Millionen für deutsche Verlage

Der Tech-Konzern Google pumpt immer mehr Geld in die Medienlandschaft, auch in Deutschland. Für ZAPP habe ich eine Zwischenbilanz gezogen. Millionen für deutsche Verlage weiterlesen

“Doppelmoral”: Markus Beckedahl über Lobbykampagne von Verlagen & Co.

netzpolitik.org hat ein Kampagnen-Konzept von Verlagen, Privatsendern und Verwertungsgesellschaften geleakt. Beckedahl spricht über Motive und wirft vor allem den Verlegern in Sachen Datenschutz und Facebook ein doppeltes Spiel vor. Das Gespräch lief am 31. August 2019 auch im radioeins-“Medienmagazin”.

Markus, Du hast ein Papier geleakt, das unter anderem Verleger, Chefs von Privatsendern und von Verwertungsgesellschaften unterschrieben haben. Das Ziel: eine “Informations- und Aufklärungsoffensive”, eine Werbekampagne im eigenen Sinne mit dem, ja, erklärten Ziel – Zitat – “Einflussnahme auf die öffentliche Meinungsbildung zum Umgang mit Digitalmonopolisten und sich daraus ergebende mittelbare Ertüchtigung von Beamten, Politikern, Richtern und Entscheidungsträgern, solche Urteile und Entscheidungen zu treffen, die dafür sorgen, dass die Digitalmonopolisten sich wieder an geltendes Recht halten, das heißt Kartellrecht, Datenschutz, Schutz der Kinder und Jugendlichen, Steuerrecht, Gleichbehandlung und den Schutz des geistigen Eigentums”. Kannst Du uns das als netzpolitischer Experte bitte einmal übersetzen – was soll da passieren?

Markus Beckedahl: Ja, die VG Media, das ist die Leistungsschutzrecht-Verwertungsgesellschaft vor allen Dingen der Presseverleger, hat diese Kampagne zusammen mit der Werbeagentur Jung von Matt initiiert, um ganz sicherlich im Rahmen der Reform des EU-Urheberrechts auf mögliche zukünftige Urteile, aber auch auf eine nationale Anpassung Einfluss zu nehmen. Das Narrativ, was dahinter liegt, wurde auch im Rahmen der Urheberrechtsreform auf EU-Ebene sehr häufig beschworen: Es geht darum, das kulturelle Kapital in Europa gegen die Digitalmonopolisten im Silicon Valley zu verteidigen. Aber eigentlich geht es vor allen Dingen darum, die wirtschaftlichen Interessen der beteiligten Verleger-Lobbys zu schützen und auszubauen. Und hierfür führt man dann verschiedene Debatten vorderscheinlich vor, um nicht mit dem Holzschlaghammer darauf hinzuweisen, dass es eigentlich um die Urheber von Leistungsschutzrechtsinteressen der beteiligten Unternehmen geht.

Da sind ja in dem Papier auch gleich drei Phasen – das ist eine richtig inszenierte Kampagne, die da geplant ist – drei Phasen beschrieben: Im September soll die Bekanntgabe der Claims “Nicht OK Google”, “Nicht OK Facebook”, “Nicht OK Amazon” passieren. Dann – ab Mitte September – eine Vertiefung und schließlich die Phase 3, “Botschaft: Schutz von Kindern und Jugendlichen als emotionales Finale”. Wie wirkt das auf Dich?

Markus Beckedahl: Das wirkt natürlich erst mal ein bisschen absurd. Andererseits denkt man wahrscheinlich schon, dass der letzte Kampagnenschritt nochmal ganz groß ausgeholt werden muss, dass man vielleicht auch nochmal im Rahmen der Diskussion um den Medienstaatsvertrag darauf hinweisen will, dass man hier in Deutschland als deutsche Unternehmen mehr Wert auf Kinder- und Jugendschutz legen würde als Google, Facebook und Co. Also, das ist alles, jeder einzelne dieser Schritte, jeder einzelne dieser Themen, die dort angesprochen werden, sind auch Themen, wo die beteiligten Unternehmen und Lobbys ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen dran haben und wo es nur vorderscheinlich quasi um demokratische Themen geht, die alle interessieren.

Auf einer Kampagnenwebsite – gerechtes-netz.eu – heißt es etwa “Nicht OK, dass Profite wichtiger sind als die Meinungs- und Pressefreiheit” oder “Nicht OK, dass die Großen im Netz nicht genug tun, um die Kleinen zu schützen” und “Hey Amazon, setzt mal Transparenz auf den Wunschzettel” – haben die Initiatoren der Kampagne da nicht vielleicht auch recht? Die Politik und die Regulierer wirken ja gegenüber Facebook und Co. oft sehr hilflos. Ist das vielleicht doch auch eine – sagen wir mal – gute Kampagne?

Markus Beckedahl: Ich teile einen Großteil der Forderungen. Ich bin auch für eine klare Begrenzung der Marktmacht von Google, Facebook und Co. Ich bin für viel bessere Durchsetzung von Datenschutzrechten gegenüber Unternehmen. Aber ich finde, hier gibt es auch sehr viel Doppelmoral, versteckte Doppelmoral in dieser Kampagne – beispielsweise, wenn sie sagen “Nicht OK, dass Internetgiganten mehr über uns wissen als wir” und noch weiter schreiben, Fälle wie Cambridge Analytica zeigen, unsere Daten im Internet sind nicht sicher – nicht wir haben die Kontrolle über unsere Daten, sondern Dritte; sie speichern und nutzen sie für kommerzielle Zwecke. Nun ist es halt heutzutage so, dass ich als Zuhörer, als Zuschauer, als Leser auf so gut wie jeder Verlagsseite oder Medienwebseite in Deutschland von einer Vielzahl von Drittunternehmen getrackt werde, wo die Verleger selbst schon längst die Kontrolle darüber verloren haben, wer da wie wen trackt und wo diese Daten hingehen.

Das heißt, wenn den Verlegern hinter dieser Forderung tatsächlich auch etwas – also wenn sie da hinter stehen würden, dann könnten sie ganz einfach den Schritt machen, sofort auf allen ihren Webseiten die Facebook-Tracker rauszunehmen, denn sie unterstützen auf der einen Seite Facebook, Google und Co. in der Datensammlung. Auf der anderen Seite verhindern sie zusammen mit Facebook, Google und Co., dass wir strengere Datenschutzregeln bekommen gegen intransparentes Tracking, wie es z.B. die EU-e-Privacy-Verordnung vorgesehen hatte, wo aber dann der Verband der Zeitungsverleger vor strengen Datenschutzregeln gegen intransparentes Tracking mit den Argumenten gewarnt hat, das wäre ein Ende der Demokratie.

Dass ihr das Papier bekommen habt, dass das jemand geleakt hat ja offensichtlicher aus dem Kreis derjenigen, die da die Kampagne im eigenen Sinne ja fahren sollen, zeigt ja, dass mindestens einer nicht damit einverstanden ist, wie das läuft. Wie glaubst Du, wie umstritten ist das innerhalb der Verbände und Konzerne?

Markus Beckedahl: Vor allen Dingen diese Lobbys zur Verschärfung des Urheberrechts haben immer den Eindruck suggeriert, dass alle Verleger, alle Urheber hinter diesen Maßnahmen stehen würden. Wir haben damals schon bei der EU-Urheberrechtsreform gesagt, das stimmt so nicht: Es gibt auch sehr viele Verleger und Urheber, die gegen Google und Co. sind, die aber trotzdem dieses so verabschiedete Urheberrecht mit Uploadfiltern und Leistungsschutzrecht für schädlich und schlecht halten, die ein anderes, besseres Urheberrecht wollen. Und ich vermute mal, die Quellen, die uns das zugeschickt haben, haben ein ähnliches Interesse und wollen auch, dass in der Öffentlichkeit darüber diskutiert wird.

Die Macht der YouTube-Kanäle

In einem Feature habe ich mich für NDR Info mit Influencern, ihrem wirtschaftlichen und politischen Einfluss und ahnungslosen Politikern beschäftigt.

für NDR Info

— Manuskript des Beitrags —

(Collage: Youtube-Clips)

Youtube – der Videodienst des Internetgiganten Google. Was auf dieser Plattform passiert, ist kaum zu fassen, im wahrsten Sinne des Wortes. Jede Minute laden Nutzer neue Videos hoch, die zusammen 500 Stunden lang sind. Jeden Tag sind das 720.000 Stunden frisches Material. Um sich das anzusehen, bräuchte ein Mensch gut 80 Jahre – praktisch sein ganzes Leben. Und das völlig ohne Schlaf.

Natürlich: Vieles davon sind Clips von Amateuren. Belanglosigkeiten, die kaum jemand klickt. Doch immer mehr kommt von Profis: sogenannten Youtube-Stars oder auch Influencern. Sie verdienen Geld mit ihren Videos und platzieren immer häufiger auch politische Botschaften.

Seit seinem Video mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ ist Rezo in Deutschland zweifellos der bekannteste Youtuber. Mehr als 15 Millionen Mal riefen Nutzer allein diesen Clip ab.

„Heute sehen wir uns die CDU an, auch ein bisschen SPD und ein bisschen AfD, aber primär sehen wir uns die CDU an. Wir haben uns in den letzten Wochen mal so ein paar spannende Themen rausgepickt und einfach mal geguckt, was macht die CDU da, was ist ihre Stellung da, wie sind die da so drauf. Und ich muss ehrlich sagen: Fuck, ist das heftig!“

Knapp eine Stunde nimmt Rezo die Politik auseinander. Er ärgert sich über „Politik für Reiche“ und „krasse Inkompetenz“ bei der Netz- und Drogenpolitik. Den Regierenden wirft er vor allem vor, beim Klimawandel untätig zu sein. Eine „Fridays for future“-Demonstration im Digitalen.

„Ich habe bei meinen Recherchen hunderte wissenschaftliche Untersuchungen gesichtet. Ich habe keinen einzigen Experten gefunden, der gesagt hat ‚Ja, wir sind auf einem guten Kurs, wird schon alles klappen.‘ Keinen fucking einzigen! Mir war vorher nicht bewusst, wie krass diese Parteien vorbei an Expertenmeinungen Politik machen und kann daher sagen, dass der aktuelle Kurs von CDU und SPD unsere Zukunft und unser Leben zerstören werden.“

Auch Tilo Jung ist ein Youtuber. Jung interviewt seit sechs Jahren in der Reihe „Jung und naiv“ Politiker – immer duzend. Er nennt das „Politik für Desinteressierte“.

„So! Eine neue Folge ‚Jung und naiv‘. Wir sind nicht in Berlin. Wo sind wir?“
„Wolfenbüttel!“
„Wer bist Du?“
„Mein Name ist Sigmar Gabriel und bin Abgeordneter im Deutschen Bundestag für die SPD. Ach, und ich bin noch Außenminister.“
„Äh, mein Name ist Wolfang Kubicki. Ich bin der Fraktionsvorsitzende der FDP in diesem schönen Hause seit 25 Jahren. Der Dienstälteste aller Zeiten. Man sieht es nicht.“

Seine erfolgreichsten Interviews – mit AfD-Politikern – kommen auf Youtube auf knapp eine Million Abrufe, andere auf Hunderttausende – dazu kommen noch Klicks auf Facebook. Drei Mal die Woche besucht Jung auch die sogenannte Bundespressekonferenz, auf der die Sprecher der Bundeskanzlerin und ihrer Minister Hauptstadtjournalisten Fragen zur Bundesregierung beantworten – auch die des Youtubers.

„Herr Seibert, können Sie noch mal erklären, also, deutsche Waffenlieferungen direkt in die VAE sind möglich, gleichzeitig sind die VAE unmittelbar beteiligt am Jemenkrieg, was aber im Koalitionsvertrag ausgeschlossen wurde, dass man an diese Staaten keine Waffen liefert. Wie geht das?“
„Noch eine Nachfrage – Herr Jung.“
„Da würde ich gerne wissen, ob dieses Geld nur für Projekte gedacht sind, die nachhaltig sind oder für Klimaschutz sind oder ob das auch Projekte sind, die nachhaltig sind – weil sonst wäre es ja rausgeschmissenes Geld.“
„Dann läuft das Mikro an. Themenwechsel!“
„Thema CO2-Steuer. Herr Haufe, wie bewertet denn Ihr Ministerium die Aussagen vom Finanzminister, der sagt, es gibt noch kein realisierbares CO2-Steuer-Konzept? Warum gibt es das noch nicht?“

Rezo hat in seinem Video mehrfach auf Jungs Aufnahmen zurückgegriffen – und seinen Youtube-Kollegen eingeweiht.

„Er hat mir das vorab geschickt, um noch mal rüber zu gucken, um irgendwie Fehler zu entdecken und dass ich Feedback abgeben kann. Ich hatte aber nichts zu meckern. Ich hatte einfach nur einen offenen Mund und wusste nicht, was ich sagen sollte und war einfach nur platt und hatte ihm schon gesagt, das wird ein großer Erfolg, damit wirst Du viel, viel mehr Menschen erreichen, als Du jemals vorher erreicht hast beziehungsweise ganz andere Menschen und man wird Dich im politischen Berlin kennenlernen.“

(Intro „Tagesschau“)
Moderator: „Wie Parteien die Wähler erreichen, ist vor allem für die CDU ein sehr aktuelles Thema.“
Reporter: „Mit jedem Klick wächst in den Parteizentralen die Unruhe. Verlieren die Etablierten eine ganze Generation?“
Reporter: „Die Angegriffenen reagieren auf die massive Kritik, die CDU-Parteivorsitzende so: „Und die Frage stellt sich schon mit Blick auf das Thema ‚Meinungsmache‘: Was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln gelten eigentlich für den digitalen Bereich?“
Reporter: „Und der CDU-Generalsekretär: ‚Ich verbuche dieses Video unter einer ganz persönlichen Meinung desjenigen, der es erstellt hat.‘“

Die CDU – besonders im Fokus der Kritik – kündigt zunächst eine Antwort auf Augenhöhe an: ebenfalls als Video. Philipp Amthor, aktuell der jüngste Bundestagsabgeordnete der Union, soll es richten. Doch dann entscheidet sich die CDU um: Das bereits gedrehte Video bleibt geheim. Auch auf Nachfrage von ZDF-Moderator Markus Lanz.

(Applaus)
Lanz: „Herr Amthor, wenn wir Sie schon mal da haben: Haben Sie Ihr Handy dabei?“
Amthor: „Ja.“
Lanz: „Ist da das Video drauf?“
Amthor: „Ja. Nein, ist es nicht.“
Lanz: „Doch.“
Amthor: „Nein, das ist tatsächlich nicht drauf. Das war eine gute Überlegung. Das habe ich aus Sicherheitsgründen gemacht.“

Eine Youtube-Video als Verschlusssache – eine von vielen Kuriositäten beim Umgang der Politik mit dem „Rezo-Effekt“. Dazu: Späße statt Einsichten.

Talk-Teilnehmerin: „Was war denn der erste Satz?“
Lanz: „Genau, der erste Satz! Hier ist Ihre Kamera, Herr Amthor. Bitteschön!“
Amthor: „Den kleinen Spoiler mache ich jetzt!“
Lanz: „Da rein – phantastisch!“
Amthor: „Hey, Rezo, Du alter Zerstörer! – So war der erste Satz. Cool, oder?!“
(Applaus und Lachen)

Die CDU stellt statt ihres Videos ein elfseitiges PDF auf ihre Internetseite, eine – so der Titel – „Offene Antwort an Rezo“. Eine Broschüre als Antwort auf ein millionenfach geklicktes Video? Politik-Youtuber Tilo Jung, kann da nur lachen. Aber auch die Vorstellung, die CDU hätte Philipp Amthor als Youtuber aufgebaut, amüsiert ihn.

„Fände ich gar nicht schlecht, weil dann würde die CDU ja noch schwächer werden.“
Wäre also kontraproduktiv?
„Ja, klar! Na, ich meine, der Amthor ist Mitte 20 und hört sich wie ein Mitte-50-Jähriger an. Das heißt, man müsste dann ja versuchen, die über 50- und über 60- und über 70-Jährigen zu erreichen. Die erreicht man aber nicht auf Youtube. Also da sollte man Amthor vielleicht eine Sendung im ZDF um 19 Uhr sonntags geben.“

Nur: Was wäre die richtige Reaktion? Tilo Jung sagt, die Lösung seien andere Inhalte: Politik, die bei jungen Menschen ankomme. Immerhin habe sich die Szene ja schon vor der neuen Klimaschutzbewegung politisiert: mit dem Kampf gegen die europäische Urheberrechtsreform.

Schon bei den Protesten im Frühjahr waren auffällig viele Jugendliche auf den Straßen – nachdem Youtuber Stimmung gegen den umstrittenen Artikel 13 der Reform gemacht hatten: Plattformen wie Youtube sollten verpflichtet werden, für Urheberrechtsverstöße zu haften. Youtuber fürchteten Überreaktionen der Plattformbetreiber – und um ihre Freiheiten. Zu sehen im ZDF Magazin “Frontal 21”:

„Und ihr habt es ja schon im Titel gelesen. Und zwar wird es Youtube 2019 wahrscheinlich nicht mehr geben!“
„Wenn das abgeschafft wird: So viele Selbstmorde. Ich meine es ernst, Dicker!“
„Alles wird gesäubert! Artikel 13, Junge – bist am Pennen?!“

Die Proteste waren laut – die Urheberrechtsreform verhindert haben die jungen Internetnutzer aber nicht.

Für die Politik war diese Mobilisierung aber gewiss ein erster Warnschuss: Hier braut sich etwas zusammen. Auch wenn sich die Kritik vor allem gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Union richtet: Die SPD – im Bund schließlich mitregierend – steht ebenfalls im Feuer.

Im Willy-Brandt-Haus, der Parteizentrale der Sozialdemokraten, macht sich seit diesem Frühjahr vor allem Carline Mohr Gedanken darüber, wie die Genossen mit dieser Bewegung umgehen sollten. Mohr war Social-Media-Redakteurin bei „Bild“, dann bei „Spiegel Online“. Nun leitet sie die zentrale Kommunikationseinheit der SPD. Vor dem, was sich zunehmend geballt auf Youtube artikuliert, hat sie Respekt.

„Man sieht ganz oft nicht kommen, was sich da entwickelt. Und ich glaube, das ist so ein erster Schritt, das zu sehen und es dann auch ernster zu nehmen, also nicht in einer Haltung zu verharren ‚Na ja, na ja, die Kids im Internet‘, sondern zu sehen und versuchen einzuschätzen, ist das was, wo wir uns jetzt mit beschäftigen müssen.“

Damit das klappt, will SPD-Kommunikationsstrategin Mohr vor allem ein Echtzeitradar: Was in sozialen Netzwerken vor sich gehe – und auch Youtube ist mit seinen Kanälen, Empfehlungen und Kommentarfunktionen letztlich eines – müssten Parteien dringend im Blick haben. Und dann reagieren. Wo nötig, auch lernen. Im Prinzip so wie Lars Klingbeil, ihr Generalsekretär:

„Er hat bei ‚Hart aber fair‘ ganz klar gesagt: Hey, wir waren da thematisch vor allem auch zu wenig auf dem Platz. Wir müssen da stärker werden. Wir müssen das weiter nach oben hängen. Das ist sozusagen die inhaltliche Ebene. Und dazu kommt dann natürlich die kommunikative Ebene. Und da waren dann ja auch relativ schnell Lars Klingbeil, Timo Wölken und Kevin Kühnert am Start.“

Anders als der Koalitionspartner hat die SPD auf Youtube reagiert. Der Generalsekretär, der Europaabgeordnete und der Bundesvorsitzende der Jugendorganisation, den Jusos, sitzen in ihrem Video auf drei dick gepolsterten ergonomischen Stühlen, wie sie Computerspieler gerne nutzen – auch auf Youtube-Kanälen. Generalsekretär Klingbeil gibt sich betont demütig und grenzt sich von der ungeschickten Reaktion des Koalitionspartners ab.

„Ich möchte euch die Hand ausstrecken, möchte sagen: Lasst uns in den Dialog kommen, lasst uns über diese Themen reden. Was ihr nicht erleben werdet von mir ist, dass ich eine ganze Generation, die sich gerade politisch aufmacht, dass ich sie beschimpfe. Das ist überhaupt nicht mein Stil.“

Politiker überlegen auch, wie sie die Szene auf Youtube – aber auch auf Facebook und Instagram – grundsätzlich besser erreichen können. In der Denkfabrik „C Netz“ haben sich vor allem Netzpolitiker der Union versammelt. Sie reagieren mit einem Arbeitspapier auf Rezo.

„Deutlich wird in diesen Tagen, dass es wie so oft in der Medienszene, eine zumindest wahrgenommene Vorliebe für grüne und linke Sichtweisen gibt. Daher muss die CDU offenkundig andere, eigene Influencer aufbauen, die weniger vorgeprägt denken. Das können und dürfen aber keine typischen Politiker sein! Stattdessen sollte man meinungsfreudige Menschen identifizieren, die der CDU inhaltlich Nahe stehen und bitten diese zu unterstützen. Dazu gehört dann natürlich auch zu akzeptieren, dass diese frei sind in ihrem Tun und uns natürlich auch kritisieren werden, wenn unsere Politik nicht passt. Auf dem alten Weg, mit eigenen CDU-Kanälen und Werbevideos aus dem Adenauerhaus, wird man kein Millionenpublikum erreichen.“

Vor allem dieser Punkt macht sich auch im Willy-Brandt-Haus breit: Zentral gesteuerte Kanäle mit eigenen Botschaften – etwa ein Youtube-Kanal der Partei – bringt dieser Tage wenig. Auch SPD-Kommunikationsstrategin Carline Mohr wünscht sich Botschafter im Digitalen – aber: bitte aus den eigenen Reihen.

„Politiker_innen zum Beispiel haben ihre Ortsverbände, wo sie vor Ort sein müssen. Sie müssen mit Menschen reden. Sie müssen Bürgersprechstunden machen. Sie müssen sich darum kümmern. Und eigentlich geht es nur darum, diesen Gedanken zu verlängern ins Internet: Such‘ Dir Deinen Internetortsverein, wenn Du so willst. Überlege Dir, wo willst Du sein, worin bist Du gut und was nimmst Du wirklich ernst davon.“

Die Parteien arbeiten also an ihren Digitalstrategien, getrieben durch die Youtube-Szene. Die setzt kurz vor der Europawahl noch einen drauf: Mehr als 90 Youtuber aus Deutschland – einige mit Millionen Fans – produzieren einen gemeinsamen Aufruf:

„In jedem Fall müssen wir dafür sorgen, dass Parteien einen Anreiz haben, im Sinne der Wissenschaft zu handeln.“
„Und der offensichtliche Anreiz, den wir schaffen können, ist, dass sie bei den Wahlen Stimmen verlieren.“
„Denn nur dann hätten sie einen Grund, ihr Verhalten zu verändern.“
„Von daher bitten wir euch alle: Wählt nicht die CDU, wählt nicht die CSU und wählt nicht die SPD.“
„Wählt auch keine andere Partei, die so wenig im Sinne der Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört.“

Die Youtube-Stars, die sich nun erkennbar politisch engagieren, haben ihre Popularität vor allem mit Videos zu Schminktipps und Mode, zu Computerspielen oder Musik aufgebaut. Lutz Frühbrodt –Kommunikationswissenschaftler an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt – und die Berliner Kommunikationsexpertin Annette Floren haben sich für eine Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung die 100 erfolgreichsten Kanäle aus Deutschland angesehen. Die Stichprobe haben sie im April 2018 gezogen – und damit vor der jüngsten Politisierung der Szene. Frühbrodts Erkenntnis:

„Ganze vier Kanäle von denen 100 haben informierenden Charakter, also wo es um Politik – ansatzweise zumindest – und um Wissensfragen geht. Der Rest tendiert in Richtung Unterhaltung. Das bedeutet Comedy, sogenannte Pranks, Streiche könnte man dazu sagen, Challenges, also Herausforderungen, Wettkämpfe werden dort ausgetragen, oder zum Teil auch Vlogs, das sind Video-Tagebücher. Dann haben wir noch die Gamer, die teilweise auch diese Vlogs betreiben. Das geht in einen Grenzbereich. Aber im Großen und Ganzen ist es Unterhaltung – und ich muss leider sagen: Es ist oftmals platte Unterhaltung, die eben halt verbunden ist mit ziemlich brachialen Geschmacklosigkeiten, die auch auftreten.“

Die Forscher haben ihrer Studie den Titel „Unboxing YouTube: Im Netzwerk der Profis und Profiteure“ verpasst. Hinter vielen Kanälen – und damit auch einzelnen Youtube-Stars, die wegen ihrer Reichweite auch Influencer genannt werden – stünden immerhin schon seit Jahren Agenturen.

Tatsächlich wird auch Rezo professionell vermarket – von einem Ableger des Werbe-Giganten Ströer. Allein: Sein erfolgreichstes Video zur „Zerstörung der CDU“ ist frei von Werbung. Mit diesem millionenfach geklickten Film verdienen er und seine Agentur kein Geld. Im Gegenteil: Rezo sagte dem Satiriker Jan Böhmermann sogar: Er habe mit seiner politischen Aktion einen Werbevertrag verloren.

„Es gab einen Deal, den ich vorher save in der Hand hatte. Und ich wusste, wenn ich das Video rausbringe, habe ich ihn wahrscheinlich nicht mehr. Und den habe ich jetzt nicht mehr.“
„Echt?!“
„Ja.“
„Aber es wird nicht viel Geld gewesen sein, oder?“
„Doooch.“
(Lachen)

Politik-Youtuber Tilo Jung lebt vor allem von Spenden seiner Zuschauer. Einer Vermarktungsagentur hat er sich nicht angeschlossen. Er will unabhängig bleiben.

Lutz Frühbrodt und Annette Floren, die Forscher der Otto-Brenner-Stiftung, haben beobachtet: Vermarktungsagenturen spielen gezielt ihre Macht aus –nicht für politische Botschaften, sondern um immer neue Influencer aufzubauen. Das Stichwort hier: „Cross Marketing“.

„Das bedeutet, wenn ein Influencer plötzlich eben halt da noch nicht so bekannt ist, bei einem anderen bekannten Influencer einen Gastauftritt bekommt oder umgekehrt ein Star-Influencer beim noch nicht so bekannten auftritt und der normale User fragt sich ‚Hä, wie hat er das dann geschafft? Sind das Freunde?‘ Ja, vielleicht im Video treten sie als Freunde auf und als Buddys, aber oftmals steckt eben so ein Youtube-Netzwerk dahinter, das ganz geschickt eben halt den Newcomer promoten will auf diese Art und Weise.“

Viele Videos auf Youtube kommen längst aus professionellen Studios und sind voll mit Werbung. Youtube ist ein Geschäft. Besonders besorgniserregend finden die Forscher, dass Agenturen inzwischen auch Kinder als Influencer aufbauen. Dieses noch junge Phänomen hat sich vor allem Annette Floren angesehen.

„Also, es gibt ja durchaus solche Kinder-YouTuber auch, getreu dem Motto, dass Kinder am liebsten auch Kinder ansehen. Da gibt es so Kanäle wie ‚Mileys Welt‘ oder ‚Alles Ava‘. Da werden also teilweise schon mehr oder weniger unumwundene Produktempfehlungen und Werbung auch gemacht.“

„Hallo ihr Lieben!“
„Hallo ihr Lieben!“
„Wir haben hier den ‚Magischen Einhorngarten‘ und den ‚Magischen Feen-Garten‘. Wir zeigen euch gleich, ganz schnell, was hier drinnen ist. Und dann werden Ava und ich eine Challenge gegeneinander machen!“
„Wer hat den besseren Garten?!“

Eine „Challenge“, also ein Wettbewerb, für zwei Spiele – inszeniert von Ava und ihrer Mutter. Der Youtube-Star ist offensichtlich noch im Grundschulalter, bindet aber schon reichlich Aufmerksamkeit: Den Kanal haben mehr als 600.000 Nutzer abonniert. Und auch hinter diesen Videos stehen Profis: eine „Influencer Marketing Agentur“ in Berlin, die für sich den Bereich „Kids and Family in Deutschland“ abgesteckt hat. Genauso sieht es bei etlichen anderen Kanälen aus. Eine florierende Szene, die zugleich verschlossen ist: Interviewanfragen versickern.

Für die Forscher strahlt Youtube mit seinen vielfältigen Angeboten – so wie parallel auch Instagram – eine Macht aus: Wenn es nicht um politische Botschaften geht, geht es um Kommerz. Und der Kommerz, warnt Annette Floren, ziele auf die jüngsten im Publikum ab:

„Das Ganze auch mit einer Imitation des Influencerinnen-Tonfalls ‚Hach, heute bin ich so aufgeregt, denn ich präsentiere euch meinen neuen Lippenstift oder wie diese Lippenstifte gemischt werden‘ – wo man sich dann schon fragen kann, ist das wirklich kindgerecht oder inwiefern finden hier auch Prägungen dann schon statt, die im Prinzip dieser Influencer-Szene dann angepasst sind und dann eben auch Rollenklischees dann prägen an der Stelle. Das ist nicht brandgefährlich in dem Sinne, aber es ist zumindest jetzt – finde ich – unter einem modernen Geschlechterverständnis nicht unbedingt hilfreich.“

Die Forscher warnen: Eltern sollten besser darauf achten, welche Videos sich ihre Kinder ansehen – und über die eigentlichen Interessen hinter den durchkommerzialisierten Kanälen aufklären. Aber auch die Kontrolle der Werbung müsse sich verbessern: In vielen Videos sei Werbung gar nicht als solche gekennzeichnet, mahnen die Forscher. Gleichzeitig reagieren einige Influencer über: Aus Unkenntnis über die Gesetzeslage kennzeichnen sie in sozialen Netzwerken einfach alles als Werbung. Pauschal. Was wirklich Werbung ist und was nicht, bleibt so im Dunklen.

Politische Botschaften und kommerzielle Interessen: Youtube – und die Plattform steht stellvertretend für andere – ist mit seinen Inhalten ein mächtiger Kanal geworden. Das realisiert auch die Politik, etwa Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesjustizministerium.

„Wir haben – insbesondere in der jüngeren Generation – viele, die ihr politisches Wissen, die auch ihre Einstellungen im Wesentlichen durch die Nutzung sozialer Netzwerke prägen. Das ist eine Entwicklung, die hat die Politik lange nicht gesehen nach dem Motto: Soziale Netzwerke ist etwas für den Austausch von Katzenvideos. Aber dass soziale Netzwerke und Einzelpersonen – und wir reden ja auch über Einzelpersonen – mit ihren Beiträgen wirklich Millionen von nicht nur von jungen Leuten erreichen, ich glaube, das ist ein Lernprozess.“

Ein Lernprozess sind auch die neuen Werbeformen. Im Juni hat sich Billen mit einigen Influencern getroffen. Sein Eindruck: Nicht jede Werbebotschaft sei bezahlt – manches einfach nur eine persönliche Empfehlung, weil man selbst von einem Produkt begeistert ist. Genau dann aber können Abmahnungen Influencer beim Aufbau einer Zukunft hart treffen. Viele Videos seien eine Mischung aus privaten und geschäftlichen Anliegen.

Das Bundesjustizministerium prüft deshalb gerade, wie das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb für die Influencer auf den Internetkanälen angepasst werden kann. Plattform-Betreiber wie Google, die an einigen Werbeformen mitverdienten, müssten zur Aufklärung beitragen.

„Die Influencer mögen ja hipp sein. Aber was machen sie? Sie versuchen durch sympathisches Auftreten Fangemeinden zu gründen, aufzubauen, das mit Produkten zu verknüpfen. Das ist in Ordnung. Aber man muss eben gucken, ob junge Leute dann auch tatsächlich geschult werden in Medienkompetenz und dass hier keine Manipulation stattfindet. Deswegen wird diese Debatte sehr spannend: Was tragen zum Beispiel soziale Netzwerke oder Youtube zur umfassenden Medienbildung bei? Beteiligen sie sich an der Finanzierung? Machen sie Projekte? Also, sehen sie das mit als ihre Aufgabe?“

Es geht also um die Spielregeln für die digitale Kommunikation der Zukunft. Die Kontrolleure dafür sind die Landesmedienanstalten. Sie prüfen schon jetzt neben Privatsendern auch Plattformen wie Youtube.

Die Juristin Anja Zimmer leitet die Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Dass Politiker immer mehr soziale Netzwerke mit Videos bespielen, beschert ihr zusätzliche Arbeit. Gerade prüft Zimmer ein Video von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner – veröffentlicht auf Twitter. Die Politikerin trat gemeinsam mit einem Vertreter des Konzerns Nestlé auf und sprach über gesündere Lebensmittel.

„Und ich habe heute viel erfahren und ich freue mich, dass wir Unterstützung haben.“
„Wir machen das ja auch schon seit ein paar Jahren und werden auch in der Zukunft deutlich Salz, Zucker und Fette reduzieren. Jetzt haben wir in den letzten Jahren noch mal zehn Prozent reduzieren können. In der Zukunft kommen noch mal sicherlich fünf Prozent dazu.“

Die Medienwächterin geht nicht davon aus, dass der Konzern die Ministerin für diese Positiv-Botschaft bezahlt hat. Doch in welchen Grenzen bewegt sich auf digitalen Kanälen – neben Produktwerbung – politische PR? Zimmer kann sich dabei nur an einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts orientieren – aus den siebziger Jahren, als an soziale Netzwerke noch gar nicht zu denken war.

„Das ist im Internet in der Tat eine Grauzone. Es gibt kein Gesetz, was jetzt ausdrücklich sagt, Öffentlichkeitsarbeit sieht so oder so aus. Das ist auch ein Appel an den Gesetzgeber, dass man eben schon sich mal überlegen muss, brauchen wir hier mehr Regelungen. Ist wirklich der Maßstab eines 40 Jahre alten Bundesverfassungsgerichtsurteils der richtige oder sollte man das nicht auch noch mal klarer in Gesetze fassen?“

Die Aufseherin wünscht sich Transparenz – nicht nur bei Youtube-Stars, sondern auch bei Regierenden. Ideal, sagt Zimmer, wären zusätzliche Informationen zu einem Video: Welche Lobbyisten hat ein Politiker noch getroffen und was war das eigentliche Ergebnis der Arbeitsrunden?

Auf Videoplattformen wie Youtube drängen inzwischen alle: Nutzer, Werbetreibende, die Politik – und: klassische Medien. Auch die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen, dort gezielt das vor allem junge Publikum anzusprechen – mit eigenen Shows und Youtube-Stars.

(Musik)
„Das Internet ist vorbei. Jetzt kommt funk!“

Funk – das ist das „Content Netzwerk“ von ARD und ZDF. Funk hat kein klassisches Programm im Fernsehen oder Radio, sondern platziert seine Inhalte in sozialen Netzwerken – allen voran: Youtube.

Auf Rezo hat funk auch reagiert.

„Jetzt sagen ganz viele: Was weiß schon dieser blauhaarige Musik-Youtuber über Science? Wie sage ich das jetzt?! Deutlich mehr als viele Politiker!“

Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim ist die Wissenschaftsjournalistin des Jahres 2018 und ein Youtube-Star von funk. Ihren Kanal „maiLab“ haben mehr als eine halbe Million Nutzer abonniert. Ihr „Rezo-Check“ kommt auf etwa zwei Millionen Abrufe.

„Gesamturteil Klimateil: approved!“

Das zeigt, was Youtube auch ist, neben Musik, Spielen und reichlich Klamauk: eine Wissensbörse. Funk versucht, mit besonderen Formaten journalistische Qualität auf Youtube zu bringen: Etwa mit „Deutschland 3000“. Das Konzept: Eine junge Journalistin „boxt“ sich durch die deutsche Politik.

„Wie kann es sein, dass mich ein Flugticket weniger kostet als ein Kinobesuch – und für ‘ne Bahnfahrt muss ich fast schon einen Kredit aufnehmen?!“
„Seit die aktuelle GroKo an der Regierung ist, streiten sich CDU und CSU mehr miteinander als mit der SPD. Ey, Union! Warum trennt ihr euch dann nicht einfach?“
„Die Türkei führt gerade eine Militäroffensive gegen die Kurden in Syrien durch. Und das mit deutschen Panzern. Sorry, aber wie kann das sein?!“

Der ehemalige Arte-Manager Florian Hager leitet funk. Der „Programmgeschäftsführer“ kann Erfolge verbuchen, sagt aber: Wichtig sei die Breite seines Angebots, nicht Spitzenleistungen einzelner Kanäle.

Etwa 70 Formate hat funk derzeit auf dem Markt, die meisten davon auf Youtube, alle werbefrei. Das junge Angebot von ARD und ZDF soll auch einzelne Youtube-Stars aufbauen – auch Talente genannt. Die Idee dahinter: Funk macht sie groß, dann ziehen sie alleine weiter, nehmen aber den Qualitätsanspruch mit.

„Es gibt auch Formate, wo wir merken, dass die so erfolgreich geworden sind. Da ist dann auch klar, dass wir dann irgendwann sagen ‚Okay, da ist unser Weg beendet und dann kann der auch aus dem Netzwerk rausgehen‘. Und auch das sind Gründe, warum Formate beendet werden. Was bei uns immer heißt natürlich, dass diese Erfolgszahlen dann nicht mehr bei uns in der Bilanz drin sind, dass wir halt immer wieder auch runterfallen.“

Der gezielte Aufbau neuer Youtube-Stars mit Rundfunkbeiträgen: Auch dadurch wird Youtube als Plattform immer erfolgreicher – und mächtiger. Das alles ist ein Weg in eine moderne Medienlandschaft, in der im Prinzip jeder eine Chance bekommt – jenseits etablierter Strukturen etwa von Rundfunkanstalten. Der Erfolg von Youtube und seinen Machern ist für die Gesellschaft aber auch eine Herausforderung. Hier artikuliert sich die nächste Generation, wann und wie sie will.

Tilo Jung, der Youtuber mit den politischen Interviews, profitiert wie viele andere von dieser Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Jung gibt sich aber auch keiner Illusion hin: Youtube allein erreicht viele, aber nicht alle.

„Ich will meine Oma und meine Eltern erreichen. Und die gucken leider viel zu selten Youtube. Die gucken Fernsehen! Und darum, glaube ich, wäre es cool, vielleicht im Fernsehen etwas machen zu können, was aus dem Netz bekannt ist, aber vielleicht nicht eine 1:1-Kopie ist.“

Der Youtuber, der ins Fernsehen will – um auch die ältere Generation zu erreichen. Gleichzeitig bietet er sich als Plattform an: Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer solle doch mal in sein Format kommen, quasi auf Augenhöhe zu Rezo und Co.

Die Politik habe „diese Youtuber“ nun auf dem Schirm – wenn es um die ökonomische Macht dieser Plattform gehe, aber natürlich auch um ihre politische. Der Rezo-Hype werde wieder abflauen, die Bedrohungslage aus dieser Szene aber bleiben.

„Rezo hat ja auch selbst angekündigt, dass er jetzt wieder zurückgehen wird in die Unterhaltung und dann sein Ding machen wird – und dann zu gegebener Zeit mal wieder ein Video machen wird. Und ich finde, das ist auch die beste Einstellung. Weil wenn er jetzt sagen würde, ich mache das jetzt jeden Monat, dann ist der Überraschungseffekt ja in Zukunft auch weg. Also ich finde, wenn die Youtuber eines machen sollten, dann immer sagen ‚Ja, wir haben eine gewisse Macht, und ja, wir werden uns auch in Zukunft äußern. Aber wir sagen euch nicht, wann.“

>> Download MP3 (Quelle: NDR Info “Das Forum”)

Kinder-Influencer und massig Werbung

Forscher haben die Top 100 Kanäle aus Deutschland analysiert. Sie warnen vor Auswüchsen und werfen den Landesmedienanstalten mangelnde Kontrollen vor. U.a. für NDR Info und ZAPP habe ich mit ihnen gesprochen.

für NDR Info

Wenig Information, dafür viel Unterhaltung und vor allem eines: Werbung, Werbung, Werbung. So sehen auf YouTube die erfolgreichsten 100 Kanäle aus Deutschland aus. “Die ganz große Mehrheit der Kanäle hat einen unterhaltenden, sehr stark emotionalen Charakter, gepaart mit großer Trivialität und vor allem durchzogen von Kommerz”, sagt Kommunikationswissenschaftler Lutz Frühbrodt von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt dem NDR.

Oft “platte Unterhaltung” mit “brachialen Geschmacklosigkeiten”

Mit der Kommunikationsexpertin Annette Floren hat Frühbrodt für die Otto-Brenner-Stiftung die Studie “Unboxing YouTube: Im Netzwerk der Profis und Profiteure” recherchiert. Die beiden Autoren kritisiert Influencer und ihre Agenturen im Hintergrund, vor allem aber auch die Landesmedienanstalten.

“Ganze vier” der 100 erfolgreichsten deutschen YouTube-Kanäle hätten einen “informierenden Charakter”, mahnt Frühbrodt. Die gebe es auch, etwa auf Platz zwei den Wissenschafts-Kanal “Kurzgesagt – In a Nutshell”. YouTube sei natürlich auch eine große Musikplattform. “Aber im Großen und Ganzen ist es Unterhaltung – und ich muss leider sagen: Es ist oftmals platte Unterhaltung, die verbunden ist mit ziemlich brachialen Geschmacklosigkeiten, die auch auftreten.”

Kinder-Influencer testen Spielzeug und Lippenstifte

Frühbrodt sagt, man dürfe sich vom Alter vieler Macher nicht täuschen lassen – es seien meist Profis im Hintergrund aktiv. Erkennbar sei das etwa an Gastauftritten von YouTube-Stars bei Neulingen. “Im Video treten sie als Freunde auf, aber oft steht ein Netzwerk dahinter, das den Newcomer geschickt auf diese Art und Weise promoten will.” Auch an Werbung in den Beiträgen sei erkennbar, dass Profis mitarbeiten. Werbung sei allerdings meist nicht ausreichend ausgewiesen.

Floren hat sich das Angebot “YouTube Kids” angesehen, indem YouTube Kindern eine Auswahl an Kanälen anbietet und Eltern Kontrollfunktionen. “Das ist natürlich auch mit dem Ziel gegründet worden, Kinder schon mal auf die Sehgewohnheiten von YouTube vorzubereiten”, sagt die Autorin gegenüber dem NDR und warnt vor dem Trend, schon Grundschüler zu “Kinder-Influencern” aufzubauen. “Da wird ein sechsjähriges Mädchen präsentiert im Habitus einer Influencerin. Ihre Welt dreht sich schon komplett ums gute Aussehen, passende Lippenstifte und so weiter. Für ein modernes Geschlechterverständnis ist das nicht unbedingt hilfreich.”

Auch auf den Kinder-Kanälen ziehe sich Produktwerbung durch viele Beiträge. Deutsche Nachwuchs-Influencer mit teils einer halben Million Abonnenten testen Spielzeug und Kosmetikartikel. “Das wird kindlich präsentiert, aber initiiert wird es letztlich von Erwachsenen”, mahnt Floren. “Insofern ist das auch Beeinflussung.”

Schützen Landesmedienanstalten die Influencer?

Die beiden Autoren wünschen sich, dass sich Eltern dafür interessieren, was ihre Kinder auf YouTube konsumieren, und sie über die Interessen der YouTube-Stars aufklären. Auch der gelegentlich aufkommenden Idee eines “EU-Tube”, also einem europäischen Gegengewicht zu Googles Videoplattform, unterstützen sie. Vor allem fordern sie aber von den Landesmedienanstalten eine andere Politik.

“Das Problem ist mangelnde Transparenz”, sagt Kommunikationswissenschaftler Frühbrodt mit Blick auf Kontrollen von YouTube-Kanälen und Sanktionen von Werbeverstößen. “Die Medienanstalten geben keine Zahlen und Erhebungen darüber heraus, was sie eigentlich genau machen. Man weiß nur, es gibt Werkstudenten, die sich zusammen mit einigen Mitarbeitern Videos anschauen. Aber was da genau passiert, weiß man nicht.”

Einzelne Gerichte hätten wettbewerbsrechtlich entschieden, dass Werbung besser gekennzeichnet werden müsse. Bei den Landesmedienanstalten sei aber kaum etwas davon zu hören, dass sie Verstöße sanktionierten. “Man bekommt da teilweise schon den Eindruck, dass sich die Medienanstalten mehr oder minder als Schutzpatronen der Influencer-Branche gerieren und weniger das verfolgen, was sie eigentlich sollten: den Schutz von Verbrauchern und die Mediennutzern.”

>> Download MP3 (Quelle: NDR-“ZAPP”)

Super-Mediathek: ARD-Chef sagt YouTube & Co. Kampf an

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
Der Medienmix von heute: Fernsehen über Youtube, Netflix oder Amazon Prime: ein reiches Angebot, gut sortiert, mit passenden Vorschlägen für die Nutzer. Dazu: Google zum Nachschlagen. Und Facebook – für den bequemen Austausch mit Freunden. Gemeinsam sind sie die digitale Heimat für Milliarden Nutzer. Dabei sind all diese Angebote Produkte von Firmen aus den USA.
Und Europa? Beispiel Deutschland. Die digitalen Angebote: klein und zersplittert. Für Nutzer: unbequem. Soziale Medien, die auch Nutzer vernetzen: Fehlanzeige.
Er findet das unerträglich: Ulrich Wilhelm, Vorsitzender der ARD. Seit Monaten trommelt er für einen Gegenentwurf. Seine Vision, auch auf den Münchner Medientagen.
„Ich glaube, bin wirklich davon überzeugt, dass wir eine europäische Alternative entwickeln sollten, die wir dann neben die Dominanz von Facebook, Youtube, Google stellen können.“
Wilhelm will, dass Medien in Deutschland ihre Power und ihre Inhalte bündeln. Seine Vision: eine Art „Supermediathek“. Am liebsten sogar: für ganz Europa.
„Ich halte es für realistisch, wenn Europa seine Kräfte bündelt. Als Airbus noch ein Konzept war, sagte auch jeder, es ist völlig sinnlos gegen Boeing anzutreten.“
Die Supermediathek, ein politisches Projekt wie einst Airbus? Für Sascha Lobo, den Digitalexperten und Autor, taugt dieser Vergleich des ARD-Vorsitzenden nicht.
„Als man sich entschieden hat, in Europa Airbus herzustellen, da musste man ein halbes Dutzend Flugzeug-Einkäufer überzeugen und das war’s. Und zwar Flugzeug-Einkäufer, die eine sehr große Übereinstimmung haben mit den jeweiligen nationalen Interessen, die man als Bundeskanzlerin ansprechen kann. Wenn man aber viele hunderte Millionen Bürgerinnen und Bürger überzeugen muss, dann ist völlig egal, was Frau Merkel sagt. Und dann ist total schnurz, ob irgendeine Internet-Ministerin sagt, das hier kommt aber aus Deutschland oder die Server stehen in Europa. Dann muss man sich im digitalen Alltag beweisen.“
Das Problem: Konzerne wie Google und Facebook sind technologisch weit voraus. Im Netz inszenieren sie ihre Rechen- und Speicherkraft mit Standorten auf der ganzen Welt. Und überhaupt: Die US-Konzerne haben die Nutzer. Facebook mehr als zwei Milliarden weltweit. Sie will Facebook halten, baut dafür das Angebot stetig aus, auch im Bereich Video. Im Sommer stellt Mark Zuckerberg „Watch Party“ vor. Freunde treffen sich auf Facebook, um gemeinsam Videos zu schauen, parallel können sie miteinander chatten.
„Du kannst zusammen lachen. Zusammen weinen. Einige meiner Freunde haben das wirklich gemacht! (Lacht)“
Lobo weiß: Ihr Entwicklungstempo hat Facebook und Youtube so erfolgreich gemacht. Für die Vision Ulrich Wilhelms eine enorme Hürde.
„Die Mediatheken sind zwar auf einem richtigen Weg, aber da auch erst am Anfang. Es beginnt damit, dass sie häufig aufbauen auf veralteten Technologien und nicht Schritt halten mit der sehr großen Entwicklungsgeschwindigkeit. Es gibt einen Begriff, der ist schon über 10 Jahre alt im Internet, der nennt sich ‚perpetual Beta‘. Das bedeutet, dass man ständig sein Produkt weiterentwickelt, nie fertig ist, immer versucht es zu verbessern anhand der Daten der Nutzer entlang. Und das hat man in ganz vielen Bereichen in Deutschland noch nicht verstanden.“
Anfang dieser Woche in Berlin: ein Kongress mit Medienmanagern und Politikern. Die Sehnsucht nach einer starken heimischen Plattform: Sie ist da.
„Warum sollten die Europäer da nicht mal führend sein? – wo man alle Medien zulässt und wo alle dann nach der Zahl der Klicks, die aufgerufen werden, ihren Anteil an den Einnahmen haben. Wo es möglich ist, Werbeeinnahmen zu erzielen, die nicht in den Kassen von Google und von Amazon und von Facebook gehen.“
Doch nicht einmal bei den öffentlich-rechtlichen sind alle Fans einer „Supermediathek“. Der Intendant des ZDF fürchtet den Bedeutungsverlust.
„Man sieht es zum Beispiel an der ‚heute show‘. Die wird linear mit Wiederholungen so ungefähr von fünf Millionen gesehen und mittlerweile 600.000 sehen Sie in der Mediathek – komplett übrigens. Wir wissen, in Youtube sind es auch noch mal einige Hunderttausend. Wir wissen das nicht ganz genau. Das ist ein Zustand, mit dem ich leben kann. Jetzt zu sagen, wir geben das alles auf für etwas anderes, ist mir viel zu früh und auch zu riskant.“
Die wohl größte Hürde: unterschiedliche Interessen. Die einen bieten Inhalte kostenfrei an. Andere wollen Geldverdienen. Sender sollen dabei sein, aber auch Verlage – mit Text. Sogar Inhalte von Nutzern sollen rein.
Die „Supermediathek“ soll irgendwie alles sein. Doch wenn sich nicht mal ARD und ZDF einig sind, wie dann Deutschland – oder Europa?
Man könnte sagen, es ist ein mutiges Projekt, was Sie da anstoßen wollen, oder extrem naiv. Wo positionieren Sie sich?
(Lacht) „Na ja. Für Naivität, glaube ich, bin ich schon zu alt. Hier geht es aber um etwas und deshalb bin ich so leidenschaftlich. Hier geht es um die Werte, nach denen wir leben wollen. Es geht um Glaubwürdigkeit von Inhalten.“
Ein Visionär – oder nur ein Mann mit Visionen? Es fehlt ein konkreter Entwurf. Was soll die „Supermediathek“ wirklich sein – und was besser nicht?
>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Meinungsfreiheit in Gefahr?

Ein neues Urheberrecht steht in der EU zur Abstimmung an, es birgt viele Risiken

für NDR Fernsehen

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Eine Fabriketage in Berlin. Hier entsteht nebenan.de – eine Art Facebook im Kleinen, auf dem sich Nachbarn vernetzen. Die große Sorge hier: dass sie als Betreiber bald lückenlos checken müssen, was ihre Nutzer hochladen.

“Ich frage mal in meiner Nachbarschaft, ob jemand eine Bohrmaschine hat, die ich mir ausleihen kann. Da wird es relevant ein Bild hinzuzufügen. // In dem Moment müssten wir quasi schon dieses Foto analysieren und entscheiden, verstößt das gegen ein Recht, wer muss wieviel dafür bekommen und das müsste alles in Millisekunden passieren.”

Eine große Herausforderung für ein kleines Unternehmen. Doch die EU-Kommission will das durchsetzen — und so das Urheberrecht stärken zugunsten von Kreativen. Betreiber werden in Haftung genommen, wenn ihre Nutzer Urheberrechte verletzen.

Eine Möglichkeit, das auszuschließen: Programme, die alle Inhalte mit Datenbanken abgleichen. Prüfen, ob sie eigentlich jemand anderem gehören.

Betroffen sein könnten Kommentare unter Artikeln. Was Nutzer auf sozialen Netzwerken teilen. Und, was sie auf Video-Plattformen hochladen.

“Die Anforderungen sind extrem vielfältig. Es geht um Texterkennung, Bilderkennung, Video. Und so weiter. Hochkomplex. Und das ist nicht unsere Kernkompetenz. Das ist nicht das, worauf wir uns konzentrieren können als kleines Start-Up mit 50 Mitarbeitern.”

Anders als die Großen aus dem Silicon Valley. Googles Videoplattform Youtube scannt schon länger das Material – freiwillig, mit einem eigenen Programm. Das hat Millionen gekostet. So ein System müssten auch andere Plattformen entwickeln – oder mieten. Der Profiteur dann: Google.

Ein Lobbybüro in Brüssel. Dimitar Dimitrov kämpft für Wikipedia gegen diese Pläne – und für die Freiheiten des Internets, wie wir sie jetzt kennen.

“Hätte es diese Haftpflicht schon vor 17 jahren gegeben, als die Wikipedia entstanden ist, hätte sich das Projekt nie so entwickeln können. Es ist nicht unbedingt leicht so ein System von Filtern zu bauen. Und es ist nicht unbedingt leicht, immer alles, was die Nutzerinnen und Nutzer tun, zu verfolgen. Und es sollte auch kein Zwang dazu entstehen.”

Der Lobbyist sortiert: Wer ist dafür, wer dagegen? Im federführenden Rechtsausschuss sieht es nach einer knappen Mehrheit aus – für strengere Regeln.

Er organisiert diese Mehrheit: Axel Voss. Und will damit den Urhebern helfen im Kampf gegen die Gratismentalität im Netz.

“Wir wollen, dass die Plattformen mehr Verantwortung für das übernehmen, was mit den Inhalten auf ihren Plattformen passiert ist.
Man kann sich doch nicht hinstellen und sagen: Ich entwickle mein Geschäftsmodell so, dass ich immer nur Sachen von anderen nehme und mir daraus dann irgendwas entwickle, dass ich davon gut leben kann. Das ist, wie wenn Sie sich ein Auto kaufen und ich das aber immer nutze, ohne Ihnen etwas dafür zahlen zu müssen.”

Statt automatischer Filter die ideale Lösung für ihn: Lizenzverträge zwischen Plattform-Betreibern und Urhebern, Labels, Verwertungsgesellschaften. Also die Legalisierung aller Inhalte im Netz. Aber auch das: nicht machbar. Sagen die Praktiker.

“Selbst die großen Anbieter wie ein Spotify, ein Apple Music schaffen es nicht, mit allen Verwertungsgesellschaften Verträge zu schließen. Sie werden kein Bob Marley auf Spotify finden. Wie sollen das die kleinen Anbieter hinkriegen, wenn es noch nicht mal die großen schaffen? Für mich ein realitätsferner Vorschlag aus dem Elfenbeinturm in Brüssel.”

Realistisch bleiben also nur die Programme — aber: Wie gut können sie erkennen, ob Inhalte legal sind oder nicht? Etwa, wenn Nutzer Inhalte legal mixen, so neue Kunst schaffen? Oder über Ausschnitte etwa aus Filmen diskutieren, so zitieren?

Sie ist gegen einen flächendeckenden Prüf-Zwang: Julia Reda. Für sie ist klar: die Kunst- und Meinungsfreiheit ist in Gefahr.

“Automatische Filter sind völlig ungeeignet, um festzustellen, ob zum Beispiel das Zitatrecht gilt oder ob es sich um eine Parodie handelt. Die überprüfen nur, ist der urheberrechtlich geschützte Inhalt vorhanden, dann wird es gelöscht – völlig unabhängig davon, ob es sich wirklich um eine Urheberrechtsverletzung handelt oder nicht.”

Unklar auch: Welche Plattformen überhaupt betroffen wären. Das Kriterium: das Geschäftsmodell. Doch nicht mal Befürworter Axel Voss kann genau sagen, wen die neue Regel tatsächlich treffen würde.

“Ich zähle Facebook und Twitter und YouTube dazu, kann das aber rein rechtlich im Grunde so nicht hundertprozentig sagen, weil das nachher Rechtsauslegung des Europäischen Gerichtshofs sein würde.”

Wikipedia soll als gemeinnütziges Projekt von der Regelung ausgenommen werden. Ergebnis harter Arbeit. Wikipedia hat zwei eigene Lobbyisten in Brüssel. Die können sich viele Start-Ups nicht leisten. Für nebenan.de heißt es deshalb: Risiko.

“Das heißt, Start-Ups wie wir – wo es nicht darum geht, Copyright geschütztes Material zu verbreiten, sondern nur darum geht, die Nachbarschaft zu stärken – wir wären aber trotzdem betroffen von dem Gesetz und, ja, wären ein Kollateralschaden und eben mit betroffen, obwohl wir eigentlich gar nicht die Verursacher des Problems sind.”

Urheber stärken — an sich eine gute Idee. Aber so — halbgar — würde die geplante Regel vor allem Chaos stiften.

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Ein Minister macht sich Feinde

Facebook, Journalisten und Netzaktivisten vereinen sich zum Widerstand gegen Heiko Maas. Dem könnte diese Melange zum Verhängnis werden

für taz

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Bundeskanzler will Facebook-Algorithmen offenlegen

Der österreichische Bundeskanzler, Christian Kern, hat auf dem European Newspaper Congress #ENC17 in Wien gefordert, die Algorithmen von IT-Riesen wie Facebook offenzulegen. Wörtliches Transkript:

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Bundeskanzler will Facebook-Algorithmen offenlegen weiterlesen

Fakten, Fakten, Fakten

Politik und Medien sind vor der Bundestagswahl im Anti-Fake-News-Rausch

für taz

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Journalisten in Sorge

Bundesjustizminister Heiko Mass (SPD) hat ein Gesetz gegen Hatespeech auf den Weg gebracht, das die sozialen Netzwerke stärker in die Verantwortung nimmt. Kritikern geht es zu weit

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im NDR-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“ZAPP”)