“Doppelmoral”: Markus Beckedahl über Lobbykampagne von Verlagen & Co.

netzpolitik.org hat ein Kampagnen-Konzept von Verlagen, Privatsendern und Verwertungsgesellschaften geleakt. Beckedahl spricht über Motive und wirft vor allem den Verlegern in Sachen Datenschutz und Facebook ein doppeltes Spiel vor. Das Gespräch lief am 31. August 2019 auch im radioeins-“Medienmagazin”.

Markus, Du hast ein Papier geleakt, das unter anderem Verleger, Chefs von Privatsendern und von Verwertungsgesellschaften unterschrieben haben. Das Ziel: eine “Informations- und Aufklärungsoffensive”, eine Werbekampagne im eigenen Sinne mit dem, ja, erklärten Ziel – Zitat – “Einflussnahme auf die öffentliche Meinungsbildung zum Umgang mit Digitalmonopolisten und sich daraus ergebende mittelbare Ertüchtigung von Beamten, Politikern, Richtern und Entscheidungsträgern, solche Urteile und Entscheidungen zu treffen, die dafür sorgen, dass die Digitalmonopolisten sich wieder an geltendes Recht halten, das heißt Kartellrecht, Datenschutz, Schutz der Kinder und Jugendlichen, Steuerrecht, Gleichbehandlung und den Schutz des geistigen Eigentums”. Kannst Du uns das als netzpolitischer Experte bitte einmal übersetzen – was soll da passieren?

Markus Beckedahl: Ja, die VG Media, das ist die Leistungsschutzrecht-Verwertungsgesellschaft vor allen Dingen der Presseverleger, hat diese Kampagne zusammen mit der Werbeagentur Jung von Matt initiiert, um ganz sicherlich im Rahmen der Reform des EU-Urheberrechts auf mögliche zukünftige Urteile, aber auch auf eine nationale Anpassung Einfluss zu nehmen. Das Narrativ, was dahinter liegt, wurde auch im Rahmen der Urheberrechtsreform auf EU-Ebene sehr häufig beschworen: Es geht darum, das kulturelle Kapital in Europa gegen die Digitalmonopolisten im Silicon Valley zu verteidigen. Aber eigentlich geht es vor allen Dingen darum, die wirtschaftlichen Interessen der beteiligten Verleger-Lobbys zu schützen und auszubauen. Und hierfür führt man dann verschiedene Debatten vorderscheinlich vor, um nicht mit dem Holzschlaghammer darauf hinzuweisen, dass es eigentlich um die Urheber von Leistungsschutzrechtsinteressen der beteiligten Unternehmen geht.

Da sind ja in dem Papier auch gleich drei Phasen – das ist eine richtig inszenierte Kampagne, die da geplant ist – drei Phasen beschrieben: Im September soll die Bekanntgabe der Claims “Nicht OK Google”, “Nicht OK Facebook”, “Nicht OK Amazon” passieren. Dann – ab Mitte September – eine Vertiefung und schließlich die Phase 3, “Botschaft: Schutz von Kindern und Jugendlichen als emotionales Finale”. Wie wirkt das auf Dich?

Markus Beckedahl: Das wirkt natürlich erst mal ein bisschen absurd. Andererseits denkt man wahrscheinlich schon, dass der letzte Kampagnenschritt nochmal ganz groß ausgeholt werden muss, dass man vielleicht auch nochmal im Rahmen der Diskussion um den Medienstaatsvertrag darauf hinweisen will, dass man hier in Deutschland als deutsche Unternehmen mehr Wert auf Kinder- und Jugendschutz legen würde als Google, Facebook und Co. Also, das ist alles, jeder einzelne dieser Schritte, jeder einzelne dieser Themen, die dort angesprochen werden, sind auch Themen, wo die beteiligten Unternehmen und Lobbys ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen dran haben und wo es nur vorderscheinlich quasi um demokratische Themen geht, die alle interessieren.

Auf einer Kampagnenwebsite – gerechtes-netz.eu – heißt es etwa “Nicht OK, dass Profite wichtiger sind als die Meinungs- und Pressefreiheit” oder “Nicht OK, dass die Großen im Netz nicht genug tun, um die Kleinen zu schützen” und “Hey Amazon, setzt mal Transparenz auf den Wunschzettel” – haben die Initiatoren der Kampagne da nicht vielleicht auch recht? Die Politik und die Regulierer wirken ja gegenüber Facebook und Co. oft sehr hilflos. Ist das vielleicht doch auch eine – sagen wir mal – gute Kampagne?

Markus Beckedahl: Ich teile einen Großteil der Forderungen. Ich bin auch für eine klare Begrenzung der Marktmacht von Google, Facebook und Co. Ich bin für viel bessere Durchsetzung von Datenschutzrechten gegenüber Unternehmen. Aber ich finde, hier gibt es auch sehr viel Doppelmoral, versteckte Doppelmoral in dieser Kampagne – beispielsweise, wenn sie sagen “Nicht OK, dass Internetgiganten mehr über uns wissen als wir” und noch weiter schreiben, Fälle wie Cambridge Analytica zeigen, unsere Daten im Internet sind nicht sicher – nicht wir haben die Kontrolle über unsere Daten, sondern Dritte; sie speichern und nutzen sie für kommerzielle Zwecke. Nun ist es halt heutzutage so, dass ich als Zuhörer, als Zuschauer, als Leser auf so gut wie jeder Verlagsseite oder Medienwebseite in Deutschland von einer Vielzahl von Drittunternehmen getrackt werde, wo die Verleger selbst schon längst die Kontrolle darüber verloren haben, wer da wie wen trackt und wo diese Daten hingehen.

Das heißt, wenn den Verlegern hinter dieser Forderung tatsächlich auch etwas – also wenn sie da hinter stehen würden, dann könnten sie ganz einfach den Schritt machen, sofort auf allen ihren Webseiten die Facebook-Tracker rauszunehmen, denn sie unterstützen auf der einen Seite Facebook, Google und Co. in der Datensammlung. Auf der anderen Seite verhindern sie zusammen mit Facebook, Google und Co., dass wir strengere Datenschutzregeln bekommen gegen intransparentes Tracking, wie es z.B. die EU-e-Privacy-Verordnung vorgesehen hatte, wo aber dann der Verband der Zeitungsverleger vor strengen Datenschutzregeln gegen intransparentes Tracking mit den Argumenten gewarnt hat, das wäre ein Ende der Demokratie.

Dass ihr das Papier bekommen habt, dass das jemand geleakt hat ja offensichtlicher aus dem Kreis derjenigen, die da die Kampagne im eigenen Sinne ja fahren sollen, zeigt ja, dass mindestens einer nicht damit einverstanden ist, wie das läuft. Wie glaubst Du, wie umstritten ist das innerhalb der Verbände und Konzerne?

Markus Beckedahl: Vor allen Dingen diese Lobbys zur Verschärfung des Urheberrechts haben immer den Eindruck suggeriert, dass alle Verleger, alle Urheber hinter diesen Maßnahmen stehen würden. Wir haben damals schon bei der EU-Urheberrechtsreform gesagt, das stimmt so nicht: Es gibt auch sehr viele Verleger und Urheber, die gegen Google und Co. sind, die aber trotzdem dieses so verabschiedete Urheberrecht mit Uploadfiltern und Leistungsschutzrecht für schädlich und schlecht halten, die ein anderes, besseres Urheberrecht wollen. Und ich vermute mal, die Quellen, die uns das zugeschickt haben, haben ein ähnliches Interesse und wollen auch, dass in der Öffentlichkeit darüber diskutiert wird.

Das Geschäft mit Verkürzungen

In “Zitat-Kacheln” verkürzen Medien Reden und Interviews teils deutlich. Zusammen mit Caroline Schmidt habe ich mich für ZAPP gefragt: Wie legitim ist diese Praxis?

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —
Er ist einer, der Debatten gerne mal anheizt: SPD-Vize Ralf Stegner. Was denkt er, wie weit dürfen Medien das dann noch zuspitzen? Für ZAPP schaut er sich Texttafeln an. Erstes Beispiel: Ein langer Tweet: Thema Enteignung für bezahlbaren Wohnraum. Auf der Tafel verdichtet zu einem Halbsatz.
“Enteignung als Notwehrrecht für handlungsfähigen Staat.”
“Klarheit ist gut. Verständlichkeit auch. Das ist zulässige Polemik zwischen demokratischen Parteien. Dagegen ist nichts zu sagen.”
Das nächste Zitat nicht verkürzt, aber der Zusammenhang fehlt. So provoziert’s.
“Ein Diesel-SUV, das nur wenige Kilometer genutzt wird, ist umweltfreundlicher als der Kleinwagen mit hoher Fahrleistung.”
“Der hat das sicherlich ein bisschen anders sagen wollen, aber: Pech gehabt. Dass das den Spott der Konkurrenz findet, da darf er sich nicht beschweren, zumal er ja auch ein sehr zugespitzter Formulierer selber ist. Und insofern finde ich: Das gehört zum Geschäft dazu. Wem es zu warm in der Küche ist, der sollte nicht Koch werden. “
Zuspitzungen – für Stegner okay. Manches werde aber auch bewusst verdreht. Ein Tweet aus dem Jahr 2016 verfolgt Stegner bis heute.
Fakt bleibt, man muss Positionen und Personal der Rechtspopulisten attackieren, weil sie gestrig, intolerant, rechtsaußen und gefährlich sind.
Das rechte Portal PI-News nutzte das Zitat, um Stegner für einen Anschlag auf einen AfD-Politiker verantwortlich zu machen.
“Das missbrauchen die jetzt ständig, zu behaupten, man würde zur Gewalt gegen sie aufrufen – das ist ein Missbrauch, offenkundig das Gegenteil, was gemeint ist, auch in der Verkürzung nicht zulässig, weil ich in vielen Äußerungen immer klar gesagt habe, dass ich Gewalt ablehne, in jedweder Form.”
So funktionieren Texttafeln oder Kacheln. Scheinbar transportieren sie wörtliche Zitate. Tatsächlich aber sind diese oft verkürzt, der Kontext fehlt, manche gar verfälscht.
So auch im Fall Linnemann. Der CDU-Politiker hatte der Rheinischen Post ein Interview gegeben. Darin sagt er, dass Kinder, die kaum Deutsch können, auf einer Grundschule noch nichts zu suchen hätten. Die dpa griff diese Aussage auf, spitzte sie zu – mit folgendem Titel:
CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können.
Als die Journalisten bei der Rheinischen Post die Kachel sahen, waren sie überrascht.
“Unser erster Impuls war: Auweia, das werden die bereuen.”
Die Meldung verbreitete sich in Windeseile – und mit ihr die Empörung im Netz.
Dumpfbacken
Populistischer Unfug.
Rassistisch.

Schnell berichten Medien über den Aufreger:
Carsten Linnemann sorgt mit Grundschulaussage für Empörung
Kein Deutsch, keine Einschulung?
Eva Quadbeck mag eigentlich Zuspitzungen. Nur so bekomme man in den Sozialen Medien Aufmerksamkeit für die eigenen Inhalte.
“Aber man darf sie nicht unzulässig zuspitzen und man muss sich auch selber prüfen ob man mit dem mit der Art und Weise wie man zuspitzt nicht Missverständnisse produziert. Und ein Wort wie das Grundschulverbot produziert natürlich Missverständnisse und drückt auch denjenigen, der das gesagt hat einfach in eine falsche Ecke.”
Linnemann habe eine Vorschulpflicht gefordert. Kein Grundschulverbot. Gerade seriöse Medien sollten hier sauber sein.
“Weil wir mit diesen Meldungen auffallen wollen, lassen wir uns dazu herab immer steiler immer schriller zu werden? Nein das sollten wir natürlich nicht tun.
Die Verlockung ist allerdings groß im Kampf um die Aufmerksamkeit im Ne
tz. ”
Auch die Tagesschau verbreitet ihre Inhalte längst bei Facebook, Twitter und Instagram. So gut es geht jedenfalls.
“Wir können bei Instagram nicht einen kompletten Nachrichtenüberblick liefern, aber wir können den Menschen, die dort unterwegs sind eben zeigen, Tagesschau ist eine Marke für Nachrichten, und wer sich dafür interessiert, kann unser Gesamtangebot auch nutzen, auf anderen Kanälen auch nutzen.”
Ein Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen auch hier: Kacheln mit maximal verkürztem Text.
“Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Verknappung und Kontext. Journalismus ist insgesamt immer eine Gratwanderung, weil es ja unheimlich schwer ist, das gesamte Bild abzubilden.”
Und so passieren ab und zu Fehler. Auf Twitter entschuldigt sich der Nachrichtenchef der dpa ausführlich:
“Linnemann hat nicht von einem Grundschulverbot gesprochen. Wir haben mit dieser selbstgewählten Formulierung die Äußerungen über ein journalistisch zulässiges Maß hinaus zugespitzt. Das bedauern wir.”
Ein richtiger Schritt, findet auch Eva Quadbeck, denn:
“Umso wichtiger ist natürlich dass die klassischen Medien ihr Geschäft entsprechend seriös betreiben und nicht selber eine Instagramisierung für sich zulassen. Die einfache Botschaft kann nur die Hinleitung zur Differenzierung sein.”
Wie gut müssen Grundschüler Deutsch können? Viele Zeitungen haben diese Frage dann doch noch erörtert. So hat eine reißerische Verfälschung am Ende zu einer ausgewogenen Debatte geführt.
“Man muss auch immer bedenken: Neben der virtuellen Welt gibt es immer auch eine reale. Und beides muss betrachtet werden. Und manche Aufregung ist wie gesagt ein Shitstörmchen im Wasserglas.”

>> Beitrag in der NDR-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Facebook-Chef Zuckerberg spielt wohl auf Zeit

Facebook-Chef Mark Zuckerberg fordert plötzlich Regulierung. Sind Zuckerbergs Aussagen glaubhaft – oder nur ein geschickter Schachzug? Das habe ich für NDR Info kommentiert.

für NDR Info

Nur kurz war Mark Zuckerberg in Berlin, doch sein Besuch hatte es in sich: Der Facebook-Gründer platzierte seine Forderung nach einer internationalen Regulierung – beim Treffen mit Politikern, aber auch im Gespräch mit der ARD. Er wolle, sagte Zuckerberg, mehr gegen “schädliche Inhalte oder politische Einflussnahme” unternehmen.

Das Wort “Verantwortung” fiel auffällig oft. Facebook sei jedoch nur dafür zuständig, die nötige Technik zu entwickeln. Was genau erlaubt sei und was eigentlich politische Meinungsäußerungen seien, das solle doch besser die Gesellschaft entscheiden – also letztlich: die Politik.

Facebooks plötzlicher Kurswechsel

Erinnern wir uns: Zuckerbergs Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren mit aller Kraft gegen strenge Regeln etwa im Umgang mit Hasskommentaren gekämpft – in Deutschland auch gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

Nun lobbyiert Facebook nicht mehr gegen, sondern plötzlich für gesetzliche Vorgaben? Ja, das ist ein Kurswechsel. Es ist aber vor allem auch eines: die Flucht nach vorn.

Alle und alles gegen den “blauen Planeten”

Der Schöpfer des “blauen Planeten”, wie Facebook angesichts seines dunkelblauen Logos und seinen mehr als zwei Milliarden Nutzerinnen und Nutzern weltweit gerne genannt wird, hat offensichtlich ganz einfach erkannt, dass er die Öffentlichkeit nicht für sich gewinnen konnte.

Erst kam in Deutschland das NetzDG, dann in Europa die DSGVO, die Datenschutzgrundverordnung. Dazu der äußerst unglückliche Auftritt Zuckerbergs vor dem US-Kongress. Alle und alles gegen Facebook.

Ein durchsichtiger, aber kluger Versuch

Dass Zuckerberg neulich schon erklärte, seine Plattform werde zum neuen, großen Datenschutz-Vorreiter, und nun auch noch der Politik zuruft: “Reguliert uns bitte!”, ist der ziemlich durchsichtige, aber nicht unkluge Versuch, die Stimmung zu drehen und aus der ohnehin schärferen Gesetzeslage das Beste zu machen. Facebook soll als Treiber dastehen, nicht als Getriebener.

Hat Zuckerberg tatsächlich verstanden?

Ja, vielleicht hat Zuckerberg auch tatsächlich verstanden – immerhin beteiligt sich das Facebook-Management zunehmend an öffentlichen Diskussionen und erklärt endlich besser, wie die Plattform und die bisherigen Filtermechanismen funktionieren.

Es wäre natürlich ein Gewinn, wenn der öffentliche Druck – auch der Bundesregierung – zu einem Sinneswandel geführt hätte. Wahrscheinlicher ist: Der neuerliche Vorstoß ist eine clevere Verzögerungstaktik.

Regulierung auf internationaler Ebene ist unmöglich

Zuckerberg will keinen “Flickenteppich unterschiedlicher Regeln”, sondern plädiert für eine Regulierung auf internationaler Ebene. Das klingt plausibel, schließlich macht “dieses Internet” nicht vor Landesgrenzen halt.

Allein: Schon für europäische Regeln gehen Jahre ins Land. Neue Spielregeln gar interkontinental einzuführen, das hieße in aller Konsequenz, Russland und China mit einzuschließen. Das fällt realistisch gesehen eher in die Kategorie “Unmöglich!”. Mark Zuckerberg könnte sich derweil bequem zurücklehnen und sich dabei ins Fäustchen lachen.

(Quelle: NDR Info)

ZDF-Redakteur Niehaves über die Facebook-Falle

Der “WISO”-Chef hat auf der Fachtagung “Wissen ist Macht – Verbraucherjournalismus” erklärt, wie der Algorithmus von Facebook JournalistInnen dazu zwingt, auf bestimmte Inhalte zu setzen – und warum er dennoch nicht Fan der Idee ist, eine große europäische Plattform dagegen zu setzen.

ZDF-Redakteur Niehaves über die Facebook-Falle weiterlesen

Super-Mediathek: ARD-Chef sagt YouTube & Co. Kampf an

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
Der Medienmix von heute: Fernsehen über Youtube, Netflix oder Amazon Prime: ein reiches Angebot, gut sortiert, mit passenden Vorschlägen für die Nutzer. Dazu: Google zum Nachschlagen. Und Facebook – für den bequemen Austausch mit Freunden. Gemeinsam sind sie die digitale Heimat für Milliarden Nutzer. Dabei sind all diese Angebote Produkte von Firmen aus den USA.
Und Europa? Beispiel Deutschland. Die digitalen Angebote: klein und zersplittert. Für Nutzer: unbequem. Soziale Medien, die auch Nutzer vernetzen: Fehlanzeige.
Er findet das unerträglich: Ulrich Wilhelm, Vorsitzender der ARD. Seit Monaten trommelt er für einen Gegenentwurf. Seine Vision, auch auf den Münchner Medientagen.
„Ich glaube, bin wirklich davon überzeugt, dass wir eine europäische Alternative entwickeln sollten, die wir dann neben die Dominanz von Facebook, Youtube, Google stellen können.“
Wilhelm will, dass Medien in Deutschland ihre Power und ihre Inhalte bündeln. Seine Vision: eine Art „Supermediathek“. Am liebsten sogar: für ganz Europa.
„Ich halte es für realistisch, wenn Europa seine Kräfte bündelt. Als Airbus noch ein Konzept war, sagte auch jeder, es ist völlig sinnlos gegen Boeing anzutreten.“
Die Supermediathek, ein politisches Projekt wie einst Airbus? Für Sascha Lobo, den Digitalexperten und Autor, taugt dieser Vergleich des ARD-Vorsitzenden nicht.
„Als man sich entschieden hat, in Europa Airbus herzustellen, da musste man ein halbes Dutzend Flugzeug-Einkäufer überzeugen und das war’s. Und zwar Flugzeug-Einkäufer, die eine sehr große Übereinstimmung haben mit den jeweiligen nationalen Interessen, die man als Bundeskanzlerin ansprechen kann. Wenn man aber viele hunderte Millionen Bürgerinnen und Bürger überzeugen muss, dann ist völlig egal, was Frau Merkel sagt. Und dann ist total schnurz, ob irgendeine Internet-Ministerin sagt, das hier kommt aber aus Deutschland oder die Server stehen in Europa. Dann muss man sich im digitalen Alltag beweisen.“
Das Problem: Konzerne wie Google und Facebook sind technologisch weit voraus. Im Netz inszenieren sie ihre Rechen- und Speicherkraft mit Standorten auf der ganzen Welt. Und überhaupt: Die US-Konzerne haben die Nutzer. Facebook mehr als zwei Milliarden weltweit. Sie will Facebook halten, baut dafür das Angebot stetig aus, auch im Bereich Video. Im Sommer stellt Mark Zuckerberg „Watch Party“ vor. Freunde treffen sich auf Facebook, um gemeinsam Videos zu schauen, parallel können sie miteinander chatten.
„Du kannst zusammen lachen. Zusammen weinen. Einige meiner Freunde haben das wirklich gemacht! (Lacht)“
Lobo weiß: Ihr Entwicklungstempo hat Facebook und Youtube so erfolgreich gemacht. Für die Vision Ulrich Wilhelms eine enorme Hürde.
„Die Mediatheken sind zwar auf einem richtigen Weg, aber da auch erst am Anfang. Es beginnt damit, dass sie häufig aufbauen auf veralteten Technologien und nicht Schritt halten mit der sehr großen Entwicklungsgeschwindigkeit. Es gibt einen Begriff, der ist schon über 10 Jahre alt im Internet, der nennt sich ‚perpetual Beta‘. Das bedeutet, dass man ständig sein Produkt weiterentwickelt, nie fertig ist, immer versucht es zu verbessern anhand der Daten der Nutzer entlang. Und das hat man in ganz vielen Bereichen in Deutschland noch nicht verstanden.“
Anfang dieser Woche in Berlin: ein Kongress mit Medienmanagern und Politikern. Die Sehnsucht nach einer starken heimischen Plattform: Sie ist da.
„Warum sollten die Europäer da nicht mal führend sein? – wo man alle Medien zulässt und wo alle dann nach der Zahl der Klicks, die aufgerufen werden, ihren Anteil an den Einnahmen haben. Wo es möglich ist, Werbeeinnahmen zu erzielen, die nicht in den Kassen von Google und von Amazon und von Facebook gehen.“
Doch nicht einmal bei den öffentlich-rechtlichen sind alle Fans einer „Supermediathek“. Der Intendant des ZDF fürchtet den Bedeutungsverlust.
„Man sieht es zum Beispiel an der ‚heute show‘. Die wird linear mit Wiederholungen so ungefähr von fünf Millionen gesehen und mittlerweile 600.000 sehen Sie in der Mediathek – komplett übrigens. Wir wissen, in Youtube sind es auch noch mal einige Hunderttausend. Wir wissen das nicht ganz genau. Das ist ein Zustand, mit dem ich leben kann. Jetzt zu sagen, wir geben das alles auf für etwas anderes, ist mir viel zu früh und auch zu riskant.“
Die wohl größte Hürde: unterschiedliche Interessen. Die einen bieten Inhalte kostenfrei an. Andere wollen Geldverdienen. Sender sollen dabei sein, aber auch Verlage – mit Text. Sogar Inhalte von Nutzern sollen rein.
Die „Supermediathek“ soll irgendwie alles sein. Doch wenn sich nicht mal ARD und ZDF einig sind, wie dann Deutschland – oder Europa?
Man könnte sagen, es ist ein mutiges Projekt, was Sie da anstoßen wollen, oder extrem naiv. Wo positionieren Sie sich?
(Lacht) „Na ja. Für Naivität, glaube ich, bin ich schon zu alt. Hier geht es aber um etwas und deshalb bin ich so leidenschaftlich. Hier geht es um die Werte, nach denen wir leben wollen. Es geht um Glaubwürdigkeit von Inhalten.“
Ein Visionär – oder nur ein Mann mit Visionen? Es fehlt ein konkreter Entwurf. Was soll die „Supermediathek“ wirklich sein – und was besser nicht?
>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Welche Nutzerdaten dürfen bei Facebook landen?

für NDR Info

>> Beitrag bei “NDR Info

— Transkript des Beitrags —

Wenn es um Datenschutz geht, ist Matthias Eberl gründlich. Beim Surfen im Internet nutzt er beispielsweise zwei Browser. Das ist unbequem, soll aber verhindern, dass sich die Daten vermischen. Vor allem Facebook soll keinen Zugriff erhalten auf das, was Eberl sonst im Internet tut. Umso überraschter war er als ihm das soziale Netzwerk plötzlich Hotels vorschlug – zu Reiszielen, nach denen er sich zuvor tatsächlich erkundigt hatte – auf dem Reiseportal booking.com.

„Da habe ich überlegt, wie das überhaupt zustande gekommen sein kann und hab‘ eben herausgefunden, dass Facebook tatsächlich von ‚Booking‘ meine E-Mail-Adresse bekommen hat.“

Das funktioniert über eine Schnittstelle namens „Custom Audience“. Facebook bietet Seitenbetreibern dabei an, ihre Kunden bei Facebook zu identifizieren, um ihnen dann persönlich zugeschnittene Werbung anzuzeigen – in diesem Fall eben Hotels. Die Daten dafür werden zwar teilanonymisiert. Letztlich kann Facebook die Informationen aber wieder den Profilen zuordnen.

„Um mich dann dort bewerben zu können, muss natürlich ‚Booking‘ auch angeben, dass ich in Wien oder in Bern Interesse an Hotels habe. Und das ist für mich dann tatsächlich auch etwas gewesen, wo eine Grenze überschritten ist, dass also Kundendaten, wo ich einfach davon ausgehe, dass sie vertraulich behandelt werden, an Dritte weitergegeben werden.“

Heiko Dünkel ist Referent für „Rechtsdurchsetzung“ beim Verbraucherzentralen Bundesverband. Er verweist auf ein Gerichtsurteil aus diesem Frühjahr, das Seitenbetreiber beim Einsatz von Werbe-Instrumenten wie „Custom Audience“ in die Pflicht nimmt. Immerhin wanderten Kundendaten gezielt an das soziale Netzwerk.

„Damit ist nach Auffassung des Verwaltungsgerichts in Bayreuth eine Weitergabe der Daten an Facebook verbunden. Und dafür braucht man eine Einwilligung. Das kann man nicht über eine Interessensabwägung machen.“

Portale müssten Nutzer beim Anlegen eines Profils also direkt fragen, ob sie diese spezielle Verknüpfung zu ihrem Facebook-Profil also wollen.

„Das Risiko für Verbraucher besteht hier vor allen Dingen darin, dass er überhaupt keine Kontrolle mehr hat, was mit seinen Daten angestellt wird. Gerade im Fall von Facebook stellt ja Facebook dieses Tool den Unternehmern ja nicht nur im Interesse der Unternehmer zur Verfügung, sondern Facebook verwendet diese Daten dann auch selber.“

, mahnt Verbraucherschützer Dünkel. Er hat selbst gerade einen anderen Fall in Sachen „Custom Audience“ auf dem Tisch und bereitet juristische Schritte vor. Matthias Eberl hat wiederum Beschwerde gegen booking.com eingereicht – als Münchner bei der Bayerischen Datenschutzaufsicht.

„Im Idealfall wird booking.com dieses Vorgehen einfach untersagt und zwar ausdrücklich. Und der zweite Idealfall wäre natürlich auch, dass da eine Strafe verhängt wird, die nach meiner Ansicht auch einfach fällig wird, weil ‚Booking‘ ein Unternehmen sein müsste, was diese ganzen rechtlichen Sachen vorher ordentlich geklärt hat.“

Booking wiederum teilt auf Anfrage von NDR Info nur Grundsätzliches mit: Datenschutz sei dem Unternehmen sehr wichtig. Außerdem setze man auf Instrumente, die sehr etabliert seien und seit Jahren von vielen Unternehmen eingesetzt würden. Das Motto also: Es machen am Ende doch praktisch alle.

Booking.com glaubt auch, sich an die Datenschutzgrundverordnung zu halten. Nun müssen Datenschützer entscheiden, ob das wirklich so ist und dann gegebenenfalls auch: weitere Gerichte.

Lutz Marmor: Warum der NDR weniger auf Facebook hinweist

Auf der Jahrestagung des Netzwerk Recherche hat NDR-Intendant Lutz Marmor angekündigt, dass sein Sender stärker auf Distanz zu Facebook gehen wird. Mitschnitt seiner Aussage in der Diskussion “Facebook und Medien: Das Ende einer Partnerschaft?”

Facebooks PR-Offensive

Der Politik steht Facebook-Gründer Mark Zuckerberg derzeit Rede und Antwort – in den USA ebenso wie in Europa. Facebook kämpft gegen das Image an, eine “Blackbox” zu sein, auch mit weiteren Aktivitäten. Doch wie offen, transparent und ansprechbar ist Facebook dabei wirklich?

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
“Guten Abend, good evening ladies and gentlemen and a very, very warm welcome to this Facebook-“Forum”-event on Community Standards. I am …”

Guten Abend zum Facebook-“Forum: Gemeinschaftsstandards” – einer neuen Diskussionsrunde, in der sich künftig weltweit Facebook-Vertreter und Kritiker austauschen über die Löschpraxis des Konzerns bei Hass, Hetze und anderen umstrittenen Inhalten. Ein wesentlicher Bestandteil der neuen PR-Offensive.

Facebook hat seine lange geheimen “Gemeinschaftsstandards” veröffentlich, das Handbuch für seine Löschteams, und stellt das Dokument selbst zur Diskussion. So wird – anders als lange üblich – nicht nur über Facebook geredet, sondern auch mit.

Den Auftakt macht der Konzern passenderweise in Deutschland. Hier hat das Netzwerkdurchsetzungsgesetz zu Jahresbeginn den Druck auf Plattformen erhöht. Aus dem Silicon Valley in Berlin eingeflogen ist Facebook-Managerin Monika Bickert.

“Thank you so much for coming and sharing your time with us…”

Die Juristin hat für die US-Regierung gearbeitet. Inzwischen leitet sie bei Facebook als “Head of Global Policy Management” die Löschaktivitäten des Konzerns. Ihre Botschaft: Die Löschtrupps seien so groß und auf der ganzen Welt verteilt – da könnten nur sehr detaillierte Regeln dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter gleich darüber entscheiden, ob ein Inhalt auf der Seite stehen bleiben darf oder nicht – egal, ob sie gerade in den USA oder Deutschland sitzen:

“We have these people sitting – with different backgrounds, in different areas – we have to make sure, they reach the same decision, whether the content is reviewed in the US or is reviewed here. And so that is why these rules have to be so detailed to be operable.”

Dem Publikum zeigt Bickert auch einzelne Fälle aus der Praxis. Die nackte Brust einer Frau – erlaubt, wenn sie etwa stillt und keinen Sex hat, zum Foto offensichtlich nicht gezwungen wird und vor allem volljährig ist. Solche Entscheidungen sind nicht immer einfach. Das wird den Besuchern bei diesem seltenen Einblick in die Praxis klar. Die Strategie von Facebook geht auf. Die Diskussion weckt Verständnis.

Facebook lädt auch immer häufiger Journalisten, Politiker und Vertreter von Verbänden für Menschen- und Freiheitsrechte zur Diskussion. So wie an diesem Abend Christan Mihr, den Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen Deutschland. Er sagt: Nach Jahren der Geheimnistuerei öffne sich Facebook nun – irgendwie.

“Ich weiß noch nicht, in welche Richtung sich das entwickelt, aber ich erlebe schon Facebook-Vertreter – zum Teil dieselben Facebook-Vertreter, die ich vor drei, vier Jahren hinter verschlossenen Türen gesehen habe – die jetzt öffentlich reden und auch anders reden.”

Dazu kommt, dass Facebook sich nicht mehr gänzlich abschottet, sondern sich zunehmend mit der Gesellschaft vernetzt. Das Vehikel dazu sind die Medien, die über ihre Berichterstattung Stimmung für oder gegen das Netzwerk machen können. Letztlich zieht Facebook da mit Google gleich. Google finanziert bereits mit einem ordentlichen dreistelligen Millionen-Betrag europaweit Projekte aus dem Journalismus und macht sich so gezielt in der Medienszene beliebt.

Der Geschäftsführer von “Spiegel Online” hat gerade erklärt, er wechsle bald zu Facebook, um sich um “Medienpartnerschaften” zu kümmern. Außerdem finanziert Facebook der Hamburg Media School nun einen Studiengang, der etablierte Journalisten fit fürs Digitale machten will. Ein Wohlfühlpaket – Reisekosten inklusive.

Herzstück dieser PR-Offensive sind aber natürlich die Auftritte von Portalgründer Mark Zuckerberg – erst in Washington, nun auch in Brüssel. Es ist ganz offensichtlich die kommunikative Flucht nach vorn, um einer weiteren Regulierung zu entgehen oder gar einer Zerschlagung. Immerhin ist Facebook längst ein Imperium für digitale Plattformen. Auch Whatsapp und Instagram gehören dazu.

Der Auftritt von Mark Zuckerberg in Brüssel zeigt allerdings auch, dass Facebook bei aller neuen Offenheit die Kommunikation weiter so gut es geht kontrollieren will.

“So thank you for inviting me to the European Parliament today. And I am ready to take your questions which I am looking forward to hearing and I will answer together at the end.”

Zuckerberg erklärte, er freue sich vor dem EU-Parlament zu sein. Er sei bereit, Fragen zu beantworten und neugierig. Nur – er werde sich erst alle Fragen anhören und dann abschließend Antworten. Am Ende blieb dabei einiges auf der Strecke. Abgeordnete empörten sich. Sie hätten sich – wie vor dem US-Kongress – einzelne Frage-Antwort-Pärchen gewünscht. Zuckerberg habe sich aber durchgesetzt.

Ja, Facebook kommuniziert spürbar mehr, hat dabei aber noch die Handbremse angezogen. So auch bei der Premiere der “Forum”-Reihe zur Löschpraxis. Die einzigen Kameras, die erlaubt waren, kamen von Facebook – für einen Mitschnitt im Netz. Die eingeflogene Managerin beantwortete zwar Fragen von Journalisten, aber nur hinter verschlossener Tür. In ein Mikrofon sollte sie nicht sprechen, erklärten ihre Pressesprecher auch @mediasres. Monika Bickert habe doch genug erzählt.

Christian Mihr, der mit der Facebook-Managerin öffentlich diskutierte, ist mit ihr nicht immer einer Meinung, aber – so wie Facebook – gegen Lösch-Vorgaben wie das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Wenn Facebook sich nun tatsächlich öffnet, ist das Portal dann so salonfähig, dass Organisationen wie Reporter ohne Grenzen gemeinsam mit Facebook gegen solche Gesetze vorgehen? Mihr winkt ab:

“Ich bin zwar vorsichtig optimistisch, dass Facebook unter einem Druck der Öffentlichkeit aus verschiedenen Richtungen weltweit sich bewegt. Aber das Misstrauen in Facebook ist über die Jahre so gewachsen und so groß geworden, da muss erstmal mehr passieren, bis Reporter ohne Grenzen mit Facebook eine Lobby-Strategie koordiniert.”

>> Download MP3 (Quelle: DLF-“Mediasres”)

“Zeit Online”-Geschäftsführer und ProSiebenSat1-Boss zur “Super-Mediathek”

Wenn Ulrich Wilhelm für seine Amtszeit als ARD-Vorsitzender ein Thema auf seine Agenda gesetzt hat, dann ist es die Idee, mit einer Art “Super-Mediathek” aus öffentlich-rechtlichen, aber auch privaten Inhalten etwas gegen die Übermacht aus dem Silicon Valley zu tun (Interview mit ihm u.a. dazu für ZAPP hier). Zuletzt hatte sich dazu etwa “Spiegel”-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer wohl gesonnen geäußert. Zwei neue Stimmen zum Spiel.

ProSiebenSat.1-Chef Conrad Albert gab sich im “Handelsblatt” euphorisch:

“Ulrich Wilhelm ist ein echter Vordenker. Ich begrüße die Idee. Wir brauchen deutsche und europäische Alternativen zu Netflix, Amazon Prime oder Youtube. Wir müssen mehr gemeinsam Hand in Hand machen, gerade auf der Inhaltsebene. Hier liegt unsere Kraft. Wir bei Pro Sieben Sat 1 wollen daher noch stärker lokale und Live-Inhalte ausbauen – auch als Gegenpol zu der amerikanischen Massenware.”

“Zeit Online”-Geschäftsführer Rainer Esser, für dessen Portal ich ürigens erst neulich die Debatte zusammengefasst habe, sagte auf dem Europäischen Zeitungskongress in Wien:

“Auf jeden Fall, das ist doch wunderbar! Nur die Idee eines ‘Gegen-Facebook’? Den Begriff finde ich – mit Verlaub – ein bisschen gaga. Wenn sich Qualitätsmedien zusammenschließen, um auf ihrer Plattform mehr Traffic, mehr Action, mehr Freude zu erzeugen – allemal! Aber wir sollten schauen: Was macht Facebook denn erfolgreich? Das ist die Zentrierung auf den Nutzer. Das schaffen die halt zehn Mal besser als die meisten Medien, als Fernsehen, als Onlineportale. Die Zentrierung auf den Nutzer und das Engagement der Nutzer, dass halt jeder – ich weiß nicht – eine halbe Stunde oder eine Stunde auf diesem Medium ist. Dass das einem Konsum von möglicherweise ‘Zeit Online’ oder Puls-Formaten abgängig ist, das ist halt so. Dann sind die halt besser als wir. Wir sollten lernen. Wir sollten uns anschauen, was machen die so gu[t].”