Täglich neue Digital-Abos

Statt auf Print setzt die “Sächsische Zeitung” zunehmend auf digitale Modelle. Dabei ist auch klar, welche Geschichten neue Abos bringen – mit überraschenden Ergebnissen, wie ich bei einem Besuch für den Deutschlandfunk erfahren habe.

für Deutschlandfunk

— Transkript des Beitrags —
“Also, das hier ist das Herz der Redaktion. Wir sind im Newsroom und vor uns ist das große Dashboard.” Uwe Vetterick führt durch seine Redaktion. Verblüffend ruhig und konzentriert geht es hier zu, dazu eine erstaunlich gediegene Atmosphäre. Im gesamten zwölfstöckigen Verlagshaus haben sich Innenarchitekten ausgetobt.

An der “Newsbar” sitzen die Redakteure, die für die aktuelle Produktion verantwortlich sind, auf Lederhockern an einem halbrunden Hochtisch. Fest im Blick: eine Videowand – mit dem eigenen Portal, aber auch den Internetauftritten anderer Zeitungen: “Also was machen die, mit denen wir im Netz um Aufmerksamkeit und Abonnenten konkurrieren?” Wer ist das? „”Das sind zuallererst natürlich unsere regionalen Mitbewerber wie die ‘Freie Presse’, die LVZ in Leipzig, die ‘Leipziger Volkszeitung’.”

Besonders von Interesse ist aber eine Tabelle zum eigenen Portal: Sie zeigt, welche Artikel so interessant waren, dass Leser ein Digital-Abo lösten, statt den Hinweis auf den kostenpflichtigen Inhalt wegzuklicken.

“Also das letzte Abo ist vor 30 Minuten reingekommen: ‘Morddrohungen im Streit um #wirsindmehr’. Das ist die große Gegendemonstration nach den Vorgängen in Chemnitz gewesen, um die es jetzt Auseinandersetzungen gibt”, sagt Chefredakteur Uwe Vetterick. Mittlerweile kämen täglich zwischen 20 und 30 neue Digital-Abos dazu. Bis auf grob fünf davon blieben auch alle über den Testmonat hinaus dabei. [*]

Vetterick spricht angesichts dieser detaillierten Erkenntnisse von einem regelrechten Kulturwandel: “Journalismus – insbesondere Zeitungsjournalismus – war ja immer Schreiben in eine Blackbox, über eigentlich Jahrzehnte. Das heißt, man hat nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und geschrieben, wusste aber nie, auf wie viel Interesse das tatsächlich stoßen würde. Und jetzt hat das was sehr Motivierendes, wenn man sieht: Die Geschichte, die ich gerade gemacht habe, ist Menschen etwas wert und die schließen dafür ein Abo für sächsische.de ab.”

Die Journalisten wissen nun also ziemlich genau, welche Artikel nicht einfach nur Klicks bringen, sondern auch Abo-Abschlüsse – mit teils überraschenden Ergebnissen. So läuft Landespolitik trotz des eher trockenen Sujets. Und: Klassische Kulturberichte, Kritiken von Konzerten und Bühnenprogrammen rufen zwar wenige Leser ab, doch besonders viele von ihnen zahlen dafür.

Diese Erkenntnis sorgte wiederum für große Erleichterung in der Kulturredaktion, etwa bei Oliver Reinhard: “Die Diskussion war: Sollen wir da überhaupt noch online drüber berichten?“ Lohnt das noch? „Genau, lohnt das überhaupt noch, wenn es überhaupt keiner liest. Also diese Idee – monatelang – wahrscheinlich können wir das nicht mehr machen, weil es zu wenige Leute nicht mehr interessiert, wir müssen unsere Ressourcen bündeln, die ist absolut vom Tisch.”

Gleichzeitig verdichtet sich bei anderen Themen die Berichterstattung, etwa beim Sport: Die Sportredaktion steckt fast ihre gesamte Energie in die Begleitung des Bundesligisten Dynamo Dresden – laut der neuen Onlineauswertung ein Abo-Garant. Und um Abos im Digitalen geht es immerhin: Sie sollen Lokalzeitungen wie der „Sächsischen“ das Überleben sichern in einer Zeit, in der immer weniger Leser zur gedruckten Zeitung greifen und die Zeitung auf Papier endlich scheint.

Uwe Vetterick ist in seinem Büro angekommen, das einer bunten Sofalandschaft gleicht. Vetterick zückt sein Tablet, beamt eine Grafik auf den gigantischen Bildschirm, der in seinem Raum hängt. Der Chefredakteur präsentiert Balkendiagramme zur Verteilung der verschiedenen Abo-Typen auf die Altersgruppen.

Fast nur noch Rentner greifen zur gedruckten Zeitung. 40- bis 65-Jährige abonnieren immerhin das E-Paper, also die gelayoutete Zeitung für Tablet-Computer. Die 25- bis 40-Jährigen zahlen für Nachrichten im Netz.

Noch sind die klassischen Zeitungsleser klar in der Mehrzahl, sagt der Chefredakteur. Aber: “Wenn die Entwicklung weiter so anhält und wenn wir – wir machen gerade die ersten Schritte –, aber wenn wir weiter in diese Richtung gehen, dann sind wir total zuversichtlich, dass wir diese Transformation hinkriegen. Überhaupt keine Frage.”

Auch wirtschaftlich, sodass Sie – in Anführungszeichen – Ihren Apparat halten können? “Die Musikindustrie hat es in Teilen schon hinter sich und wir sind ganz zuversichtlich, dass uns das gelingen wird, weil wir haben ja ein bisschen Zeit. Aber wir müssen die nutzen. Und das ist das, was wir hier in Dresden hinbekommen wollen.”

Uwe Vetterick hat es also – bei aller Euphorie – noch nicht geschafft, dass die neuen Erlösquellen im Digitalen ausgleichen, was im Analogen, dem gedruckten Geschäft, langsam, aber sicher wegfällt. Doch kein Zweifel: Er tut viel dafür, damit er dieses Ziel am Ende auch erreicht.

[*] Die Abo-Zahlen wurden in der ursprünglichen Version des Beitrags nicht richtig wiedergegeben. Sie sind hier korrigiert.

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Mediasres”)

Lokaljournalismus extrem

Norwegische Flagge
Norwegen: Auch hier kämpfen Lokalzeitungen ums Überleben. (Foto: xoiram42 by CC BY-SA 2.0)

Wenn Chefredakteure über die Zukunft diskutieren, dann laden sie sich gerne Vertreter aus Sunnhordland ein. Im Dlf erzähle ich, wie die Norweger aus der Spar-Not eine Tugend gemacht haben.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —

„Wir haben das E-Paper, die Kopie der Zeitung, und wir haben die News-App“.

Magne Kydland beugt sich über sein Smartphone. Er öffnet die App seiner Zeitung und checkt die Lage.

„Es passiert immer etwas, den ganzen Tag. Diese Nacht etwas Dramatisches: Die Polizei musste in ein Auto fahren. Es flüchtete von der Polizei.“

Was in der Region Sunnhordland im Westen Norwegens los ist: Die Redaktion der gleichnamigen Zeitung meldet es online rund um die Uhr. Und das, obwohl sie auch eine Tageszeitung herausbringt. Das große Thema dieser Tage: Proteste gegen Windräder, die zwar saubere Energie bringen, aber die Landschaft verschandeln. Dazu kommt drei mal im Jahr ein Hochglanzmagazin, aktuell zum Kampf von Kindern aus der Region gegen Krebs. Das Onlineangebot, die Zeitung, das Magazin – all das kommt von gerade einmal acht Reportern und Fotografen.

„Es ist hart. (lacht) Aber auch ein riesen Spaß. Wir müssen alle möglichen Jobs machen, jeder“, sagt Hilde Nybø, die Nachrichtenchefin. „Wann immer du irgendwo mit Leuten sprichst, bekommst du eine Story mit. Abends gehst du ins Internet und hältst Ausschau nach Themen. Das ist eine Lebenseinstellung.“

„Sunnhordland“ wird in der Verlagsszene seit Jahren als Erfolgsbeispiel gehandelt. Die wohl wichtigste Entscheidung der Redaktion: Die Zeitung erscheint statt fünf nur noch drei mal die Woche. Günstiger wurde das Abonnement dadurch nicht. Ein Risiko, das für alle Seiten gut ausging.

„Es ging soviel Zeit für die Produktion der Zeitung drauf. Sie fehlte für Journalismus. Jetzt sehen unsere Abonnenten: Wir geben ihnen bessere Geschichten. Deswegen waren sie nicht sehr böse. Es war kein großes Problem.“

Im Gegenteil: Obwohl die Zeitung bei gleichem Preis seltener erscheint, kommen neue Leser. „Sunnhordland“ zählt aktuell knapp 6.500 Abonnenten, bei etwa 60.000 Menschen in der Region. Am liebsten würde Chefredakteur Magne Kydland den Schalter komplett umlegen und seine Abonnenten aktuell nur noch digital informieren, dazu die gelegentlichen Magazine. Doch beim Verkauf von Werbung kommt auch hier fast jede Krone noch immer aus der gedruckten Ausgabe.

„Da wäre es doch sehr dumm, darauf zu verzichten. Das ist wegen Google und Facebook und der ganzen Konkurrenz. Und auf den Mobilgeräten ist auch gar nicht so viel Platz für Werbung. Es fällt uns sehr schwer, im Digitalen genauso viel für Werbung zu bekommen. Das ist nicht nur in Norwegen ein Problem, sondern praktisch weltweit.“

Mehr Redakteure kann sich der Chefredakteur in diesen Zeiten einfach nicht leisten. Die Folge: Seine Redaktion könnte unter dem Stichwort „Arbeitsverdichtung im Journalismus“ in die Lehrbücher eingehen. Nachrichtenchefin Hilde Nybø zieht während des Interviews einen Ärmel hoch: Ihr Arm ist bandagiert. Krank machen muss sie sich verkneifen.

Das Erstaunliche: „Sunnhordland“ wird mit Preisen überschüttet – für modernes Layout in Zeitung und Magazin, trotz oder gerade weil die Redaktion so klein ist. Die Grafiker – der Chefredakteur zählt sie nicht zu seiner Redaktion – können ihrer kreativen Energie freien Lauf lassen. Kein Journalist quatscht ihnen rein. Dafür fehlt ohnehin die Zeit.

Wie lange dieses Modell wohl gut geht? Chefredakteur Magne Kydland ist optimistisch.

„Was wir in den vergangenen Jahren in Norwegen gesehen haben: Der Lokaljournalismus ist tatsächlich stärker geworden. Es sind mehr die überregionalen und regionalen Zeitungen, denen es noch schlechter geht. In Norwegen haben wir viele Lokalzeitungen. Sie alle haben in den vergangenen Jahren gewonnen, während die größeren verlieren. Deshalb glaube ich: Lokaler Journalismus ist die Zukunft.“

Aber die Finanzierung bleibt ein Problem?

„Kein Problem, eine Herausforderung.“

Und so arbeiten die acht Journalisten weiter bis zur Belastungsgrenze – irgendwie aus Berufung, damit „Sunnhordland“ weiter eine Zeitung hat. Sie ist ohnehin schon seit Jahren in der Region nur noch die einzige.

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Mediasres”)

Fotocredit: “Norwegian flag swaying in the sun” by xoiram42 is licensed under CC BY-SA 2.0

Distanz?

Sportmoderatoren organisieren Sport-Event

für NDR Fernsehen

Manuskript des Beitrags
Trotz frühlingshafter Bedingungen: eine Premiere in Dresden. Kunstschnee für den Ski-Weltcup. Spitzensport am Elbufer.
(freistehend: Sportszene)
Ein Zuschauermagnet. Auch die Organisation dahinter: einen Blick wert.
Etwa: René Kindermann – hier auf seiner eigenen VIP-Tribüne. Sonst in anderer Funktion:
„Meine Verehrung. Herzlichen Glückwunsch – was für eine unglaubliche Leistung!“
Kindermann – als Sportreporter der ARD leidenschaftlich an der Piste, vor allem im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks.
Der Reporter Kindermann lobt andere Veranstalter, die ihr Ereignis durchziehen:
(Experte)„Ein Hoch auf die Veranstalter!“
(Kindermann)„Also das muss man – absolut wirklich sagen, unterstreichen. Unglaublich, dass das hier stattfinden konnte!“

Kurz danach wird er selbst zum Veranstalter.
Zusammen mit Torsten Püschel – hier beim Boxen, sonst kommentiert er Wintersport.
René Kindermann und Torsten Püschel – zwei ARD-Sportjournalisten in neuer Rolle – als geschäftsführende Gesellschafter –
Sportveranstalter des FIS Skilanglauf Sprint Weltcups Dresden.

„taz“-Redakteur Jürn Kruse beschäftigt sich seit Jahren mit der Nähe von Sportjournalisten zum Sport.
(Reporter)„Ist denn dieser Wechsel hin zum Sportveranstalter-Sein jetzt so etwas wie eine neue Qualität?”
(Kruse)„Ich finde es zumindest besonders bemerkenswert. Ja. Und ich finde, man muss auch eine gewisse Chuzpe haben, das so durchzuziehen.“

Der MDR berichtet über das Ereignis seiner Mitarbeiter – kommt an der Kunstschnee-Premiere nicht vorbei.
(Moderator)„Weil auf Frau Holle mal wieder kein Verlass war, mussten seit gestern – wir haben darüber berichtet – tausende Kubikmeter Schnee in die Stadt gekarrt werden.“
Und dann: der eigene Reporter als Veranstalter.
(Kindermann)„Wir haben allein durch die Temperaturen in dieser Woche zwischen 500 und 600 Kubikmeter Schnee verloren.“
(Kruse)„Es ist natürlich schwierig, wenn ich auf der einen Seite Journalist bin und auf der anderen Seite eben mit meinem Berichterstattungsgegenstand, was auch der Welt-Ski-Verband ist, Geschäftlich verbandelt bin. Eigentlich müsste ich mich entscheiden für das eine oder das andere.“
Die „Sportschau“ führt Kindermann weiter als Moderator. Aus der ARD-Sportkoordination heißt es: „Ausreichend Distanz“ sei wichtig. Deshalb: „Langlauf-Weltcups werden von anderen Kolleginnen und Kollegen im Wintersportteam betreut.“
Beide seien nur für die Nordische Kombination gebucht. Aber: Beide Weltcups sind Veranstaltungen des Welt-Ski-Verbandes. Die Trennung also: schwierig.
Auch der MDR-Programmdirektor zieht innerhalb des Wintersports die Grenze. Die beiden seien freie Mitarbeiter und bräuchten andere Standbeine. Ein Dilemma.
(Jacobi)„Sicherlich kann man darüber streiten, wo die Trennlinie dann gezogen wird. Aber wie gesagt: Es sind viele Faktoren mit zu berücksichtigen. Und wir haben es jetzt in dem Fall so entschieden. Und man muss schauen, wie es sich weiterentwickelt. Es ist ein Sonderfall. Ich kenne sonst ja auch nichts Vergleichbares. Und in dem Fall hoffe ich, dass wir auch mit der Entscheidung richtigliegen.“
(Kruse)„Ich finde, dass Herr Jacobi da hätte eine andere Grenze ziehen müssen oder zumindest deutlich machen müssen, dass er das auch problematisch findet und dass man eben mit Herrn Kindermann spricht und dass man auch der Öffentlichkeit deutlich macht: Wir hier beim MDR sehen das eigentlich kritischer und müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen.“
Dieses Mal hat das ZDF den Langlauf-Weltcup in Dresden übertragen – nicht die ARD.
(ZDF-Moderator)„Spannende Langlauf-Sprints. Direkt mitten aus Dresden – eine gelungene Premiere.“
Und die Kulisse – perfekt fürs Fernsehen:
(ZDF-Reporter)„Die Frauenkirche drüben auf der anderen Seite – man setzt diese spektakuläre Szenerie gut ins Bild.“
(Reporter)„Das käme ja perspektivisch auf die ARD – wenn wir jetzt über mindestens vier Jahre Dresden reden – auch zu. Was würde da für ein Mechanismus greifen, was müsste man überlegen, was schlagen Sie vor?“
(Jacobi)„Darüber würde ich nachdenken, wenn es so käme. Im Moment ist es spekulativ.“
(Reporter)„Es wäre einfacher für Sie, wenn es nicht dazu kommt.“
(Jacobi – lacht) „Ich habe auch genug andere Themen, mit denen ich mich beschäftigen kann. Es muss nicht zwingend das Thema sein.“

Es könnte aber Thema werden – wenn Kindermann und Partner weitermachen.
Auf ZAPP-Anfragen: keine Antworten. Wir probieren es direkt.
(Reporter) „Zwei Sätze?“
(Kindermann) „Nein!“

Kindermann lässt alles offen. Der Welt-Ski-Verband aber plant schon – bis 2021.

>> Beitrag in der NDR-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter

ARD/MDR-Moderator René Kindermann organisiert nun auch einen Ski-Weltcup. Wie geht “sein” Sender damit um?

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
Es sind Szenen wie diese aus der „Sportschau“, die zeigen, wie René Kindermann tickt. Damals – im März – haben gerade die Kombinierer Johannes Rydzek und Eric Frenzel bei der Weltmeisterschaft im finnischen Lahti Gold im Teamsprint geholt. Kindermann steht zusammen mit Bundestrainer Hermann Weinbuch – und: verbeugt sich – so tief er kann.

„Meine Verehrung!“
„Vielen Dank!“
„Herzlichen Glückwunsch! Was für eine unglaubliche Leistung auch heute wieder!“

Bei allzu begeisterten Sportjournalisten sprechen Kritiker gerne von Fans, die es hinter die Absperrungen geschafft haben. Bei René Kindermann lässt sich ergänzen: Er baut diese Absperrungen nun sogar selbst auf.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Torsten Püschel hat René Kindermann in Dresden die CitySki GmbH gegründet – Ziel: der Skilanglauf Sprint Weltcup – erstmals in Dresden, vor „spektakulärer Kulisse“, wie es heißt.

Auszug „Trailer“

Ein Werbefilm lässt dann auch Bildstärke erwarten: Langläufer entlang des Elb-Ufers, die Dresdner Altstadt im Blick. Dem Publikum dürfte das gefallen. Gut wiederum für den Sport.

Warum aber wird der Sportjournalist zum Sportveranstalter? Wird er damit nicht Teil der Szene, die er sonst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentiert? Wo will er da persönlich Grenzen ziehen? Und: Wie laufen die Vorbereitungen?

Kindermann sagt am Telefon ab – freundlich, aber bestimmt. Nur ein einziger Satz offiziell von ihm, schriftlich abgestimmt:

„Die Stadt ist der Star, wir halten uns persönlich mit Auftritten zurück.“

Eine Sprecherin des Organisationsteams sagt sogar ein bereits vereinbartes Interview mit dem Deutschlandfunk wieder ab – auch, wenn es ausdrücklich nur um die Vorbereitungen geht.

Immerhin per E-Mail verbreitet sie Euphorie: Die Dresdner seien ebenso begeistert wie die Spitzensportler. Außerdem gebe es „sachsenweit große Unterstützung“. Beim Weltverband kämen Nachhaltigkeitskonzept und Schülerprojekte gut an.

„Aus unserer Sicht sind alle Hürden aus dem Weg geschafft und der Weg ist frei für die Premiere.“

300.000 Euro schießen sowohl die Landesregierung als auch die Stadt Dresden zu – Gegenleistung für den Werbeeffekt, den so ein Ereignis in der sächsischen Landeshauptstadt bringe, so die Weltcup-Sprecherin in Ihrer E-Mail. Ansonsten finanziere sich das Projekt ganz klassisch: über Tickets und Sponsoren.

Um die kümmert sich wiederum einer, der sich mit der Nähe zum Sport-Business auskennt wie kaum ein zweiter: Hagen Boßdorf – einst Sportkoordinator der ARD mit extremer Nähe zum Radsport, heute als Vermarkter und Berater tätig.

Boßdorf ist – zusammen mit Kindermann – Ansprechpartner für „Sponsorenpakete“. Der Weltcup lockt dafür so:

„Durch die Einbettung des Skiweltcup Dresden in die Wintersport-Übertragungen von ARD oder ZDF sowie Eurosport erreichen Sie ein Millionen-Publikum.“

Wie geht der Mitteldeutsche Rundfunk mit dieser Entwicklung um – wie will er René Kindermann, den Sportveranstalter, weiter als Sportjournalisten einsetzen? Immerhin präsentiert er nicht nur die Nordische Kombination in der ARD-„Sportschau“, sondern moderiert etwa auch den „Sport im Osten“ im MDR.

Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi erklärt, er sei früh eingeweiht worden – so, wie der MDR das von seinen Mitarbeitern erwarte, die zwar einerseits freie Mitarbeiter seien, andererseits aber auch das Programm prägten. Es gebe „keine Verbindung zum MDR“. Der MDR-Sport werde nur nachrichtlich berichten. Das Ereignis zeige eh’ das ZDF. Jacobi schriftlich:

„Ich sehe keinen Grund, René Kindermann oder Torsten Püschel von anderen Projekten abzuziehen. Sie organisieren ja nicht den eigentlichen Wettkampf. Das macht der Deutsche Skiverband. Die Beiden kümmern sich um die Rahmenbedingungen: Genehmigungen, Schnee, Sicherheit. Sie machen nur einen Orga-Job.“

So sieht es jedenfalls der Programmdirektor. Sein Moderator René Kindermann – laut Jacobi „einer der bekanntesten des MDR“ – muss sich derweil mit Lärmgutachten herumschlagen. Und mit Kunstschnee beschäftigen. Kindermann hat sich Schneemaschinen liefern lassen. Denn: Wer weiß schon, ob Mitte Januar genug herunterrieselt – wenn in Dresden vor dem Elbpanorama die Langläufer sprinten werden. Zum ersten Mal.

Original-Antwort: MDR-Programmdirektor Wolf Dieter Jacobi
“René Kindermann und Torsten Püschel haben uns früh eingeweiht — so, wie wir das von unseren Mitarbeitern erwarten, die zwar einerseits freie Mitarbeiter sind, aber andererseits auch unser Programm prägen. Wir haben sie darauf hingewiesen, dass sie nicht im Namen des MDR agieren können. Ich sehe bei diesem Projekt kein Problem: Es gibt keine Verbindung zum MDR. Die Beiden werben auch nicht damit, dass sie MDR-Mitarbeiter sind. Es sind allenfalls Zeitungen, die in ihren Berichten erwähnen, dass Kindermann und Püschel auch für den MDR arbeiten — verständlich, denn René Kindermann ist zum Beispiel einer der bekanntesten Moderatoren des MDR.”

“Das Landesfunkhaus Sachsen wird sicher darüber berichten, da es ein Großereignis in Dresden ist. Der MDR-Sport wird allenfalls nachrichtlich aktiv, denn Winter-Großereignisse laufen bei ARD und ZDF. Den Skiweltcup in Dresden wird zudem das ZDF übertragen. Die beiden haben also in unseren Programmen nichts mit ihrem Projekt zu tun. Die Federführung für Skilanglauf hat ohnehin der Bayerische Rundfunk in der ARD. Ich sehe keinen Grund, René Kindermann oder Torsten Püschel von anderen Projekten abzuziehen. Sie organisieren ja nicht den eigentlichen Wettkampf. Das macht der Deutsche Skiverband. Die Beiden kümmern sich um die Rahmenbedingungen: Genehmigungen, Schnee, Sicherheit. Sie machen nur einen Orga-Job.”

>> Download MP3 (Quelle: DLF-Sport)