Interviews mit Abstand und Angel

Wie sich die Berichterstattung bei der Tour de France in Zeiten von Corona verändert, habe ich für den Deutschlandfunk recherchiert.

für DLF

— Manuskript des Beitrags —

„Die Tour 2020. Live im Ersten!“
„Und alles ist bereit für den längsten und schnellsten Maskenball der Geschichte. Willkommen zur 107. Ausgabe der Tour de France hier in Nizza…“

Das sagt Michael Antwerpes zum Start der Übertragung an diesem Wochenende und zieht mit einer gekonnten Bewegung seine blaue Maske mit dem weißen Logo der ARD von seinem Gesicht. Die Tour de France 2020 ist anders, auch für Journalistinnen und Journalisten. Das spürt vor allem, wer die Tour ins Fernsehen und Radio bringen möchte. Gabi Bohr ist die Teamchefin der ARD.

„Die Interviewpositionen haben sich natürlich verändert. Das ist alles etwas schwieriger geworden. Es ist eine neue Herausforderung. Aber: Deshalb sind wir vor Ort, dass wir das auch den Zuschauern und den Zuhörern auch mitteilen.“

Im Programm ist das tatsächlich nicht zu überhören. Immer wieder streuen Moderator und Kommentator Bemerkungen über die neuen Zwänge bei der Berichterstattung ein.

„Jetzt stellen sich die deutschen Fahrer erst mal selbst vor. Das haben sie mit eigenen Handyvideos uns geschickt, weil es natürlich nicht so einfach ist für uns, auch an die Fahrer heranzukommen. Die Hotels sind verbotene Zone für Journalisten. Man soll in seiner eigenen Blase bleiben. Aber die Jungs haben geliefert.“
„Hallo, ich bin André Greipel. Ich bin eigentlich zu alt für diesen Sport, aber dennoch bin ich sehr ambitioniert. Ich möchte nach Paris kommen…“

Alle wollen nach Paris. Dafür schränkt die ASO, die Organisation, die die Tour organisiert, die Bewegungsfreiheit der Berichterstatter massiv ein. Der große Plan, der auch die Medien einschließt, skizziert von Tour-Chef Christian Prudhomme:

„Alles wird getan, um die Blase von 30 Leuten pro Team zu schützen. Keine Isolation, aber Abstand: Keine Selfies, keine Autogramme, nur standardisierte Interviews.“

Interviews führt für die ARD Moritz Cassalette. Bei der Tour konnten sich er und seine Kollegen lange völlig frei bewegen. Das ist jetzt anders.

„Also normalerweise haben wir nach den Etappen immer an den Bussen gewartet, wo die Fahrer dann der Reihe nach eingetrudelt sind. Das geht jetzt nicht mehr. Aber wir haben sowohl am Start als auch am Ziel so Interviewboxen, die zugewiesen sind. Und da können wir warten und nach Rücksprache mit den Pressesprechern dann auch Gespräche führen mit den Fahrern – eben mit Abstand, mit Angel, also wir sind dann so zwei Meter voneinander entfernt. Aber das geht schon und das hat am ersten Wochenende wirklich gut funktioniert.“

Reporter müssen also vorher die Teams fragen, ob Fahrer bei ihnen vorbeischauen wollen. Außerdem sollen sich vor dem Start grundsätzlich keine Träger besonderer Trikots vor den Interviewboxen, in der sogenannten „Mixed Zone“, blicken lassen. Stattdessen verteilt der Veranstalter zentral Material an Medienvertreter. Letztlich: PR. Fahrer können bei diesem Prozedere kritische Fragen leicht umgehen.

Auch schreibende Journalisten spüren Einschränkungen. Emanuel Reinke berichtet für den SID, den Sportinformationsdienst. Die ASO zwingt ihn und seine Kollegen von Zeitungen und anderen Nachrichtenagenturen zur Zusammenarbeit.

„Wir sind, Stand jetzt, sechs deutsche Schreiber vor Ort. Das wird sich auch in den kommenden Wochen noch mal ein bisschen durchmischen, denke ich, aber von den sechs Anwesenden hier darf immer nur einer in die Mixed-Zone nach dem Rennen. Das heißt, wir müssen uns untereinander auch organisieren, absprechen, wer denn vor dem Rennen und nach dem Rennen in die Mixed-Zone geht und dann die Fragen stellt.“

Dennoch wollen Journalisten vor Ort präsent sein. Atmosphäre mitnehmen, soweit es irgendwie geht. Viele Restriktionen findet ARD-Reporter Cassalette, wie er sagt, „nicht wirklich befriedigend“. Er sagt aber auch:

„Das ist in diesem Jahr einfach so: Die Teams haben einfach, glaube ich, auch Angst, dass sie positive Fälle in ihrer Mannschaft haben, denn das könnte ja den Ausschluss von der Tour de France bedeuten. Und ich glaube, wir müssen alle in diesem Jahr einfach mit diesen Kompromissen klarkommen. Langfristig wäre das nicht schön.“

Genau das aber ist die Gefahr: Dass der Radsport – wie schon so viele Sportarten zuvor – einen neuen Standard etabliert für den Kontakt der Fahrer mit Journalisten. Ob das passiert, lässt sich freilich erst beurteilen, wenn Corona keine Bedrohung mehr ist für alle Beteiligten.

Bis dahin macht die ARD die Not zur Tugend. ARD-Teamchefin Gabi Bohr sagt: Neben Sport und Kultur geht es jetzt eben auch um Corona und die Hygienevorschriften.

„Insofern haben wir noch Themen mehr, die wir in unserem Programm präsentieren werden und wollen. Und wir hoffen natürlich, dass es weiter sehr interessant bleiben wird.“

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Warum Sky ab und zu auf Exklusivität verzichtet

Für den Deutschlandfunk habe ich unter anderem mit ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann über die neuerliche Kooperation bei Bundesliga-Übertragungen gesprochen.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —
Fast 900 Millionen Euro – so viel zahlt Sky an die Deutsche Fußballliga pro Jahr, um die Bundesliga übertragen zu dürfen. Für die Vereine ist das die Haupteinnahmequelle. Aber die Liga dürfte nicht nur an dem Geld aus den Fernsehrechten interessiert sein. Denn nur wenn viele Menschen erreicht werden, zahlen auch die Sponsoren der Klubs und die Werbekunden in den Stadien weiterhin hohe Summen.

Gerade vor diesem Hintergrund scheint die – gelegentliche – Kooperation des Pay-TV-Anbieters und Bundesliga-Senders Sky mit frei empfangbaren Sendern logisch. Sky erklärt jedenfalls:

„Damit betreiben wir Werbung für unser Sky Bundesliga-Produkt und für den deutschen Fußball im Allgemeinen. Durch die Kooperation mit dem reichweitenstarken ZDF machen wir das Spiel einem besonders großen TV-Publikum zugänglich.“

Im Frühjahr zeigte die ARD das „Revierderby“. Den Besuch der Bayern in Frankfurt hat nun wiederum das ZDF ausgestrahlt. Das freut natürlich ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Live-Fußball ist bei ihm selten, nachdem der Streaminganbieter DAZN dem Zweiten die Champions League wegschnappte.

„Das ist jetzt kein großes Geheimnis, dass Sky von der deutschen Fußball-Liga dieses Recht eingeräumt hat zwei Spiele pro Saison zu verwerten für Promotionszwecke, wie es heißt. Und in diesem Fall, jetzt im Sommer, sind wir auf die zugegangen.“

Zuallererst betont Fuhrmann, habe das Publikum etwas von diesem Deal: Bundesliga, frei empfangbar. Sky lässt sich das allerdings auch bezahlen. Über die Lizenzgebühr schweigt das Management des Bezahl-Senders aber. Fuhrmann sagt immerhin:

„Das ist jetzt keine Symbolsumme in der Größenordnung von einem Euro oder so etwas, sondern das sind schon andere Summen. Sie wissen aber, dass ich in der Öffentlichkeit nie Summen nenne. Das werde ich heute auch nicht anders halten, aber wie immer bei einem Geschäft: Wir sind sehr zufrieden mit den Konditionen und gehen, glaube ich sehr verantwortungsvoll – wie sonst auch – mit den Beitragsgeldern um“

, meint der ZDF-Sportchef. Fußball hätte er gerne wieder häufiger im Programm – und setzt so lange auch auf andere Sportarten: Nächste Woche steigt das ZDF wieder ins Boxen ein. Ein Ausgleich für die populärste Sportart sei das aber natürlich nicht, sagt Fuhrmann.

Wenn die Liga demnächst die künftigen Medienrechte ausschreibt, hofft er, dass es für das ZDF bei den bisherigen Rechten bleibt. Derzeit sieht das sogenannten Paket H Zusammenfassungen am Samstagabend vor.

„Seit vielen Jahrzehnten fährt die Bundesliga und das ZDF gut damit, dass es das ‚Aktuelle Sportstudio‘ gibt und es ist eine Traditionsmarke. Und jedes Recht wird neu verhandelt. Man muss die neue Marktsituation anschauen. Einfacher ist die Situation nicht geworden.“

Das sieht auch Lutz Meier so. Der Journalist beobachtet seit vielen Jahren die Vergabe von Sportrechten – erst für die „Financial Times Deutschland“, heute für das Monatsmagazin „Capital“.

„Sky ist doch inzwischen sehr unter Druck geraten. Zudem sind ja einige Konkurrenten auf den Plan getreten, allen voran DAZN. Und zudem hat die Deutsche Telekom angekündigt, dass sie Interesse hat. Also wird sich grundlegend was ändern.“

Ob die Liga Kooperationen von Bezahl- und frei empfangbaren Sendern von einer Ausnahme zum Standard machen will, ist offen. Bekannt ist, dass sie das Bundeskartellamt bereits gebeten hat, ihr wieder zu erlauben, alle Live-Rechte an einen Anbieter zu geben. Es dürfte also auf einen Showdown zulaufen zwischen Sky, DAZN und der Telekom. Branchenbeobachter Lutz Meier mahnt jedoch: Was nach großem Wettbewerb aussehe, könne für die Liga auch nach hinten losgehen.

„Die tun immer gerne so, als würden sie da noch jemanden aus dem Hut zaubern. Das wird die sicherlich sehr gefreut haben, dass sich die Telekom jetzt gemeldet hat, die auch in der Vergangenheit schon öfter mal den Joker gespielt hat. Aber da ist dann die Frage: Zieht dieser Joker wirklich am Ende?“

Die Telekom nehme immerhin schon viel Geld in die Hand für die Europameisterschaft in knapp fünf Jahren. Sollte sie die anderen nicht zu neuen Höchstpreisen treiben, könnte der Preis für die Liverechte der Liga sogar sinken. Ein Risiko vor allem für die Finanzlage der Vereine.

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Von den Streamingdiensten ausgebremst?

Ob Netflix oder DAZN: Sky hat immer stärkere Konkurrenz. Wie es um den Pay-TV Sender und dessen Zukunft steht, habe ich für den Deutschlandfunk zusammengetragen.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —

Lutz Meier ist auf Medienkonzerne spezialisiert. Der Wirtschaftsjournalist hat einst für die „Financial Times Deutschland“ berichtet. Inzwischen ist er beim Monatsmagazin „Capital“. Den Pay-TV-Sender Sky hatte er schon im Blick als der noch Premiere hieß. Die Antwort auf die Frage, wie es den Münchnern geht, sei damals einfacher gewesen.

„Was das Deutschlandgeschäft betrifft, kann man es ganz genau gar nicht sagen, weil es keine Bilanzen mehr gibt, die sich auf Deutschland beziehen. Also, das heißt, alles was man sagen kann, sind Vermutungen. Ich würde vermuten: Nicht so gut, weil Sky gerät stärker unter Druck. Es gibt mehr Konkurrenz.“

Meier meint Streamingportale wie Netflix, Amazon Prime und nicht zuletzt die Sportplattform DAZN.

„Ein bisschen ist das, was wir jetzt beobachten, paradox, weil das erste Mal in der Geschichte gibt es eine größere Zahl deutscher Mediennutzer, Bewegtbildnutzer, die bereit sind, dafür jeden Monat Geld auszugeben und ein Abo zu zeichnen. Und die, die davon immer profitieren wollten, nämlich Sky, profitieren da nur zu einem geringen Maße von.“

Schwierigkeiten, Sky in Deutschland zu greifen, hat auch der Deutschlandfunk: Das Sky-Management gibt „Mediasres“ kein Interview. Eine Sprecherin verweist stattdessen auf das „Handelsblatt“. Dort hat Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt gesagt: Sky habe sich „hervorragend“ entwickelt. In der Zentrale in Unterföhring bei München soll von den etwa 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aber „eine zweistellige Zahl“ gehen – um neue einzustellen, die bei der Digitalisierung helfen. Zu Geschäftszahlen sagte Schmidt:

„Ich darf Ihnen leider keine detaillierten Angaben machen. Nur so viel: Ich bin zufrieden mit dem ersten Halbjahr. Wir sind auf einem guten Weg. Wir wachsen.“

Sky gehört seit bald einem Jahr zum US-Fernsehgiganten Comcast und hüllt sich seitdem stärker in Schweigen, auch bei der Zahl der deutschen Abonnenten. Vor der Übernahme waren es gut fünf Millionen.

Die Fronten, an denen Sky kämpft, sind hingegen klar. Da ist vor allem das Wettrennen mit DAZN. Beispiel: die Premiere League. Sie lief lange auf Sky. Dann schnappte sie sich DAZN. Jetzt wieder Sky. Sky feiert das.

Auszug Trailer „Premiere League“

Sky war schon immer auch: Film und Serie. Während es im Sport eher um Konfrontation mit anderen Anbietern geht, sucht Sky hier zunehmend die Kooperation – auch wenn es wie mit der Neuverfilmung von „Das Boot“ als Serie zunehmend auch exklusive Produktionen gibt: Bei „Babylon Berlin“ machte Sky mit der ARD gemeinsame Sache. Sky holte auch die Erfolgsserie „Game of Thrones“ exklusiv nach Deutschland – und benannte für die HBO-Produktion extra einen Kanal zeitweise zum „Thrones“-Sender um. Und auch technisch sucht Sky heute die Nähe zur Konkurrenz: Der aktuelle Receiver – genannt „Sky Q“ – bindet die Mediatheken von ARD und ZDF wie selbstverständlich ein und sogar Streaminganbieter aus den USA:

Auszug Trailer „Netflix auf Sky Q“

Die größte Herausforderung bleibt aber der Sport. Die Deutsche Fußball-Liga bereitet die nächste Ausschreibung der Medienrechte vor und klärt gerade mit dem Bundeskartellamt, ob es in zwei Jahren wieder nur einen großen Live-Anbieter geben darf. Zuletzt hatte das Kartellamt mit einer „No Single Buyer Rule“ dafür gesorgt, dass auch andere zum Zuge kommen sollten. Eurosport kaufte die Freitagsspiele – und lizensiert sie zur neuen Saison, die an diesem Wochenende startet, weiter an DAZN.

Käme es bald zum Showdown im Rechtegeschäft – welche Chancen hätte dann Sky gegenüber DAZN, das viel Geld mitbringt?

„Die Liga schaut bei der Rechtevergabe aufs Geld“

, sagt „Capital“-Journalist Lutz Meier.

„Das heißt aber auch, die Liga hat ein großes Interesse daran, dass es Sky weiter gibt und dass die auch finanzkräftig werden, denn sonst können sie kein Wettbieten entfachen, wenn es Rechte gibt. Insofern: Aus Sicht der Liga ist es das Klügste, die Rechte so zu verteilen, dass jeder noch gerade genug Geld zum Leben hat, aber auch nicht mehr.“

Auch deshalb dürfte der finanzielle Druck auf Sky immer weiter steigen. Wie gut der Pay-TV-Sender dafür gerüstet ist, das bleibt sein Geheimnis.

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IOC startet Online-TV-Kanal

Heute Nacht soll es soweit sein: Der Olympic Channel geht an den Start, der neue Hauskanal des IOC. 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr Olympia. Das Ziel: die Zuschauer auch zwischen den Spielen binden

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
Auszug „Olympic Channel-Promo“

Athleten und ihre Emotionen – das und auch nur das sind für das Internationale Olympische Komitee Olympische Spiele. Der Werbeclip für den „Olympic Channel“ ist dann auch voll davon.

Auszug „Olympic Channel-Promo“

„Weil 17 Tage nicht genug sind“ – das ist das Motto des neuen Kanals. Olympia soll einfach immer und überall sein. Das erklärte jüngst auch IOC-Präsident Thomas Bach:

„Hauptziel des olympischen Kanals ist es, verbunden zu bleiben – mit den olympischen Fans und allen anderen, die das interessiert – und das auch in der Zeit zwischen den Olympischen Spielen. Wenn die Abschlusszeremonie vorbei ist, wird der Kanal fertig sein zum Download.“

Ein Kanal zum Download – was Bach hier etwas ungelenk ausdrückt, heißt nichts anderes als: Sein Olympic Channel sendet erst mal nur im Internet, nicht auf dem Satelliten oder im Kabelnetz. Sportfans müssen also via Internet-Browser – auf olympicchannel.com – einem Stream anwählen oder eben den Kanal „downloaden“, als App für das Smartphone oder den Tablet-Computer.

Dann kann ihn jeder sehen: Den gewaltigen Bilderteppich, den das IOC weltweit ausrollt – und das rund um die Uhr. Der Kanal will Wiederholungen einzelner Wettkämpfe zeigen, dazu Interviews mit Athleten. Sogar olympische Nachrichten und Shows sind geplant. Der „Olympic Channel“ soll außerdem die olympischen Sportarten erklären, in kompakten Videos, die sich leicht in sozialen Netzwerken teilen lassen. Nur eines soll er nicht sein – erklärt IOC-Präsident Bach:

„Dieser Kanal ist keine Konkurrenz zu den Olympischen Sendungen der Rechteinhaber. Aber es hilft ihnen, denn der olympische Sport wird mit seinen Athleten vier Jahre lang präsent sein. Auf diese Bekanntheit werden sie dann aufbauen können.“

Das IOC will den perfekten Kreislauf: Es baut neue Stars auf, hilft vor allem Nischensportarten zu neuer Aufmerksamkeit. Rechteinhaber – hierzulande bisher ARD und ZDF, künftig Discovery mit Eurosport – übernehmen dann für viel Geld, um 17 Tage lang das größte Sportspektakel der Welt zu zeigen – und geben dann wieder ab an den Olympischen Kanal. Der wiederum soll am Ende auch Geld verdienen, das ist das erklärte Ziel. Mit opulentem Sponsoring ist zu rechnen, einer perfekten Bühne für die Finanziers der Spiele.

Thomas Horky war selbst Sportjournalist, heute lehrt er an der Hamburger Macromedia Hochschule Sportjournalismus. Auf dem „Olympic Channel“ erwartet er nur die schönen Seiten der Medaillen. Die hässliche Seite des Spitzensports – also Doping, korrupte Funktionäre und die teils miesen Arbeitsbedingungen auf olympischen Baustellen – sie dürften kaum Platz finden.

„Natürlich kann man sich vorstellen, dass das Thema Doping ansatzweise positiv thematisiert wird durch Anzahl der Doping-Kontrollen in bestimmten Ländern, durch Maßnahmen, die das IOC macht. Aber das wird doch eher ein Verlautbarungskanal des IOC sein.“

Der „Olympic Channel“ werde letztlich den Sport in all seiner Faszination transportieren, sagt Horky – so wie das die Haus-Sender vieler Fußballvereine, von Bayern München bis zum HSV, auch schon täten. Journalistisch erwartet der Sportjournalisten-Ausbilder deshalb nicht viel. Der „Olympic Channel“ könnte aber dennoch ein Gewinn sein – weil er konsequent auf Smartphones und soziale Netzwerke setze.

„Man kann sich also vorstellen, dass dort der Versuch gestartet wird, die Jugend an olympische Sportarten heranzuführen und dann vielleicht auch langfristig zu binden, was über traditionelles Fernsehen ja kaum noch möglich ist. Wenn man sich den Altersdurchschnitt von ARD und ZDF anschaut, dann ist der extrem hoch – über 60 Jahre. Und das ist eine große Chance natürlich, über so eine App oder einen Online-Kanal ein Publikum zu binden, was man sonst schon verloren hat.“

Dem Olympic Channel, sagt Horky, solle man deshalb nicht allzu missmutig entgegensehen. Er gibt dem neuen Hauskanal des IOC jedenfalls eine Chance – auch wenn hier vor allem olympische Folklore zu erwarten ist.

Auszug „Olympic Channel-Promo“

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Olympische Allmachtsfantasie

In Rio senden und berichten die Sportverbände selbst – ist das noch Journalismus?

für taz

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UEFA-Bilder in ARD & ZDF

ARD und ZDF senden zur anstehenden Fußball-Europameisterschaft Material des europäischen Fußballverbandes UEFA. Denn dazu haben sie sich vertraglich verpflichtet.

für NDR Fernsehen

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Sportschau in Eigenregie

Sportverbände arbeiten an eigenen TV-Plattformen

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
“Olympic Games – welcome back to Greece!”

“Welcome to Beijing!”

Olympische Spiele – kein anderes sportliches Großereignis bietet so viele Bilder und Emotionen. Diesen Schatz will die olympische Bewegung jetzt bergen, für alle.

Der Plan des Internationalen Olympischen Komitees ist so simpel wie eindrucksvoll: Die Organisation und ihre Spiele sollen einfach immer präsent sein – 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr, lückenlos. IOC-Präsident Thomas Bach:

“Wir müssen etwas für die Zeit zwischen den Spielen machen: für die Athleten, für den Sport und für unsere Werte.”

Etwas für die Athleten tun, für den Sport und – natürlich – für die Werte der olympischen Bewegung, dafür öffnet das IOC sein Archiv – und noch mehr: Sportler und Funktionäre sollen zu Wort kommen, dazu Trainer, die über neue Techniken in den olympischen Disziplinen berichten. Auch von Trainingsvideos ist bereits die Rede – einer Art Teleakademie für Sportfans.

Der Olympische Sportkanal soll auf allen Geräten ankommen – auf Handys ebenso wie auf den klassischen Bildschirmen in den Wohnzimmern, erklärte Yiannis Exarchos der Vollversammlung des IOC. Exarchos leitet die IOC-Tochter OBS, die schon seit Jahren die Welt während der Spiele mit Live-Signalen versorgt. Die Vollversammlung hat das Projekt durchgewunken und damit Investitionen von fast 500 Millionen Euro. Am Ende soll der Kanal das IOC aber kein Geld kosten sondern selbst welches verdienen, etwa mit dem Verkauf von Werbeplätzen.

Das IOC muss seinen Sender jetzt erst mal aufbauen. Los gehen soll es im nächsten Jahr. Andere Sportverbände machen wiederum schon länger eigenes Programm – auch hierzulande.

“Herzlich Willkommen liebe Handball-Freunde – DHB-‘Timeout’, das Magazin…”

“Timeout” – das ist ein Magazin, das der Deutsche Handballbund vor wenigen Wochen gestartet hat – auch eine Sendung in Eigenregie. “Timeout” kommt aus einem Studio mit Spielberichten, Spieler-Porträts und Interviews. Die Sendung läuft erst mal ganz einfach auf Youtube. Der Deutsche Olympische Sportbund betreibt ebenfalls eine eigene Plattform: sportdeutschland.tv. Hier läuft, was bei den großen Sendern oft Mangelware ist. Projektleiter Oliver Beyer:

“Letztendlich ist es ja so, dass gerade im klassischen Fernsehen einige Sportarten sehr dominant vertreten sind, andere weniger, wieder andere überhaupt nicht. Und letztendlich hat da der DOSB als Spitzenverband des deutschen Sports eben auch gesagt, wir nehmen die Sache jetzt in die Hand, wir geben selbst eine Plattform und eine Möglichkeit dazu, den Sport zu zeigen.”

Das Portal bündelt bereits Inhalte dutzender Sportarten, darunter Tischtennis-Partien oder Spiele der Volleyball-Bundesliga. Vieles davon steht zum Abruf bereit, also zum Nachsehen, immer mehr aber auch als Live-Stream von den Sportplätzen der Republik. Das kommt tatsächlich an: Bis zu 190.000 Live-Zugriffe hat der DOSB bereits parallel registriert.

Im nächsten Jahr soll sportdeutschland.tv wachsen. Beyer hat dafür im Oktober eine klassische Fernsehlizenz erhalten. Außerdem bewirbt sich das Portal gerade darum, im Januar die Handball-Weltmeisterschaft zeigen zu dürfen. ARD und ZDF hatten die Verhandlungen abgebrochen. Und auch ein eigenes Magazin, eine “kleine Sportschau”, kann sich der DOSB vorstellen:

“Absolut! Das ist genau ein Punkt und das sage ich jetzt einfach Stichwort ‘Rio 2016’: Dort haben wir ja ganz genau ein Riesen-Event, bei dem sich sehr, sehr viele Sportarten, Sportlerinnen und Sportler treffen. Und das ist beispielsweise ein Meilenstein, wo man natürlich wunderbar im Vorfeld auch darauf hinarbeiten kann.”

Nur mit Journalismus sollte diese Projekte natürlich niemand verwechseln. Denn wenn der Sport über sich selbst berichtet, kommt vor allem eines oft zu kurz: die kritische Nachfrage.

>> Download MP3 (Quelle: DLF-“Sport am Wochenende”)