Mit Fakten gegen Fakes

Die Deutsche Welle sendet in 30 Sprachen, bezahlt vom Staat. Für ZAPP bin ich der Frage nachgegangen, welche Ziele dieses mediale Instrument der Bundesregierung verfolgt.

für NDR Fernsehen

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem Du auf "Übernehmen" im Banner klicken.

— Manuskript des Beitrags —
Die Bundesliga – auf Hausa und Kisuaheli. Aus Bonn nach Afrika.
Die Deutsche Welle sendet in 30 Sprachen. Auch im Netz: ein üppiges Sprachangebot. Wichtig noch immer: Fernsehen – fünf Sender für unterschiedliche Regionen. Korrespondenten: weltweit.
„Es scheint, als wären Afrikaner neuerdings geradezu besessen davon, ihre Arbeiten mit ihrer Identität zu versehen.“
Und Sendungen für viele Regionen. „77 Percent“ – für die 77 Prozent Unter-35-Jähriger in Afrika.
„Stell‘ Dir vor: Du träumst von einer Weltreise, Dir fehlt aber das Geld dafür.“
Und: „Jaafar Talk“ mit Jaafar Abdul Karim. Er diskutiert, was den Nahen Osten bewegt. Fast jeder zweite Online-Zugriff im Netz auf die „Welle“ kommt von dort.
Peter Limbourg, Intendant Deutsche Welle
„Wir erreichen 95 Prozent unserer Nutzer erreichen wir in den nichtdeutschen Angeboten. Das heißt, wir haben uns auch klar entschieden, in Richtung internationales Angebot zu gehen und eben nicht nur ein Schaufenster Deutschlands zu sein.“
Intendant Peter Limbourg war früher Informationsdirektor bei ProSiebenSat1. Heute wirbt er für den Auslandsrundfunk – ein Kanal, direkt finanziert aus Steuergeld.
Immer wieder spannend für die „Welle“: Die Debatte um den Auftrag im Bundestag. Viel Zustimmung, aber auch: Kontroversen. Die Deutsche Welle – angeblich unzulässiges Mittel der Außenpolitik:
Erwin Renner (AfD)
„Das führt ja dann letztlich zu einer inoffiziellen Nebenaußenpolitik, die jedweder demokratischen Kontrolle entbehrt.“
Am Ende haben sich die Regierungsfraktionen aber immer durchgesetzt – und den Etat zuletzt sogar erhöht.
Gitta Connemann (CDU/CSU)
„Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen…“
Martin Rabanus (SPD)
„Für Fakten statt für Fake News als ein Beitrag für eine friedlichere Welt.“
Gitta Connemann (CDU/CSU)
“…damit Despoten die Freiheit genommen wird, alles zu tun, und genau dafür steht die Deutsche Welle.
„This is DW News, live from Berlin“

Die Strategie der Programmmacher: immer wieder neu Schwerpunkte – je nach weltpolitischer Lage.
Nadja Scholz, Strategie-Chefin Deutsche Welle
„Das hat natürlich auch permanente Verschiebungen bringt das mit sich, sodass wir auch unsere Region permanent neu überprüfen und die Märkte uns anschauen und gucken, wo wir uns verstärkt engagieren müssen. Zum Beispiel haben wir in den letzten Jahren in der Türkei unser Angebot ausgebaut, weil wir gemerkt haben, die Türkei verwandelt sich gerade sehr, ist auch sehr nah an Deutschland dran. Und da haben wir neue Angebote in den Markt gebracht.“
Wie „+90“. Extra für diesen Youtube-Kanal über die Türkei und türkische Kultur weltweit gibt es mehr Geld. Bei „+90“ arbeitet die „Welle“ mit BBC, France 24 und Voice of America zusammen, den staatlichen Auslandssendern aus Großbritannien, Frankreich und den USA.
Nadja Scholz, Strategie-Chefin Deutsche Welle
„So unterschiedlich wir sind, so haben wir doch gemerkt, dass es in ganz vielen Bereichen darum geht, dass die Meinungsfreiheit und die Menschenrechte in verschiedenen Staaten eingeschränkt werden und wir da als europäische oder auch westliche Auslandssender das Gefühl haben, dass wir gemeinsam was erreichen können, wenn wir gegen Propaganda, gegen bestimmte Narrative angehen.“
Dafür schaut die „Welle“ von Jahr zu Jahr weniger in die Heimat, mehr raus in die Welt. Vor allem dort hin, wo es knallt.
Peter Limbourg, Intendant Deutsche Welle
„Wir sind keine Hasardeure. Und beispielsweise wir haben auch niemanden zurzeit in Syrien, obwohl es da mittlerweile auch wieder Gebiete gibt, wo man hinfahren könnte. (…) Wir sind an vielen Orten dieser Welt, wo es unruhig ist. Und das müssen wir auch, weil wir auch einfach strategisch gesehen haben: Wir müssen stärker zu unseren Zielgruppen hin.“
Der Deutschen Welle geht es überall um freiheitliche Werte – aus deutscher Sicht.

>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Knallhart gegen samtig

Die Interview-Profis Tim Sebastian und Hubert Seipel geben Auskunft über ihre Strategien und Ziele bei Gesprächen mit Politikern. Beide sorgen regelmäßig für viel Aufsehen

für NDR Fernsehen

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem Du auf "Übernehmen" im Banner klicken.
Manuskript des Beitrags
Hier sind Sendungstitel Programm: “Hardtalk” – mit Tim Sebastian bei der BBC und “Conflict Zone” – bei der Deutschen Welle. Er ist der Meister der Konflikte.

(freistehend)

Das Wortgefecht mit der AfD-Vorsitzenden – es hat ihn auch in Deutschland bekannt gemacht.

(freistehend)

Ein kurzes Interview per Skype mit dem Konfrontationskünstler: Was glaubt er – warum funktioniert seine Art zu Fragen? Und warum so hart in der Sache?

„Unterschätze niemals die Chance, 25 Minuten über dich selbst zu sprechen. Wir haben es nicht mit Kleinkindern zu tun, sondern mit Erwachsenen, die schon lange im Geschäft sind. In einem harten Geschäft: der Politik. Benehmen wir uns wie Erwachsene. Sie sagen was sie sagen wollen, wir nehmen es auf und senden es. Das ist der Deal.”

Sebastian liefert Konfrontation seit 30 Jahren. Gerade erst mit Brexit-Befürworter Daniel Hannan.

(freistehend)

Dem italienischen EU-Politiker Sandro Gozo.

(freistehend)

Dem griechischen Ex-Finanzminister Jannis Varoufakis.

(freistehend)

Ist die Eskalation das Ziel?

„Mein Ziel ist, sie herauszufordern und zur Verantwortung zu ziehen. Das ist zwangsläufig eine gegnerische Beziehung. Wir sitzen da nicht, um Freunde zu werden.“

Gibt es jemanden, bei dem Sie das bedauern, dass Sie ihn nicht bekommen haben?

„(Lachen) Putin.”

Glauben Sie, Wladimir Putin würde in Ihre Sendung kommen?

“Ich hoffe doch!”

Der Preis der harten Interviews: nicht jeder kommt. Aber er bekommt sie: Hubert Seipel – Meister der Zurückhaltung. Sein Interviewpartner immer wieder: Wladimir Putin – mit persönlichen Einblicken.

(freistehend)

„Ich mache jetzt den ‚Bad Cop‘ und konfrontiere den jetzt, führt zu relativ wenig. Je länger Menschen offenkundig reden, das ist meine Erfahrung aus vielen Gesprächen und Dokumentationen, die ich gemacht habe, desto mehr reden sie auch über das, über was sie gar nicht reden wollen.“

Seipel bekommt die großen Köpfe – und überlässt ihnen die Bühne.

(freistehend)

„Mein Ziel war: So viel wie möglich von ihm zu erfahren und das ins Fernsehen zu bringen und die Zuschauer darüber urteilen lassen.“

„Putins – Innenansichten der Macht“ – Seipels Biographie verkauft sich auch in Russland. Pflichttermin fürs russische Fernsehen in Moskau: die Buchpräsentation. Denn mit dabei: der Präsident. Höhepunkt: Die persönliche Widmung.

(freistehend)

Nähe statt Konfrontation – dafür muss Seipel Kritik einstecken: Kollegen rufen „Hofberichterstattung“! Seipel liefere „unkritisches Kreml-TV“. Und Putin sei: sein Kumpel.

„Nähe macht möglicherweise befangen. Aber ohne eine Annäherung an eine Person funktioniert auch nicht eine Befragung einer Person. Der Punkt ist ja, wo hört die Nähe auf? Ich bin in diesem Moment Journalist und er ist in diesem Moment Präsident. Wir benutzen uns gegenseitig, um irgendwelche Botschaften weiter zu vermitteln. Das werden Sie nie ausschließen können.“

Freundliche Interviews: Für den harten Frager Tim Sebastian hat das in Deutschland System. Deutsche Interviewer: aus seiner Sicht oft viel zu zahm.

“Auf Deutsch sagt man Interviewpartner. Wir sagen Interviewee. Ich denke euer Begriff klingt freundlicher als er eigentlich ist – zumindest soweit es mich betrifft.”

Zwei Strategien, zwei Interviewer. Bei dem einen kommen Politiker vielleicht zu gut weg – zu dem anderen vielleicht gar nicht.

“Die Entscheidung der Interviewpartner gefällt uns vielleicht nicht. Das ist die Kehrseite, wenn man in einer freien Gesellschaft lebt. Sie wählen, wir wählen. Manchmal freuen sie sich, manchmal wir.”

>> Beitrag in der NDR-Mediathek (Quelle: NDR-“ZAPP”)