Wird bei radioeins jetzt Satire beschnitten?

Im Medienmagazin von radioeins haben Jörg Wagner und ich u.a. den Eklat um den Podcast mit Schroeder & Somuncu aufgearbeitet. Wird bei radioeins jetzt Satire beschnitten? weiterlesen

Krise für freie Journalisten

Viele Medien reduzieren wegen des Coronavirus ihr Angebot, das öffentliche Leben steht still. U.a. für WDR5 habe ich mir angesehen, was das für Autor*innen heißt.

für WDR5

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”)

Eine Gratwanderung

Journalismus und PR sind zwei unterschiedliche Sachen. Allein: Immer mehr Journalisten machen inzwischen beides. Für ZAPP habe ich gefragt, wie die Branche damit umgeht.

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —

Philipp Eins liebt Podcasts. Ob Neues aus der Politik oder der Welt der Medien: Der Journalist hat immer eine Sendung im Ohr. Und: Er produziert auch selbst welche.

„Forschende Pharma-Unternehmen arbeiten unentwegt an der Entwicklung besserer Medikamente. Dabei helfen Ihnen Ehrgeiz, gute Ideen und die Digitalisierung…“

Sieht nach Radio aus, ist aber PR – in diesem Fall ein Podcast des Verbandes forschender Pharmaunternehmen – fürs Fachpublikum. Philipp Eins macht solche „Corporate Podcasts“ bewusst:

„Das ist die Überlegung, dass ich natürlich ein Geschäftsmodell haben will, das möglichst breit aufgestellt ist. Und nur Journalismus ist wahrscheinlich eng, weil im Journalismus gibt es kein riesen Wachstum mehr wie vielleicht vor 20 Jahren. ‚Content Marketing‘ oder eben ‚Corporate Podcasts‘ ist ein Bereich, der wächst. Und da versuche ich natürlich auch, davon zu profitieren als Freiberufler.“

Mit dieser Strategie ist er nicht allein. In Berlin probiert der Deutsche Journalistenverband den „Brückenschlag“ – vom Journalismus zum Wachstumsfeld PR – und ihren Medien. Allen voran: Frank Überall, der Vorsitzende des DJV.

„Journalismus und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das sind – Achtung: Floskelalarm – zwei Seiten einer Medaille. (Lacht)“

Für den Journalistenverband sind die Macher von PR-Medien und sogar Pressesprecher Kollegen. Er nimmt sie – wie selbstverständlich – auf. Hier hat damit kaum jemand ein Problem.

„Es gibt ja Menschen, die zum einen Journalismus ausüben und zum anderen für Unternehmen eben in der einen oder anderen Form im Bereich Kommunikation tätig sind. Und wir finden, dass das eben sehr wohl zu einem Journalistenverband gehört.“

„Ich habe gemerkt, dass ich die Distanz zu gewissen Themen, lokalpolitischen Themen nicht mehr habe und habe für mich überlegt, den Seitenwechsel deswegen zu machen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mehr journalistisch arbeite.“

„Das, was in der PR gemacht wird, also in der effektiven Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, ist eine Spielart des Journalismus. Und das machen wir ja schon seit Jahrzehnten, dass wir beide Seiten vertreten, dass wir beiden Seiten dann auch die Möglichkeit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Das Argument des DJV: Das Handwerk sei bei Journalismus und PR weitgehend dasselbe.

„Es müssen ja Informationen aufgearbeitet werden. Sie müssen wahrhaftig sein. Man muss sich auch kritischen Fragen stellen.“

Journalistikprofessor Volker Lilienthal ist selbst DJV-Mitglied. Eigentlich aus Überzeugung. Der Umgang mit der PR aber stört ihn.

„Was ich hier am Werk sehe, ist im Grunde eine Assimilation, eine Angleichung von Journalismus und PR, der Herr Überall fahrlässig, wie ich finde, das Wort redet. /// Journalismus ist etwas ganz anderes, ist ein neutrales Beurteilen von Wirklichkeit, ist vor allen Dingen universale Nachrichtengebung, also den Journalismus interessiert potenziell alles, was in Politik, Gesellschaft und überall passiert, während die PR immer Auftragskommunikation ist.“

(Auszug Podcast)

Auch „Corporate Podcast“-Macher Philipp Eins ist klar, dass Journalismus und PR getrennte Welten sind – ganz praktisch.

„In der PR ist klar vereinbart letztendlich, dass der Kunde, also in dem Fall des Unternehmens, da auch noch mal ein Blick drauf hat und dass bei der Gestaltung so eines Podcasts, dass der Kunde da mit eine Rolle spielt bei der Auswahl der Quellen.“

Regelmäßig produziert er auch journalistische Beiträge – für Deutschlandfunk Kultur. Für seine Ausflüge in die PR hat er sich klare Spielregeln verpasst.

„Da muss letztendlich klar sein, von wem kommt dieser Podcast. Ist das von einem Unternehmen? Von welchem Unternehmen?“
Wer hat’s bezahlt.
„Wer hat es bezahlt. Das ist einfach eine Frage der Transparenz und es ist halt einfach sauber. (…) Wenn ich jetzt für ein Pharma-Unternehmen Podcast erstelle und gleichzeitig aber im Deutschlandfunk über dieses Unternehmen berichten möchte, dann schließt sich das aus.“

Auch der DJV fordert, PR und Journalismus in der Praxis zu trennen – zumal in Zeiten, in denen immer mehr Journalisten finanziell unter Druck sind.

„Viele Freiberufler sind ja nahezu dazu gezwungen auf Grund der Situation im etablierten Journalismus, wo immer mehr kaputtgespart wird, auch PR-Aufträge anzunehmen. Aber wenn man das genau im gleichen Bereich macht, dann ist das unethisch.“

Die Verantwortung dafür drückt der DJV aber seinen Mitgliedern auf. Damit steht und fällt die Glaubwürdigkeit mit jedem Einzelnen: Trennen oder nicht?

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal

(Quelle: NDR-“Zapp”)

Sender-Lobbyist soll Sender-Kontrolleur werden

Die Landesmedienanstalt NRW wählt einen neuen Chef. Einziger Kandidat: ein RTL-Mann

für taz

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Gewalt gegen Journalisten eskaliert

Beim Widerstand gegen die vermeintliche “Lügenpresse” bleibt es längst nicht mehr nur bei verbalen Attacken. Bundestags-Abgeordnete haben sich über die Arbeitsbedingungen von Journalisten informiert

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
Warum bedrängen, bewerfen, bespucken und – ja – schlagen Demonstranten Journalisten? Auf diese Frage hat ZDF-Korrespondentin Britta Hilpert bis heute keine Antwort:

“In was einem Land leben wir, wo eine Demonstration, eine öffentliche Darstellung von Meinungen eine Situation der Gefahr für Journalisten ist? Ich meine, wozu geht man auf die Straße und demonstriert, wenn man nicht will, dass diese Meinung auch publik wird? Das ist doch total widersinnig!”

Hilpert ist selbst Opfer: Sie besuchte eine Demonstration der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland. Sie stellte – aufrichtig – Fragen, bekam aber kaum Antworten. Stattdessen: eine Rangelei. Die Polizei schritt ein, vor laufender Kamera.

Hetze und Gewalt gegen Journalisten statt friedlicher Demonstrationen – das ist inzwischen Alltag auf Kundgebungen von AfD, Pegida und Co. Dem Bundestags-Kulturausschuss berichtete Hilpert dann auch zusammen mit Kollegen: Die Pressefreiheit ist bedroht – nicht in Russland, nicht in der Türkei, sondern in Deutschland. Hilpert, auch Vorstand bei “Reporter ohne Grenzen”, ist besorgt:

“Ich sehe auch, dass es inzwischen Journalisten gibt, die aus Angst es ablehnen über Pegida und Co. zu berichten. Das sind Zustände, die wir in Deutschland nicht dulden dürfen und da muss dringend etwas übernommen werden.”

Die zentrale Frage: Was tut die Polizei, oder vielmehr: Tut sie genug? Nein, konstatierte Frank Überall, der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, der auch selbst über Demonstrationen berichtet. Mit der Sicherheit von Berichterstattern seien Polizisten bisweilen überfordert und schlecht vorbereitet:

“Einsatzhundertschaften müssen in den Einsatzbesprechungen, in den Einsatzbefehlen darauf hingewiesen werden, dass Journalisten erwartet werden und wie man dann damit umgeht, wie man die schützen kann. Das passiert aus meiner Sicht bisher noch viel zu selten, was ja dazu führt, dass verschiedene Sender mittlerweile ihre Teams rausschicken mit Bodyguards.”

Im Internet hat der DJV-Vorsitzende das Blog augenzeugen.info gestartet. Überall will Gewalt gegen Journalisten dokumentieren und analysieren. Die ist vor allem für Medien in Sachsen ein großes Problem. MDR-Chefredakteur Stefan Raue sagte den Politikern: Inzwischen müsse sein Sender schon jungen Journalisten in der Ausbildung beibringen, wie sie sich auf politischen Demonstrationen schützen.

“Ich finde, das ist schwer erträglich. Wir sind von allen streitenden Seiten in den letzten Jahrzehnten immer akzeptiert worden als Beobachter, haben auch einen gewissen Schutz genossen. Das gilt wohl offensichtlich von Seiten Pegida nicht mehr. Dort sind wir gewissermaßen Freiwild.”

Zuletzt traf – im wahrsten Sinne des Wortes – die Gewalt der Demonstranten eine Radio-Korrespondentin: Eine Frau schlug ihr ins Gesicht. Dazu kommen offene Aufrufe zur Gewalt gegen Journalisten. In Leipzig hieß es erst vor einer Woche über die Lautsprecheranlage, man möge doch die “Eliten aus den Pressehäusern prügeln”. Auch wenn es schwerfalle: Medien müssten ruhig bleiben, mahnt Raue.

“Wir dürfen nicht in eine Art geistigen Bürgerkrieg ziehen. Wir müssen unsere Rolle als distanzierte Beobachter behalten. Und dann glaube ich, auf mittlere Sicht, dass wir dann auch wieder zu einer Entspannung, Entkrampfung der Situation kommen können.”

Mindestens kurzfristig aber schickt auch Raue seine Reporter nur noch mit Begleitschutz auf solche Veranstaltungen. Verbesserungsbedarf sieht nach diesem Gespräch dann auch der Vorsitzende des Ausschusses, der SPD-Politiker Siegmund Ehrmann.

“Der Staat ist in der Lage, das Grundrecht “Pressefreiheit” zu schützen, aber er muss es noch besser tun – indem er über die Polizei und die Sicherheitsorgane bei Demonstrationen gewährleistet, dass tatsächlich Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit erledigen können.”

Dabei hat Ehrmanns Ausschuss allerdings nur wenig zu melden, denn: Polizei ist Ländersache. Mit dem Termin im Bundestag hat die Politik das Thema “Gewalt gegen Journalisten” aber immerhin schon mal auf ihrem Radar erfasst.

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Markt und Medien”)

Wer schützt das Grundrecht “Pressefreiheit”?

Beschimpft, bedroht, attackiert: Die Angriffe auf Journalisten nehmen zu. Nun gab es eine Anhörung im Bundestag zur Berichterstattung über Pegida und Co.

für NDR.de

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“Die Polizei ist ein Stück weit überfordert”

Interview mit dem neuen Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, über die Gewalt gegen Journalisten, seine Pläne beim DJV und Haltung zur PR — vom 9. November 2015

[podloveaudio src=”http://www.daniel-bouhs.de/podcast_bonusmaterial/DB_001_INT_Frank_Ueberall_DJV.mp3″ title=”Frank Überall (DJV)” chapters=”http://www.daniel-bouhs.de/podcast_bonusmaterial/DB_001_INT_Frank_Ueberall_DJV.chapters.txt” chapterlinks=”all” title=”Frank Überall (DJV)” subtitle=”Die Polizei ist ein Stück weit überfordert” summary=”Ein paar Tage nach seiner Wahl treffe ich den neuen DJV-Vorsitzenden in Köln. Er kritisiert die Polizei – auf Demos schütze sie das Grundrecht Pressefreiheit nicht ordentlich, ist mit der zunehmenden Gewalt gegen Journalisten bisweilen überfordert. Wir sprachen aber auch darüber, warum sein Verband nach wie vor offen für PR’ler ist, wie er den Streit mit den Freischreibern befrieden will und was er mit dem DJV vor hat, der Mitglieder verliert.” poster=”http://daniel-bouhs.de/wp-content/cache/podlove/30/96d87cebaff8dc4ec2d7a20ffdbb89/daniel-bouhs-bonusmaterial_200x200.jpg”]