funktion, die über die rote Taste auf der Fernbedienung erreichbar ist, kommuniziert der Fernseher, etwa mit dem ARD-Playout-Center in Potsdam. Leiter: Uwe Welz.

„Sender aufrufen, umschalten, es wird der ‚Red Button’ geladen. In dem Moment beginnt die Kommunikation. Wer bist Du? Was bin ich? Was willst Du? Aha, Du kriegst also jetzt das Paket für die Startleiste. Aha, ist geladen – fertig.“

Der Anschluss an den multimedialen Videotext, den Programmführer, die Mediathek und Zusatzinhalte für den Sonntagskrimi – damit der Zuschauer all das auf Knopfdruck bekommt, funken die Fernseher im Hintergrund die Sender an, auch, damit die Anbieter wissen, in welchen Situationen welche Module gefragt sind. Die Sender wollen damit ihr Angebot optimieren. Ihr Versprechen: Anonymität.

„Wir betreiben eine Messung des Nutzungsverhaltens und keine Messung des Zuschauerverhaltens. Das heißt, hier wird wie im Online-Bereich eben gemessen, wie oft ein Dienst aufgerufen wird. Die Programmmacher bekommen diese Daten nicht.“

Der Zuschauer hat außerdem die Möglichkeit, sowohl die Statistik als auch das Setzen von Cookies zu unterbinden. Das sind kleine Datenpakete, die direkt auf den Geräten abgelegt werden und die die Angebote der Sender etwa daran erinnern, dass der Zuschauer die Schriftgröße angepasst hat. Wer das nicht will, kann ein entsprechendes Häkchen setzen. Datenschützer sprechen von einem „Opt-out“. Deutsche Sender haben den inzwischen flächendeckend in ihre Angebote integriert.

„Der absolut gläserne Zuschauer wäre ja, wenn die Fernsehsender wüssten, welche Person gerade vor den Fernsehern sitzen und was sie sich genau wie lange ansehen. Das ist Gott sei Dank nicht möglich,“

sagt dann auch Datenjournalist Mondial. Und trotzdem: Beim Datenschutz könnte für seinen Geschmack noch nachgelegt werden, etwa eine Verschlüsselung. Die fehlt bislang auch bei der Übermittlung der Daten über den Interaktiv-Dienst HbbTV.

„Das heißt: Alle, die diese Information durchleiten, kriegen diese Informationen auch mit. Wann sozusagen jemand zu Hause ist, beziehungsweise dass er überhaupt so einen Fernseher nutzt. Das kriegen auch die Provider mit. Das kriegen auch die Dienste mit. Und da ist sozusagen gar kein Schutz gegen den Missbrauch dieser Daten irgendwie möglich.“

Das wiederum haben auch Sender und Hersteller im Blick. Über die Deutsche TV-Plattform, in der sich viele von ihnen zusammengeschlossen haben, fordern sie für die Weiterentwicklung des Standards mehr Sicherheit. Und die soll mit HbbTV 2.0 tatsächlich bald kommen. Dann werden auch smarte Fernseher noch dazu lernen.

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”)