Nur eine Frau, nur weiße Gesichter

Eine Frau steht an der Spitze: Christine Strobl wird Programmdirektorin von “Das Erste”. Auch andere Spitzenpositionen haben die Intendanten neu besetzt. Auf WDR5 habe ich über (mangelnde) Diversität gesprochen.

für WDR5

Dieser Beitrag wird hier lediglich als Arbeitsprobe präsentiert. Rechte etwa für Vervielfältigungen liegen beim WDR.

Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”

Zu große CDU-Nähe?

Als Programmdirektorin fürs Erste und die ARD-Mediathek hat Christine Strobl bald viel zu sagen. Doch das CDU-Mitglied begleiten Zweifel hinsichtlich ihrer politischen Unabhängigkeit. Dazu eine Analyse für ZAPP.

für NDR Fernsehen

Christine Strobl ist konsequent aufgestiegen: Die 49-jährige Juristin verantwortete beim Südwestrundfunk (SWR) die Kinder- und Jugendsendungen, später die Fernsehfilme.

Als die ARD vor zwei Jahren mit dem Film “Aufbruch ins Ungewisse” das Publikum mit der Fiktion zum Nachdenken brachte, weiße Menschen aus Europa müssten nach Afrika flüchten, schimpften AfD-Politiker “Staatsfunk” – und verwiesen auf das familiäre Umfeld Strobls.

Acht Jahre an der Spitze der Degeto

Vor acht Jahren hatte Strobl die Degeto übernommen, eine Tochter der ARD für Filme und Serien mit einem Jahresbudget im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich. Grund genug für die “Bild“-Schlagzeile: “Schäubles Tochter füllt unser TV-Programm”.

Auch in den vergangenen Tagen, als ihr Aufstieg in der ARD die Runde machte, wurde in den sozialen Netzwerken immer wieder auf Strobls Familie hingewiesen: auf den Vater, Bundestagpräsident Schäuble (CDU), und ihren Ehemann, Thomas Strobl (CDU), den Innenminister von Baden-Württemberg. Der “Spiegel” stellt aktuell fest, Strobl gelte als “bestens vernetzt, sowohl im öffentlich-rechtlichen Rundfunk als auch in der Politik”.

In der CDU – aber nie im Amt

Tatsächlich bezeichnet sie sich auch selbst als politischen Menschen, zuletzt im Interview mit ihrem Heimatsender SWR1. Dort sprach der Moderator die Medienmanagerin darauf an, sie sei “früh” in die CDU eingetreten. “Ich beobachte Politik gerne. Ich habe auch wahnsinnig viele Gedanken dazu”, sagte Strobl. Aber: “Ich will [die Politik] nicht selber gestalten.”

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Ob das alle Zweifler überzeugen kann? Strobl wird von Mai an immerhin nicht mehr nur für eine Filmfirma zuständig sein, sondern für das gesamte Programm des Ersten und für die immer wichtigere ARD-Mediathek. Nach der jüngsten ARD-Sitzung erklärte auch der Vorsitzende Tom Buhrow, die Programmdirektorin sei äußerst mächtig. Sie sei nun für alle Genres zuständig.

Strobls bisherige Laufbahn zeigt: Um journalistische Formate hat sie bislang einen großen Bogen gemacht. Statt sich mit Nachrichtensendungen, Magazinen oder Dokumentationen zu beschäftigen, setzte sie im SWR etwa den “Tigerenten-Club” neu auf. Bei der Degeto, die vor ihrem Antritt in Skandalen versunken war, räumte sie auf – im besten Sinne. Mit “Babylon Berlin” organisierte sie der ARD einen großen Erfolg, im klassischen Programm, aber auch im Netz.

Kandidatur für SWR-Sitze abgelehnt

Für die ARD ist Strobl eine große Hoffnungsträgerin. Ihre bisherigen Projekte rechnen ihr die Intendantinnen und Intendanten der neun Landesrundfunkanstalten hoch an. Buhrow sprach von einer “extrem hohen fachlichen Kompetenz” und lobte Strobl dafür, dass sie “in Zeiten sich verändernden Sehgewohnheiten ein relevantes und attraktives Programm für Jung und Alt, für viele Menschen machen kann”.

Strobl weiß allerdings auch selbst um das Konfliktpotenzial, das eine erkennbare Nähe zur CDU mit sich bringt. Als sie 2019 als Intendantin des SWR im Gespräch war, lehnte sie ab. Der “Heilbronner Stimme”, sagte sie, da ihr Mann stellvertretender Ministerpräsident sei, ließe sich das mit einer derartigen Funktion nicht vereinbaren. Strobl verzichtete auf eine beachtliche Karriereoption, auch zum Schutz des Senders.

Strobl-Vorgänger war journalistisch involviert

Noch-ARD-Programmdirektor Volker Herres zeigt den zuliefernden Redaktionen, dass er sich auch für die journalistischen Formate interessiert – nach dem Geschmack einiger Redakteurinnen und Redakteure bisweilen zu sehr.

Wenn Strobl im Mai seine Nachfolge antritt, muss das nicht heißen, dass sie es ihm gleichtut. Die Konstruktion sieht schon immer getrennte Zuständigkeiten vor: Der Programmdirektor kümmert sich um den großen Rahmen des Programms, um das Sendeschema, wann also grundsätzlich welche Genres laufen, und vor allem um fiktionale Inhalte. Für alles Journalistische hat die ARD einen eigenen Chefredakteur, zuständig für “tagesschau”, “tagesthemen”, Dokumentationen und Talkshows.

Föderale Struktur der ARD schützt im Zweifel

“Die ARD ist doch nie eine One-Woman-Show, egal, wer da an der Spitze sitzt”, betont dann auch rbb-Intendantin Patricia Schlesinger, die einst unter anderem die Dokumentationen des NDR verantwortet und für “Panorama” gearbeitet hat. Für Schlesinger ist Strobl absolut integer. Die ARD seien aber immer viele, zum Beispiel die neun Chefredakteurinnen und Chefredakteure der einzelnen Anstalten oder auch deren Programmdirektorinnen und -direktoren: “Entscheidungen werden bei uns nie ganz allein, nie unkontrolliert getroffen.”

Die föderale Struktur als Schutz ist auch das Argument des ARD-Vorsitzenden, der glaubt, Strobl werde vermutlich so oft nach der CDU gefragt wie die Intendanten nach ihren Gehältern. “Die redaktionelle Hoheit liegt sowieso bei den Sendungen”, sagt Buhrow, der selbst länger für das Erste berichtet hat.

Auf eine klare Trennung der Funktionen kommt es an

In einem Pressegespräch zu den jüngsten ARD-Personalien betonte Strobl auf die Frage von ZAPP, wie sie bei Zweiflern für Vertrauen werben kann, dass ihre CDU-Nähe auch künftig keine Auswirkungen auf Programmliches haben wird: “Das eine ist eine private und persönliche Haltung und die hat im Job nichts zu suchen. Genauso werde ich das auch in der Zukunft handhaben.”

Zusammen mit der Spitze der ARD-Programmdirektion wechselt im Mai 2021 auch der ARD-Chefredakteur. Bislang ist das Rainald Becker. Im Mai – zusammen mit Strobl – soll nun Oliver Köhr folgen, der parteipolitisch unauffällige stellvertretende Leiter des Hauptstadtstudios. Und in die Versuchung, den “Presseclub” zu aktuellen politischen Themen im Ersten zu moderieren, so wie Programmdirektor Herres in den vergangenen Jahren, dürfte Strobl gar nicht erst kommen: Denn Herres bleibt vorerst an Bord, als Berater und Moderator.

Quelle: NDR-“ZAPP”