Mit Optimismus und Unsicherheit in die Zukunft

Wie steht es um die Digitalisierung der Zeitungen? Was sind die größten Hürden? Eine Umfrage unter Verlagen liefert neue Erkenntnisse. Ich habe sie für den Deutschlandfunk ausgewertet.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —
Im Jahr 2025, dann könne es so weit sein: Verlage könnten dann mehrheitlich mit ihren Geschäften im Digitalen das auffangen, was sie beim Verkauf gedruckter Zeitungen verloren haben. Das meldete jedenfalls der Großteil der befragten Verlage ihrem Bundesverband BDZV zurück. Verbands-Geschäftsführerin Katrin Tischer kann deshalb von Krisenstimmung in den Zeitungshäusern nicht mehr viel erkennen.

„Es gibt einen Zeithorizont von fünf Jahren. Der hört sich in der digitalen Welt lang an. Da steckt aber viel Optimismus drin. Es gibt eine positive Aussicht.“

Die „Trendumfrage“ stützt diese Grundstimmung tatsächlich: Mit Blick auf die bezahlten Online-Inhalte erwarten die Verlagsmanager in diesem Jahr ein Plus von durchschnittlich 14 Prozent. Die Erlöse im Gedruckten dürften im selben Zeitraum nicht mal um ein Prozent zurückgehen, so die Erwartungen. Auch die Prognosen für abgeschlossene Abonnements und die Einnahmen mit verkauften Werbeplätzen fallen entsprechend aus. Allerdings nehmen die meisten Häuser noch immer insgesamt weit mehr mit Print ein als mit Digitalem.

Die Umfrage hat Christoph Mayer von der Unternehmensberatung Schickler ausgearbeitet. Er erkennt: bei den Verlagen spielt die Frage, wie sie im Digitalen Geld verdienen, nun keine Nebenrolle mehr.

„Wir haben das in den letzten Umfragen auch immer wieder gefragt: Wie relevant ist das? Es gibt dort auch immer wieder relevante Zustimmung. Die hatten aber mehr den Charakter: Das ist ein Thema, wir müssen uns das mal anschauen. Wir müssen damit experimentieren. Wir sind jetzt in einer Phase, wo das Thema wirklich auf die Straße kommt.“

Für die Leserinnen und Leser heißt das konkret: Schon heute müssen sie auf zwei von drei Nachrichtenportalen bezahlen. In drei Jahren soll das nahezu überall der Fall sein. Für die Redaktionen heißt das: Sie arbeiten zunehmend zuerst fürs Netz, erst dann für die Zeitung. Dieses Prinzip „digital first“ gilt schon heute in fast jedem zweiten Newsroom. Die Verlage wollen außerdem die Anmelde- und die Bezahlvorgänge vereinfachen. Und: Im Verband der deutschen Zeitungsverleger wird derzeit – mal wieder – eine „Log-in-Allianz“ diskutiert: ein Passwort für alle Portale – womöglich sogar über die Angebote der Verlage hinaus.

Die Umfrage zeigt aber auch: Bei kleineren Verlagen, also vor allem eigenständigen Regionalzeitungen, ist der Optimismus eher verhalten. Dass Leserinnen und Leser schnell zu digitalen Produkten wechseln, glauben besonders die großen Verlage. BDZV-Geschäftsführerin Katrin Tischer sagt: das sei nur logisch.

„Teilweise ist es auch daher geschehen, weil der Druck in Ballungszentren ein ganz anderer ist. Da wohnen andere Menschen, die ein anderes Mediennutzungsverhalten haben.“

Der Branchenverband sieht sich bestätigt: Auch diese neue Umfrage zeige klar, wie wichtig die gedruckte Zeitung bleibe, vor allem in ländlichen Regionen, bei älteren Leserinnen und Lesern und in Landstrichen, in denen schnelles Internet noch Mangelware ist.

Die Bundesregierung will in diesem Jahr erstmals Verlage direkt subventionieren. Im Haushalt sind 40 Millionen Euro für die Förderung der Zeitungszustellung reserviert. Das Signal nach der „Trendumfrage“:

„Das reicht überhaupt nicht aus. Also es ist in einer Höhe, dass man nicht mal weiß, auf welcher Mikro-Ebene man es verteilen könnte auf die Verlage. Also den Lesern wird damit nicht geholfen und den Verlagen auch nicht.“

, sagt BDZV-Geschäftsführerin Tischer. Obwohl die gedruckte Zeitung bei kleinen Verlagen auch perspektivisch noch so wichtig ist: Vor allem ihre sogenannten Entscheider denken daran, dass die Tageszeitung nicht mehr an jedem Tag erscheint: 44 Prozent – mehr als doppelt so viel wie in großen Verlagen. Druck und Vertrieb seien einfach zu teuer. Auch deshalb: der Wunsch nach Subventionen.

Und noch ein Problem treibt die Zeitungshäuser um: Wie kommen sie künftig noch an gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Für mehr als die Hälfte aller befragten Verlage sei auch das inzwischen „ein Thema“.

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Mediasres”)

Die Erinnerung bekommt Lücken

An Ton- und Videoaufnahmen nagt der Zahn der Zeit: Teils einmaliges Material ist schon verloren gegangen. Archive digitalisieren ihre Bestände, doch das ist ein langwieriges und teures Geschäft

für Süddeutsche Zeitung

Die Erinnerung bekommt Lücken weiterlesen

Digitale Archive

Archivare müssen nicht nur Archive pflegen, sondern auch antike Hard- und Software, mit der sich anno dunnemals gespeicherte Daten lesen lassen.

für ZDFinfo

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem Du auf "Übernehmen" im Banner klicken.
Manuskript des Beitrags
Jörg Wagner aus Berlin ist Radiojournalist und liebt Geräusche. Und er hat ein Ziel. Ein Klangarchiv der DDR aufzubauen und für die Nachwelt zu erhalten. Damit sich die Menschen auch in 100 Jahren noch am Sound des Sozialismus erfreuen können.

“Ich sammle eigentlich alles was sich irgendwie mit Tönen speichern lässt. Das kann eine alte Frösi Schallplatte sein. Das ist eine uralte Kinderzeitschrift aus der DDR […] Das kann auch ein Trabbi-Geräusch sein, weil die Trabbis werden irgendwann mal aussterben und dann hat man den Trabbi konserviert und kann ihn immer wieder abspielen und sagen, so klang der mal.”

Aber Hobby-Archivare wie Wagner haben ein Problem: Den Zahn der Zeit. Denn egal ob Schallplatte, Kassette, CDs oder Festplatte – keines seiner Speichermedien ist für die Ewigkeit gemacht. Und deshalb hat er nicht nur Freude an seinen Schätzen, sondern auch Angst diese wieder zu verlieren.

“Bei mir sind inzwischen in meinem Leben vier schöne große Festplatten, die auch vom Hersteller als super langlebig charakteristiert wurden, mittlerweile weggeraucht. Letztenendes ist das nach wie vor so eine Art Nitroglycerin-, Russisch-Roulette-Geschichte, dass man nie weiß, wann geht was hoch.”

Wagner hat sich daran gewöhnen müssen, dass es in seinem Archiv die 100%ige Datensicherheit nicht geben kann. Aber Festplattencrashs bedrohen nicht nur private Datenschätze. Auch staatliche Archive kämpfen gegen Erdmagnetismus, Luftfeuchtigkeit und Bandsalat. Fest steht: Unser kollektives Gedächntnis ist in Gefahr. Jens Niederhut gibt als Archivar beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen keinen Audio- und Videoschnipsel über den SED-Überwachungsstaat verloren. Trotz denkbar schlechter Voraussetzungen.

“Wir haben die Bänder ja schon in einem Zustand übernommen, der nicht optimal war. Sie sind schon bei der Staatssicherheit oft benutzt worden, nicht optimal gelagert worden. Das heißt, da sind wir jetzt wirklich an einem Punkt, wo diese Zerfallsprozesse nicht mehr zu stoppen sind.”

Im Stasi-Archiv lagert, was das ostdeutsche Regime während der Wende am liebsten noch schnell vernichtet hätte: die Akten seiner Spitzel, aber auch viele Ton- und Videodokumente, Abhörprotokolle und Mitschnitte von Vernehmungen. Das historisch einmalige Archiv eines Überwachungsstaates. Vieles davon ist weder erschlossen noch digitalisiert. Und als wäre es nicht schon schwierig genug diesen Bestand für die Nachwelt zu erhalten, haben Niederhut und seine Kollegen ein weiteres Problem. Die technisch längst überholten Video- und Tonformate überhaupt abzuspielen. Deshalb muss nicht nur das Archiv selbst, sondern auch ein Gerätepark von vorgestern in Schuss gehalten werden.

“Wir kaufen Ersatzteile überall dort, wo wir sie bekommen können. Das heißt: online, auf dem Flohmarkt, bei Sammlern, aber damit wird natürlich irgendwann Schluss sein. Also die Technik verschwindet nach und nach.”

Reinhard Altenhöner ist bei der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt verantwortlich für die Langzeitarchivierung des Bestandes. Hier speichert man die Daten gleichzeitig in mehreren Großrechnern, verteilt auf unterschiedliche Standorte. Angst die Daten zu verlieren hat Altenhöfer zwar nicht, dafür aber eine andere Sorge: Wer kann diese Dateien in 100 Jahren noch lesen?

“Je ungewöhnlicher ein Format, desto schwieriger ist das. Manchmal gibt es Formate, die hängen an einer Firma und die Firma ist meinetwegen in Konkurs gegangen und es gibt nichts mehr auf neueren Betriebssystemumgebungen, was man da nutzen könnte. Dann haben wir ein Problem.”

Beim Digitalisieren von Büchern, Musik und Filmen setzen Archivare deshalb inzwischen auf offene Standards, die gut dokumentiert sind. Viel schwieriger zu erhalten ist Software, etwa alte Lernprogramme. Auch diese soll die Nachwelt noch daddeln können.

“Da beginnt dann wirklich die große Suche. Es kann sein, dass man wirklich nur mit einem Emulator weiterkommt, eine Computerumgebung, die dann vorgaukelt der Software, ich bin hier noch deine alte vertraute Windows-95-Umgebung.”

Egal ob man ein Geräuscharchiv, die Stasiunterlagen oder einen kompletten Bibliotheksbestand erhalten möchte. Archivierung ist auch im Zeitalter vernetzter Serverfarmen mehr als ein Festplattenbackup in der Cloud. Jeder neue Technikstandard bedeutet für Archivare ein neues Problem, auf das sie sich einstellen müssen. Und auch der Durchnitts-PC-User zu Hause sollte hin und wieder nachschauen, ob seine Datenschätze überhaupt noch da sind.

>> Beitrag auf YouTube (Quelle: “Elektrischer Reporter”)

Tablet-Schulungen gegen die Zeitungskrise

Die Zeitungsverlage im Norden kämpfen mit sinkenden Auflagen, die Leser mit diffuser Kaufunlust am Kiosk. Kann der Sprung in die digitale Verbreitung der Zeitungsinhalte da eine Lösung sein?

für NDR Fernsehen

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem Du auf "Übernehmen" im Banner klicken.
Dieser Beitrag wird hier lediglich als Arbeitsprobe präsentiert. Die Rechte etwa für Vervielfältigungen liegen beim NDR.

Manuskript des Beitrags
Rosemarie Eck ist Zeitungsfan. Fast jeden Morgen startet sie mit den „Kieler Nachrichten“ in den Tag – klassisch auf Papier. Heute probiert sie Neues aus: die digitale Zeitung. Nach ersten Startschwierigkeiten: Texte groß ziehen, auf der Seite navigieren – hier geht das. Doch die Stammleserin: nicht überzeugt.

„Nein! Das ist für mich auch ein Ritual. Hinsetzen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, umblättern. Vor allem: Ich kann ja hier auch nicht die ganze Seite auf einmal sehen. Obwohl ich ohne PC nicht leben könnte und so weiter, aber die Zeitung möchte ich so haben.“

So wie Rosemarie Eck geht es vielen Stammlesern, aber: Es werden weniger. Zeitungen verlieren Abonnenten, Kioske ihre Kunden. Immerhin: Nicht alle gehen den Verlagen verloren, erste Leser greifen zum Digitalen. Ein Wandel, auf den sie auch hier hoffen. Seit 1946 erscheinen die „Kieler Nachrichten“ – gedruckt. Und auch ihre Auflage sinkt.

Brigitta Grunwald, „Kieler Nachrichten“
„Man kann natürlich nicht die Augen davor schließen, vor dem Prozess der wie gesagt zugange ist, und muss alternative Erlösmodelle für sich finden. Und da sind eben die digitalen Produkte ein ganz entscheidender Faktor.“

Damit das klappt, motzen die Verlage ihre Geschäftsstellen zu kleinen Elektronikmärkten auf. Das Ziel: Die digitale Zeitung und gleich auch noch die dafür nötigen Tablet-Computern verkaufen. Für den Leser kommt das ganze Paket oft sogar billiger als die klassische gedruckte Zeitung. Dafür muss er allerdings meist ein Abonnement abschließen, das ihn gleich zwei Jahre bindet. Weiterer Vorteil für den Verlag: Das Netz an Lesegeräten wächst.

Brigitta Grunwald, „Kieler Nachrichten“
„Man muss sich auch dessen bewusst sein, dass eine logistische Struktur vorhanden sein muss sozusagen. Also wenn wir die Print-Zeitung zustellen, dann haben wir unseren Zusteller, der das Produkt zum Endkunden bringt. Wenn wir unsere digitalen Produkte zustellen wollen, brauchen wir auch jemanden, der sie zustellt. Und das ist in diesem Fall das digitale Endgerät.“

Das Versprechen der Verlage: „Wir begleiten Sie in die digitale Welt“. Sie schnüren „rundum Sorglos“-Pakete: E-Paper-App plus Tablet-Computer. Dazu: kostenlose Schulungen für Tablet-Einsteiger.
Hier nehmen sich die Verlage Zeit für ihre Stammleser – um ihnen die Angst vor der Technik zu nehmen.

„Wir befinden uns gerade in einem Schulungsraum der Kieler Nachrichten – und dann habe ich mir das Tippen gespart.“

Wie funktionieren diese Tablet-Computer? Wie komme ich damit ins Internet? Wo hole ich mir dann die aktuelle Ausgabe meiner Tageszeitung ab? Und: Wie blättert man eigentlich darin – so ganz ohne Papier? Nachhilfe, die auch Stammlesern die Tür ins Neuland öffnet.

„Ich habe die KN nun schon seit ungefähr 50 Jahren.“ „Warum wollen Sie die jetzt auf dem Tablet lesen, warum digital?“ „Ja, das ist nun mal so. Überall dabei sein!“

„Ich bin auf dem Dorf und habe mir gedacht, wenn hier mal kein Austräger ist oder so, dann ist es doch besser.“

Inzwischen nehmen alle größeren Zeitungen im Norden ihre Leser an die Hand. Fast alle mit Schulungen für Tablet-Neulinge. Bei den wenigen anderen gilt: Wer sein Gerät mitbringt, bekommt zumindest Hilfe im Shop. So wie bei der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch ihr Hauptprodukt ist noch immer die Ausgabe auf Papier, doch das Digitale wächst.

Ralf Geisenhanslüke, „Neue Osnabrücker Zeitung”
„Für dieses Jahr hatten wir uns vorgenommen, für Ende 2014 20.000 Digital-Abonnenten. Die haben wir halt mit 21.000 Ende des Jahres überschritten. Und wir werden natürlich bis Ende des Jahres ein Ziel anstreben, bei dem eine drei davor steht. 30.000 Abonnenten, 31.000 ist unser Ziel.“

Ein Weg der kleinen Schritte – für die Journalisten der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ eine Doppelbelastung. Wie schon seit gut 47 Jahren müssen sie auch heute noch jeden Tag eine gedruckte Ausgabe produzieren. Die muss nun als E-Paper fürs Digitale aufbereiten werden. Dazu kommt noch ein tägliches Magazin – nur für das Tablet. Das zehrt an den Kräften. Doch während viele Verlage ihre Redaktionen runterfahren, baut Osnabrück fürs Digitale aus.

Ralf Geisenhanslüke, „Neue Osnabrücker Zeitung”
„Sie müssen mehr Personal bereitstellen. Wir haben in den letzten Jahren 14 zusätzliche Redakteure eingestellt. Und in diesem Jahr werden wir auch noch mal wieder aufstocken. Es ist nicht mit dem gleichen Personal – zumindest in der Übergangsphase – zu schaffen.“

In dieser Übergangsphase müssen Zeitungen das neue, digitale Feld offensiv bestellen. Sie kämpfen darum, die Leser ein weiteres Mal für sich zu gewinnen – damit nicht mit den Papier-Fans irgendwann auch die tägliche Zeitung verschwindet.

„Wir sehen halt schon, dass wir die Zeit nutzen wollen, um halt mit noch vernünftigen Printauflagen auf die Transformation zu digitalen Produkten hin zu bekommen, und wissen, dass der Markt auch jetzt vergeben wird und jetzt auch aktiv sein müssen mit Produkten.“

Zeit, in der klassische Stammleser natürlich nicht weglaufen sollen. Sie bringen den Verlagen immer noch das meiste Geld – und das brauchen sie, um die Zeitung der Zukunft zu entwickeln. Die Zeitungskioske bleiben deshalb prall gefüllt – für die, die auf ihr bedrucktes Papier einfach nicht verzichten wollen.

Brigitta Grunwald, „Kieler Nachrichten“
„Unser Bestreben ist ganz klar da, dass wir sie mit in die digitale Welt überführen, dass wir vielleicht auch Berührungsängste abbauen und sie dafür öffnen. Aber natürlich haben wir auch das Bestreben, sie weiterhin auch als Printleser zu behalten – vorerst.“

(Quelle: NDR-“Zapp”)