Millionen für deutsche Verlage

Der Tech-Konzern Google pumpt immer mehr Geld in die Medienlandschaft, auch in Deutschland. Für ZAPP habe ich eine Zwischenbilanz gezogen.

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —
Google hat schon wieder etwas Neues. In der Google-eigenen „News-App“ dürfen Zeitungen und Verlage ihre Inhalte jetzt in einer Art „Schaufenster“ präsentieren. Von der „Zeit“ über „T-Online“ bis zum „Spiegel“. „Showcase“ heißt das. Und Google: zahlt dafür.
Der frühere „Handelsblatt“-Manager Gerrit Rabenstein verantwortet die Partnerschaften zu den Verlagen in Deutschland. Er ist ganz stolz.
[Gerrit Rabenstein, “Google News Initiative”] “Google News Showcase” ist in der Tat das größte und ehrgeizigste Projekt, was wir dieser Art gestartet haben. Über die nächsten drei Jahre wird Google dort 900 Millionen Euro investieren. (…) Was wir davon haben, ist: Wir können da, wir können unsere Nutzerinnen und Nutzern zum Beispiel in “Google News” zusätzliche, weiterführende Informationen anzeigen. Verlage haben davon, dass sie neue Nutzerinnen und Nutzer auf ihre Internetseiten teilweise auch für Bezahlcontent heranführen.“
Dem „Tagesspiegel“ und anderen Verlagen kauft Google die Texte aber nicht ab. Wer sie lesen will, den leitet die Suchmaschine auf das jeweilige Portal – mitunter direkt zum Abo-Angebot.
Im Verlag ist die Freude groß: Der Technologieriese schickt Publikum und auch noch Geld. Der Chefredakteur weiß jedoch: Damit verfolgt der Tech-Konzern natürlich auch eigene Ziele.
[Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur “Der Tagesspiegel”] „Google ist schon der Konzern, der sich im Moment am meisten auf die Verlage zubewegt hat. Das muss man schon sagen. Wie gesagt, wir machen uns da nichts vor. Aber es ist eines, es sind sehr interessante Schritte und es vor allen Dingen bedeutet für uns in der Umsetzung und in der Praxis, dass wir definitiv Vorteile haben und besser dastehen als vorher.“
Wenn es um Medien geht, ist Google seit Jahren allgegenwärtig. Mit seiner „Digital News Initiative“ und einem Nachfolgeprojekt pumpt der Konzern weltweit viele Millionen Euro in den Medienmarkt. Finanziert damit Digitalprojekte in zahlreichen Verlagshäusern. Google sponsert zahlreiche Journalistentreffen und investiert auch in die Ausbildung, etwa mit Stipendien für Datenjournalisten.
Ingo Dachwitz sieht das kritisch. Er legt gerade mit der Otto-Brenner-Stiftung eine Studie vor: „Medienmäzen Google“. Dafür haben die Autoren mit vielen in der Branche gesprochen.
[Ingo Dachwitz, netzpolitik.org] „Was die Verlagsleute angeht, ist erst mal ganz deutlich geworden: Viele Innovationsprojekte der letzten Jahre wären nicht zustande gekommen, wenn Google gar nicht dieses Geld gegeben hätte. Also Google stößt da in eine Lücke vor, die die Verlage in Sachen Innovation offengelassen haben. Das ist für viele Verlage, gerade auch für kleinere Verlage, aber selbst für die größeren essenziell gewesen, eigentlich an der Stelle die Unterstützung von Google zu bekommen. Und da ist so ein bisschen die Haltung: Der Journalismus braucht eigentlich jede Hilfe, die er kriegen kann, und kann deshalb auch nicht wählerisch sein an der Stelle, von wem es Geld gibt.“
Im Verlagshaus Gruner + Jahr hat der „Stern“ mit Geld von Google eine junge politische Talkshow entwickelt, zu sehen auf Googles Portal Youtube.
Auch technische Standards haben Medien gemeinsam mit Google entwickelt – etwa einen Code, der Webseiten schneller laden lässt – zum Beispiel: Nachrichtenangebote.
Googles Initiativen sind wohl auch eine Folge politischen Drucks.
Viele Verleger fordern seit Jahren: Die Politik soll Google verpflichten, für die Einbindung von Nachrichten in Google-Angeboten zu zahlen. Im Frühjahr soll es EU-weit soweit sein.
[Ingo Dachwitz, netzpolitik.org] „Wir können ganz klar nachweisen, welche strategischen Interessen es eigentlich gibt, die sich mit diesen Initiativen verbinden. Das ist der PR-Aspekt. Das ist die politische Landschaftspflege an der Stelle. Das ist das Abwehren von Regulierungsversuchen im medienpolitischen Bereich. Das ist teilweise auch die Vermarktung eigener Google Produkte.“
[Gerrit Rabenstein, “Google News Initiative”] „Ich habe manchmal den Eindruck, es wird laut gerufen danach, dass wir uns engagieren. Und wenn wir etwas tun, dann ist es aber auch wieder falsch. Ich glaube manchmal, unsere Kritiker müssen sich auch entscheiden, welche Rolle sie Google zugestehen möchten. Wir sind nicht nur als Technologieanbieter, sondern auch als Suchmaschine natürlich daran interessiert an einer engen Zusammenarbeit und einem engen Austausch.“
Für etliche Verlage überwiegt der Vorteil: Google nehme sie und ihre Sorgen ernst. Aber was ist mit der gesunden journalistischen Distanz?
[Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur “Der Tagesspiegel”] „Unseren Journalismus machen wir völlig unabhängig von Google. Es kann durchaus auch auf diese Art und Weise Artikel verlinkt werden von uns, von unserer Seite aus, die sich kritisch mit Google auseinandersetzen. Google hat null Einfluss auf die redaktionelle Arbeit. Es wäre noch schöner!“
Die Studienmacher berichten: Zumindest einzelne Gesprächspartner hätten durchaus Sorgen vor Selbstzensur und Beißhemmungen durch eine größere Nähe zu Google.
[Ingo Dachwitz, netzpolitik.org] „Wir haben von keinem Fall gehört, dass das Google jetzt als Tool benutzt hätte, um Berichterstattung zu verhindern oder explizit Einfluss zu nehmen. Das ist sozusagen die gute Nachricht. Die gute Erkenntnis an der Stelle. Die schlechte Nachricht ist: Es bleibt trotzdem nicht ohne Folgen für die Branche. Und es bleibt nicht ohne Gefahren für die Verlage.. (…) Wenn man anfängt, damit zu planen, dass es Geld von Google gibt an der Stelle, dann muss man auch stärker darauf achten, dass man den Förderer an der Stelle nicht verschreckt. Ich halte es aus journalistischer Perspektive nicht für klug.“
Google ist der „Gatekeeper“ im Internet. Dem können und wollen sich viele Medien nicht verschließen. Die Berührungsängste sind spürbar weniger geworden. Manche können sie sich womöglich einfach nicht mehr leisten.

(Quelle: NDR-“Zapp”)