Interviews mit Abstand und Angel

Wie sich die Berichterstattung bei der Tour de France in Zeiten von Corona verändert, habe ich für den Deutschlandfunk recherchiert. Interviews mit Abstand und Angel weiterlesen

Die Kampfansage bleibt

1,1 Milliarden Euro pro Saison – auch wenn das ein bisschen weniger ist als bisher: Die Vergabe der Bundesligarechte sichert die Liga finanziell ab und auch vor allem deutscher Sender. Die sollten sich aber nicht zu sehr in Sicherheit wiegen. Mein Kommentar für den Dlf.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —
Wie sehr hatten alle mit Amazon gerechnet – dem Onlinedienst mit seinem gigantischen Budget. Und dem Streaming-Anbieter DAZN mit seinem milliardenschweren Privatinvestor. Doch zum Bieterkampf zwischen den beiden ist es offensichtlich nicht gekommen. Damit muss die Deutsche Fußball-Liga (DFL) indes nicht unzufrieden sein: In der Krise halten die Liga und die deutschen Sender zusammen. Man weiß, was man voneinander hat.

Sky ist der große Gewinner, die Zukunft des Münchner Bezahlsenders damit sicher. Dass DAZN vom Sommer 2021 an freitags und sonntags überträgt ist verschmerzbar. Exklusivität hatte ohnehin wieder mal das Kartellamt untersagt: Für die Ausschreibung galt ein sogenanntes „Alleinerwerbsverbot“. Und sogar „Ran“ darf ein Comeback feiern, mit neun frei empfangbaren Spielen pro Saison. Eine kleine Überraschung.

Auch bei ARD und ZDF dürften die Sektkorken geknallt haben: Das „Sportstudio“ und die „Sportschau“ sind gesichert. Mehr noch: Beide dürfen auch im Internet – in ihren Mediatheken und Apps – den Ball rollen lassen – zu allererst aber wieder „Bild“. Ebenso anders als bisher darf die ARD auch ihre legendäre Bundesligakonferenz nicht nur im Radio senden, sondern auch im Netz. Die ARD plant ohnehin einen Ausbau von sportschau.de. Die Ware „Fußball“ kommt da wie gerufen.

Aber: Vorsicht! Dieses Ergebnis heißt nicht, dass das Ringen um die Rechte vorbei ist. Amazon hat in der Krise keine Geldsorgen – im Gegenteil! Der Online-Konzern baut allerdings gerade eine andere Plattform aus: Twitch, eine Art Youtube für Livestreams – bisher für Computerspiele, zunehmend auch für Sport. In Großbritannien werden Nutzerinnen und Nutzer dort Spiele der Premiere League sehen können.

Deutschland steht bei der Entwicklung von Twitch noch hinten an, wie so oft beim „Rollout“ neuer Geschäftsmodelle amerikanischer Konzerne. Ein Erfolg der Plattform könnte die Karten aber wieder ganz neu mischen. Und auch DAZN hat gerade noch mal beteuert, „die Nummer 1 der Live-Sport-Anbieter“ werden zu wollen. Die Kampfansage bleibt. Und auch die „Bild“-Zeitung will mit 100 Millionen Euro ihr Video-Angebot ausbauen, plant bereits eine eigene Bundesliga-Show.

Welche Rolle klassische Fernseh-Anbieter noch spielen – in vier Jahren dürfte die Lage eine völlig andere sein und die aktuelle Rechtevergabe für die Sender rückblickend wie eine letzte Gnadenfrist wirken. Allzu sicher sollten sich Sky oder auch die ARD deshalb besser nicht fühlen – auch wenn sie jetzt erst mal vier Jahre verschnaufen können.

>> Download MP3 (Quelle: DLF-“Sport”)

Bezahlte Berichte?

Sportjournalisten lassen sich oft vom Sportbusiness zu Reisen einladen, zeigt eine neue Studie. Mitunter reißen dabei Grenzen zur Werbung ein. Mein Bericht für ZAPP

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —
Kitzbühel. Das Rennen auf der „Streif“ – die spektakulärste Station des Ski-Weltcups. Und zur Weißwurst-Party danach eine enorme Promi-Dichte. Für Publikum und Medien: attraktiv.
Dachte sich auch der „Tagesspiegel“ und twittert stolz: Unser Redakteur „mittendrin statt nur dabei“.
Das Ergebnis unter der Überschrift „Sie gehen steil“: ein launig-kritischer Bericht über den großen Zirkus rund um das Rennen. Am Ende schließlich der Hinweis: „Der Autor reiste auf Einladung der Marke Tommy Hilfiger nach Kitzbühel.“
Wir fragen nach bei Anna Sauerbrey, im „Tagesspiegel“ zuständig für „Compliance“: Wie lief das ab, mit Hilfiger?
„Die sind zunächst auf unsere Mode-Redaktion zugekommen, haben gesagt, wir bieten diese Reise an, möchtet ihr? Die Mode-Redaktion hat zunächst sehr skeptisch reagiert, dachte dann aber hmm, vielleicht für unsere Sportberichterstattung ein interessantes Feld, wir könnten die Reise doppelt nutzen, sowohl für die Mode als auch für die sportliche Berichterstattung. In dem Fall haben sich beide Ressorts dafür entschieden, dass der Sportredakteur fährt.“
Nur ein paar Tage später erscheint auch ein eher wohlwollendes Interview mit Tommy Hilfiger. Daneben setzen Models seine Ski-Kollektion in Szene. Interviewer: der Sportredakteur. Diesmal kein Hinweis auf die Finanzspritze.
Auf Leserinnen-, Leserseite könnte der Eindruck entstehen „Ah, da wurde jemand für die Sportberichterstattung mitgenommen und dann bekam er ein nettes, gut inszeniertes, für seine Produkte inszeniertes Interview geschenkt‘…
“…ja…”
Ist diese Konstellation schwierig?
“Ich fand es auch unglücklich. Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns wenn, dann auf die Sportberichterstattung beschränken, weil eben da die Unabhängigkeit von Berichterstattung und Sponsor größer ist.“

Die Hochschule in Ansbach. Die frühere „Kicker“-Redakteurin Jana Wiske forscht zu „Pressereisen im Sportjournalismus“. Sie hat sich in 20 Redaktionen umgehört.
„Persönlich schon teilgenommen“ haben 80 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten. Ihre „Redaktion nimmt regelmäßig teil“ sagen: 55 Prozent. Außerdem glaubt die Mehrheit: Ja, Pressereisen werden wichtiger.
„Man muss es differenziert betrachten, weil einfach die Situation im Sportjournalismus auch solchen bezahlten Pressereisen einen Raum bietet. (…) Der Kostendruck lässt es zum Beispiel nicht zu, dass man mal ein Formel-1-Rennen in Australien besucht als Journalist und da beiwohnt. Und da springen dann eben auch sehr häufig Pressereisen oder sind Pressereisen ein gutes Mittel, um vielleicht das ein oder andere zu besetzen, was eben auch der Rezipient möchte, nämlich die Nähe zu den Protagonisten und die Nähe zu einem Sportevent.“
Pressereisen, meint Wiske, könnten auch helfen. Sponsoren durchaus Türöffner sein. Werbliche Artikel gelte es dann aber zu vermeiden.
„Ich hätte mir zum Beispiel ein Interview gewünscht über Lebenswerk oder das Thema Nachhaltigkeit, Umweltschutz in der Mode. Das wäre denke ich passend gewesen und vielleicht auch der journalistischen Freiheit hätte das eher gutgetan, aber tatsächlich geht’s um die aktuelle Kollektion, Preise der Kollektion, Farben. Also es geht in eine Richtung, die doch sehr werblich ist.“
Sponsoren wollen letztlich vor allem verkaufen. Hilfiger hat im Kern-Verbreitungsgebiet des „Tagesspiegel“ knapp zehn eigene Läden. — Würden sie die Ski-Kollektion mit einer Anzeige bewerben: der Listenpreis in der Wochenend-Ausgabe des Tagesspiegel läge für eine halbe Seite bei fast 19.000 Euro.
Wäre eine Anzeige für die Zeitung nicht der bessere Deal? Die hätte ja auch mehr Geld gebracht als so eine Reiseunterstützung.
„Ja, wir freuen uns über Anzeigen, über jede, die bei uns im Blatt stattfindet, natürlich auch wenn Tommy Hilfiger sich dafür entscheiden sollte, bei uns zu werben, über eine Anzeige von Tommy Hilfiger. In dem Fall war das nicht der Fall, sondern es wurde eben eine Pressereise angeboten. Das geschieht dann tatsächlich völlig unabhängig von der Anzeigenabteilung.“

Der „Tagesspiegel“ beteuert seine Unabhängigkeit – und holt unter dem Hilfiger-Interview nun auch den Transparenzhinweis nach. So sei es eigentlich auch Standard. Außerdem will der „Tagesspiegel“ vor Reisen nachschauen, ob ein Sportereignis wie Kitzbühel sein Publikum überhaupt interessiert.
„Das ist jetzt sicherlich nicht das Kernthema für unsere Berliner Leserschaft. Denke ich auch, dass man da vielleicht in Zukunft eher dann auf die Berichterstattung von unserem Partner ‚Kurier‘ in Wien zurückgreifen kann.“
Statt es selbst zu machen und hinzufahren.
„Ja.“

Der ‚Tagesspiegel‘ will also im Zweifel lieber Texte einer anderen Zeitung übernehmen. Sauberer wäre das. Aber auch ein Reporter weniger vor Ort.

>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Von den Streamingdiensten ausgebremst?

Ob Netflix oder DAZN: Sky hat immer stärkere Konkurrenz. Wie es um den Pay-TV Sender und dessen Zukunft steht, habe ich für den Deutschlandfunk zusammengetragen.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —

Lutz Meier ist auf Medienkonzerne spezialisiert. Der Wirtschaftsjournalist hat einst für die „Financial Times Deutschland“ berichtet. Inzwischen ist er beim Monatsmagazin „Capital“. Den Pay-TV-Sender Sky hatte er schon im Blick als der noch Premiere hieß. Die Antwort auf die Frage, wie es den Münchnern geht, sei damals einfacher gewesen.

„Was das Deutschlandgeschäft betrifft, kann man es ganz genau gar nicht sagen, weil es keine Bilanzen mehr gibt, die sich auf Deutschland beziehen. Also, das heißt, alles was man sagen kann, sind Vermutungen. Ich würde vermuten: Nicht so gut, weil Sky gerät stärker unter Druck. Es gibt mehr Konkurrenz.“

Meier meint Streamingportale wie Netflix, Amazon Prime und nicht zuletzt die Sportplattform DAZN.

„Ein bisschen ist das, was wir jetzt beobachten, paradox, weil das erste Mal in der Geschichte gibt es eine größere Zahl deutscher Mediennutzer, Bewegtbildnutzer, die bereit sind, dafür jeden Monat Geld auszugeben und ein Abo zu zeichnen. Und die, die davon immer profitieren wollten, nämlich Sky, profitieren da nur zu einem geringen Maße von.“

Schwierigkeiten, Sky in Deutschland zu greifen, hat auch der Deutschlandfunk: Das Sky-Management gibt „Mediasres“ kein Interview. Eine Sprecherin verweist stattdessen auf das „Handelsblatt“. Dort hat Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt gesagt: Sky habe sich „hervorragend“ entwickelt. In der Zentrale in Unterföhring bei München soll von den etwa 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aber „eine zweistellige Zahl“ gehen – um neue einzustellen, die bei der Digitalisierung helfen. Zu Geschäftszahlen sagte Schmidt:

„Ich darf Ihnen leider keine detaillierten Angaben machen. Nur so viel: Ich bin zufrieden mit dem ersten Halbjahr. Wir sind auf einem guten Weg. Wir wachsen.“

Sky gehört seit bald einem Jahr zum US-Fernsehgiganten Comcast und hüllt sich seitdem stärker in Schweigen, auch bei der Zahl der deutschen Abonnenten. Vor der Übernahme waren es gut fünf Millionen.

Die Fronten, an denen Sky kämpft, sind hingegen klar. Da ist vor allem das Wettrennen mit DAZN. Beispiel: die Premiere League. Sie lief lange auf Sky. Dann schnappte sie sich DAZN. Jetzt wieder Sky. Sky feiert das.

Auszug Trailer „Premiere League“

Sky war schon immer auch: Film und Serie. Während es im Sport eher um Konfrontation mit anderen Anbietern geht, sucht Sky hier zunehmend die Kooperation – auch wenn es wie mit der Neuverfilmung von „Das Boot“ als Serie zunehmend auch exklusive Produktionen gibt: Bei „Babylon Berlin“ machte Sky mit der ARD gemeinsame Sache. Sky holte auch die Erfolgsserie „Game of Thrones“ exklusiv nach Deutschland – und benannte für die HBO-Produktion extra einen Kanal zeitweise zum „Thrones“-Sender um. Und auch technisch sucht Sky heute die Nähe zur Konkurrenz: Der aktuelle Receiver – genannt „Sky Q“ – bindet die Mediatheken von ARD und ZDF wie selbstverständlich ein und sogar Streaminganbieter aus den USA:

Auszug Trailer „Netflix auf Sky Q“

Die größte Herausforderung bleibt aber der Sport. Die Deutsche Fußball-Liga bereitet die nächste Ausschreibung der Medienrechte vor und klärt gerade mit dem Bundeskartellamt, ob es in zwei Jahren wieder nur einen großen Live-Anbieter geben darf. Zuletzt hatte das Kartellamt mit einer „No Single Buyer Rule“ dafür gesorgt, dass auch andere zum Zuge kommen sollten. Eurosport kaufte die Freitagsspiele – und lizensiert sie zur neuen Saison, die an diesem Wochenende startet, weiter an DAZN.

Käme es bald zum Showdown im Rechtegeschäft – welche Chancen hätte dann Sky gegenüber DAZN, das viel Geld mitbringt?

„Die Liga schaut bei der Rechtevergabe aufs Geld“

, sagt „Capital“-Journalist Lutz Meier.

„Das heißt aber auch, die Liga hat ein großes Interesse daran, dass es Sky weiter gibt und dass die auch finanzkräftig werden, denn sonst können sie kein Wettbieten entfachen, wenn es Rechte gibt. Insofern: Aus Sicht der Liga ist es das Klügste, die Rechte so zu verteilen, dass jeder noch gerade genug Geld zum Leben hat, aber auch nicht mehr.“

Auch deshalb dürfte der finanzielle Druck auf Sky immer weiter steigen. Wie gut der Pay-TV-Sender dafür gerüstet ist, das bleibt sein Geheimnis.

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Mediasres”)

Geheimtreffen mit dem Whistleblower

Verschlüsselte Kommunikation, geheime Treffen, Prüfung der Daten, ehtische Abwägungen, der enttarnte Whistleblower: Die #FootballLeaks-Journalisten Rafael Buschmann und Michael Wulzinger geben mir im Interview für ZAPP Einblicke in ihre Recherche.

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Whistleblower im Rampenlicht

Nach dem Zugriff auf Rui Pinto: Wie sind “Spiegel” und NDR mit dem Mann hinter #FootballLeak umgegangen?

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —

Das ist er: Der Mann hinter Football Leaks. Rui Pinto. Ein 30-jähriger Portugiese. Er nannte sich „John“. Drei Jahre lang versorgte er Journalisten mit geheimen Dokumenten aus dem Innern des Fußballgeschäfts.
„Wenn ich Daten von einem bestimmten Club habe, warum sollte ich das nicht mit den Medien teilen? Ich habe alles geteilt, was ich hatte.“
Mitte Januar der Zugriff in Budapest: Pinto wird verhaftet, auf Geheiß der portugiesischen Staatsanwaltschaft. In Ungarn steht er unter Hausarrest und tritt jetzt offen als Whistleblower auf. Mit dieser Strategie will er die drohende Auslieferung und einen Prozess in seiner Heimat abwehren.
„Also, ich denke, Portugal will mich einfach zum Schweigen bringen und das, was in meinem Laptop ist, zum Schweigen zu bringen. Sie haben Angst.“
Die Frage jetzt: Was ist Rui Pinto – Whistleblower oder Hacker?
Pinto bestätigt selbst: Er hat eine Sportrechteagentur mit ihren eigenen Daten erpresst. Auch deshalb wurde er mit europäischem Haftbefehlt gesucht. Er spricht von einem Test.
„Ich wollte wissen, wie wertvoll die Dokumente für sie sind. Ich wollte wissen, wie weit sie bereit sind zu gehen.“
„Der Spiegel“ hatte drei Jahre exklusiven Zugang zu John, also Pinto. Rafael Buschmann hat ihn als einziger getroffen. Wie seine Quelle an die Dokumente kam, hat aber auch er nicht wirklich erfahren.
„Er hat das vermieden. Also er hat bis heute seinen sehr klaren Standardsatz, dass er sagt ‚Ich bin kein Hacker, wir arbeiten nicht mit Hackern zusammen‘. Und dass er auch an der Stelle sagt ‚Wir haben Quellen und manche der Quellen wissen nicht, dass sie unsere Quellen sind‘. Das ist ein Satz, der, finde ich, mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt, aber es ist ein Satz, den er sagt.“
Was ist dran an den Vorwürfen gegen Pinto? Und sollten sie zutreffen: Kann er dann eine Quelle sein? Im „Spiegel“ dazu: lange Debatten.
„Wir kommen hier zum Ergebnis, dass wir trennen müssen zwischen einem Informanten und einer Information. Das heißt, die Motivation des Informanten, warum er bestimmte Dinge tut, seine Sozialisation, seine Biographie, sind eigentlich nicht entscheidend für die Dokumente, die am Ende vorliegen und an denen wir recherchieren können.“
„Ein Whistleblower kann möglicherweise auch ein Hacker sein. Für uns besteht dann eben immer nur die Hürde, dass das Material von hohem öffentlichen Interesse sein muss, dass es authentisch sein muss, dass es vor allen Dingen belastbar sein muss.“
Im vergangenen Herbst rückt das portugiesische Magazin „Sábado“ Pinto in die Nähe zur Cyberkriminalität. Berichtet über „Den Piraten, der die Geheimnisse von Benfica Lissabon gestohlen“ haben soll.
Es ist die Zeit vor der letzten großen Veröffentlichung von „Football Leaks“, an denen der „Spiegel“ auch Journalisten vom NDR und anderen europäischen Medien beteiligt. Doch ihren Partnern verraten die „Spiegel“- Rechercheure damals nicht, dass dieser Pinto ihre Quelle ist.
„Vor allen Dingen die portugiesischen Kollegen waren natürlich in der Situation, dass sie zu unserem Netzwerk gehören, aber auf der anderen Seite dann in Portugal der Publikationsdruck enorm hoch war, weil ‚Sábado‘ sich sehr lange an den Ermittlungsakten der portugiesischen Behörden entlang gehangelt hat. Und wir haben aber natürlich, wir haben gesagt, wir geben die Quelle nicht preis. Das ist eine Situation gewesen, die so ein bisschen kippelig war. Aber sie hat gehalten.“
Der NDR produziert fürs Erste eine Dokumentation über „Football Leaks“. Darin: kein Hinweis darauf, dass die Quelle womöglich kriminell ist. „John“ und der Kontakt zu ihm werden stattdessen geheimnisvoll inszeniert.
„Der Journalist ist vorsichtig. Er erzählt, dass Fußballclubs schon Privatdetektive angesetzt haben. Viel ist über John nicht bekannt. Er soll Portugiese sein und den Fußball über alles lieben.“
Sven Lohmann hat im NDR die „Football Leaks“-Recherchen betreut. Er und sein Team waren in einem Dilemma: Es gab Gerüchte über die Quelle. Aber keine Klarheit darüber, wer „John“ wirklich war.
„Wir sind da an einen sehr schwierigen Punkt gekommen, weil wir auf der einen Seite transparent mit der Quelle umgehen wollten, aber auf der anderen Seite hier einen Vorwurf hatten, den wir nicht nachvollziehen konnten. Wir konnten ihn nicht nachrecherchieren. Und das war eine Abwägungssache.“
Der NDR macht weiter. Versucht sich – über den „Spiegel“-Kollegen – irgendwie der Quelle zu nähern.
„Buschmann konnte von John noch keine Bilder drehen. Es ist nicht klar, ob er es überhaupt zulassen wird. Aber der NDR kann das erste Mal Kontakt zu John aufnehmen.“

Rafael: Woher kommen Deine Daten?
John: Seit 2015 haben wir tausende Gigabyte an Daten aus verschiedenen Quellen bekommen. Wir wissen nichts über die genaue Herkunft der Informationen. Aber eines kann ich garantieren: Wir sind keine Hacker.“

Damals bleibt diese Aussage so stehen. Die Zweifel daran: für den NDR nicht belegt. Und heute – wo „Johns“ Identität klar ist?
Wäre das vor Veröffentlichung des Films schon klar gewesen, hätte es diesen Film gegeben im Programm?
„Ja. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil die Dokumente, die am Ende in den Film gekommen sind, die Sachverhalte, sind Sachverhalte nach meiner persönlichen Auffassung, die ein hohes öffentliches Interesse haben und eine hohe öffentliche Relevanz haben. Und es ist ja auch Teil des journalistischen Prinzips und auch des Presserechts, dass man Dokumente verwenden kann, auch wenn sie auf einem Wege vielleicht beschafft worden sind, ganz allgemein besprochen, die diskutabel sind.“

Für die Journalisten war Pinto alias „John“ zweifellos eine brisante Quelle. Hacker oder Whistleblower? Darüber muss jetzt ein ungarisches Gericht entscheiden.

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Hinter den Beschimpfungen: Die Medienstrategie des FC Bayern

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

FC Bayern vs. Medien: Geschlossenheit als Drohung

Im Deutschlandfunk habe ich kommentiert, warum der Rekordmeister mit JournalistInnen so hart umgeht – und war die Verantwortlichen glauben, sich das leisten zu können. FC Bayern vs. Medien: Geschlossenheit als Drohung weiterlesen

Konfrontation oder Kooperation?

Kampf um die Sportrechte

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
Zwei Monate sind sie nun schon her, die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Es waren die ersten Spiele der Geschichte überhaupt, die ARD und ZDF nicht komplett zeigen konnten. Der US-Konzern Discovery hatte vom Internationalen Olympischen Komitee die Fernsehrechte für Europa erworben und damit vor allem für: Eurosport. Am Ende gab Discovery ARD und ZDF dann aber eine Sublizenz.

In Leipzig sitzt Discovery-Managerin Susanne Aigner-Drews auf den Medientagen Mitteldeutschland in einer Gesprächsrunde. Sie zieht Bilanz. Natürlich sei sie hoch zufrieden mit dem journalistischen Programm von Eurosport. Aber: “Also Quotenmäßig muss ich sagen: Da sind ARD und ZDF einfach eine Macht. Das ist ganz klar. Aber unser Ansinnen, unser Ziel ist es natürlich schon, ein bisschen die Gewohnheiten zu ändern.”

Olympische Spiele sowohl bei öffentlich-rechtlichen als auch bei privaten Kanälen, teils sogar im Pay-TV. Von einigen wenigen Disziplinen abgesehen, hatte das Publikum die Wahl. Das wird auch bei den Sommerspielen in Tokio so sein. Für Discovery, das zunächst auf Exklusivität aus war, sie sich aber am Ende offensichtlich doch nicht leisten wollte, ist dieses parallele TV-Angebot eine schwierige Situation.

“Das sind top Produkte, die abgeliefert werden für den Zuschauer. Zweifelsohne”, sagt die Geschäftsführerin der deutschen Discovery-Sender. Und kündigt an: “Dass wir da lauter werden müssen und mehr Präsenz zeigen, dem Zuschauer klarer machen, dass Eurosport Olympische Spiele vollumfänglich überträgt, das ist mit Sicherheit Hausaufgabe für die nächsten zwei Jahre.”

Discovery hat auch bei der Fußball-Bundesliga zugeschlagen. Denn auch sie gibt es nicht mehr nur bei einem Kanal. Der Bezahlsender Sky hat nun mit Eurosport eine Konkurrenz. Immerhin: Hier läuft eine Begegnung nur auf dem einen oder anderen Kanal. Für Neuling Discovery die Chance, sich zu profilieren und zu jubilieren:

“Wir haben es im Laufe der Saison geschafft, mit unserer Fußballberichterstattung – auch dank der Experten, die wir haben, Matthias Sammer, der sich ein extrem scharfes Profil erarbeitet hat – uns wirklich einen Namen zu machen und als eigenständiges Produkt dazustehen.”

Die Programmmanager gewöhnen sich langsam aber sicher daran: Exklusivität bei einzelnen Wettkämpfen ja – über eine ganze Sportart aber immer seltener. Für Axel Balkausky, den Sportkoordinator der ARD, ist Kooperation längst Pflichtprogramm.

“Wir haben es ja auch erlebt, dass inzwischen die Länderspiele zwischen ARD, ZDF und RTL geteilt werden. Wir haben jetzt Fußball-Rechte an der WM an Sky, U-HD-Rechte, sublizensiert. Das hat ja auch damit zu tun, dass unsere finanziellen Möglichkeiten oftmals beschränkt sind.”

Die Beitragskommission KEF, die über die Ausgaben der öffentlich-rechtlichen Sender wacht, hat den Sportetat von ARD und ZDF gedeckelt, während die Preistreiberei am Sportrechtemarkt weiter geht.

“Für uns ist die Möglichkeit von dem Kuchen etwas abzubekommen, wenn es sich eben marktwirtschaftlich entwickelt, sich die Rechte zu teilen”, sagt ARD-Sportkoordinator Balkausky. Sportarten verteilen sich so zunehmend auf mehreren Plattformen. Liveübertragungen hinter Bezahlschranken, aber gleichzeitig auch Berichterstattung etwa in der “Sportschau” vor Massenpublikum.

“Ich glaube – dieselbe Entwicklung hat man auch bei vielen Ballsportarten oder bei Eishockey, das heißt, die Fläche wirklich über Streaming-Dienste über Telekom, über Eurosport-Player und so weiter auszuspielen, aber die Zuspitzung, die vielen Menschen zu erreichen, das ist das, was wir immer noch sehr, sehr gut können. Und deshalb ist ja auch so etwas wie mit Sky zustande gekommen, dass wir gemeinsam die Handball-Bundesliga erworben haben, um einfach eben beides abzudecken, die Fläche und auch die Spitze.”

Dass das nicht immer klappt, zeigt das Debakel um die Übertragungsrechte der Handball-Weltmeisterschaft vor gut einem Jahr: Kein deutscher Sender hat sich mit den aggressiven Rechtevermarktern, einer Agentur aus Katar, einigen können.

“Das muss man sich mal vorstellen. Der Europameister geht zur Weltmeisterschaft und wird im eigenen Land nicht gesehen. Das ist natürlich hart”, erinnert sich Andreas Michelmann, der Präsident des Deutschen Handballbundes.

Er fordert, zumindest Endspiele in die sogenannte Schutzliste aufzunehmen – sie wären dann Pflichtprogramm im frei empfangbaren Fernsehen. Die Länder, die für die Medien zuständig sind, haben sich dazu aber zuletzt nicht durchringen können. So bleibt das Risiko für die nächste WM.

“Die Rechte sind vergeben von dem Weltverband an eine Agentur, aber die Agentur hat die Gespräche noch nicht aufgenommen. Sie machen im Augenblick Hallenbesichtigungen und ähnliches, aber mit uns ist offiziell noch nicht gesprochen worden und glaube ich, auch nicht mit keinem anderen”, so ARD-Sportkoordinator Balkausky.

Ist das die katarische Agentur? “Nein, nein, nein, nein!” Dann besteht ja noch Hoffnung. “Die sind es nicht geworden und von daher glaube ich, dass ein großes Interesse besteht, das im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. Und ob wir das dann werden oder jemand anderes, das werden wir sehen.”

>> Download MP3 (Quelle: DLF-Sport)