Eingeschränkte Berichterstattung

Über die Folgen der Coronakrise für die Berichterstattung über die Tour de France habe ich in ZAPP berichtet.

für NDR Fernsehen

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Dieser Beitrag wird hier lediglich als Arbeitsprobe präsentiert. Die Rechte etwa für Vervielfältigungen liegen beim NDR.

(Quelle: NDR-“ZAPP”)

Bezahlte Berichte?

Sportjournalisten lassen sich oft vom Sportbusiness zu Reisen einladen, zeigt eine neue Studie. Mitunter reißen dabei Grenzen zur Werbung ein. Mein Bericht für ZAPP

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —
Kitzbühel. Das Rennen auf der „Streif“ – die spektakulärste Station des Ski-Weltcups. Und zur Weißwurst-Party danach eine enorme Promi-Dichte. Für Publikum und Medien: attraktiv.
Dachte sich auch der „Tagesspiegel“ und twittert stolz: Unser Redakteur „mittendrin statt nur dabei“.
Das Ergebnis unter der Überschrift „Sie gehen steil“: ein launig-kritischer Bericht über den großen Zirkus rund um das Rennen. Am Ende schließlich der Hinweis: „Der Autor reiste auf Einladung der Marke Tommy Hilfiger nach Kitzbühel.“
Wir fragen nach bei Anna Sauerbrey, im „Tagesspiegel“ zuständig für „Compliance“: Wie lief das ab, mit Hilfiger?
„Die sind zunächst auf unsere Mode-Redaktion zugekommen, haben gesagt, wir bieten diese Reise an, möchtet ihr? Die Mode-Redaktion hat zunächst sehr skeptisch reagiert, dachte dann aber hmm, vielleicht für unsere Sportberichterstattung ein interessantes Feld, wir könnten die Reise doppelt nutzen, sowohl für die Mode als auch für die sportliche Berichterstattung. In dem Fall haben sich beide Ressorts dafür entschieden, dass der Sportredakteur fährt.“
Nur ein paar Tage später erscheint auch ein eher wohlwollendes Interview mit Tommy Hilfiger. Daneben setzen Models seine Ski-Kollektion in Szene. Interviewer: der Sportredakteur. Diesmal kein Hinweis auf die Finanzspritze.
Auf Leserinnen-, Leserseite könnte der Eindruck entstehen „Ah, da wurde jemand für die Sportberichterstattung mitgenommen und dann bekam er ein nettes, gut inszeniertes, für seine Produkte inszeniertes Interview geschenkt‘…
“…ja…”
Ist diese Konstellation schwierig?
“Ich fand es auch unglücklich. Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns wenn, dann auf die Sportberichterstattung beschränken, weil eben da die Unabhängigkeit von Berichterstattung und Sponsor größer ist.“

Die Hochschule in Ansbach. Die frühere „Kicker“-Redakteurin Jana Wiske forscht zu „Pressereisen im Sportjournalismus“. Sie hat sich in 20 Redaktionen umgehört.
„Persönlich schon teilgenommen“ haben 80 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten. Ihre „Redaktion nimmt regelmäßig teil“ sagen: 55 Prozent. Außerdem glaubt die Mehrheit: Ja, Pressereisen werden wichtiger.
„Man muss es differenziert betrachten, weil einfach die Situation im Sportjournalismus auch solchen bezahlten Pressereisen einen Raum bietet. (…) Der Kostendruck lässt es zum Beispiel nicht zu, dass man mal ein Formel-1-Rennen in Australien besucht als Journalist und da beiwohnt. Und da springen dann eben auch sehr häufig Pressereisen oder sind Pressereisen ein gutes Mittel, um vielleicht das ein oder andere zu besetzen, was eben auch der Rezipient möchte, nämlich die Nähe zu den Protagonisten und die Nähe zu einem Sportevent.“
Pressereisen, meint Wiske, könnten auch helfen. Sponsoren durchaus Türöffner sein. Werbliche Artikel gelte es dann aber zu vermeiden.
„Ich hätte mir zum Beispiel ein Interview gewünscht über Lebenswerk oder das Thema Nachhaltigkeit, Umweltschutz in der Mode. Das wäre denke ich passend gewesen und vielleicht auch der journalistischen Freiheit hätte das eher gutgetan, aber tatsächlich geht’s um die aktuelle Kollektion, Preise der Kollektion, Farben. Also es geht in eine Richtung, die doch sehr werblich ist.“
Sponsoren wollen letztlich vor allem verkaufen. Hilfiger hat im Kern-Verbreitungsgebiet des „Tagesspiegel“ knapp zehn eigene Läden. — Würden sie die Ski-Kollektion mit einer Anzeige bewerben: der Listenpreis in der Wochenend-Ausgabe des Tagesspiegel läge für eine halbe Seite bei fast 19.000 Euro.
Wäre eine Anzeige für die Zeitung nicht der bessere Deal? Die hätte ja auch mehr Geld gebracht als so eine Reiseunterstützung.
„Ja, wir freuen uns über Anzeigen, über jede, die bei uns im Blatt stattfindet, natürlich auch wenn Tommy Hilfiger sich dafür entscheiden sollte, bei uns zu werben, über eine Anzeige von Tommy Hilfiger. In dem Fall war das nicht der Fall, sondern es wurde eben eine Pressereise angeboten. Das geschieht dann tatsächlich völlig unabhängig von der Anzeigenabteilung.“

Der „Tagesspiegel“ beteuert seine Unabhängigkeit – und holt unter dem Hilfiger-Interview nun auch den Transparenzhinweis nach. So sei es eigentlich auch Standard. Außerdem will der „Tagesspiegel“ vor Reisen nachschauen, ob ein Sportereignis wie Kitzbühel sein Publikum überhaupt interessiert.
„Das ist jetzt sicherlich nicht das Kernthema für unsere Berliner Leserschaft. Denke ich auch, dass man da vielleicht in Zukunft eher dann auf die Berichterstattung von unserem Partner ‚Kurier‘ in Wien zurückgreifen kann.“
Statt es selbst zu machen und hinzufahren.
„Ja.“

Der ‚Tagesspiegel‘ will also im Zweifel lieber Texte einer anderen Zeitung übernehmen. Sauberer wäre das. Aber auch ein Reporter weniger vor Ort.

>> Beitrag in der ARD-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Hinter den Beschimpfungen: Die Medienstrategie des FC Bayern

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Neue Regeln für Nebentätigkeit?

ARD reagiert auf “Fall Kindermann”

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

ARD reagiert auf Fall Kindermann

Als Journalist arbeiten und zudem Sportevents veranstalten – im Fall René Kindermann war das zuletzt möglich. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky schließt solche Vermischungen in Zukunft aus, dabei ist die Grenzlinie für Tätigkeiten hauchdünn

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags

Mitte Januar im ZDF. Eine Station des Skilanglauf-Weltcups – erstmals überhaupt: aus Dresden. Moderator und Kommentator sind begeistert.

“Spannende Langlauf-Sprints direkt mitten aus Dresden. Eine gelungene Premiere.”

“Die Frauenkirche drüben auf der anderen Seite – man setzt diese spektakuläre Szenerie gut ins Bild.”

Organisiert haben diesen Event René Kindermann und Torsten Püschel – zwei Journalisten, die über Jahre selbst Wintersport im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentiert haben, im MDR und für die “Sportschau”, teils noch wenige Monate vor ihrer eigenen Veranstaltung in Dresden.

Können Sportjournalisten nebenbei auch Sportveranstalter sein? Als die Sportredaktion des Deutschlandfunks im Vorfeld des Dresdner Events über diese bislang einmalige Konstellation berichtete, war für die Verantwortlichen der ARD noch alles in Ordnung. Inzwischen aber – nach kritischen Berichten auch anderer Medien – hat sich die Sicht auf die Dinge geändert.

“Da begeben wir uns natürlich in eine Grauzone, bei der es wirklich schwierig wird, dann das Thema ‘Glaubwürdigkeit’ auch hochzuhalten. Und insofern haben wir uns da klar positioniert, dass wir sagen: Solche Vermischungen wird es in Zukunft nicht mehr geben”, sagte der Sportkoordinator der ARD, Axel Balkausky, nun dem NDR-Medienmagazin ZAPP.

Während es davor auch von ihm selbst noch hieß, die nötige Distanz sei sehr wohl vorhanden, da Kindermann und Püschel zwar einen Skilanglauf-Weltcup organisierten, im Programm aber den Weltcup der Nordischen Kombination moderierten beziehungsweise kommentierten, ist die neue Linie: Die ARD will keine Journalisten mehr, die auch Veranstaltungen organisieren, die von demselben Weltverband ausgerichtet werden, wie die, über die die Journalisten sonst berichten – in diesem Fall der FIS.

Balkausky: “Darüber wurde im Kreis der Sportchefs diskutiert – und zwar auch im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, weil es uns ja auch darum geht, sie davor zu schützen auch im Sinne der Glaubwürdigkeit, am Ende nicht mehr als glaubwürdig eingestuft zu werden. Ich glaube, das können wir uns als öffentlich-rechtliches System, als ARD bei den Debatten, die wir derzeit haben, überhaupt nicht erlauben, sondern wir wollen klar haben, dass wir glaubwürdig sind. Und insofern müssen wir uns, glaube ich, da auch klar absetzen.”

Ganz klar ist das aber wiederum doch nicht, denn: Andere sogenannte Nebentätigkeiten ihrer immerhin in aller Regel freien Mitarbeiter will die ARD auch künftig akzeptieren. Nicht zuletzt: Moderationen auch im Auftrag der Sportverbände.

So bleibt etwa für die ARD-Offiziellen der Fall Marco Schreyl zunächst auch im Rückblick in Ordnung. Schreyl moderierte für den WDR-Hörfunk auch Fußballsendungen, im vergangenen Jahr aber auch die Gala der Weltfußballer, eine Show der Fifa. Und sagte im WDR auf die Frage, ob er es wieder tun würde:

“…wieder tun – die FIFA-Football-Awards ‘The best’?”

“Ja, ich möchte. Es ist echt toll.”

Oder der Fall Markus Othmar, der für die ARD nicht zuletzt über die deutsche Fußball-Nationalmannschaft berichtet, moderierte die Präsentation des Logos für die Ausrichterstadt München der Euro 2020 – eine Präsentation des Deutschen Fußballbundes.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky betont, alles dürften die Sender ihren freien Mitarbeitern nun mal nicht verbieten – das sei arbeitsrechtlich gar nicht möglich. Die Sportchefs würden aber in einem nächsten Schritt auch noch mal überlegen, wo etwa auch bei Fremd-Moderationen die Glaubwürdigkeit der Sport-Sendungen zu sehr in Frage stehen.

“Das werden wir, glaube ich, schon auch in Zukunft weiter diskutieren. Also das Thema ist noch nicht am Ende. Aber ich glaube, dass wir uns da klar auf etwas zu bewegen, wo wir noch mehr Klarheit schaffen.”

ARD-Sportkoordinator Balkausky ist im Interview kurz vor dem Start der Olympischen Spiele überraschend offen: Er will vor allem schlechtes Gerede vermeiden und reagierte überhaupt nur auf die schlechte Presse im Fall Kindermann/Püschel.

“Wir zweifeln überhaupt nicht an der Glaubwürdigkeit, an der journalistischen Kompetenz oder Arbeit unserer Kollegen Kindermann und Püschel, sondern ich glaube, das hat aber noch mal deutlich gemacht, was das auslösen kann. Und dadurch ist es noch mal allen ins Bewusstsein gekommen, dass wir noch sensibler mit diesen Themen umgehen müssen, als wir es in der Vergangenheit getan haben.”

Erst heute war René Kindermann dann doch wieder unterwegs im ARD-Sport. Bei den Olympischen Spielen sammelte er beim Rodeln Stimmen der Athleten ein. Auch das: Wintersport, trotz der neuen Linie zu Nebentätigkeiten aber offensichtlich möglich. Dahinter steht ein anderer Weltverband als hinter Skilanglauf und Nordischer Kombination. Die neue Grenzlinie für Tätigkeiten neben dem ARD-Sport – sie ist also: hauchdünn.

>> Download MP3 (Quelle: DLF-Sport

Distanz?

Sportmoderatoren organisieren Sport-Event

für NDR Fernsehen

Manuskript des Beitrags
Trotz frühlingshafter Bedingungen: eine Premiere in Dresden. Kunstschnee für den Ski-Weltcup. Spitzensport am Elbufer.
(freistehend: Sportszene)
Ein Zuschauermagnet. Auch die Organisation dahinter: einen Blick wert.
Etwa: René Kindermann – hier auf seiner eigenen VIP-Tribüne. Sonst in anderer Funktion:
„Meine Verehrung. Herzlichen Glückwunsch – was für eine unglaubliche Leistung!“
Kindermann – als Sportreporter der ARD leidenschaftlich an der Piste, vor allem im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks.
Der Reporter Kindermann lobt andere Veranstalter, die ihr Ereignis durchziehen:
(Experte)„Ein Hoch auf die Veranstalter!“
(Kindermann)„Also das muss man – absolut wirklich sagen, unterstreichen. Unglaublich, dass das hier stattfinden konnte!“

Kurz danach wird er selbst zum Veranstalter.
Zusammen mit Torsten Püschel – hier beim Boxen, sonst kommentiert er Wintersport.
René Kindermann und Torsten Püschel – zwei ARD-Sportjournalisten in neuer Rolle – als geschäftsführende Gesellschafter –
Sportveranstalter des FIS Skilanglauf Sprint Weltcups Dresden.

„taz“-Redakteur Jürn Kruse beschäftigt sich seit Jahren mit der Nähe von Sportjournalisten zum Sport.
(Reporter)„Ist denn dieser Wechsel hin zum Sportveranstalter-Sein jetzt so etwas wie eine neue Qualität?”
(Kruse)„Ich finde es zumindest besonders bemerkenswert. Ja. Und ich finde, man muss auch eine gewisse Chuzpe haben, das so durchzuziehen.“

Der MDR berichtet über das Ereignis seiner Mitarbeiter – kommt an der Kunstschnee-Premiere nicht vorbei.
(Moderator)„Weil auf Frau Holle mal wieder kein Verlass war, mussten seit gestern – wir haben darüber berichtet – tausende Kubikmeter Schnee in die Stadt gekarrt werden.“
Und dann: der eigene Reporter als Veranstalter.
(Kindermann)„Wir haben allein durch die Temperaturen in dieser Woche zwischen 500 und 600 Kubikmeter Schnee verloren.“
(Kruse)„Es ist natürlich schwierig, wenn ich auf der einen Seite Journalist bin und auf der anderen Seite eben mit meinem Berichterstattungsgegenstand, was auch der Welt-Ski-Verband ist, Geschäftlich verbandelt bin. Eigentlich müsste ich mich entscheiden für das eine oder das andere.“
Die „Sportschau“ führt Kindermann weiter als Moderator. Aus der ARD-Sportkoordination heißt es: „Ausreichend Distanz“ sei wichtig. Deshalb: „Langlauf-Weltcups werden von anderen Kolleginnen und Kollegen im Wintersportteam betreut.“
Beide seien nur für die Nordische Kombination gebucht. Aber: Beide Weltcups sind Veranstaltungen des Welt-Ski-Verbandes. Die Trennung also: schwierig.
Auch der MDR-Programmdirektor zieht innerhalb des Wintersports die Grenze. Die beiden seien freie Mitarbeiter und bräuchten andere Standbeine. Ein Dilemma.
(Jacobi)„Sicherlich kann man darüber streiten, wo die Trennlinie dann gezogen wird. Aber wie gesagt: Es sind viele Faktoren mit zu berücksichtigen. Und wir haben es jetzt in dem Fall so entschieden. Und man muss schauen, wie es sich weiterentwickelt. Es ist ein Sonderfall. Ich kenne sonst ja auch nichts Vergleichbares. Und in dem Fall hoffe ich, dass wir auch mit der Entscheidung richtigliegen.“
(Kruse)„Ich finde, dass Herr Jacobi da hätte eine andere Grenze ziehen müssen oder zumindest deutlich machen müssen, dass er das auch problematisch findet und dass man eben mit Herrn Kindermann spricht und dass man auch der Öffentlichkeit deutlich macht: Wir hier beim MDR sehen das eigentlich kritischer und müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen.“
Dieses Mal hat das ZDF den Langlauf-Weltcup in Dresden übertragen – nicht die ARD.
(ZDF-Moderator)„Spannende Langlauf-Sprints. Direkt mitten aus Dresden – eine gelungene Premiere.“
Und die Kulisse – perfekt fürs Fernsehen:
(ZDF-Reporter)„Die Frauenkirche drüben auf der anderen Seite – man setzt diese spektakuläre Szenerie gut ins Bild.“
(Reporter)„Das käme ja perspektivisch auf die ARD – wenn wir jetzt über mindestens vier Jahre Dresden reden – auch zu. Was würde da für ein Mechanismus greifen, was müsste man überlegen, was schlagen Sie vor?“
(Jacobi)„Darüber würde ich nachdenken, wenn es so käme. Im Moment ist es spekulativ.“
(Reporter)„Es wäre einfacher für Sie, wenn es nicht dazu kommt.“
(Jacobi – lacht) „Ich habe auch genug andere Themen, mit denen ich mich beschäftigen kann. Es muss nicht zwingend das Thema sein.“

Es könnte aber Thema werden – wenn Kindermann und Partner weitermachen.
Auf ZAPP-Anfragen: keine Antworten. Wir probieren es direkt.
(Reporter) „Zwei Sätze?“
(Kindermann) „Nein!“

Kindermann lässt alles offen. Der Welt-Ski-Verband aber plant schon – bis 2021.

>> Beitrag in der NDR-Mediathek (Quelle: NDR-“Zapp”)

Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter

ARD/MDR-Moderator René Kindermann organisiert nun auch einen Ski-Weltcup. Wie geht “sein” Sender damit um?

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
Es sind Szenen wie diese aus der „Sportschau“, die zeigen, wie René Kindermann tickt. Damals – im März – haben gerade die Kombinierer Johannes Rydzek und Eric Frenzel bei der Weltmeisterschaft im finnischen Lahti Gold im Teamsprint geholt. Kindermann steht zusammen mit Bundestrainer Hermann Weinbuch – und: verbeugt sich – so tief er kann.

„Meine Verehrung!“
„Vielen Dank!“
„Herzlichen Glückwunsch! Was für eine unglaubliche Leistung auch heute wieder!“

Bei allzu begeisterten Sportjournalisten sprechen Kritiker gerne von Fans, die es hinter die Absperrungen geschafft haben. Bei René Kindermann lässt sich ergänzen: Er baut diese Absperrungen nun sogar selbst auf.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Torsten Püschel hat René Kindermann in Dresden die CitySki GmbH gegründet – Ziel: der Skilanglauf Sprint Weltcup – erstmals in Dresden, vor „spektakulärer Kulisse“, wie es heißt.

Auszug „Trailer“

Ein Werbefilm lässt dann auch Bildstärke erwarten: Langläufer entlang des Elb-Ufers, die Dresdner Altstadt im Blick. Dem Publikum dürfte das gefallen. Gut wiederum für den Sport.

Warum aber wird der Sportjournalist zum Sportveranstalter? Wird er damit nicht Teil der Szene, die er sonst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentiert? Wo will er da persönlich Grenzen ziehen? Und: Wie laufen die Vorbereitungen?

Kindermann sagt am Telefon ab – freundlich, aber bestimmt. Nur ein einziger Satz offiziell von ihm, schriftlich abgestimmt:

„Die Stadt ist der Star, wir halten uns persönlich mit Auftritten zurück.“

Eine Sprecherin des Organisationsteams sagt sogar ein bereits vereinbartes Interview mit dem Deutschlandfunk wieder ab – auch, wenn es ausdrücklich nur um die Vorbereitungen geht.

Immerhin per E-Mail verbreitet sie Euphorie: Die Dresdner seien ebenso begeistert wie die Spitzensportler. Außerdem gebe es „sachsenweit große Unterstützung“. Beim Weltverband kämen Nachhaltigkeitskonzept und Schülerprojekte gut an.

„Aus unserer Sicht sind alle Hürden aus dem Weg geschafft und der Weg ist frei für die Premiere.“

300.000 Euro schießen sowohl die Landesregierung als auch die Stadt Dresden zu – Gegenleistung für den Werbeeffekt, den so ein Ereignis in der sächsischen Landeshauptstadt bringe, so die Weltcup-Sprecherin in Ihrer E-Mail. Ansonsten finanziere sich das Projekt ganz klassisch: über Tickets und Sponsoren.

Um die kümmert sich wiederum einer, der sich mit der Nähe zum Sport-Business auskennt wie kaum ein zweiter: Hagen Boßdorf – einst Sportkoordinator der ARD mit extremer Nähe zum Radsport, heute als Vermarkter und Berater tätig.

Boßdorf ist – zusammen mit Kindermann – Ansprechpartner für „Sponsorenpakete“. Der Weltcup lockt dafür so:

„Durch die Einbettung des Skiweltcup Dresden in die Wintersport-Übertragungen von ARD oder ZDF sowie Eurosport erreichen Sie ein Millionen-Publikum.“

Wie geht der Mitteldeutsche Rundfunk mit dieser Entwicklung um – wie will er René Kindermann, den Sportveranstalter, weiter als Sportjournalisten einsetzen? Immerhin präsentiert er nicht nur die Nordische Kombination in der ARD-„Sportschau“, sondern moderiert etwa auch den „Sport im Osten“ im MDR.

Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi erklärt, er sei früh eingeweiht worden – so, wie der MDR das von seinen Mitarbeitern erwarte, die zwar einerseits freie Mitarbeiter seien, andererseits aber auch das Programm prägten. Es gebe „keine Verbindung zum MDR“. Der MDR-Sport werde nur nachrichtlich berichten. Das Ereignis zeige eh’ das ZDF. Jacobi schriftlich:

„Ich sehe keinen Grund, René Kindermann oder Torsten Püschel von anderen Projekten abzuziehen. Sie organisieren ja nicht den eigentlichen Wettkampf. Das macht der Deutsche Skiverband. Die Beiden kümmern sich um die Rahmenbedingungen: Genehmigungen, Schnee, Sicherheit. Sie machen nur einen Orga-Job.“

So sieht es jedenfalls der Programmdirektor. Sein Moderator René Kindermann – laut Jacobi „einer der bekanntesten des MDR“ – muss sich derweil mit Lärmgutachten herumschlagen. Und mit Kunstschnee beschäftigen. Kindermann hat sich Schneemaschinen liefern lassen. Denn: Wer weiß schon, ob Mitte Januar genug herunterrieselt – wenn in Dresden vor dem Elbpanorama die Langläufer sprinten werden. Zum ersten Mal.

Original-Antwort: MDR-Programmdirektor Wolf Dieter Jacobi
“René Kindermann und Torsten Püschel haben uns früh eingeweiht — so, wie wir das von unseren Mitarbeitern erwarten, die zwar einerseits freie Mitarbeiter sind, aber andererseits auch unser Programm prägen. Wir haben sie darauf hingewiesen, dass sie nicht im Namen des MDR agieren können. Ich sehe bei diesem Projekt kein Problem: Es gibt keine Verbindung zum MDR. Die Beiden werben auch nicht damit, dass sie MDR-Mitarbeiter sind. Es sind allenfalls Zeitungen, die in ihren Berichten erwähnen, dass Kindermann und Püschel auch für den MDR arbeiten — verständlich, denn René Kindermann ist zum Beispiel einer der bekanntesten Moderatoren des MDR.”

“Das Landesfunkhaus Sachsen wird sicher darüber berichten, da es ein Großereignis in Dresden ist. Der MDR-Sport wird allenfalls nachrichtlich aktiv, denn Winter-Großereignisse laufen bei ARD und ZDF. Den Skiweltcup in Dresden wird zudem das ZDF übertragen. Die beiden haben also in unseren Programmen nichts mit ihrem Projekt zu tun. Die Federführung für Skilanglauf hat ohnehin der Bayerische Rundfunk in der ARD. Ich sehe keinen Grund, René Kindermann oder Torsten Püschel von anderen Projekten abzuziehen. Sie organisieren ja nicht den eigentlichen Wettkampf. Das macht der Deutsche Skiverband. Die Beiden kümmern sich um die Rahmenbedingungen: Genehmigungen, Schnee, Sicherheit. Sie machen nur einen Orga-Job.”

>> Download MP3 (Quelle: DLF-Sport)

Helene Fischer beim Pokalfinale: Was war da los?

Über die Machtverhältnisse bei Sportübertragungen

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“ZAPP”)

Legitim?

Die Nebenjobs von ARD & ZDF-Sportmoderatoren

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

IOC startet Online-TV-Kanal

Heute Nacht soll es soweit sein: Der Olympic Channel geht an den Start, der neue Hauskanal des IOC. 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr Olympia. Das Ziel: die Zuschauer auch zwischen den Spielen binden

für Deutschlandfunk

Manuskript des Beitrags
Auszug „Olympic Channel-Promo“

Athleten und ihre Emotionen – das und auch nur das sind für das Internationale Olympische Komitee Olympische Spiele. Der Werbeclip für den „Olympic Channel“ ist dann auch voll davon.

Auszug „Olympic Channel-Promo“

„Weil 17 Tage nicht genug sind“ – das ist das Motto des neuen Kanals. Olympia soll einfach immer und überall sein. Das erklärte jüngst auch IOC-Präsident Thomas Bach:

„Hauptziel des olympischen Kanals ist es, verbunden zu bleiben – mit den olympischen Fans und allen anderen, die das interessiert – und das auch in der Zeit zwischen den Olympischen Spielen. Wenn die Abschlusszeremonie vorbei ist, wird der Kanal fertig sein zum Download.“

Ein Kanal zum Download – was Bach hier etwas ungelenk ausdrückt, heißt nichts anderes als: Sein Olympic Channel sendet erst mal nur im Internet, nicht auf dem Satelliten oder im Kabelnetz. Sportfans müssen also via Internet-Browser – auf olympicchannel.com – einem Stream anwählen oder eben den Kanal „downloaden“, als App für das Smartphone oder den Tablet-Computer.

Dann kann ihn jeder sehen: Den gewaltigen Bilderteppich, den das IOC weltweit ausrollt – und das rund um die Uhr. Der Kanal will Wiederholungen einzelner Wettkämpfe zeigen, dazu Interviews mit Athleten. Sogar olympische Nachrichten und Shows sind geplant. Der „Olympic Channel“ soll außerdem die olympischen Sportarten erklären, in kompakten Videos, die sich leicht in sozialen Netzwerken teilen lassen. Nur eines soll er nicht sein – erklärt IOC-Präsident Bach:

„Dieser Kanal ist keine Konkurrenz zu den Olympischen Sendungen der Rechteinhaber. Aber es hilft ihnen, denn der olympische Sport wird mit seinen Athleten vier Jahre lang präsent sein. Auf diese Bekanntheit werden sie dann aufbauen können.“

Das IOC will den perfekten Kreislauf: Es baut neue Stars auf, hilft vor allem Nischensportarten zu neuer Aufmerksamkeit. Rechteinhaber – hierzulande bisher ARD und ZDF, künftig Discovery mit Eurosport – übernehmen dann für viel Geld, um 17 Tage lang das größte Sportspektakel der Welt zu zeigen – und geben dann wieder ab an den Olympischen Kanal. Der wiederum soll am Ende auch Geld verdienen, das ist das erklärte Ziel. Mit opulentem Sponsoring ist zu rechnen, einer perfekten Bühne für die Finanziers der Spiele.

Thomas Horky war selbst Sportjournalist, heute lehrt er an der Hamburger Macromedia Hochschule Sportjournalismus. Auf dem „Olympic Channel“ erwartet er nur die schönen Seiten der Medaillen. Die hässliche Seite des Spitzensports – also Doping, korrupte Funktionäre und die teils miesen Arbeitsbedingungen auf olympischen Baustellen – sie dürften kaum Platz finden.

„Natürlich kann man sich vorstellen, dass das Thema Doping ansatzweise positiv thematisiert wird durch Anzahl der Doping-Kontrollen in bestimmten Ländern, durch Maßnahmen, die das IOC macht. Aber das wird doch eher ein Verlautbarungskanal des IOC sein.“

Der „Olympic Channel“ werde letztlich den Sport in all seiner Faszination transportieren, sagt Horky – so wie das die Haus-Sender vieler Fußballvereine, von Bayern München bis zum HSV, auch schon täten. Journalistisch erwartet der Sportjournalisten-Ausbilder deshalb nicht viel. Der „Olympic Channel“ könnte aber dennoch ein Gewinn sein – weil er konsequent auf Smartphones und soziale Netzwerke setze.

„Man kann sich also vorstellen, dass dort der Versuch gestartet wird, die Jugend an olympische Sportarten heranzuführen und dann vielleicht auch langfristig zu binden, was über traditionelles Fernsehen ja kaum noch möglich ist. Wenn man sich den Altersdurchschnitt von ARD und ZDF anschaut, dann ist der extrem hoch – über 60 Jahre. Und das ist eine große Chance natürlich, über so eine App oder einen Online-Kanal ein Publikum zu binden, was man sonst schon verloren hat.“

Dem Olympic Channel, sagt Horky, solle man deshalb nicht allzu missmutig entgegensehen. Er gibt dem neuen Hauskanal des IOC jedenfalls eine Chance – auch wenn hier vor allem olympische Folklore zu erwarten ist.

Auszug „Olympic Channel-Promo“

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Sport am Wochenende”)